5 Minuten Lesezeit Auf der Karte ansehen

Versteckt in den Hügeln bei Protaras liegt die Höhle der 40 Märtyrer, eine kleine Kapelle, die in den Kalkstein gehauen wurde. Hier treffen alte Glaubenstradition, Geologie und jahrhundertelange Verehrung in einem schlichten, stillen Raum aufeinander.

blogspot-com

Die Höhlenkirche, vor Ort als Ayioi Saranta bekannt, liegt in einer natürlichen Kalksteinformation am Fanou-Hügel. Der Name bedeutet Vierzig Heilige und verweist direkt auf die 40 Märtyrer von Sebaste. Prunk sucht man hier vergeblich. Es ist eine schlichte Höhle mit weißer Außenwand, blauer Tür und einem steinernen Kuppelaufsatz darüber. Innen tragen rohe Felswände ein paar Ikonen und Kerzen. Der Boden ist gepflastert, ansonsten blieb die Höhle weitgehend so, wie die Natur sie geformt hat.

Die Geschichte der 40 Märtyrer

Die Widmung dieser Höhle führt über 1.700 Jahre zurück. Im Jahr 320 verweigerten vierzig römische Soldaten der Legio XII Fulminata während der Verfolgungen unter Kaiser Licinius I. den Abfall vom Christentum. Sie waren nahe Sebaste im heutigen Türkei-Gebiet stationiert. Ihre Strafe war grausam. Laut Bischof Basilius von Cäsarea, der die Ereignisse im 4. Jahrhundert aufzeichnete, wurden die Männer nackt auf einen zugefrorenen See getrieben, um in einer Winternacht zu erfrieren.

earlychristians-org

Einer gab der Kälte nach und rannte zu den warmen Bädern am Ufer, starb jedoch beim Eintreten ins Wasser. Ein Wachmann namens Aglaios sah ein übernatürliches Licht, das die übrigen Männer umgab. Er bekannte sich zum Christentum, legte seine Kleidung ab und schloss sich ihnen an. So waren es wieder vierzig. Am Morgen waren die Soldaten erfroren. Ihre Körper wurden verbrannt und die Asche in einen Fluss gestreut, doch Christen sammelten Reliquien, die in Kirchen der byzantinischen Welt verteilt wurden.

Was diese Höhlenkirche besonders macht

Diese Höhle unterscheidet sich von den meisten Kirchen auf Zypern. Es gibt keinen Priester vor Ort, keine reich verzierte Ikonostase und keine genauen Aufzeichnungen darüber, wann sie entstand oder wer sie errichtete. Das Innere ist schlicht. Ein einfacher Altar lehnt sich an den Fels, einige Ikonen stehen in natürlichen Nischen der Felswände. Die blaue Eingangstür bleibt unverschlossen, Besucher können jederzeit hineingehen.

protaras-eu

Über der Höhle ragt ein kleines weißes Kuppeldach aus dem Hang und deckt eine Öffnung in der Höhlendecke ab. Diese Kuppel dient zugleich als Wegweiser aus der Ferne. Durch die Öffnung fällt Tageslicht und schafft eine ruhige Atmosphäre, die zum Innehalten einlädt.

Interessante Fakten zur Höhle

Einer Überlieferung nach hängen in der Decke vierzig Stalaktiten. Diese natürlichen Gebilde sollen die vierzig Märtyrer symbolisieren und könnten erklären, warum gerade diese Höhle für die Widmung gewählt wurde.

Selbst viele Einheimische kennen den Ort nicht. Ohne genaue Wegbeschreibung ist er schwer zu finden, denn abseits der Hauptstraßen fehlen Hinweisschilder. Die Anfahrt führt über schmale, unbefestigte Wege, zuletzt über einen groben Schotterpfad, der an einer hölzernen Treppe endet.

Der Gedenktag der Vierzig Märtyrer ist der 9. März. Dann machen sich Gläubige auf den Weg, um ihrer zu gedenken.

tripadvisor-com

Wie die Höhle geologisch entstand

Die Höhle liegt in einer Kalksteinformation, wie sie für die Küstenregionen um Protaras und Agia Napa typisch ist. Diese Sedimentgesteine entstanden vor Millionen von Jahren aus abgelagerten Meeresablagerungen, als diese Gegend noch unter Wasser lag. Kalkstein ist in leicht saurem Wasser löslich. Regen- und Grundwasser lösten den Fels über lange Zeiträume und schufen Hohlräume und Höhlen.

Dieser Kalkstein unterscheidet sich deutlich von den vulkanischen Gesteinen des weiter landeinwärts gelegenen Troodos-Gebirges. Das Troodos-Massiv ist ein Ophiolith-Komplex, also alter ozeanischer Krustenboden, der vor etwa 90 Millionen Jahren aus dem Meeresgrund aufgeschoben wurde. Dort dominieren harte magmatische Gesteine wie Basalt und Gabbro, während die Gegend um Protaras aus weicherem Kalkstein besteht, der in flachen Meeren in jüngeren erdgeschichtlichen Epochen entstand.

tripadvisor-com

Die Stalaktiten entstanden durch Ausfällung. Wasser, das durch Kalkstein sickert, nimmt gelöstes Calciumcarbonat mit. Tropft es von der Decke, entweicht Kohlendioxid und das Calciumcarbonat härtet aus. Über Jahrtausende wachsen so die hängenden Formen, die man heute sieht. Ob die Zahl vierzig Zufall ist oder die Wahl dieser Höhle beeinflusst hat, lässt sich nicht sicher sagen.

Warum die Höhle heute noch Bedeutung hat

In der heutigen Zeit bewahrt dieser Ort die Verbindung Zyperns zum christlichen Erbe – ganz ohne große Architektur oder formelle Rituale. Die Vierzig Märtyrer von Sebaste sind in der orthodoxen Tradition weiterhin wichtig, und ihre Standhaftigkeit berührt bis heute.

Die Höhle erinnert daran, dass heilige Orte an unerwarteten Stellen zu finden sind. Für Einheimische ist es ein Platz, um eine Kerze anzuzünden oder in Ruhe zu beten. Besucher bekommen einen Eindruck davon, wie sich auf der Insel Glaube und Natur berühren.

tripadvisor-com

So besuchst du die Höhlenkirche

Die Höhle liegt etwa 1,6 Kilometer von der Hauptstraße zwischen Agia Napa und Protaras entfernt. Die Anfahrt führt über schmale, unbefestigte Wege, die letzten 800 Meter über einen rauen Schotterpfad. Normale Autos schaffen das, Fahrer von Mietwagen gehen das letzte Stück aber oft lieber zu Fuß. Der Pfad endet an einer hölzernen Treppe, die zum Eingang hinaufführt.

Festes Schuhwerk und Wasser sind empfehlenswert, vor allem im Sommer, wenn es sehr heiß werden kann. Die Kirche ist täglich zugänglich, der Innenraum ist einfach und es gibt keine regelmäßigen Gottesdienste. Die blaue Tür ist unverschlossen. Bitte beim Verlassen wieder schließen.

Am angenehmsten ist ein Besuch am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn es kühler ist und das Licht durch die Kuppel für eine besondere Stimmung in der Höhle sorgt.

Ein stilles Zeugnis von Glaube und Geologie

Die Höhle der 40 Märtyrer ist bemerkenswert, weil sie zeigt, wie Geschichte, Geologie und Glaube auf unerwartete Weise zusammenfinden. Es ist kein Touristenspot im klassischen Sinn. Es ist zugleich eine genutzte Kirche, eine Naturhöhle und ein Erinnerungsort an frühe Märtyrer.

Gerade der Verzicht auf Schmuck und Förmlichkeit macht den Ort eindrucksvoll. In einem Land voller byzantinischer Klöster und alter Ruinen erinnert diese kleine Höhle daran, dass die bedeutendsten Orte oft die schlichtesten sind.

Entdecken Sie mehr über die faszinierenden Facetten Zyperns