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Bufotes cypriensis – der anpassungsfähige Nacht-Sänger der Insel 

Eine Meisterin der Anpassung 

An warmen Frühlingsabenden auf Zypern steigen manchmal seltsame, fast musikalische Triller aus temporären Wasserstellen, überfluteten Feldern und Dorfteichen auf. Die Urheber sind keine Vögel, sondern eines der bemerkenswertesten Amphibien der Insel: die Zyprische Wechselkröte. 

Die Zyprische Wechselkröte © Luca Boscain www.inaturalist.org 

Mit ihren schönen olivgrünen Flecken auf hellem Untergrund ist diese Kröte eines der wenigen Amphibien, die sich erfolgreich an das trockene Mittelmeerklima der Insel angepasst haben. Obwohl sie mancherorts recht häufig ist, hören viele Menschen ihren Chor lange bevor sie überhaupt einmal eine zu Gesicht bekommen. 

Die grüne Kröte im Porträt 

Die Zyprische Wechselkröte (Bufotes cypriensis) ist ein mittelgroßes Amphibium aus der Familie der echten Kröten, den Bufonidae. Im Unterschied zu Fröschen haben Kröten meist trockenere, rauere Haut, kürzere Beine und verbringen einen großen Teil ihres Lebens an Land. 

Lange Zeit galten die grünen Kröten auf Zypern als Teil des weit verbreiteten Wechselkröten-Komplexes, der von Europa bis nach Zentralasien vorkommt. Moderne genetische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die zyprische Population so eigenständig ist, dass sie heute als eigene Art anerkannt wird: Bufotes cypriensis.  

Heute zählt sie zu nur drei einheimischen Amphibienarten der Insel. 

Eine uralte Inselgeschichte 

Die Vorfahren der Zyprischen Wechselkröte kamen vermutlich vor Hunderttausenden oder sogar Millionen Jahren nach Zypern – in Zeiten, als der Meeresspiegel niedriger lag und die geografischen Verbindungen zwischen den Landmassen anders waren als heute. 

© Konstantin Solovev 

In Frühlingsnächten trifft man die Zyprische Wechselkröte oft auf Straßen an, wenn sie zwischen ihren Laichplätzen unterwegs ist. Durch die lange Isolation entwickelte sich die zyprische Population Schritt für Schritt auf ihrem eigenen evolutionären Weg weiter. Genetische Studien zeigen, dass diese Art eine besondere Merkmalskombination besitzt, die sonst nirgends vorkommt. Interessant ist auch, dass die Zyprische Wechselkröte mitochondriale DNA besitzt, die mit anatolischen grünen Kröten verwandt ist – ein Hinweis auf eine komplexe Evolutionsgeschichte im östlichen Mittelmeerraum.  

Wie viele Inseltiere wurde auch sie zu einem kleinen, aber unverwechselbaren Teil des Naturerbes Zyperns. 

Bemalt wie eine mediterrane Landschaft 

Die Zyprische Wechselkröte gehört zu den Amphibien auf der Insel, die man am leichtesten erkennen kann. 

Ihre Haut ist mit unregelmäßigen olivgrünen Flecken auf cremefarbenem, grauem oder sandigem Grund bedeckt. An den Flanken sitzen oft kleine rötliche Warzen. Hinter den Augen liegen große Giftdrüsen, die Parotiddrüsen. Wie bei anderen Kröten produzieren sie Abwehrstoffe, die Fressfeinde abschrecken.  

Die Paarungszeit liegt etwa zwischen März und April © zarmi www.inaturalist.org 

Besonders spannend ist ihre Fähigkeit, den Kontrast ihrer Farben je nach Temperatur, Licht und Umgebung leicht zu verändern. Daher tragen viele grüne Kröten in Europa auch den Namen “Wechselkröte”.  

Ausgewachsene Weibchen werden etwa 10 cm lang, Männchen bleiben in der Regel etwas kleiner.  

Wissenswertes über die Zyprische Wechselkröte 

  • Sie kommt dort zurecht, wo andere Amphibien Probleme haben – Viele Amphibien brauchen dauerhafte Gewässer. Die Zyprische Wechselkröte kann sich auch in temporären Wasserstellen fortpflanzen, die vielleicht nur wenige Wochen bestehen. 
  • Ihre Kaulquappen wachsen schnell – Da mediterrane Tümpel oft rasch austrocknen, entwickeln sich die Kaulquappen erstaunlich schnell, bevor ihr wässriger Kinderstube verschwindet. 
  • Sie verträgt Salz erstaunlich gut – Grüne Kröten gehören zu den salztolerantesten Amphibien in Europa und im Nahen Osten. Dadurch können sie auch in Küstenfeuchtgebieten überleben, in denen viele andere Amphibien kaum klarkommen würden. 
  • Die Männchen sind talentierte Musiker – In der Fortpflanzungszeit erzeugen sie einen langen, musikalischen Triller, der viele Sekunden anhalten kann. In warmen Nächten rufen oft Dutzende Männchen gleichzeitig und schaffen damit einen der typischsten Frühlingsklänge Zyperns.  
  • Tausende Eier auf einmal – Ein einziges Weibchen kann mehrere Tausend Eier in langen gallertartigen Schnüren ablegen. Bei verwandten grünen Kröten können Gelege zwischen 5.000 und 10.000 Eier umfassen. 

Leben auf einer trockenen Insel 

Zypern ist für Amphibien kein einfacher Lebensraum. Die Sommer sind lang, heiß und trocken. Um zu überleben, verstecken sich grüne Kröten einen Großteil des Jahres unter Steinen, in Spalten, unter Pflanzen oder eingegraben in lockerem Boden. 

Aktiv werden sie vor allem nachts. Dann jagen sie Insekten, Käfer, Ameisen, Spinnen und andere kleine Wirbellose. Mit ihrer vielfältigen Nahrung helfen sie ganz natürlich dabei, viele Insektenbestände zu regulieren. 

Natürlicher Lebensraum einer Zyprischen Wechselkröte © Philippe Geniez www.inaturalist.org 

Wenn die ersten Regenfälle einsetzen, besonders im Spätwinter und im Frühling, wandern die erwachsenen Tiere zu ihren Laichplätzen. Das können natürliche Tümpel, überschwemmte Felder, Wasserreservoirs, Straßentümpel, Bewässerungsbecken oder saisonale Feuchtgebiete sein. 

Wie viele mediterrane Amphibien nutzen sie Gelegenheiten sofort und machen sich jedes temporäre Gewässer zunutze, sobald es erscheint. 

Warum sie heute wichtig ist 

Die Zyprische Wechselkröte gehört noch immer zu den am weitesten verbreiteten Amphibien der Insel, doch auch sie steht vor Problemen. 

Das Verschwinden saisonaler Feuchtgebiete, die Ausbreitung von Siedlungen, Verkehrstod, Verschmutzung und lange Dürreperioden können den lokalen Beständen zusetzen. Amphibien gelten oft als Indikatoren für den Zustand der Umwelt, weil ihre empfindliche Haut schnell auf Veränderungen der Wasserqualität und der Lebensräume reagiert. 

Wenn grüne Kröten aus einem Gebiet verschwinden, kann das ein frühes Warnzeichen dafür sein, dass sich in der lokalen Umwelt etwas verändert. 

Kaulquappen beim Fressen eines Regenwurms © Luca Tringali www.inaturalist.org 

Der Schutz temporärer Feuchtgebiete und kleiner Süßwasserlebensräume hilft nicht nur den grünen Kröten, sondern auch Libellen, Wasserinsekten, Vögeln und vielen anderen Arten. 

Wo kann man sie sehen? 

Am besten begegnet man der Zyprischen Wechselkröte zwischen Februar und Mai, besonders nach Regenfällen. 

Halten Sie Ausschau nach ihr in: 

  • Temporären, mit Regenwasser gefüllten Tümpeln  
  • Dorfteichen  
  • Bewässerungsreservoirs  
  • Nassen landwirtschaftlichen Flächen  
  • Saisonalen Feuchtgebieten  

Nachts sind die Chancen meist am besten. Nehmen Sie eine Taschenlampe mit und hören Sie genau auf den trillernden Chor der Männchen. Oft hört man sie schon lange, bevor man ihre gemusterten Körper im flachen Wasser entdeckt. 

Wie bei allen Wildtieren gilt auch hier: aus etwas Abstand beobachten und nur wenn wirklich nötig anfassen. 

Ein kleines Amphibium mit großer Geschichte 

Die Zyprische Wechselkröte ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Leben auf Inseln die Evolution prägt. Sie stammt von uralten Vorfahren der grünen Kröten ab, ist aber nur auf Zypern zu finden und hat sich an einen der trockensten Winkel des Mittelmeerraums angepasst. 

Ihr Frühlingschor, ihre erstaunliche Anpassungsfähigkeit und ihre schöne Tarnzeichnung machen sie zu einem der charmantesten Mitglieder der Tierwelt Zyperns. Wenn das nächste Mal Regen eine temporäre Wasserstelle füllt, halten Sie kurz inne und hören Sie hin. Vielleicht hören Sie gerade einen der ältesten und erfolgreichsten Überlebenskünstler der Insel, der durch die Nacht ruft. 

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