Ein winziger Nachtakrobat
An warmen Frühlingsabenden auf Zypern steigt an Teichen, Bächen und in Schilfgebieten oft ein feiner Froschchor auf. Zwischen Blättern und Zweigen verborgen ruft dort ein kleiner grüner Frosch nach einem Partner.

Gemeint ist der Zitronenlaubfrosch, Hyla savignyi – eine der charmantesten Amphibienarten der Insel und zugleich der einzige Laubfrosch, der auf Zypern vorkommt.
Der Frosch, der auf Bäume klettert
Die meisten denken bei Fröschen an Tiere, die am Boden oder im Wasser leben. Laubfrösche ticken jedoch anders. Der Zitronenlaubfrosch gehört zur Familie der Laubfrösche, die für ihr Klettertalent bekannt ist. Mit winzigen Haftpolstern an Fingern und Zehen können sie mühelos an Schilf, Sträuchern, Mauern und sogar an glatten Blättern festhalten. Diese natürlichen “Saugnäpfe” machen sie zu erstaunlich geschickten Kletterern.

Auf Zypern teilt sich diese Art die Insel nur mit zwei weiteren einheimischen Amphibien: dem Zypern-Wasserfrosch und der Zypern-Wechselkröte. Von allen dreien ist der Zitronenlaubfrosch ohne Zweifel der wendigste Kletterer.
Ein uralter Reisender im östlichen Mittelmeer
Die Geschichte dieses Frosches reicht Millionen Jahre zurück. Genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Vorfahren der zyprischen Laubfrösche im Pleistozän, also vor etwa einer Million Jahren, von den nahen Küsten Anatoliens und der Levante auf die Insel gelangten. Zypern war damals bereits vom Festland durch das Meer getrennt. Daher erreichte die Art die Insel vermutlich durch bemerkenswerte Ausbreitungsereignisse über das Meer hinweg oder möglicherweise mit früher menschlicher Hilfe.

Heute markiert Zypern den westlichsten Rand des natürlichen Verbreitungsgebiets dieser Art. Außerhalb der Insel kommt Hyla savignyi in weiten Teilen des Nahen Ostens vor – von der Südosttürkei bis nach Iran und in den Kaukasus.
Klein, grün und leicht zu übersehen
Der Zitronenlaubfrosch ist eine kleine Art und wird meist nicht länger als 4 bis 4,5 Zentimeter. Seine Haut ist glatt und leuchtend grün, wodurch er in der umgebenden Vegetation perfekt verschwindet. Vom Maul zieht sich ein dunkler Streifen entlang der Körperseite, eingefasst von einer feinen weißen Linie. Das verleiht ihm ein markantes, fast maskenartiges Aussehen.

Trotz seiner auffälligen Farbe ist er überraschend schwer zu entdecken. Tagsüber sitzt er oft reglos zwischen den Blättern und verlässt sich ganz auf seine Tarnung. Erst nachts wird er aktiv, jagt Insekten und bewegt sich mit erstaunlicher Leichtigkeit durch Schilf und Gebüsch.
Spannende Fakten über den Zitronenlaubfrosch
- Im Unterschied zu vielen anderen Fröschen verbringt er einen großen Teil seines Lebens fern vom Wasser und kehrt nur zur Fortpflanzung an Teiche und Feuchtgebiete zurück.
- Weibchen können während der Fortpflanzungszeit zwischen 200 und 2.000 Eier ablegen.
- Die Kaulquappen ernähren sich vor allem von Algen und Pflanzenmaterial, bevor sie sich bis zum späten Frühjahr in winzige Fröschchen verwandeln.
- Der laute Abendchor an Feuchtgebieten stammt fast ausschließlich von Männchen, die Weibchen anlocken wollen.
- Obwohl er “Zitronenlaubfrosch” heißt, sind die meisten Tiere leuchtend grün und nicht gelb. Der Name bezieht sich auf gelbliche Töne, die manchmal am Körper zu sehen sind.
Leben zwischen Schilf und Feuchtgebieten
Die Art bevorzugt Gebiete mit mittelhoher Vegetation in der Nähe von Bächen, Teichen, Sümpfen und Stauseen. Besonders häufig ist sie in Schilfbeständen und Büschen rund um Süßwasserlebensräume zu finden. Erwachsene Tiere fressen viele verschiedene kleine Wirbellose und helfen so, Insektenbestände in Schach zu halten.

Im Winter verstecken sich die Frösche an Land in Erdbauen, Spalten und anderen geschützten Unterschlüpfen. Steigen im Frühjahr die Temperaturen, kommen sie wieder hervor und sammeln sich zur Fortpflanzung am Wasser.
Warum er heute wichtig ist
Der Zitronenlaubfrosch ist auf Zypern nach wie vor häufig und kommt vom Meeresspiegel bis in Höhen von etwa 1.600 Metern vor. Trotzdem ist er – wie viele Amphibien weltweit – auf gesunde Feuchtgebiete und saubere Süßwasserlebensräume angewiesen. Der Verlust von Teichen, die Entwässerung von Feuchtgebieten und lang anhaltende Dürren können lokale Bestände gefährden.
Die Art steht sowohl nach europäischem als auch nach zyprischem Recht streng unter Schutz – ein Zeichen dafür, wie wichtig sie für die biologische Vielfalt der Insel ist.
Wo man ihn auf Zypern sehen kann
Geduldige Naturfreunde können dem Zitronenlaubfrosch fast überall auf der Insel begegnen, wo es Süßwasser und Vegetation gibt. Gute Orte dafür sind Feuchtgebietsreservate, Bachtäler, landwirtschaftliche Teiche und Sümpfe. Besonders bekannt für ihre Fortpflanzungsbestände sind Gebiete wie der Akrotiri-Sumpf.

Am besten findet man ihn nach Sonnenuntergang im Frühjahr. Meist hört man ihn schon lange, bevor man ihn entdeckt. Wer den Rufen vorsichtig durch das Schilf folgt, wird manchmal mit dem schönen Anblick eines winzigen grünen Frosches belohnt, der knapp über dem Wasser an einem Halm hängt.
Eine kleine Stimme der Feuchtgebiete Zyperns
Der Zitronenlaubfrosch ist klein genug, um in eine Handfläche zu passen, doch seine Stimme trägt weit über Teiche und Sümpfe der ganzen Insel. Er erinnert daran, dass man manche der faszinierendsten Wildtiere Zyperns nicht auf Berggipfeln oder in tiefen Wäldern findet, sondern verborgen im Schilf an einem stillen Wasser. Seinem Abendchor zu lauschen gehört zu den einfachsten und zugleich eindrucksvollsten Möglichkeiten, das lebendige Naturerbe Zyperns zu erleben.