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Zypern liegt mitten auf einer der vier großen Zugrouten zwischen Europa und Afrika. Diese Lage macht die Insel zu einem unverzichtbaren Zwischenstopp für Millionen von Vögeln, die jedes Jahr zwischen den Kontinenten pendeln. Etwa 80 Kilometer südlich der Türkei und 95 Kilometer westlich von Syrien gelegen, liegt Zypern direkt auf der Linie zwischen europäischen Brutgebieten und afrikanischen Überwinterungsplätzen. Zu den spektakulärsten Gästen zählen Rosaflamingos, mehrere Reiherarten und der scheue Schwarzstorch.

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Diese seltenen Vögel sind auf die Feuchtgebiete Zyperns, die Salzseen und die Küsten angewiesen, um auf ihren langen Reisen zu rasten und Nahrung zu finden. Das Netz geschützter Gebiete bietet lebenswichtige Lebensräume, die nicht nur einzelnen Tieren, sondern ganzen Beständen helfen, die anderswo unter Druck stehen. Auf Zypern wurden über 400 Vogelarten nachgewiesen, die meisten davon regelmäßig als Durchzügler.

Salzseen und alte Zugrouten

Die Salzseen Zyperns sind für Zugvögel von besonderer Bedeutung. Der Salzseekomplex von Larnaka besteht aus vier miteinander verbundenen Seen mit zusammen 2,2 Quadratkilometern Fläche und ist damit nach dem Akrotiri-Salzsee bei Limassol das zweitgrößte Salzseengebiet der Insel. Die Seen sind als Ramsar-Gebiete von internationaler Bedeutung ausgewiesen, gehören zum EU-Netz Natura 2000, sind nach dem Barcelona-Übereinkommen besonders geschützte Gebiete und von BirdLife International als Important Bird Areas anerkannt.

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Im Sommer fallen die Seen oft völlig trocken, zurück bleibt eine Kruste aus Salz und grauem Staub. Mit den Winterregen verwandeln sie sich wieder in wertvolle Feuchtgebiete. Zufließendes Süßwasser hält das empfindliche Gleichgewicht aufrecht, das große Bestände von Salzkrebsen ermöglicht. Diese winzigen Krebse fressen dunkelrote Algen, die im salzhaltigen Wasser wachsen, und bilden so die Basis der Nahrungskette. Die Krebse ziehen Tausende von Wasservögeln an, die während des Zugs und im Winter auf diese konzentrierte Nahrungsquelle angewiesen sind.

Flamingos nutzen die zyprischen Salzseen seit Jahrtausenden und folgen Routen, die lange vor der menschlichen Besiedlung der Insel entstanden. Archäologische Funde und historische Berichte belegen, dass diese Zugmuster in griechischer, römischer und byzantinischer Zeit stabil geblieben sind. Die Vögel orientieren sich mit Hilfe mehrerer Signale, darunter Magnetfelder, Sternbilder und Hinweise auf entfernte Regengebiete, die sie über Veränderungen des Luftdrucks wahrnehmen.

Rosaflamingos – die pinken Wintergäste

Der Rosaflamingo ist der bekannteste Wintergast Zyperns. Zwischen 2.000 und 12.000 Tiere verbringen die Wintermonate auf der Insel, meist ab November mit den ersten kräftigen Regenfällen bis etwa März. In der Saison 2024 trafen die ersten Vögel Mitte November am Salzsee von Larnaka ein. In außergewöhnlichen Jahren können es insgesamt an allen Feuchtgebieten bis zu 20.000 Individuen werden.

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Er wird bis zu 150 Zentimeter groß und ist damit die größte Flamingoart. Seine charakteristische Färbung verdankt er Carotinoiden aus der Nahrung, vor allem Salzkrebsen und Algen. Wie intensiv das Rosa ausfällt, hängt von der Qualität der Nahrung und der Gesundheit ab. Männchen sind etwas größer als Weibchen, beide Geschlechter tragen jedoch das gleiche Gefieder: überwiegend weiß mit Rosatönen und leuchtend roten Schwungfedern, die beim Flügelschlag auffallen.

Flamingos verständigen sich mit trompetenden und keckernden Rufen, die über die Seen hallen. Bei der Nahrungssuche halten sie ihren spezialisierten, gebogenen Schnabel kopfüber ins seichte Wasser und sieben mit lamellenartigen Filtern winzige Organismen heraus. Beim aktiven Fressen filtern sie bis zu 20 Schnabelfüllungen Wasser pro Sekunde.

Reiher in zyprischen Feuchtgebieten

Mehrere Reiherarten erscheinen während des Zuges und im Winter auf Zypern. Am häufigsten zu sehen ist der Graureiher. Er wird bis zu einem Meter groß, hat aschgraues Gefieder, einen weißen Kopf und Hals mit einem schwarzen Streifen, der bis zu einem schwarzen Schopf reicht. Jagdtechnisch verharren sie bewegungslos im Flachwasser und schnellen dann blitzschnell nach Fischen, Amphibien und kleinen Säugern. Im Flug ist der S-förmig eingezogene Hals typisch – ein Merkmal aller Reiher und Sichler.

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Graureiher lassen sich unter anderem am Oroklini-See, im Akrotiri-Marschland und im Athalassa-Park beobachten. Sie brüten in Kolonien, den sogenannten Reiherkolonien, meist in hohen Bäumen nahe am Wasser. Die Nester werden Jahr für Jahr wieder genutzt und wachsen durch ständige Erweiterung zu stattlichen Plattformen heran.

Auch der Purpurreiher zieht während der Zugzeiten über Zypern. Zur Brutzeit zeigt er besonders am Kopf, Hals und an den Schenkeln ein kräftig purpurnes Gefieder. Purpurreiher bevorzugen dichte Schilfzonen und sumpfige Bereiche mit guter Deckung. Sie sind einzelgängerischer als Graureiher und bewegen sich bemerkenswert geschickt durch dichtes Röhricht.

Schwarzstörche auf dem Zug

Der Schwarzstorch gehört zu den heimlichsten großen Zugvögeln, die Zypern passieren. Er misst vom Schnabel bis zum Schwanz 95 bis 100 Zentimeter, die Spannweite liegt bei 145 bis 155 Zentimetern. Adulte Tiere tragen auf Kopf, Hals, Rücken und Flügeln glänzend schwarzes Gefieder, das in der Sonne grünlich und purpurn schillert. Die Unterseite ist weiß und bildet einen starken Kontrast. Lange rote Beine und ein spitzer roter Schnabel machen ihn unverwechselbar.

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Im Gegensatz zum geselligen Weißstorch ist der Schwarzstorch scheu und meidet Menschen. Er bevorzugt abgelegene, bewaldete Gegenden in Gewässernähe. Sein Brutgebiet erstreckt sich über Teile Europas bis weit durch die Paläarktis bis an den Pazifik. Europäische Bestände überwintern in den Tropen südlich der Sahara, während asiatische Populationen auf dem indischen Subkontinent überwintern.

Auf Zypern erscheinen Schwarzstörche vor allem während des Herbstzugs von August bis Oktober, mit einem Höhepunkt im September. Auch im Frühjahr, meist im März und April, ziehen sie durch. Sie meiden weite Meeresflächen und wählen lieber enge Übergänge. Östliche Populationen ziehen in der Regel über die Türkei und den Levante-Raum, wodurch Zypern als natürlicher Zwischenstopp auf der Route liegt.

Herausforderungen für den Schutz

Alle drei Vogelgruppen sind auf dem Zug und in den Winterquartieren erheblichen Gefahren ausgesetzt. Durch Bebauung gehen wichtige Feuchtgebiete an der Küste verloren. Gewässerverschmutzung aus Landwirtschaft und Städten verschlechtert die Wasserqualität und verringert das Nahrungsangebot. Der Klimawandel verändert Niederschlagsmuster und damit Zeitpunkt und Verlässlichkeit der Überflutung von Feuchtgebieten.

Flamingos reagieren besonders empfindlich auf Störungen. Menschen, die in die Salzseen waten oder Drohnen darüber fliegen lassen, vertreiben die Trupps und zwingen sie zu energiezehrenden Flügen – Reserven, die sie für den Zug brauchen. Aufklärungskampagnen betonen daher, Abstand zu halten und nur von ausgewiesenen Beobachtungspunkten aus zu schauen.

Illegale Vogelfänge und Jagd kommen trotz Schutzgesetzen noch vor. Zypern hat Kontrollen verstärkt und die Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut, dennoch gibt es weiterhin Ausfälle. Stromleitungen bergen zudem ein Kollisionsrisiko für große Segler wie Störche, das jedoch durch Markierungsprogramme abnimmt.

Tipps zum Beobachten

Mehrere Orte bieten hervorragende Chancen, seltene Zugvögel zu sehen. Der Salzsee von Larnaka ist am leichtesten zugänglich, besonders entlang des vier Kilometer langen Naturpfads mit Startpunkten am Kamares-Aquädukt und nahe dem alten Flughafen. Die besten Beobachtungszeiten liegen zwischen Dezember und Februar, wenn die Flamingozahlen ihren Höhepunkt erreichen. Eine Beobachtungsplattform ermöglicht erhöhte Ausblicke, ohne die Vögel zu stören.

Der Akrotiri-Salzsee bei Limassol ist das größte Feuchtgebiet Zyperns. Das Akrotiri Environmental Education Centre bietet freien Eintritt, Beobachtungsbereiche und Teleskope, um Flamingos und andere Wasservögel zu beobachten. Das Personal informiert über aktuelle Sichtungen und die besten Plätze.

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Am Oroklini-See bei Larnaka steht ein spezieller Beobachtungsturm über dem Feuchtgebiet, der sehr gute Einblicke auf Flamingos, Reiher und viele weitere Arten wie Stelzenläufer und Spornkiebitze bietet. Das Gebiet ist kleiner, dadurch sind weniger Vögel vor Ort, aber die Beobachtung ist oft ruhiger.

Zugrouten bewahren

Die seltenen Vogelgäste Zyperns verbinden die Insel mit riesigen Ökosystemen über Kontinente hinweg. Flamingos, Reiher und Schwarzstörche sind auf intakte Ketten von Feuchtgebieten angewiesen – von den Brutgebieten bis zu den Winterquartieren. Der Schutz der zyprischen Salzseen und Feuchtflächen leistet daher einen Beitrag zum Erhalt ganzer Zugrouten.

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Mit Schutzgebietsausweisungen, aktiver Pflege und Aufklärung setzt sich die Insel dafür ein, diese Rastplätze zu erhalten. So können auch künftige Generationen miterleben, wie Tausende pinkfarbener Flamingos die winterlichen Salzseen färben und elegante Reiher im Flachwasser jagen. Diese eindrucksvollen Vögel erinnern uns daran, dass die Natur weit über nationale Grenzen hinauswirkt – und dass ihr Schutz nur gemeinsam gelingen kann.

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