Irgendwann zwischen Februar und April taucht jedes Jahr ein warmer Blitz aus Zimtbraun, Schwarz und Weiß in den Olivenhainen und Kiefernwäldern Zyperns auf. Über die Hänge trägt der Wind dann einen weichen, rhythmischen Ruf: up-up-up. Der Vogel ist zurück. Der Wiedehopf ist wieder da – und wer ihn schon einmal gesehen hat, wie er seine prachtvolle Federhaube aufstellt, versteht sofort, warum dieser Vogel die Menschen seit Jahrtausenden fasziniert.

- Der Vogel, der sich selbst benannt hat
- Ein Name aus dem Ruf geboren – und eine Geschichte so alt wie die Zivilisation
- Ein lebendes Kunstwerk
- Spannende Fakten, die man sich merken sollte
- Zauberknochen und Volksglaube: die Verbindung zu Zypern
- Der Wiedehopf auf Zypern heute
- Wo man ihn finden kann
- Ein Vogel, den man kennen sollte – und eine Insel, die Schutz verdient
Der Vogel, der sich selbst benannt hat
Der Wiedehopf (Upupa epops) ist ein mittelgroßer Vogel, der in Europa, Asien und Afrika vorkommt. Er zählt zu den farbenprächtigsten Vögeln Afro-Eurasiens und fällt sofort durch seine markante Federhaube auf. Trotz seines auffälligen Aussehens ist er weder ein Papagei noch ein Fasan und gehört auch sonst keiner dieser vertrauten Gruppen an. Der Wiedehopf bildet seine eigene Familie, die Upupidae, und wird heute zur Ordnung der Bucerotiformes gezählt – also zur selben größeren Gruppe wie die Nashornvögel. Er ist ein Vogel ganz eigener Art: uralt, unverwechselbar und sofort wiederzuerkennen.
Ein Name aus dem Ruf geboren – und eine Geschichte so alt wie die Zivilisation
Sowohl Upupa als auch epops – die lateinischen und altgriechischen Namen des Vogels – sind lautmalerisch und ahmen seinen Ruf nach, genau wie das deutsche Wort “Wiedehopf”. In vielen Sprachen und Kulturen wurde dieser Vogel ganz ähnlich benannt: Man hörte einfach hin, wie er klingt.

Auf Zypern trägt der Vogel gleich zwei Namen, die eine ähnliche Geschichte erzählen. Im Standardgriechischen heißt er Τσαλαπετεινός (Tsalapetinos), wörtlich etwa “der, der in den Büschen fliegt”. Im zyprischen Dialekt nennt man ihn liebevoll Πουπούξιος (Poupouxios) – ein Name, der deutlich an diesen weichen, sich wiederholenden Ruf erinnert, der an warmen Frühlingsmorgen über die zyprische Landschaft klingt. Tatsächlich gibt es nicht nur einen, sondern mehrere liebevolle Ortsnamen: Πουπούξιος (Poupouxios), Πουπούτσης (Poupoutsis), Τρουλλόκουτσος (Troullókoutsos) – ein reizvoller zusammengesetzter Name, der vielleicht auf die gewölbte Haube anspielt – sowie Πουρτουκούξιος (Pourtoukоúxios), eine regionale Variante, die man in manchen Dörfern noch heute hört. Passend dazu kannten schon die alten Griechen genau diesen Vogel als Έποψ (Epops) – ein Name, den Aristoteles, Aelian und andere antike Autoren festhielten, die von seinem Ruf offenbar genauso angetan waren wie wir heute.
Auch in der Kulturgeschichte des Menschen spielt der Wiedehopf eine erstaunliche Rolle. Im Koran dient er dem Propheten Salomo, entdeckt das Reich von Saba und überbringt Botschaften zwischen Herrschern. Im persischen Gedicht „Die Konferenz der Vögel“ von Attar führt der Wiedehopf alle Vögel auf eine spirituelle Suche nach dem Göttlichen. In Ovids Metamorphosen wird der thrakische König Tereus in einen Wiedehopf verwandelt – seine dramatische Haube verweist dabei auf seinen königlichen Rang. Und in der altgriechischen Komödie „Die Vögel“ von Aristophanes trägt der Wiedehopf die Krone des Vogelkönigs. Im Alten Ägypten galt er als heiliges Tier und wurde in Hieroglyphen und religiösen Darstellungen abgebildet. Eine Krone trägt er also, in welcher Form auch immer, schon seit Jahrtausenden.
Ein lebendes Kunstwerk
Der Wiedehopf ist etwa 28 Zentimeter lang und in einem warmen Zimtton gefärbt. Dazu kommen auffällige schwarz-weiß gebänderte Flügel und ein schwarzer Schwanz mit einem klaren weißen Band. Das Merkmal, das ihn wirklich unverwechselbar macht, ist natürlich die Haube. Spürt der Vogel Gefahr, stellt er die fächerförmigen Federn vollständig auf – und verwandelt sich in einem Augenblick von einem kompakten, eleganten Läufer in etwas, das fast wie eine kunstvolle Karnevalsmaske wirkt. Auch die zyprische Tradition findet dafür ein treffendes Bild: Die Haube öffnet sich “σαν φυσερό ή βεντάλια” – wie ein Blasebalg oder ein Fächer. Wer das einmal gesehen hat, vergisst es nicht.

Die Muskulatur des Kopfes ist besonders kräftig ausgeprägt, damit der Schnabel auch dann geöffnet werden kann, wenn der Vogel tief im Boden stochert. Dieser lange, gebogene Schnabel ist sein wichtigstes Werkzeug. Mit ihm sucht und scharrt er in der Erde nach Insekten und Larven. Im Flug wirken die breiten schwarz-weißen Flügel leicht schmetterlingsartig – ganz anders als bei fast allen anderen europäischen Vögeln.
Der Wiedehopf lebt meist allein. Nur in der Brutzeit sieht man ein Paar zusammen. Er nistet in Baumhöhlen, in alten Steinmauern und in Felsspalten und legt meist etwa fünf Eier. Nach Zypern kommt er im März und zieht ungefähr im Oktober wieder weiter.
Spannende Fakten, die man sich merken sollte
- Er ist der Nationalvogel Israels. Der Wiedehopf wurde im Mai 2008 nach einer landesweiten Befragung von 155.000 Bürgerinnen und Bürgern zum Nationalvogel Israels gewählt.
- Er wurde in erstaunlichen Höhen beobachtet. Ein Exemplar wurde während der ersten Mount-Everest-Expedition in ungefähr 6.400 Metern Höhe registriert.
- Er sonnt sich auf eine sehr ungewöhnliche Weise. Wiedehopfe breiten Flügel und Schwanz flach über dem Boden aus und strecken den Kopf nach oben. Außerdem nehmen sie gern Staub- und Sandbäder.
- Sein Nest gilt als berüchtigt unordentlich. Schon Aristoteles bemerkte, wie verwahrlost das Zuhause des Wiedehopfs sein kann. Der antike Glaube – mit sichtlicher Faszination überliefert – besagte, der Vogel baue sein Nest absichtlich aus übel riechendem Material, um neugierige Menschen fernzuhalten – ein natürlicher Schutz, der fast bewundernswert wirkt. Die Wahrheit ist viel schlichter: Der Wiedehopf macht sich schlicht nicht die Mühe, sein Nest zu reinigen, und der angesammelte Kot entwickelt einen sehr starken Geruch. Was Aristoteles skandalös fand, würden moderne Ökologen vielleicht schlicht effizient nennen.
- Er ist ein heimlicher Wächter des Kiefernwaldes. Der Wiedehopf frisst regelmäßig die Larven und Puppen des Kiefernprozessionsspinners (Thaumetopoea pityocampa), des wichtigsten Entlaubers von Kiefern in Südeuropa und Nordafrika. Diese Raupen sind durch stark reizende Haare geschützt, die fast alle Fressfeinde abschrecken – aber nicht den Wiedehopf. Mit seinem langen, gebogenen Schnabel stochert er im Boden und gräbt die vergrabenen Puppen aus. Die Raupen packt er und schlägt sie wiederholt auf den Boden, um einen Teil der Brennhaare zu entfernen, bevor er sie verschluckt.
Zauberknochen und Volksglaube: die Verbindung zu Zypern
Kaum ein anderer Vogel ist in der zyprischen Volksüberlieferung so stark mit Aberglauben und Staunen verbunden wie der Πουπούξιος. Auf Zypern gibt es ein bekanntes Sprichwort – “έχει κοκκαλούιν του πουπούξιου”. Damit beschreibt man jemanden, der außergewöhnlich viel Glück hat oder selbst aus völlig aussichtslosen Situationen herauskommt. Wörtlich bedeutet es: Er hat das kleine Knochenstück des Wiedehopfs.

Der Glaube dahinter ist bemerkenswert. Nach zyprischer Volkstradition besaßen die kleinen Knochen des Wiedehopfs beinahe magische Kräfte: Wer einen bei sich trug, konnte das Herz der geliebten Frau gewinnen, vor Gericht freigesprochen werden und jedes Hindernis überwinden, das ihm das Leben in den Weg stellte. Doch diese Kraft sollte nur unter ganz bestimmten – und ziemlich anspruchsvollen – Bedingungen wirken. Der Vogel musste eigenhändig und ohne Waffe getötet werden. Danach sollte man ihn vierzig Tage lang in der Erde vergraben. Anschließend musste das Skelett wieder ausgegraben, der Knochen entnommen und in vierzig verschiedenen Quellen gewaschen werden – jede davon nach Osten ausgerichtet.
Ob auf Zypern jemals wirklich jemand all diese Bedingungen erfüllt hat, bleibt wohl offen. Aber schon die Tatsache, dass es diesen Volksglauben überhaupt gab, sagt viel aus: Dieser Vogel mit seiner königlichen Haube, seinen geheimnisvollen Gewohnheiten, seinem seltsamen Nest und seinem eigenartigen Ruf galt als etwas, das über das Alltägliche hinausging. Wie man sagt, ist er seit der Antike mit Mythen, Magie und Aberglauben verbunden.
Der Wiedehopf auf Zypern heute
Auf Zypern ist der Wiedehopf ein Zugvogel, der hier brütet, und oft eines der ersten sicheren Zeichen des Frühlings – manchmal schon im Februar. Weit verbreitet gilt er als geschützte Art, gerade wegen seines ökologischen Werts: Er ernährt sich fast ausschließlich von Insekten und hilft so, natürliche Schädlingsbestände im Gleichgewicht zu halten. In den Kiefernwäldern des Troodos-Gebirges und der Region Paphos spielt er leise, aber wichtig seine Rolle bei der Kontrolle der Prozessionsspinner. Damit ist er ein Verbündeter des Waldes selbst. Während der Klimawandel der Prozessionsmotte erlaubt, sich im Mittelmeerraum weiter auszubreiten, wird der Wiedehopf als natürlicher Regulator immer wichtiger.
Wo man ihn finden kann
Die beste Zeit, um auf Zypern einen Wiedehopf zu sehen, ist von März bis Mai. Dann brüten die Vögel aktiv, und die Männchen rufen besonders häufig. Am besten hält man hier Ausschau nach ihnen:

– In den Ausläufern des Troodos und in den Bergdörfern – besonders rund um Platres, Kakopetria und Kykkos, wo alte Steinmauern und große Bäume ideale Nistplätze bieten
– Auf Feldern und in Olivenhainen – der Wiedehopf sucht seine Nahrung am liebsten auf offenem Boden, und Obstgärten mit alten Bäumen gehören zu seinen bevorzugten Lebensräumen
– Auf der Akamas-Halbinsel – wo Buschland und offene Flächen hervorragende Bedingungen zum Nahrungssuchen bieten
So schwer ist diese Begegnung gar nicht. Setzen Sie sich an einem warmen Frühlingsmorgen einfach ruhig an den Rand eines zyprischen Kiefernwaldes, lauschen Sie diesem weichen, rollenden up-up-up und warten Sie. Wenn der Vogel dann erscheint – wie er bedächtig über eine steinige Lichtung läuft, die Haube aufgestellt, die Flügel in schwarz-weißer Geometrie gefaltet -, wirkt das sofort. Das ist ein Vogel, bei dem man unwillkürlich stehen bleibt.
Ein Vogel, den man kennen sollte – und eine Insel, die Schutz verdient
Der Wiedehopf gehört zu jenen Arten, die unverhältnismäßig viel kulturelles Gedächtnis der Welt in sich tragen. Er war König, Bote eines Propheten, Symbol eines Dichters, Gegenstand ägyptischer Verehrung, Anlass für die Neugier des Aristoteles und Träger zyprischer Magievorstellungen – und schreitet dabei bis heute still über die Erde des Mittelmeerraums, sucht mit seinem gebogenen Schnabel nach Larven und richtet seine spektakuläre Haube in den Morgenhimmel.
Auf Zypern gehört er fest zum Frühling. Den Ruf des Πουπούξιος am Rand eines nach Kiefern duftenden Hangs zu hören, während sich die ersten Wildblumen öffnen, schafft für einen kurzen Moment das Gefühl, mit etwas verbunden zu sein, das auf dieser Insel schon sehr, sehr lange geschieht.