Die Nordküste Zyperns erstreckt sich von der Bucht von Morphou im Westen bis zur Halbinsel Karpas im Osten und bietet über 100 Strände mit ganz unterschiedlichem Charakter. Anders als die Südküste, wo goldener Sand vorherrscht, findet man im Norden mehr Kiesstrände, unterbrochen von sandigen Buchten und steilen Klippen. Das Kyrenia-Gebirge, auch Pentadaktylos oder Fünf-Finger-Berge genannt, erhebt sich direkt hinter der Küste und schafft spektakuläre Kulissen, wo bewaldete Gipfel bis ans türkisfarbene Wasser reichen.

Die Strände im Norden sind weniger erschlossen als ihre südlichen Pendants. Viele kleine Buchten verstecken sich hinter Felsformationen und wollen erst entdeckt werden. Dieses Gebiet liegt im türkisch kontrollierten Teil Zyperns und ist über Kontrollpunkte von der Republik Zypern aus erreichbar. Die Küste zeigt sich sehr abwechslungsreich – von langen Sandstränden in der Bucht von Famagusta und auf der Karpas-Halbinsel bis zu felsigen Abschnitten westlich von Kyrenia.
Alagadi Turtle Beach schützt bedrohte Arten
Der Strand von Alagadi liegt etwa 16 Kilometer östlich von Kyrenia in der Nähe des Dorfes Ayios Amvrosios und zählt zu den wichtigsten Nistplätzen im Mittelmeer für Unechte Karettschildkröten und Grüne Meeresschildkröten. Der Strand erstreckt sich über etwas mehr als 600 Meter entlang der Küste mit weichem, goldenem Sand – ideal für die Eiablage der Schildkröten. Von Juni bis September kommen die Weibchen an Land, um ihre Eier in den Dünen abzulegen. Jedes Nest enthält zwischen 80 und 120 Eier.

Das Alagadi Turtle Beach Project betreibt ein Schutzprogramm, das die Nester markiert und schützt, damit die Jungtiere sicher das Meer erreichen können. Besucher können während der Brutsaison an geführten Schildkröten-Beobachtungstouren teilnehmen. Der Strand ist während der Schlüpfzeit nachts für die Öffentlichkeit gesperrt, um Störungen zu vermeiden. Die Anfahrt erfolgt über unbefestigte Wege, gefolgt von einem Fußweg durch beeindruckende Sanddünen. Es gibt keine Einrichtungen außer einem kleinen Café, keine Sonnenschirme oder Liegen – perfekt für alle, die unberührte Natur mehr schätzen als kommerzielle Annehmlichkeiten.
Acapulco und Escape Beach bieten umfassenden Service
Der Acapulco Beach östlich von Kyrenia ist stärker erschlossen und verlangt Eintritt, dafür gibt es Restaurants, Bars, Wassersport, Tennis und Golf. Der Strand gehört zum Acapulco Resort Convention Spa Hotel, empfängt aber auch Tagesgäste gegen Gebühr. Das Nachtleben zieht ein jüngeres Publikum an, das mehr sucht als nur Schwimmen und Sonnenbaden.

Der Escape Beach Club westlich von Kyrenia hat weitläufige Sandstrände mit flachem Wasser, ideal für Kinder und Familien. Man kann zu Fuß zum Golden Rock hinüberwaten, einer winzigen Insel, die den Strand vor dem offenen Meer schützt. Der Strand erlaubt das Fahren bis direkt ans Wasser und zum Restaurant – sehr praktisch.
Sowohl Escape Beach als auch der nahegelegene Agios Georgios Beach Club betreiben Bars, Restaurants und Nachtclubs, die sie zu beliebten Abendzielen machen. Diese kommerziellen Strände verlangen Eintrittspreise zwischen einem und acht Pfund pro Person, aber dafür bekommt man Einrichtungen und Service, die Besucher ansprechen, die Komfort und Annehmlichkeiten neben der natürlichen Schönheit suchen.
Kiesstrände bieten gute Schnorchelmöglichkeiten
Die Horseshoe Bay westlich von Kyrenia steht stellvertretend für die vielen Kiesstrände an der Nordküste, die ein anderes Erlebnis bieten als Sandstrände. Die runden Steine machen das Barfußlaufen zwar unbequem, schaffen aber hervorragende Bedingungen zum Schnorcheln. Kiesstrände haben in der Regel klareres Wasser, weil weniger Sand aufgewirbelt wird, was die Sicht auf Meereslebewesen und Unterwasser-Felsformationen verbessert.

Die Steine bedeuten auch weniger Infrastruktur, da das Auslegen von Handtüchern und Sonnenschirmen unpraktisch wird. Der Karavas Beach gehört offiziell zu einem Hotel, empfängt aber Besucher gegen eine kleine Gebühr und bietet eine geschützte Bucht mit ausgezeichnetem Schwimmen in klarem Wasser über Kiesgrund. Viele kleine Buchten entlang der Küste zwischen Kyrenia und Morphou haben Kiesufer, wo Einheimische geheime Plätze zum Schwimmen und Schnorcheln kennen, fernab jeglicher Menschenmassen.
Diese Strände sprechen Besucher an, die Unterwasser-Erkundungen wichtiger finden als Sonnenliegen-Komfort und natürliche Umgebungen ohne kommerzielle Bebauung schätzen.
Die endlosen Sandstrände von Famagusta und Karpas
Die Bucht von Famagusta erstreckt sich als ein durchgehender Strand mit goldenem Sand, so weit das Auge reicht. Hotels entlang der Bucht bieten guten Strandzugang für Gäste und Tagesbesucher. Das flache Wasser macht dieses Gebiet ideal für Familien mit Kindern. Golden Beach auf der Karpas-Halbinsel zählt zu den schönsten Stränden Zyperns und wird in der Mythologie als Geburtsort der Aphrodite bezeichnet. Dieser abgelegene Strand erstreckt sich kilometerweit mit unberührtem Sand und azurblauem Wasser und bleibt weitgehend unerschlossen, weil er weit von größeren Siedlungen entfernt liegt.

Die Karpas-Halbinsel bietet unzählige kleine, private Strände und versteckte Buchten, wo man völlige Einsamkeit finden kann. Die Ostspitze Zyperns ist dünn besiedelt und bewahrt einen wilden Charakter, der sich stark von den erschlossenen Feriengebieten unterscheidet. Diese Strände erfordern längere Anfahrten, belohnen die Mühe aber mit unberührten Küstenabschnitten, die zeigen, wie mediterrane Strände vor dem Massentourismus aussahen.
Ausstattung und Sauberkeit als Herausforderung
Die Strandausstattung im türkisch besetzten Teil Zyperns variiert stark. Kommerzielle Strände bieten Parkplätze, Cafés oder Restaurants, Sonnenschirme und manchmal Wassersport – in der Regel gegen Eintritt. Öffentliche Strände sind kostenlos zugänglich, haben aber meist keinerlei Einrichtungen, sodass Besucher ihre eigenen Schirme, Wasser und Verpflegung mitbringen müssen.

Die Behörden räumen ein, dass der türkisch besetzte Teil Zyperns bei Strandsauberkeit und Attraktivität noch Nachholbedarf hat. Müll bleibt an manchen Orten ein Problem, auch wenn die Bemühungen um bessere Abfallentsorgung weitergehen. Besucher können helfen, indem sie ihren Müll mitnehmen oder vorhandene Abfalleimer nutzen.
Keiner der nördlichen Strände trägt derzeit die Blaue Flagge, die internationale Auszeichnung für Strandqualität und Umweltstandards. Die politische Situation erschwert internationale Umweltprogramme, da die selbst ernannte Türkische Republik Nordzypern keine breite Anerkennung genießt. Trotz dieser Schwierigkeiten bleibt die natürliche Schönheit der Nordküste außergewöhnlich, wenn Besucher über gelegentliche Mängel bei der Instandhaltung hinwegsehen können.
Warum diese Küsten Zyperns Vielfalt zeigen
Die Nordküste zeigt die geografische und geologische Vielfalt Zyperns. Das Kyrenia-Gebirge, das direkt aus dem Meer aufsteigt, schafft dramatische Landschaften, die an der flacheren Südküste unmöglich wären. Die Mischung aus Kies- und Sandstränden zeigt, wie unterschiedliche Untergründe verschiedene Ökosysteme und Freizeitmöglichkeiten unterstützen. Der weniger erschlossene Charakter bewahrt Einblicke, wie Zypern aussah, bevor der Tourismus die Inselwirtschaft veränderte.

Für Besucher bieten die nördlichen Strände Alternativen zu überfüllten südlichen Ferienorten, mit Möglichkeiten zur Schildkrötenbeobachtung, Bergblicken und der Erkundung versteckter Buchten. Die türkische Invasion von 1974 hat nebenbei auch eine Entwicklung begrenzt, die den Küstencharakter hätte zerstören können. Ob diese Bewahrung nachhaltig ist, hängt von künftigen Entscheidungen zwischen Tourismusentwicklung und Umweltschutz ab.