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Die Lara Bay liegt abgeschieden an der Küste der Halbinsel Akamas im Westen Zyperns, rund sieben Kilometer von Agios Georgios Peyias entfernt. Der Strand zählt zu den wichtigsten Nistplätzen im Mittelmeer für die bedrohten Suppenschildkröten und Unechten Karettschildkröten. Entlang der Bucht erstreckt sich goldfarbener Sand, eingerahmt von zerklüfteten Klippen und glasklarem Mittelmeerwasser.

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Im Gegensatz zu vielen typischen Stränden auf Zypern mit Liegen, Kiosken und dichtem Besucherandrang ist die Lara Bay bewusst unerschlossen geblieben. Bauen ist in diesem unbewohnten Gebiet streng verboten. Es gehört zum Natura-2000-Schutzgebiet der Akamas-Halbinsel, dem größten Naturschutzareal Zyperns. Der Strand ist Teil des Reservats Lara-Toxeftra, als Besonders Geschütztes Gebiet nach dem Barcelona-Übereinkommen ausgewiesen und Mitglied des Europäischen Netzes biogenetischer Reservate. Die Anfahrt erfolgt über holprige, unbefestigte Pisten, die sich am besten mit Allradfahrzeugen bewältigen lassen.

Die Schildkröten-Station

Die Schildkröten-Schutzstation an der Lara Bay wird vom zyprischen Forst- und Fischereidepartement betrieben und schützt die Gelege vor Fressfeinden und menschlicher Störung. Von Mai bis Mitte August kommen die Weibchen an Land und vergraben ihre Eier im weichen Sand. Pro Nest werden im Schnitt 80 bis 120 Eier gelegt, und ein Weibchen kann in einer Saison mehrfach nisten. Die Mitarbeiter markieren geschützte Nester mit Gittern und Warnschildern, damit Strandbesucher sie nicht versehentlich beschädigen.

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Während der Nistsaison patrouillieren Ranger am Strand, beobachten die Aktivitäten und informieren Besucher über das richtige Verhalten. Nester von stark frequentierten Stränden, die als Lebensraum ungeeignet sind, werden in die Aufzuchtstation von Lara verlegt, wo die Überlebenschancen höher sind. In Becken werden verletzte oder kranke Tiere gepflegt, bis sie wieder ins Meer entlassen werden. Zwischen Ende Juli und September schlüpfen die Jungen und wagen ihren ersten Weg ins Wasser – ein besonderer Moment, der Naturfreunde aus ganz Zypern anzieht.

Strenge Regeln für ein sensibles Ökosystem

Zum Schutz der Nistgebiete gelten klare Verhaltensregeln. Sonnenschirme und Schattenspender sind strikt untersagt, da ihre Stangen unterirdische Nester durchbohren und Eier zerstören können. Hunde sind am Strand nicht erlaubt, weil sie nistende Tiere stören und Gelege ausgraben. Baden ist möglich, allerdings mit Abstand zu den markierten Nestbereichen.

Große Ausrüstungsgegenstände und Camping sind tabu. Es gibt keinerlei Infrastruktur, nur eine kleine Infohütte des Schutzprogramms. Liegen, Restaurants oder Kioske sucht man an der Lara Bay vergeblich. Bringen Sie daher eigene Verpflegung, Wasser sowie Sonnenschutz wie Hüte und Sonnencreme mit.

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Umweltfreundliche Sonnencreme ist empfehlenswert, da Chemikalien aus herkömmlichen Produkten Meereslebewesen schaden. Die fehlenden Einrichtungen unterstreichen den unberührten Charakter, erfordern aber gute Vorbereitung. Geparkt wird informell entlang der Piste nahe dem Strand; zum Sand führt ein kurzer Fußweg.

Anreise zu einem abgelegenen Juwel

Wer zur Lara Bay möchte, braucht Ausdauer und das richtige Fahrzeug. Die sieben Kilometer lange Schotterpiste ab Agios Georgios Peyias ist von Schlaglöchern, Steinen und teils steilen Passagen geprägt – besonders anstrengend bergauf auf dem Rückweg. Mit Allrad ist die Strecke gut machbar, normale Pkw riskieren jedoch Schäden am Unterboden und tun sich an Steigungen schwer. Viele Vermieter untersagen zudem das Fahren mit Standardfahrzeugen auf unbefestigten Straßen, was den Versicherungsschutz erlöschen lässt.

Geführte Jeep- und Buggytouren ab Coral Bay und Paphos erleichtern die Anreise ohne eigenes geeignetes Auto. Alternativ fahren Boote vom Hafen Paphos ab und legen im Rahmen von Küstentouren an der Lara Bay an. Die erschwerte Erreichbarkeit hilft dem Schutz, weil sie Besucherzahlen begrenzt und Massentourismus verhindert. Wer die Rumpelpiste in Kauf nimmt, wird mit spektakulär unberührten Stränden belohnt, die sich wie eine andere Welt fern der großen Urlaubsorte anfühlen.

Mehr als nur Schildkröten: Wildnis der Akamas-Halbinsel

Rund um die Lara Bay bietet die Halbinsel Akamas großartige Wanderwege durch dichte Wälder, eindrucksvolle Klippen und versteckte Buchten. Die berühmte Avakas-Schlucht liegt nur eine kurze Fahrt südlich. Ihre Kalksteinwände ragen bis zu 30 Meter auf, und seltene endemische Pflanzen klammern sich an die Felsen. Nordöstlich der Lara Bay lockt die Blue Lagoon mit türkisfarbenem, kristallklarem Wasser – perfekt zum Schwimmen und Schnorcheln.

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Entlang der Küste liegen zahlreiche einsame Strände, die nur zu Fuß oder per Boot erreichbar sind. Auf der Halbinsel wachsen über 600 Pflanzenarten, darunter 39 endemische, die sonst nirgends auf der Welt vorkommen. Zur Tierwelt zählen Füchse, Hasen, Flughunde und 168 Vogelarten. Sogar die seltene Mittelmeer-Mönchsrobbe lässt sich gelegentlich in abgelegenen Buchten blicken, auch wenn Sichtungen äußerst selten sind. Der Aphrodite-Trail bietet weite Küstenblicke und führt durch wildes Gelände – Zypern von seiner natürlichsten Seite.

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Beste Reisezeit

Zwischen Mai und Mitte August ist die Nistsaison – ideal, um Schildkröten und die Arbeit der Schutzstation zu beobachten, allerdings auch die heißeste und besucherstärkste Zeit. Von Ende Juli bis September können Sie mit etwas Glück miterleben, wie die Jungtiere schlüpfen und ins Meer krabbeln – ein unvergessliches Naturschauspiel. Im Oktober und November ist es angenehm warm und deutlich ruhiger, wobei die Schildkrötenaktivität dann beendet ist.

Baden ist bis in den Spätherbst gut möglich. Im Sommer empfiehlt es sich, früh morgens oder am späten Nachmittag zu kommen, da es mittags keinen Schatten gibt und die Hitze stark ist. Besonders angenehm sind Mai und Oktober mit warmem Wetter, klarem Wasser und moderaten Besucherzahlen. Von Dezember bis März sind kaum Touristen unterwegs; das Meer ist kühler und es kann rauer werden. Wer Einsamkeit und unberührte Natur sucht, findet hier das ganze Jahr über einen besonderen Ort.

Wachsende Gefahren erfordern Rücksicht

Trotz Schutzstatus setzt der zunehmende Tourismus das empfindliche Ökosystem der Lara Bay unter Druck. Immer häufiger tauchen verbotene Sonnenschirme auf, Hunde werden an den Strand mitgenommen und Besucher drängen sich an Nester, was natürliche Abläufe stört. Manche ignorieren die Markierungen und treten versehentlich auf unterirdische Gelege. Licht von Kameras und Handys verwirrt frisch geschlüpfte Tiere, die sich am Mondlicht über dem Wasser orientieren.

Zurückgelassener Müll gefährdet die Tierwelt zusätzlich. Die Schutzstation berichtet in der Hochsaison von wachsenden Schwierigkeiten bei der Besucherlenkung. Durch soziale Medien zieht es immer mehr Menschen an diesen entlegenen Ort – eine Belastung, mit der die fragile Umgebung kaum zurechtkommt. Die Durchsetzung der Regeln ist mit begrenzter Rangerzahl herausfordernd. Die Zukunft der Lara Bay als Schutzgebiet hängt davon ab, dass Besucher die Vorgaben einhalten und verstehen, dass ihre Präsenz das Überleben bedrohter Arten beeinflusst.

Warum die Lara Bay für Zypern und das Mittelmeer so wichtig ist

Die Lara Bay ist eine der wenigen verbliebenen unberührten Küsten im Mittelmeer, an denen bedrohte Meeresschildkröten ungestört nisten können. Die hier geleistete Schutzarbeit ist Teil globaler Bemühungen, ein weiteres Absinken der Bestände zu verhindern – verursacht vor allem durch Küstenbebauung, Verschmutzung und Fischernetze. Zypern beherbergt einige der bedeutendsten Nistplätze der Region, daher hat der Schutz von Stränden wie der Lara Bay internationale Relevanz.

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Der Strand zeigt, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht bedeutet, jede Naturlandschaft mit Infrastruktur zu überziehen. Die Lara Bay beweist: Schutzgebiete können mit verantwortungsvollem Besuch harmonieren – vorausgesetzt, klare Regeln gelten und werden respektiert. Für Zypern ist die Bucht ein Aushängeschild des Naturschutzes und ein Bekenntnis, das natürliche Erbe für kommende Generationen zu bewahren, statt kurzfristigen Profiten den Vorrang zu geben.

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