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An jedem Abend im späten Frühling, wenn das Licht über Zypern golden wird und die Luft langsam abkühlt, erfüllt ein Laut den Himmel, der einen sofort stehen bleiben lässt. Ein wildes, durchdringendes Schreien – nicht von einem Vogel, sondern von zehn, zwanzig, fünfzig – das zwischen Kirchtürmen und alten Steinmauern von Dorf zu Dorf hin- und herschneidet. Wer es einmal gehört hat, vergisst es nicht mehr. Und wenn man genau hinschaut, merkt man vielleicht: Nicht alle diese dunklen, bumerangflügeligen Formen über unseren Köpfen gehören überhaupt zur selben Art.

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Auf Zypern wurden vier Seglerarten nachgewiesen. Gemeinsam bilden sie ein lebendiges Mosaik am Himmel der Insel – jede von ihnen erzählt ein anderes Kapitel derselben außergewöhnlichen Geschichte.

Was ist ein Segler?

Segler gehören zur Familie der Apodidae in der Ordnung der Apodiformes – ihre nächsten heute lebenden Verwandten sind weder Schwalben noch Mehlschwalben, sondern Kolibris. Der Familienname Apodidae leitet sich vom griechischen ἄπους (ápous) ab und bedeutet “fußlos” – ein Hinweis auf die kleinen, schwachen Beine dieser wohl luftigsten aller Vögel. Die alten Griechen glaubten tatsächlich, Segler hätten gar keine Füße. Ganz falsch lagen sie damit nicht. Die Beine der Segler sind so stark zurückgebildet, dass man sie im Flug kaum sieht. Sie dienen fast nur dazu, sich an senkrechten Flächen festzuklammern. Diese Vorstellung von fußlosen Seglern hielt sich bis ins Mittelalter und zeigt sich auch in der heraldischen Martlet-Darstellung.

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Das Erstaunliche an Seglern ist nicht ihr Aussehen, sondern ihre Lebensweise. Kaum ein anderes geflügeltes Tier ist so vollständig an das Leben in der Luft angepasst. Sie fressen in der Luft, trinken in der Luft, paaren sich in der Luft und schlafen sogar dort. Manche Arten können bis zu zehn Monate verbringen, ohne den Boden zu berühren.

Aus dem Mythos geboren – ein Name aus dem antiken Griechenland

Auf Zypern gab die Volksüberlieferung den Seglern den Namen σταχτάρα, abgeleitet von στάχτη (Asche), was sich auf das aschbraune Gefieder der Vögel bezieht. Ihre Ankunft Ende Februar und im März fällt mit den letzten Regenfällen der Saison zusammen, und wenn sie bis zum Hochsommer wieder verschwinden, beginnt die lange trockene Stille. Für Generationen zyprischer Bauern war ein Himmel voller schreiender Segler ein Zeichen dafür, dass sich das Wetter änderte. Es war eine lebendige Wettervorhersage direkt über ihren Köpfen.

Die vier Segler Zyperns

Zypern liegt an einer der wichtigsten Vogelzugrouten des östlichen Mittelmeers und ist damit ein Knotenpunkt für mehrere Seglerarten. Für die Insel sind vier Arten nachgewiesen: Alpensegler, Mauersegler, Fahlsegler und Haussegler. Jede hat ihren eigenen Platz am Himmel der Insel – als Brutvogel, Sommergast, Durchzügler oder seltener Irrgast.

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Der Mauersegler – Apus apus Μαυροσταχτάρα

Der Mauersegler ist die Art, die die meisten Menschen auf Zypern am besten kennen – auch wenn ihnen der Name vielleicht nichts sagt. Er ist es, der im Mai und Juni über den Dächern schreit, in den Mauern von Dorfkirchen nistet, unter den Terrakottaziegeln alter Häuser lebt und die Abendluft mit seinen schrillen Rufen erfüllt.

Mauersegler treffen auf Zypern ab Ende Februar ein und gehören zugleich zu den ersten Zugvögeln, die sich wieder auf den Weg nach Afrika machen – teils schon im Juli. Sie brüten ausschließlich in Städten und Dörfern, unter Dachziegeln oder in Spalten und Hohlräumen von Gebäuden. Fressen, trinken, schlafen und paaren – all das geschieht in der Luft. Außerdem zählt der Mauersegler zu den schnellsten Vögeln der Welt.

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Mauersegler werden 16-17 cm lang und erreichen eine Flügelspannweite von 38-40 cm. Ihr Gefieder ist fast vollständig schwarzbraun, nur am Kinn befindet sich ein kleiner weißer oder blassgrauer Fleck, der aus der Entfernung kaum zu erkennen ist. Dazu kommen ein kurzer gegabelter Schwanz und sehr lange, nach hinten gebogene Flügel, die an eine Sichel oder einen Bumerang erinnern.

Ihr Ruf ist ein lauter Schrei in zwei verschiedenen Tonlagen. An Sommerabenden bilden sie oft sogenannte “screaming parties”, wenn 10 bis 20 Segler im Flug über ihrem Brutplatz kreisen, rufen und Antworten von den brütenden Vögeln erhalten. Ihre maximale Fluggeschwindigkeit liegt bei 111,6 km/h. Manche Individuen landen zehn Monate lang nicht. Kein anderer Vogel verbringt so viel seines Lebens im Flug.

Der Fahlsegler – Apus pallidus Ωχροσταχτάρα

Der Fahlsegler ist ganz und gar ein Vogel des Mittelmeerraums – wärmeliebend, später aufbrechend und viel stärker mit felsigen Küsten und sonnengebackenen Klippen Südeuropas verbunden als sein dunklerer Verwandter. Er brütet an Felsen, in Höhlen und immer häufiger auch an Gebäuden in Dörfern und Städten. Während der Brutzeit ist er in den Mittelmeerländern weit verbreitet.

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Auf den ersten Blick sind Fahlsegler und Mauersegler fast nicht auseinanderzuhalten. Selbst erfahrene Vogelbeobachter zögern manchmal. Mit einer Körperlänge von 16-17 cm ist der Fahlsegler dem Mauersegler sehr ähnlich. Wer genau hinsieht, erkennt aber oft seinen etwas kräftigeren Körperbau und das bräunlichere Gefieder. Auffällig ist auch der weiße Kehlfleck, der oft schon von Weitem sichtbar ist, und der Bauch wirkt etwas schuppiger.

Der eigentliche Unterschied zeigt sich im Jahreslauf. Anders als der Mauersegler zieht der Fahlsegler zweimal pro Jahr Junge groß. Er kommt im Frühjahr früher an und bleibt bis weit in den Herbst hinein – ein echter Vogel des Mittelmeers, ohne Eile, geprägt von derselben warmen Luft und denselben langen Abenden wie die Insel selbst. Auf Zypern sieht man ihn im Frühjahrszug oft zusammen mit Mauerseglern, und beide Arten können sogar im selben Gebäude nisten, ohne dass die Bewohner jemals eine von ihnen bewusst bemerken.

Der Alpensegler – Tachymarptis melba Βουνοσταχτάρα

Wenn schon der Mauersegler beeindruckt, dann ist der Alpensegler wirklich atemberaubend. Er ist etwa doppelt so groß und erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 57 cm – eher wie ein kleiner Falke als wie ein Segler, und doch genauso meisterhaft in der Luft.

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Alpensegler lassen sich durch ihre Größe sowie den weißen Bauch und die weiße Kehle gut von Mauerseglern unterscheiden. Mit 20 bis 23 cm Körperlänge sind sie ungefähr doppelt so groß wie die meisten anderen Segler in ihrem Verbreitungsgebiet. Ihr Gefieder ist überwiegend dunkelbraun, dazu kommt ein dunkles Halsband, das die weiße Kehle vom weißen Bauch trennt. Von unten wirkt ein Trupp Alpensegler wie helle, kreisende Flächen am Himmel – oben braun, unten auffallend weiß.

Alpensegler brüten in Gebirgen vom südlichen Europa bis zum Himalaya. Wie Mauersegler sind sie ausgeprägte Zugvögel und überwintern weit südlich im südlichen Afrika. Während des Zugs streifen sie weit umher und werden regelmäßig in großen Teilen Südeuropas und Asiens beobachtet.

Auf Zypern ist der Alpensegler ein Durchzügler – ein Besucher auf dem langen Weg zwischen Afrika und den Gebirgen Europas. Am häufigsten erscheint er im Frühling und Herbst, manchmal in kleinen Trupps, manchmal als einzelner Vogel über den Gipfeln des Troodos-Gebirges oder den Küstenklippen von Akamas. Wer ihn zum ersten Mal sieht, erlebt als Vogelbeobachter einen echten besonderen Moment. Etwas ganz Vergleichbares gibt es kaum.

Der Haussegler – Apus affinis Μικροσταχτάρα

Der Haussegler ist die Überraschung der Gruppe – klein, kompakt und ausgesprochen charmant. Diese kleine Seglerart kommt in Afrika und Südwestasien vor und ist in Südeuropa ein Irrgast und örtlicher Brutvogel. Er gehört in die warmen Breiten und fühlt sich eher über den Dächern des Nahen Ostens und des subsaharischen Afrikas zu Hause als am gemäßigten Himmel Europas.

Mit nur 33 cm Flügelspannweite steht er in deutlichem Kontrast zu den 42 cm des Mauerseglers. Besonders auffällig sind der breite weiße Bürzelfleck und der quadratische Schwanz – dadurch unterscheidet sich seine Silhouette deutlich von der seiner Verwandten, wenn man einmal weiß, worauf man achten muss. Das Gefieder ist überwiegend schwarz, dazu kommen eine markante weiße Kehle und ein weißer Bürzelfleck, der bis an die Flanken reicht. Der Schwanz ist kurz und gerade abgeschnitten.

Auf Zypern ist der Haussegler ein seltener und spannender Gast – eine Art am äußersten Rand ihres europäischen Verbreitungsgebiets, die gelegentlich als Durchzügler oder Irrgast auftaucht. Jede Beobachtung wird mit großem Interesse registriert. Seine Anwesenheit zeigt, wie besonders die Lage Zyperns als Brücke zwischen Europa sowie Afrika und Asien ist – nur 100 km von der levantinischen Küste entfernt, wo Haussegler in Kolonien an Felswänden und antiken Ruinen brüten.

Spannende Fakten zum Weitererzählen

  • Ein Mauersegler kann in einem einzigen Jahr mindestens 200.000 km zurücklegen und im Laufe seines Lebens etwa zwei Millionen Kilometer.
  • Die nächsten heute lebenden Verwandten aller Segler sind Kolibris – eine Tatsache, die fast jeden überrascht.
  • Segler bilden Paare, die oft über Jahre zusammenbleiben, und kehren häufig Jahr für Jahr zum selben Nistplatz und zum selben Partner zurück.
  • Junge Segler im Nest können einige Tage ohne Futter überleben, indem sie ihre Körpertemperatur und ihren Stoffwechsel senken und in eine Starre verfallen.
  • Der Fahlsegler kann in einer Brutsaison zwei Bruten aufziehen – etwas, wofür dem Mauersegler in seiner Eile, nach Afrika aufzubrechen, nie die Zeit bleibt.
  • Obwohl sie fast gleich aussehen, unterscheiden sich die Rufe von Mauersegler und Fahlsegler – der Schrei des Fahlseglers klingt etwas tiefer und endet manchmal mit einem leichten, schluckaufartigen Abfallen der Tonhöhe.
  • Alpensegler haben sich gut an städtische Bedingungen angepasst und brüten häufig in alten Gebäuden in Städten rund um das Mittelmeer. Manche Kolonien nutzen dasselbe Gebäude seit Jahrzehnten.

Ein Nest aus Luft und Speichel

Segler bauen ihre Nester aus Material, das in der Luft treibt und im Flug gesammelt wird. Zusammengehalten wird es mit Speichel, und gebaut wird in passenden Hohlräumen an Gebäuden – etwa unter Dachziegeln, in Spalten unter Fensterbänken und besonders häufig unter Dachvorsprüngen oder in Giebeln. Der größere Alpensegler bevorzugt eher Felsvorsprünge und hohe Fassaden alter Steinbauten und Festungen – Orte, die den Felswänden seines ursprünglichen Lebensraums nicht unähnlich sind.

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Alle vier Arten verbindet ein entscheidendes Merkmal: In einem modernen Gebäude sind sie praktisch unsichtbar, weil sie dort keinen Platz finden. Neue Bauweise, versiegelte Fassaden und sanierte Dächer lassen keine Öffnungen mehr, durch die ein Segler schlüpfen könnte. Auf Zypern verschwinden – wie in weiten Teilen des Mittelmeerraums – die alten Gebäude, auf die Segler angewiesen sind, nach und nach.

Warum das heute wichtig ist – eine Vogelgruppe unter Druck

Trotz ihrer uralten Präsenz gehen die Bestände der Segler in Europa still und leise zurück. Die größten Bedrohungen sind der Verlust von Nistmöglichkeiten durch Gebäudesanierungen und der Rückgang fliegender Insekten infolge des Pestizideinsatzes. Für Zypern wird der aktuelle Bestand des Mauerseglers auf 15.000 bis 60.000 Paare geschätzt – doch auch das ist bereits weniger als früher. Seit 2006 soll die Population um 25 bis 75 % zurückgegangen sein.

Als Reaktion darauf startete BirdLife Cyprus ein Segler-Projekt. Dabei wurden Nistkästen an Gebäuden der Gemeinde Aradippou und an Grundschulen angebracht, später kamen weitere Nistplätze an Cyta-Gebäuden in Nikosia, Larnaka und Limassol hinzu. Etwas so Einfaches wie ein kleiner Holzkasten mit einem Loch kann eine ganze Kolonie in ein Dorf zurückbringen, in dem es jahrelang still geworden war.

Auch Fahlsegler, Alpensegler und Haussegler haben mit eigenen Problemen zu kämpfen – Lebensraumverlust entlang ihrer Zugrouten, weniger Insekten und die fortschreitende Zerstörung von Küstenklippen und antiken Ruinen, die ihnen seit Jahrtausenden als Nistplätze dienen.

Wo und wann man alle vier erleben kann

Man braucht weder ein Fernglas noch einen Waldweg. Es reicht ein warmer Abend und eine Altstadt.

Mauersegler und Fahlsegler sieht man am besten von Ende Februar bis September, wenn sie in gemischten Trupps über der ummauerten Altstadt von Nikosia, den Häfen von Larnaka und Limassol sowie den Steindörfern am Rand des Troodos-Gebirges kreisen und schreien. Am schönsten ist es in der Dämmerung, wenn die “screaming parties” ihren Höhepunkt erreichen.

Der Alpensegler zieht im Frühling (März bis Mai) und noch einmal im Herbst durch, manchmal bleibt er einige Tage in der Nähe von Küstenklippen oder in Bergregionen. Achten Sie auf seine größere Gestalt, die langsameren Flügelschläge und den unverwechselbaren weißen Bauch.

Der Haussegler ist eine Seltenheit – doch Vogelbeobachter auf Zypern prüfen ihre Seglertrupps sehr genau, denn eine Sichtung ist immer möglich. Erkennbar ist er am quadratischen Schwanz und am auffälligen weißen Bürzel vor dem dunklen Körper.

Alle vier Arten wurden bereits auf iNaturalist Cyprus erfasst. Wenn Sie einen Segler sehen, fotografieren Sie ihn und laden Sie Ihre Beobachtung hoch – jeder Eintrag zählt.

Eine schreiende Stille, die wir nicht zulassen sollten

Die Segler Zyperns sind keine seltenen Kuriositäten. Sie gehören zum Klang des Sommers auf der Insel – genauso wie Zikaden, Kirchenglocken und der Geruch trockener Erde. Doch gerade das Alltägliche kann still verschwinden. Und wie groß der Verlust ist, merkt man oft erst dann wirklich, wenn der Himmel verstummt.

In einem zyprischen Dorf in der Dämmerung zu stehen und die Segler über sich schreien zu hören, verbindet einen mit etwas Uraltem – mit den Griechen, die sie beobachteten und “fußlos” nannten, mit den Bauern, die ihre Ankunft als Zeichen für Regen verstanden, mit jedem Sommer, den die Insel je erlebt hat. Vier Arten, vier Kapitel einer Geschichte – und Zypern hat sie alle.

Mehr zum Schutz der Segler auf Zypern finden Sie bei BirdLife Cyprus unter https://birdlifecyprus.org und beim dortigen Swift Project. Unterstützen lassen sich Seglerbestände durch Nistkästen an alten und neuen Gebäuden – BirdLife Cyprus gibt dazu gern weitere Hinweise.

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