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Protaras liegt an der Südostküste Zyperns im Bezirk Famagusta, etwa 70 Kilometer vom internationalen Flughafen Larnaka entfernt. Der Ferienort wurde gezielt für den Tourismus entwickelt und erstreckt sich mit rund 10 Kilometern Küste entlang des Mittelmeers.

Die Strände sind hier für ihren feinen goldenen Sand und das außergewöhnlich klare Wasser bekannt, das auch international Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Fig Tree Bay wurde 2011 von TripAdvisor zum drittbesten Strand Europas gewählt, auch wenn sich die Platzierungen in den Jahren danach verändert haben. Im Unterschied zum eher partyorientierten Ayia Napa in der Nähe hat sich Protaras als ruhigere Alternative einen Namen gemacht – besonders beliebt bei Familien und bei Einheimischen aus Zypern.

Historischer Hintergrund

In der Antike befand sich auf dem Gebiet des heutigen Protaras der alte Stadtstaat Leukolla. Dort gab es einen kleinen geschützten Hafen, in dem Demetrios Poliorketes im Jahr 306 v. Chr. Zuflucht suchte. In den Jahrhunderten danach blieb die Küste nur dünn besiedelt, weil Piratenangriffe das Leben dort unsicher machten.

Früher war die Gegend auch als “Land der Windmühlen” bekannt, weil landwirtschaftliche Anlagen das Landschaftsbild prägten. Die ersten Windmühlen tauchten Anfang des 20. Jahrhunderts in Paralimni auf. Sie wurden aus Chicago, Toronto und später aus Großbritannien eingeführt.

Der eigentliche Tourismusboom begann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach den Ereignissen von 1974, durch die Famagusta für den griechisch-zypriotischen Tourismus wegfiel. So wandelte sich Protaras von Agrarland zu einem bedeutenden Ferienort.

Die Bevölkerung im größeren Raum Paralimni wuchs von rund 500 Einwohnern im Jahr 1900 auf mehr als 19.000 bis 2021. Die meisten Hotels und touristischen Anlagen stammen aus den 1990er- und 2000er-Jahren, als Reisende aus Europa die Strände der Region für sich entdeckten.

Viele Strände entlang einer einzigen Küste

Entlang der 10 Kilometer langen Küste von Protaras liegen viele Strände mit eigenen Namen. Am bekanntesten ist nach wie vor die Fig Tree Bay, die sich über 500 Meter zieht und dank ihrer Wasserqualität mit der Blauen Flagge ausgezeichnet wurde.

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Ihren Namen verdankt die Bucht einem einzelnen Feigenbaum, der seit dem 17. Jahrhundert nahe am Ufer steht. Etwa 60 Meter vor der Küste liegt eine kleine unbewohnte Insel, die man durch flaches Wasser problemlos schwimmend erreichen kann. Sie schützt die Bucht auf natürliche Weise, hält das Wasser ruhig und schafft zugleich einen Lebensraum für kleine Fische, die man beim Schnorcheln gut sehen kann.

Die goldenen Sandabschnitte, die sich nördlich der Fig Tree Bay bis zum Pier ziehen, sind zusammen als Protaras Beach, Vrisi Beach oder Sunshine Beach bekannt. Der Vrisi Beach ist etwa einen Kilometer lang und gliedert sich in drei einzelne Abschnitte, die alle mit der Blauen Flagge ausgezeichnet sind. Der Sand ist überall gleichmäßig fein, und das Wasser wird nur langsam tiefer – ideal also für Kinder. Die Sicht unter Wasser bleibt während der ganzen Saison außergewöhnlich gut, sodass man den Meeresboden selbst in mehreren Metern Tiefe noch erkennen kann.

Die Konnos Bay markiert die Grenze zwischen Protaras und dem Nationalforstpark Kap Greco. Dieser kleinere Strand liegt eingebettet zwischen Pinien und felsigen Klippen und ist über eine schöne Abfahrt vom höher gelegenen Parkplatz erreichbar.

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Die Bucht bietet beste Bedingungen zum Kajakfahren und eröffnet schöne Ausblicke auf die eindrucksvolle Küstenlinie in Richtung Kap Greco. Zu den weiteren Stränden gehören Pernera Beach, Sunrise Beach, Green Bay und mehrere kleinere Buchten, die sich entlang der Küste verteilen.

Fünf interessante Fakten über die Strände

2010 wurde bei baulichen Verbesserungen an der Fig Tree Bay ein altgriechisches Grab entdeckt. Der Fund lieferte zusätzliche Hinweise darauf, dass die Gegend schon in der Antike besiedelt war – über die schriftlichen Quellen hinaus. Für das Jahr 2024 erhielten 18 Strände in Protaras die Zertifizierung mit der Blauen Flagge. Damit werden internationale Standards bei Wasserqualität, Sicherheit und Umweltmanagement bestätigt. Protaras gehört damit zu den Orten mit der höchsten Dichte zertifizierter Strände im Mittelmeerraum.

Der englische Musiker Peter Frampton schrieb den Song “Fig Tree Bay”, der als erster Titel auf seinem Album Wind of Change aus dem Jahr 1972 erschien. Inspiriert wurde das Lied bei einem Aufenthalt auf Zypern. In den Buchten rund um Protaras tauchen gelegentlich auch Meeresschildkröten auf, besonders in der Green Bay und bei den kleinen Inseln vor der Küste. Schnorchler berichten in den Sommermonaten regelmäßig von Sichtungen, wenn die Tiere im flachen Küstenwasser nach Nahrung suchen.

An den meisten Stränden von Protaras gibt es barrierefreien Zugang über spezielle Rampen und das Seatrack-System – einen vorübergehend auf dem Sand verlegten Weg, über den Rollstühle bis ans Wasser gelangen können. Elf Strände verfügen über angepasste Einrichtungen, darunter barrierefreie Toiletten und Umkleiden. Strandrollstühle sind von Juni bis Oktober während der Öffnungszeiten an den Rettungsschwimmerstationen verfügbar.

Strandservice und Aktivitäten auf dem Wasser

Alle größeren Strände von Protaras bieten die üblichen Services, die man an Mittelmeerstränden erwartet. Liegen und Sonnenschirme kosten in der Regel etwa 2,50 bis 3,00 Euro pro Tag, wobei die Preise nach 17:00 Uhr manchmal sinken. Während der offiziellen Saison von April bis Oktober sind an den Hauptstränden von 10:30 bis 18:00 Uhr Rettungsschwimmer im Einsatz. Zur Ausstattung gehören Toiletten, Duschen, Umkleiden und Erste-Hilfe-Ausrüstung an den Lifeguard-Türmen.

An der Fig Tree Bay, am Vrisi Beach und am Pernera Beach konzentrieren sich die meisten Anbieter für Wassersport. Angeboten werden Parasailing, Jetski, Banana Boat, Stand-up-Paddling, Windsurfen und Kajakfahren. In der Hauptsaison sind die Verleihstände den ganzen Tag über geöffnet. Zum Schnorcheln braucht man nicht unbedingt etwas zu mieten, denn das klare flache Wasser in Ufernähe reicht schon aus, um Fische und Felsformationen gut zu beobachten. Besonders beliebt ist die kleine Insel an der Fig Tree Bay, zu der viele Schnorchler hinüberschwimmen, um das Wasser rundherum zu erkunden.

Eine vier Kilometer lange Promenade verbindet die Strände von der Fig Tree Bay aus nach Norden durch das Zentrum des Ferienorts. Der gepflasterte Weg ist eben und damit gut für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle geeignet. In regelmäßigen Abständen liegen Cafés, Restaurants, Bars und Geschäfte entlang der Promenade. Außerdem gibt es Skulpturen, öffentliche Kunstinstallationen und Sitzbereiche mit Meerblick. Besonders am Abend ist hier viel los, wenn Urlauber und Einheimische spazieren gehen, den Sonnenuntergang anschauen und die Lokale an der Küste besuchen.

Das heutige Protaras als Reiseziel

Das heutige Protaras lebt in erster Linie vom Tourismus, hat aber auch eine feste Wohnbevölkerung. Die Gegend gehört zur Gemeinde Paralimni-Deryneia, die 2024 durch den Zusammenschluss zweier zuvor eigenständiger Gemeinden entstand. In der neuen Gesamtgemeinde leben knapp 42.000 Menschen, auch wenn Protaras selbst deutlich weniger dauerhafte Einwohner hat. Im Strandbereich stehen vor allem Hotels, Apartmentanlagen, Ferienvillen und auf Touristen ausgerichtete Geschäftsgebäude.

Der Ort setzt stark auf Familienurlaub – mit sicheren Stränden, kinderfreundlichen Restaurants und Ausflugszielen wie Wasserparks in der Umgebung. Der Anastasia Aquamania Waterpark liegt ganz in der Nähe, und das Ocean Aquarium ist eine gute Option für einen Ausflug drinnen. Auf einem felsigen Hügel über Protaras steht die Kirche Profitis Elias. Hinauf führt eine lange Treppe, die am Ende mit einem weiten Panoramablick über die ganze Küste und ins Landesinnere bis nach Paralimni belohnt.

Das Nachtleben in Protaras ist deutlich ruhiger als in Ayia Napa, das 10 Kilometer südwestlich liegt. Bars und Clubs gibt es zwar, sie richten sich aber eher an ein entspannteres Publikum. Kulinarisch reicht das Angebot von Fast-Food-Ketten bis zu traditionellen Tavernen mit frischem Fisch und zyprischen Spezialitäten. Viele Lokale haben Sitzplätze im Freien – entweder direkt an der Promenade oder in Fußgängerbereichen hinter dem Strand.

Das Nachtleben in Protaras ist deutlich ruhiger als in Ayia Napa, das 10 Kilometer südwestlich liegt. Bars und Clubs gibt es zwar, sie richten sich aber eher an ein entspannteres Publikum. Kulinarisch reicht das Angebot von Fast-Food-Ketten bis zu traditionellen Tavernen mit frischem Fisch und zyprischen Spezialitäten. Viele Lokale haben Sitzplätze im Freien – entweder direkt an der Promenade oder in Fußgängerbereichen hinter dem Strand.

Protaras-Strände heute besuchen

Der Zugang zu allen Stränden von Protaras ist frei, wie es das zyprische Gesetz vorschreibt. Kosten fallen nur für Liegen, Sonnenschirme und optionale Wassersportangebote an. Für die wichtigsten Strände gibt es kommunale Parkplätze in kurzer Gehentfernung. In der Hauptsaison sind diese kostenpflichtig, die Gebühren bleiben aber im Vergleich zu anderen europäischen Strandzielen moderat.

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Die Badesaison dauert von Mai bis Oktober, wobei das Wasser im Juli und August am wärmsten ist. Im Juni und September ist es ebenfalls sehr angenehm, dazu meist mit weniger Andrang als in den Hochsommermonaten. An Wochenenden kommen mehr Besucher aus Städten im Landesinneren Zyperns für einen Tagesausflug an die Küste. Vor allem im Juli und August können manche Strände samstags und sonntags ziemlich voll werden.

Während der Tourismussaison verbinden öffentliche Busse Protaras tagsüber mit Larnaka, Ayia Napa und Paralimni. In den Wintermonaten fahren sie seltener. Taxis und Fahrdienste sind regelmäßig verfügbar. Viele Urlauber mieten ein Auto, um auch die weitere Umgebung zu erkunden – darunter die Wege am Kap Greco, nahe gelegene Dörfer und archäologische Stätten. Vom Flughafen Larnaka dauert die Fahrt bei normalem Verkehr ungefähr eine Stunde.

Wer die Strände besucht, sollte unbedingt an guten Sonnenschutz denken – also Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Hut und Sonnenbrille. Die Sommersonne auf Zypern ist intensiv, deshalb sind Vorsichtsmaßnahmen wichtig. Wasser, Snacks und leichte Mahlzeiten gibt es an Strandkiosken und in Restaurants in der Nähe, die Preise liegen dort aber meist höher als weiter im Landesinneren. Wer eigene Verpflegung mitbringt, kann vor allem bei einem ganzen Strandtag mit der Familie spürbar sparen.

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Warum die Strände von Protaras für Zypern wichtig sind

Protaras zeigt, wie sich Küstentourismus erfolgreich mit guter Zugänglichkeit und klaren Umweltstandards verbinden lässt. Die hohe Zahl an Stränden mit Blauer Flagge steht für konsequente Kontrolle der Wasserqualität und ein Strandmanagement, das sowohl Besucher als auch Meeresökosysteme schützt. Anders als in manchen Ferienregionen anderer Mittelmeerländer, wo private Strandclubs den Zugang dominieren, garantiert das zyprische Gesetz den freien Zugang zu allen Stränden. Dadurch bleibt Protaras für Menschen mit ganz unterschiedlichem Budget offen.

Die Gegend schafft viele Arbeitsplätze in Hotels, Restaurants, Wassersportunternehmen und Dienstleistungsbetrieben. Die Einnahmen aus dem Tourismus kommen nicht nur Protaras zugute, sondern der gesamten Region Paralimni und finanzieren kommunale Angebote sowie Verbesserungen der Infrastruktur. Der Erfolg des familienfreundlichen Tourismus zeigt hier außerdem, dass ein Mittelmeerziel nicht nur mit Partyszene funktionieren muss, sondern auch ganz andere Urlaubswünsche gut bedienen kann.

Die Strände von Protaras verbinden Zypern mit dem internationalen Tourismus und bewahren zugleich das klare Wasser und den goldenen Sand, die die Entwicklung des Ortes überhaupt erst angestoßen haben. Wenn die Standards der Blauen Flagge weiter eingehalten, die Barrierefreiheit ausgebaut und neue Projekte ausgewogen geplant werden, bleiben diese Strände auch in Zukunft ein wichtiger Gewinn – für Besucher ebenso wie für die Zyprer, die sie das ganze Jahr über nutzen.

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