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Versteckt in Steinmauern, geschützt unter der Rinde von Olivenbäumen und langsam über den feuchten Morgenboden gleitend – Zypern ist Heimat von weit über 120 Arten von Landschnecken, von denen etwa ein Viertel nirgendwo sonst auf der Welt vorkommt. Hier erzählen wir ihre Geschichte.

Cornu aspersum, die Gartenschnecke – auf Zypern seit Jahrtausenden geschätzt und gegessen © hungrymanticorem iNaturalist

Langsam, übersehen, unverwechselbar

Wer nach einem Winterregen durch einen zyprischen Garten geht, sieht sie plötzlich überall: an Mauern haftend, mit bedächtiger Ruhe über Wege ziehend und silbrig glänzende Spuren auf dem Stein hinterlassend. Landschnecken gehören zu den ältesten und still erfolgreichsten Bewohnern der Insel. Trotzdem laufen die meisten Menschen an ihnen vorbei, ohne ihnen große Beachtung zu schenken. Und genau das ist, wie sich zeigt, ein echter Fehler.

Helix cincta, die Gebänderte Schnirkelschnecke © Luca Tringali iNaturalist 

Zypern beherbergt eine erstaunliche Vielfalt an Landschnecken, darunter Arten, die es sonst nirgends auf der Erde gibt. Manche sind kaum größer als ein Fingernagel, andere könnten eine Teetasse füllen. Einige tragen hoch aufgetürmte Gehäuse wie kleine Pagoden, andere sind flach und weiß wie eine Oblate. Seit zehntausend Jahren dienen sie den Menschen hier als Nahrung, sie tauchen in antiken Vorstellungen auf und gelten für viele Biologen als eines der besten Beispiele für Inselentwicklung im gesamten Mittelmeerraum. Und doch ist ihre Geschichte fast nie erzählt worden.

Sie tragen ihre Welt auf dem Rücken

Landschnecken sind Weichtiere – also Teil derselben großen Tiergruppe wie Oktopusse, Muscheln und Austern. Von ihren Verwandten unterscheiden sie sich vor allem dadurch, dass sie das Leben an Land erobert haben. Sie atmen mit einer einfachen Lunge statt mit Kiemen und tragen ein gewundenes Gehäuse, das ihnen zugleich Zuhause und Schutz ist. Diese Verbindung aus schützendem Haus und feuchtem, beweglichem Körper hat sich erstaunlich bewährt: Schnecken leben seit mehr als 300 Millionen Jahren an Land – lange bevor die Dinosaurier überhaupt auftauchten.

Albinaria saxatilisFelsen-Weißtürchenschnecke – eine der spezialisiertesten endemischen Gruppen Zyperns  © Luca Tringali iNaturalist 

Die Arten, die man auf Zypern sieht, gehören überwiegend zu einer Gruppe namens Pulmonata – den Lungenatmern. Ihre Ordnung, Stylommatophora, erkennt man gut an den vier Fühlern am Kopf: zwei kurze zum Tasten und Riechen und zwei längere, an deren Spitzen die Augen sitzen. Bei Gefahr kann eine Schnecke ihren ganzen weichen Körper in wenigen Sekunden ins Gehäuse zurückziehen. In trockenen Zeiten verschließt sie die Öffnung manchmal zusätzlich mit einer dünnen Membran aus getrocknetem Schleim, damit die Feuchtigkeit im Inneren bleibt.

“Auf Zypern gibt es etwa 120 Landschneckenarten aus 35 verschiedenen Familien – ein Artenreichtum, der fast alle überrascht, die davon hören.”

Die Biodiversitätsdaten der Insel, die der Naturforscher George Konstantinou über Jahrzehnte hinweg bei Feldarbeiten zusammengetragen hat, bestätigen genau das: Auf Zypern leben rund 120 Landschneckenarten aus 35 verschiedenen Familien – eine Vielfalt, mit der kaum jemand rechnet. Die meisten Zyprer, sagt er, kennen nur die großen essbaren Arten. Die winzigen Formen, manche kaum größer als ein Stecknadelkopf, bleiben dem flüchtigen Blick fast immer verborgen. Dabei sind sie in großer Zahl vorhanden und prägen still die Ökologie von Boden und Gestein.

Die Kalksteinhügel und alten Steinmauern Zyperns bieten ideale Lebensräume für diese bemerkenswerte Vielfalt an Landschnecken.

Seit der Steinzeit auf dem Teller

Die Beziehung zwischen Menschen und Schnecken auf Zypern ist erstaunlich alt. Bei archäologischen Ausgrabungen in einigen der frühesten neolithischen Siedlungen der Insel fand man Gehäusereste, die darauf hindeuten, dass Schnecken regelmäßig gegessen wurden. Fundorte wie Choirokoitia, Sotira-Teppes, Kantou-Kouphovounos und Agios Epiktitos-Vrysi – Siedlungen, die ungefähr 9.000 Jahre zurückreichen – lieferten Nahrungsreste, in denen Landschnecken neben Getreide und Knochen auftauchen. Schon in der späteren vorkeramischen Jungsteinzeit, also um 7000 v. Chr., waren Schnecken für die ersten dauerhaften Gemeinschaften Zyperns eine verlässliche Eiweißquelle.

Das ist keine rein lokale Besonderheit. Im gesamten Mittelmeerraum werden Schnecken seit vorgeschichtlicher Zeit gegessen, und im antiken Rom galten sie sogar als Delikatesse. Man hielt sie in eigens angelegten umfriedeten Gärten, den sogenannten cochlearia, und fütterte sie mit Wein und Kräutern, um ihren Geschmack zu verbessern. Das Wort “cochlea” – lateinisch für Schneckengehäuse – wird in der Anatomie bis heute für die spiralförmige Struktur des Innenohrs verwendet. Das zeigt, wie tief sich diese Form in die menschliche Vorstellung eingeprägt hat.

© George Konstantinou biodiversitycyprus.blogspot.com 

Auf Zypern trägt das spiralförmige Schneckenhaus noch eine weitere, symbolische Bedeutung. Aphrodite – die aus dem Meerschaum geborene Göttin, die der Überlieferung nach auf Zypern an Land kam – war eng mit Muscheln und Schalen als Zeichen von Schönheit, Fruchtbarkeit und dem Kreislauf des Lebens verbunden. Die Spirale, die in der Natur immer wieder auftaucht, von Galaxien bis zu Farnwedeln, wurde in der Antike als Sinnbild für Leben und Erneuerung verstanden. Für einen Bauern in der Jungsteinzeit muss es etwas Besonderes gewesen sein, dieses Symbol lebendig und in Bewegung im eigenen Garten zu sehen.

Tausend Formen, ein Grundmuster

Die Vielfalt der Landschneckengehäuse auf Zypern ist still beeindruckend. Am einen Ende stehen die großen, runden Schnecken der Familie Helix – kräftige, kugelige Gehäuse mit bis zu fünf oder sechs Zentimetern Durchmesser, oft in Creme und Braun gebändert und so vertraut, dass sie kaum noch auffallen. Das sind die Schnecken auf Speisekarten und jene, die Dorfgroßmütter nach dem Regen sammeln. Am anderen Ende gibt es Tiere, die so klein sind, dass sie ihr ganzes Leben in den Ritzen eines Kalksteins verbringen und deren Gehäuse mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind.

Dazwischen liegt eine Welt überraschender Formen. Die Gattung Albinaria – die Türschnecken – bildet langgestreckte, elegant zulaufende Gehäuse, die wie winzige Türme oder Spindeln wirken und oft nur ein oder zwei Zentimeter lang werden. Außergewöhnlich ist dabei nicht nur ihre Form, sondern auch der kleine innere Mechanismus, dem sie ihren Namen verdanken: eine verkalkte Platte, das sogenannte Clausilium, die wie eine selbstschließende Tür funktioniert. Zieht sich die Schnecke zurück, schwingt sie zu – ganz ohne Schleimpfropf. Im Kleinen ist das ein erstaunliches Stück Naturtechnik.

Dann gibt es noch die weißen, von der Sonne gebleichten Schnecken, die im Sommer an Straßenrändern und auf trockenen Hängen so häufig sind – Arten der Gattungen ThebaTrochoidea und Xeropicta. Ihre hellen Gehäuse sind kein Zufall, sondern eine Anpassung. Helle Oberflächen reflektieren das Sonnenlicht besser und helfen den Tieren, während der langen Sommerruhe kühler zu bleiben. Die harte Sonne Zyperns hat über Jahrtausende hinweg die Helligkeit begünstigt.

Cornu aspersum

GARTEN- / BRAUNE SCHNECKE

Die bekannteste große Schnecke auf Zypern und im ganzen Mittelmeerraum. Braun gebändertes Gehäuse bis 4 cm. Auf Zypern wird sie als saligkária gegessen – geschmort, gebraten oder einfach mit Olivenöl und Zitrone gekocht.

Helix cincta

GEBÄNDERTE SCHNECKE

Eine auffällige, sauber gebänderte Art, die bis zu 5 cm groß wird. Ursprünglich stammt sie aus der Levante und kam wahrscheinlich durch antiken Handel nach Zypern. Sie zählt zu den begehrtesten Speiseschnecken der Insel.

Albinaria virgo

TURM- / TÜRSCHNECKE (ENDEMISCH)

Eine schlanke, spindelförmige Schnecke, die nur auf Zypern vorkommt. Sie gehört zu einer der großen Landschnecken-Ausstrahlungen des Mittelmeerraums – die Gattung Albinaria umfasst über 140 Arten in Griechenland und der Türkei.

Eobania vermiculata

(c) Andrii Khokhlov iNaturalist 

SCHOKOLADENBAND-SCHNECKE

Eine schön gezeichnete Schnecke mit dunklen Spiralbändern und festem weißem Gehäuse. In den Tieflagen und landwirtschaftlich genutzten Gebieten Zyperns ist sie häufig und essbar – traditionell wird sie nach den Herbstregen zubereitet.

Trochoidea liebetruti

ZYPERN-KEGELSCHNECKE (ENDEMISCH)

Eine kleine, kreiselförmige endemische Art, die nur auf der Insel vorkommt. Sie ist eine von vielen zyprischen Endemiten, die sich über Jahrtausende in Isolation entwickelt haben und ganz bestimmte Fels- und Buschlandschaften besiedeln.

Theba pisana

WEISSE ITALIENISCHE SCHNECKE

Die klassische weiße Sommerruhe-Schnecke, die man im Sommer zu Hunderten an der Vegetation am Straßenrand sieht. Ihr helles Gehäuse ist eine Anpassung an große Hitze: Es reflektiert das Sonnenlicht und schützt so vor tödlicher Überhitzung.

Das erstaunliche Leben der Schnecke

  • Alle Schnecken sind Hermaphroditen. Jedes Tier besitzt sowohl männliche als auch weibliche Fortpflanzungsorgane – trotzdem brauchen sie einen Partner, um sich zu vermehren. Die Paarung kann mehrere Stunden dauern.
  • Der Liebespfeil. Vor der Paarung schießen viele Landschnecken ihrem Partner einen kleinen verkalkten Dorn zu – den “Liebespfeil”. Das ist kein Angriff, sondern erhöht den Fortpflanzungserfolg, weil die Verdauung der Spermien verlangsamt wird.
  • Ein Viertel kommt nur auf Zypern vor. Rund 26 % der Landschneckenarten Zyperns gibt es sonst nirgends auf der Erde. Die jahrtausendelange Isolation hat eine schnelle Entwicklung neuer Formen begünstigt.
  • Die Tür, die sich selbst schließt. Albinaria-Türschnecken besitzen einen einzigartigen inneren Verschlussmechanismus – eine winzige verkalkte Klappe namens Clausilium – wodurch ein Schleimpfropf überflüssig wird.
  • Eine Schnecke kann jahrelang schlafen. Bei extremer Trockenheit wurde bei manchen Mittelmeerschnecken dokumentiert, dass sie drei bis vier Jahre in tiefer Sommerruhe überleben können – versiegelt, inaktiv und wartend auf Regen.
  • Ihr Schleim wird medizinisch genutzt. Schneckensekret, also die Schleimspur, wird heute in kosmetischen und dermatologischen Produkten wegen seiner hautregenerierenden Eigenschaften verwendet. Auf Zypern gibt es zudem eine kleine, aber wachsende Helicikultur, also Schneckenzucht.
  • Linksgedrehte Gehäuse sind selten. Fast alle Schneckengehäuse winden sich im Uhrzeigersinn. Ein linksgewundenes Tier zu finden, ist äußerst ungewöhnlich und geht auf eine einzelne genetische Mutation zurück.
  • Schnecken haben Zähne. Statt Kiefern benutzen Landschnecken eine raspelartige Zunge, die Radula, die mit Tausenden winziger Zähnchen besetzt ist, um Nahrung von Blättern, Rinde und Steinoberflächen abzuschaben.

Meister des mediterranen Sommers

Zu den erstaunlichsten Eigenschaften der Landschnecken Zyperns gehört, wie vollständig sie sich an die glühend heißen, trockenen Sommer der Insel angepasst haben. Etwa von Juni bis Oktober, wenn der Regen ausbleibt und die Temperaturen regelmäßig über 38 °C steigen, verfallen die meisten Landschnecken in einen Zustand, der Aestivation genannt wird – eine Art Sommerschlaf. Sie ziehen sich tief in ihr Gehäuse zurück, verschließen die Öffnung mit einem Pfropf aus getrocknetem Schleim, dem sogenannten Epiphragma, und fahren ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter. Manche Arten klettern auf Pflanzen oder Steinmauern hinauf, vermutlich um der Hitze des Bodens zu entkommen. Arten mit weißem Gehäuse sind auf sonnengebleichtem Kalkstein dann fast unsichtbar.

© Konstantinos Barsakis iNaturalist

Während dieser Ruhephase sinkt ihr Herzschlag fast auf null, der Wasserverlust wird stark begrenzt, und monatelang leben sie von ihren Energiereserven. Wenn im Herbst die ersten Regenfälle kommen – meist im Oktober oder November -, erscheinen sie oft schon innerhalb weniger Stunden wieder, manchmal in beeindruckender Zahl. Zyprische Sammler wissen genau, was ein kräftiger Septemberregen bedeutet: Die Schnecken sind zurück.

Auch die Fortpflanzung richtet sich nach diesem Regenkalender. Im Herbst, nach den ersten Niederschlägen, legen Schnecken ihre Eier ab. Dafür graben sie kleine Kammern in weiche Erde, in denen die Eier während der kühleren Monate heranreifen. Die Jungschnecken schlüpfen im Winter und wachsen mehrere Monate lang, bis sie der nächste Sommer erneut in die Ruhephase zwingt.

Die Gattung Albinaria – deren Vertreter sich auf Zypern, in Griechenland und in der Türkei auf besonders eindrucksvolle Weise entwickelt haben – ist für Evolutionsbiologen von besonderem Interesse. Mit mehr als 140 anerkannten Arten zählt sie zu den intensivsten Ausstrahlungen von Landschnecken im Mittelmeerraum. Die zyprischen Albinaria-Arten scheinen sich von Festlandsformen abgespalten zu haben, als die Insel geografisch isoliert wurde. Jede Art fand dabei leicht unterschiedliche Nischen in den vielfältigen Kalksteinlandschaften der Insel. Das Ergebnis ist eine Tiergruppe, deren Gehäuse sehr unterschiedlich aussehen, während ihre innere Anatomie bemerkenswert ähnlich bleibt – ein klassisches Muster schneller, gut sichtbarer Evolution unter Inselisolation.

Noch immer auf dem Teller, noch immer in der Mauer

Landschnecken sind bis heute auf eine Weise Teil des zyprischen Lebens, die man leicht übersieht und doch kaum überschätzen kann. Nach den ersten Herbstregen sieht man in Dörfern auf der ganzen Insel Menschen – oft ältere Frauen – mit Plastiktüten und Eimern über die Felder gehen, um die großen essbaren Arten zu sammeln. Das zyprische Wort saligkária (σαλιγκάρια) ist kein altertümlicher Ausdruck. Es steht auf Speisekarten in Nikosia und Limassol, und Gerichte wie in Tomatensauce geschmorte Schnecken oder einfach gekochte Schnecken mit Olivenöl und Zitrone gehören auf Dorftischen weiterhin ganz selbstverständlich dazu. Besonders geschätzt wird die große Helix cincta – die Gebänderte Schnecke. Sehr große Exemplare wurden auf Zypern traditionell mnouhari genannt, gekocht und schlicht mit Öl und Zitrone serviert.

© Jaana iNaturalist 

Abseits der Küche stehen die endemischen Schnecken Zyperns unter echtem Druck. Das übermäßige Sammeln essbarer Arten ohne ausreichende Regulierung, der Verlust von Lebensräumen durch die Ausdehnung von Siedlungen und der Trocknungstrend im Zusammenhang mit dem Klimawandel sind reale Bedrohungen. Einige endemische Arten werden von der IUCN bereits als gefährdet geführt. Naturforscher und Naturschützer fordern daher, auch auf Zypern saisonale Sammelgrenzen einzuführen – so wie sie in Frankreich und anderen europäischen Ländern längst bestehen. Derzeit ist das Sammeln von Landschnecken auf der Insel nämlich weitgehend unreguliert.

Wann man sie sieht – und wo man sie findet

Landschnecken zu finden, ist auf Zypern nicht schwer – aber der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. In den Sommermonaten von Juni bis Oktober gibt es fast nichts zu sehen: Dann sind die Schnecken versiegelt und schlafen durch die Hitze. Interessant wird es an beiden Enden dieser langen Ruhezeit.

Ein praktischer Beobachtungsführer

Wer auf Zypern Landschnecken finden will, braucht weniger Glück als ein Gefühl für Jahreszeit und Lebensraum.

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  • Beste Zeit: Oktober bis April

Nach den ersten Herbstregen kommen die Schnecken in großer Zahl hervor. Im Frühling, besonders von Februar bis April, sind sie am aktivsten. Dann sieht man sie während und nach Regenfällen besonders oft, vor allem morgens.

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  • Beste Lebensräume

Alte Steinmauern, Kalkstein-Buschland, Olivenhaine und die Ränder bewirtschafteter Felder. Besonders artenreiche Schneckengemeinschaften gibt es in den Vorgebirgen des Troodos und auf der Akamas-Halbinsel.

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  • Auch auf das Kleine achten

Die meisten Menschen bemerken nur die großen essbaren Arten. Es lohnt sich, Steinmauern, Felsspalten und trockene Vegetation genauer anzuschauen – in diesen Kleinstlebensräumen leben Dutzende winziger Arten, die leicht übersehen werden.

🍽️

  • Auch mal probieren

Auf den Herbst- und Winterkarten vieler Restaurants in Dörfern der Regionen Troodos und Paphos stehen oft frisch gesammelte Schnecken. Es ist eines der ältesten Lebensmittel der Insel, das bis heute ohne Unterbrechung gegessen wird.

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  • Sommerbeobachtung: nach oben schauen

Im Sommer sollte man nach ruhenden Schnecken suchen, die an Mauern, Steinen und Straßenrandvegetation fest versiegelt sitzen – die blassweißen Ansammlungen von Theba pisana sind an trockenem Buschwerk und Zäunen besonders gut zu sehen.

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  • Funde dokumentieren

Die Datenlage zu Zyperns Landschnecken ist noch unvollständig. Beobachtungen auf iNaturalist (inaturalist.org) zu erfassen und hochzuladen, trägt tatsächlich zum wissenschaftlichen Wissen über die Biodiversität der Insel bei.

Die Spirale, die alles verbindet

Es lohnt sich, einen Moment bei dem Gedanken zu bleiben, dass die ältesten menschlichen Siedlungen auf Zypern – Menschen, die gerade erst den Ackerbau entdeckt hatten und weder von Aphrodite noch von Philosophie oder dem Römischen Reich wussten – bereits Schnecken aßen und ihre Gehäuse im Boden hinterließen. Zehntausend Jahre Kontinuität, eingeschlossen in einer Kalziumspirale, die kaum größer ist als eine Faust.

Zypern ist eine Insel, und auf Inseln zeigt die Evolution oft ihre spannendsten Seiten. Die große Zahl an Schneckenarten, die nur hier vorkommen – geformt vom Kalkstein, vom langen trockenen Sommer und von der besonderen Geologie des Troodos – erinnert daran, dass Biodiversität nicht nur in Regenwäldern und Korallenriffen zu finden ist. Sie ist auch hier: in der Gartenmauer, in der Felsspalte, in der Spirale, die sich schon drehte, bevor es unsere Art überhaupt gab.

Wenn es das nächste Mal regnet, schauen Sie nach unten.

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