Zypern liegt am Schnittpunkt der drei großen Florazonen Europas, Asiens und Afrikas. Diese strategische Lage hat eine bemerkenswerte botanische Vielfalt hervorgebracht – auf der Insel sind etwa 1.950 Arten von Blütenpflanzen nachgewiesen. Rund 8 Prozent der einheimischen Pflanzen, insgesamt 139 endemische Arten und Unterarten, kommen nirgendwo sonst auf der Erde vor.

Die große Vielfalt an Lebensräumen auf der Insel – von Küstendünen bis zu Bergen, die 1.952 Meter erreichen – entsteht durch unterschiedliche Mikroklimata und geologische Bedingungen und schafft ideale Voraussetzungen für diese außergewöhnliche Flora. Gleichzeitig gedeiht die Weinindustrie an terrassierten Hängen, wo seit Jahrtausenden Reben wachsen und Sorten wie Commandaria hervorbringen, deren Ursprünge über 800 Jahre zurückreichen.
Wenn Wildblumen die Landschaft verwandeln
Die ersten Orchideen blühen auf Zypern bereits im Januar, und Mitte Februar zeigt sich die Landschaft schon in frischem Grün mit blühenden Mandelbäumen. Ende Februar bis Ende April ist die beste Zeit, um Zypern in voller Blüte zu erleben. Wie üppig die Flora ausfällt, hängt stark davon ab, wie viel Regen im vorangegangenen Winter gefallen ist, denn die Hitze ab April beendet die Wildblumenzeit. Im Mai und Juni findet man kaum noch wilde Blüten.

In den Wintermonaten erscheinen verschiedene Waldarten wie Alpenveilchen, Narzissen, Krokusse und Traubenhyazinthen. Das endemische Cyclamen cyprium, das es nur auf Zypern gibt, wächst reichlich an schattigen, steinigen Stellen entlang der Südwestküste und im nördlichen Gebirge. Von Februar bis April sprießen rosa Alpenveilchen aus felsigen Hügeln und Dickichten und schmücken eindrucksvoll die Bäder der Aphrodite.

Wenn der Frühling in den Sommer übergeht und die Insel sich erwärmt, entfalten sich die farbenprächtigsten Frühlingsblumen in voller Blüte. Affodill, Ringelblumen und drei Zistrosen-Arten – Cistus creticus, Cistus parviflorus und Cistus salviifolius – bringen überall unterschiedliche Farben hervor. Zwischen Februar und Mai sieht man in den Ausläufern der Berge Hahnenfußgewächse wie den Turban-Hahnenfuß und den Persischen Hahnenfuß. Sie blühen in verschiedenen Farben von Creme über Gelb bis zu tiefem Scharlachrot und Weiß mit roten Streifen.
Endemische Arten im Troodos-Gebirge
Der höchste Teil des Olympos, oberhalb von 1.500 Metern, ist von Januar bis April schneebedeckt. Diese Zone zeichnet sich durch spärlichen Bewuchs von Pinus nigra aus. Der Boden unter den Kiefern ist mit verschiedenen Pflanzen bedeckt, von denen viele endemisch sind: Alyssum cypricum, Alyssum troodi, Arabis purpurea, Crocus cyprius, Euphorbia veneris, Nepeta troodi und Onosma troodi.

Crocus cyprius findet man am Rand des schmelzenden Schnees. Andere endemische Arten wie Arabis purpurea, Euphorbia veneris und Ranunculus cadmicus subspecies cyprius blühen ebenfalls im März und April. Im Mai ist das Tiefland bereits ausgetrocknet, aber die Pflanzen des hohen Troodos beginnen jetzt zu blühen. Neben den Mai-Blühern sollte man im Juni nach Cephalorrhynchus cyprius, Dianthus cyprius subspecies troodi, Hypericum confertum subspecies stenobotrys und Saponaria cypria Ausschau halten.

Die Zone von 0 bis 1.500 Metern ist von Pinus brutia mit Quercus alnifolia bedeckt, der endemischen Eiche, die wegen der goldenen Farbe ihrer Blattunterseiten auch Goldeiche genannt wird. In dieser Zone wachsen auch Arbutus andrachne, Styrax officinalis, Cistus cretica und Cistus parviflora. Zwischen den Zistrosen verstreut finden sich duftende Salbeiarten wie Salvia fruticosa und Salvia willeana, der endemische Salbei.
Uralte Weinberge in Bergdörfern
Das Pitsillia-Gebiet liegt an den Osthängen des Troodos-Gebirges. Malerische Dörfer schmiegen sich an den Berghang, umgeben von Weinbergen, Mandel- und Haselnusshainen sowie einer erstaunlichen Vielfalt an Wildblumen. Der Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche führte über viele Jahrhunderte zur Rodung bewaldeter Gebiete. An geeigneten Stellen ersetzten Weinberge und Obstgärten die Kiefernwälder.

Viele Weinberge auf Zypern sind an steilen Terrassen in großer Höhe angelegt. In niedrigeren Lagen nutzen 700 Meter hoch gelegene Weinberge an der äußersten Westseite Zyperns die Meeresbrise, um Weine mit kühlem Klima und 11 bis 12,5 Prozent Alkoholgehalt zu erzeugen. Mit freiem Blick aufs Mittelmeer tragen 65 bis 100 Jahre alte Buschrebstöcke zu einer langsameren Reifung bei. Die Ausrichtung der Weinberge kann selbst in gleicher Höhe bemerkenswerte Unterschiede bewirken.

Das Weingut Kyperounda pflanzte zwei Xynisteri-Weinberge auf 1.200 Metern Höhe. Beide Jahrgänge von 2022 erreichten 12,5 Prozent Alkohol, ergaben aber recht unterschiedliche Weine. Die sonnenverwöhnte, nach Westen ausgerichtete Version bot primäre Pfirsich- und Mineralnoten, leichte Blütenaromen, eine glatte, vollmundige Textur und einen langen Abgang. Der kühlere, nach Osten ausgerichtete Weinberg mit Morgensonne lieferte mehr blumige, grün-kräuterige und zitruslastige Aromen mit deutlich mehr Säure und viel feinerer Viskosität.
Einheimische Rebsorten, die man kennen sollte
Xynisteri ist die wichtigste weiße Rebsorte Zyperns und macht etwa 30 Prozent der Weinbergflächen aus. Diese alte Sorte zeigt alterungswürdige Qualitäten. Kyperounda Petritis-Jahrgänge von 2013 und 2004 präsentierten faszinierende eingelegte Zitrone, Zesten, Bienenwachs und geröstete tertiäre Entwicklung, die an alten Clare Valley Riesling erinnert.

Yiannoudi ist eine alte rote Sorte, die in 500 Jahre alten verlassenen Weinbergen neben Mavro und Xynisteri zu finden ist. Als nicht domestizierte wilde Traube benötigen ihre weiblichen Blüten Xynisteri zur Bestäubung, wobei auch Mavro und Syrah funktionieren. Die Mischpflanzung wechselt normalerweise alle zwei oder drei Rebstöcke. Yiannoudis Aromen und Geschmacksnoten tendieren zu kräuterigem Lorbeerblatt und Balsamico-Noten mit einer Mischung aus herzhaften, gerösteten roten und schwarzen Früchten.

Lefkada ist eine weitere rote Sorte, die Mischpflanzung mit Xynisteri benötigt. Sie ist im Weinberg notorisch schwierig und spätreifend, wobei die Stiele manchmal grün bleiben, selbst wenn die Frucht reift. Außerordentlich tanninhaltig verlangt Lefkada leichte Extraktion und sanfte Behandlung, um Adstringenz zu vermeiden. Bambakada scheint perfekt für Liebhaber von Nerello Mascalese oder Alfrocheiro und bietet lebhafte Mischungen aus roten und schwarzen Fruchtcharakteren mit seidiger Textur und feiner Struktur.

Mavro, die berühmte alte Hauptsorte der Commandaria, erzeugt herrlich unkomplizierte kirschige Weine, die leicht, fein tanninhaltig und erfrischend saftig sind.
Commandaria, der älteste benannte Wein der Welt
Commandaria gilt als der älteste benannte Wein, der noch produziert wird, mit über 800 Jahren dokumentierter Geschichte. Die Johanniter perfektionierten diesen süßen bernsteinfarbenen Nektar im 12. Jahrhundert während ihrer Herrschaft über Zypern. Der Wein wird aus sonnengetrockneten Trauben hergestellt, typischerweise Xynisteri und Mavro, die in ausgewiesenen Dörfern der Weinregion Krasochoria angebaut werden.

Die Produktionsmethode bleibt traditionell. Nach der Ernte werden die Trauben in der Sonne ausgelegt, um durch teilweise Dehydrierung den Zucker zu konzentrieren. Dies erzeugt intensiv süßen Most, der langsam fermentiert und einen reichhaltigen Dessertwein mit komplexen Aromen von Trockenfrüchten, Nüssen und Karamell ergibt. Der Wein reift in alten Eichenfässern nach einem Solera-System, bei dem jüngere Weine mit älteren Jahrgängen verschnitten werden, um über die Jahre hinweg Konsistenz zu gewährleisten.

Im Oktober und bis in den November hinein verfärben sich die Blätter im Troodos, und die Weinberge nehmen goldene und purpurrote Farbtöne an vor dem Hintergrund kristallklaren Sonnenlichts. Ende Oktober, in den ersten zehn Septembertagen, findet das jährliche Weinfest in Limassol statt, eine lebhafte Zeit, die die Weinlese mit reichlich fließenden lokalen Weinen feiert.