Die Hala Sultan Tekke ist ein Moschee-Komplex am Westufer des Salzsees von Larnaka. Seine Entstehung reicht in die Jahre 1760 bis 1817 zurück.

Das Monument aus der Osmanenzeit markiert die Grabstätte von Umm Ḥarām, einer Gefährtin des Propheten Mohammed, die während der ersten arabischen Vorstöße 647 oder 649 n. Chr. auf Zypern starb. Nach verschiedenen Quellen gilt der Ort als der dritt- oder viertheiligste Platz im Islam und ist bis heute ein bedeutendes Pilgerziel für Muslime aus aller Welt.
Historischer Hintergrund
Nach islamischer Überlieferung war Umm Ḥarām entweder die Pflegeschwester von Mohammeds Mutter Amina oder die Ehefrau von ʿUbāda ibn as-Sāmit, einem Gefährten des Propheten. Sie begleitete die arabischen Truppen unter dem Kalifen Muʿawiya bei deren Feldzug zur Ausweitung muslimischer Herrschaft im Mittelmeerraum. Berichte schildern sie als hochbetagt, als sie Zypern erreichte. Während der Belagerung von Larnaka stürzte sie von ihrem Maultier und erlag ihren Verletzungen. Sie wurde an der Stelle nahe des Salzsees beigesetzt, an der sie zu Boden ging.

Die Grabstätte blieb durch mündliche Überlieferung bekannt und wurde nach der osmanischen Eroberung Zyperns 1571 offiziell identifiziert. Im 18. Jahrhundert entdeckte der Derwisch Scheich Hassan an der Stelle eine zweikammerige Grabstätte mit Inschriften im Altosmanischen. Dieser Fund bestätigte den Ort und veranlasste die Religionsbehörden, ihn zu einem Ort der Verehrung auszubauen.
Unter den Osmanen genoss der Platz besondere Wertschätzung. Vorbeifahrende osmanische Schiffe ließen vor Larnaka ihre Flaggen auf Halbmast wehen und gaben Ehrensalven ab, um Umm Ḥarām zu ehren. Diese Praxis zeigt die hohe Verehrung, die die türkischen Autoritäten und die weitere muslimische Welt dem Ort entgegenbrachten.
Ausbau des Komplexes
Der heutige Komplex entstand in mehreren Bauphasen über Jahrzehnte. 1760 ließ der zyprische Gouverneur Ali Agha das Grab mit einer hölzernen Einfriedung umgeben. Der italienische Reisende Giovanni Mariti, der zwischen 1760 und 1767 hier war, berichtet, dass Steine aus einer noch stehenden Kirche in einem nahegelegenen verlassenen Dorf als Baumaterial dienten. Bereits 1761 ersetzte man die Holzeinfassung durch eine Mauer mit zwei Bronzetoren.

Die Hauptmoschee wurde vom zyprischen Gouverneur Es-Seyyid Mehmet Emin Efendi initiiert und im November 1817 vollendet. Eine osmanische Inschrift über dem Eingangstor datiert vom 4. März 1813. Sie trägt beidseitig das Monogramm von Sultan Mahmud II. und lautet: “Die Hala Sultan Tekke wurde vom geliebten Diener Gottes, dem großen osmanischen Gouverneur Zyperns, errichtet.”

Zum Komplex gehören mehrere eigenständige Gebäude. Die Moschee selbst ist quadratisch angelegt, besitzt eine zentrale Kuppel und einen Balkon und wurde aus gelblichen Steinquadern in klassisch osmanischem Stil errichtet. Hinter der Qibla-Wand der Moschee steht die Türbe (Mausoleum), ebenfalls quadratisch mit 6,5 Metern Seitenlänge. Eine zentrale Kuppel ruht auf vier Halbkuppeln. Kleine Fenster in jeder Wand sorgen für Tageslicht. Das Grab von Umm Ḥarām befindet sich genau in der Mitte zwischen vier kleinen Säulen und ist von Reihen niedriger Bögen umgeben. An der östlichen Bogenreihe liegen fünf weitere Gräber, darunter die Ruhestätten von zwei Scheichs der Tekke.
Die Siedlung der Bronzezeit
Das Umfeld der Hala Sultan Tekke ist seit Jahrtausenden bewohnt. Unter und neben dem osmanischen Komplex liegt eine der größten bronzezeitlichen Hafenstädte im östlichen Mittelmeer. Diese Siedlung blühte etwa von 1630 bis 1150 v. Chr. und erstreckte sich über mindestens 25 Hektar, möglicherweise bis zu 50 Hektar, wie neuere Radarmessungen nahelegen.

Nachdem antike Gräber geplündert worden waren, erkannte man in den 1890er Jahren erstmals die archäologische Bedeutung des Areals. Das British Museum führte 1897–1898 Ausgrabungen unter Henry Beauchamp Walters und später John Winter Crowfoot durch. Dabei wurden zahlreiche Gräber der späten Bronzezeit mit reichen Beigaben freigelegt. Die Funde wurden zwischen dem British Museum und dem Zypernmuseum aufgeteilt.

Die städtische Wirtschaft ruhte auf mehreren Standbeinen. Über eine Tonne Kupferschlacke und Erz sowie Reste von Öfen, Düsen und Tiegeln belegen eine großangelegte Metallverarbeitung. Der hervorragende Naturhafen erleichterte den Export und sicherte im Gegenzug den Zufluss importierter Güter.

Ausgrabungen legten mehrere Stadtviertel mit Wohnhäusern, Werkbereichen und öffentlichen Gebäuden frei. Teilweise weisen die Bauten mit großformatigen Quadern verblendete Wände auf, was auf eine hochwertige Bauweise hindeutet.
Die Salzsee-Landschaft
Die Lage am Salzsee von Larnaka prägt den besonderen Charakter des Ortes. Der See ist eines von zwei Feuchtgebieten Zyperns mit internationaler Bedeutung. Das System umfasst rund 1.761 Hektar und besteht aus vier Hauptseen: dem großen Salzsee (Alyki), Orphani, Soros und dem kleineren Flughafensee.

Das Feuchtgebiet beherbergt ausgedehnte halophile Pflanzengesellschaften, die an salzhaltige Bedingungen angepasst sind. Die weite Wasserfläche und die offene Umgebung schaffen eine kontemplative Atmosphäre. Während der Zugzeiten rasten hier zahlreiche Vögel, darunter Flamingos, was den See zu einem beliebten Ziel für Vogelbeobachter und Naturfreunde macht.

Historisch wurde in den Seen seit der Römerzeit bis ins 20. Jahrhundert Salz gewonnen. Diese Tätigkeit prägte die Entwicklung der Region und bot vielen Menschen Arbeit. Heute ist die Salzgewinnung eingestellt, und das Gebiet dient vor allem als Naturschutzgebiet und Ausflugsziel.
Architektur und Gestaltung
Die Moschee folgt klassischen Prinzipien der osmanischen Baukunst. Der quadratische Grundriss mit zentraler Kuppel ist typisch für Moscheen dieser Epoche. Die gelblichen Steinquader verleihen dem Bau eine warme Anmutung, die sich deutlich von den Weiß- und Blautönen der Umgebung abhebt.

Das Portal der Türbe scheint aus einem mittelalterlichen Bau zu stammen und zeigt, wie osmanische Baumeister ältere Elemente integrierten. Diese Wiederverwendung war verbreitet, diente der praktischen Materialnutzung und stand zugleich für eine symbolische Verbindung zu früheren Kulturen.

Palmen und Zypressen umgeben den Komplex und verleihen ihm den Charakter eines Hains. Das Grün spendet Schatten und lässt die Anlage wie eine Oase am eher kargen Ufer des Salzsees wirken. Ein von einem Pascha angelegter Garten unterstreicht die stille Atmosphäre.
Moderne Restaurierung
Im 20. Jahrhundert verfiel die Anlage zunehmend. Anfang der 1900er Jahre diente die Moschee zeitweise als Schule, später als Lagerraum. Nach der Teilung Zyperns 1974 geriet der Ort fast in Vergessenheit und litt unter Vernachlässigung.
In den 1980er Jahren begann die Instandsetzung. Die Moschee wurde restauriert und wieder für Gebet und Besucherverkehr geöffnet. Die Nebengebäude wurden 2004 mit Unterstützung des Bi-communal Development Programme, finanziert von USAID und UNDP und umgesetzt über UNOPS, instand gesetzt. Moschee und Minarett werden heute durch laufende Konservierungsmaßnahmen erhalten.
Die Projekte sicherten das bauliche Erbe und machten den Ort zugleich zugänglich. Sie stehen für Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gemeinschaften und internationalen Organisationen, die sich dem Schutz des kulturellen Erbes Zyperns verpflichtet fühlen.
Besuch der Anlage
Die Hala Sultan Tekke liegt etwa 3 Kilometer westlich von Larnaka an der Hauptstraße zum Salzsee. Der Internationale Flughafen Larnaka befindet sich in unmittelbarer Nähe, was die Anreise besonders einfach macht. Wegen der Flughafennähe überfliegen gelegentlich Flugzeuge das Gelände, ohne die ruhige Stimmung spürbar zu beeinträchtigen.

Die Anlage ist ganzjährig außer an Feiertagen geöffnet. Die Zeiten variieren saisonal: vom 16. September bis 15. April täglich 8:30 bis 17:00 Uhr, vom 16. April bis 15. September 8:30 bis 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Als aktive Moschee ist angemessene Kleidung Pflicht. Schultern und Knie müssen bedeckt sein; lange Hosen und T-Shirts sind in Ordnung. Strandkleidung und Wickeltücher sind nicht gestattet. Vor der Gebetshalle sind die Schuhe auszuziehen. Im gesamten Areal, einschließlich des Gartens, gilt Rauchverbot.
Die Tekke heute
Die Hala Sultan Tekke ist zugleich lebendiger Gebetsort und kulturelles Denkmal, das Besucher empfängt. Beides zu vereinen erfordert Rücksichtnahme und gutes Management, das hier erfolgreich gelingt.

Die ruhige Lage am Salzsee lädt unabhängig von der eigenen Religionszugehörigkeit zur stillen Einkehr ein. Die lange Geschichte des Ortes, der nahezu vier Jahrtausende menschlicher Präsenz umfasst, verleiht dem Besuch zusätzliches Gewicht.

Für Muslime bietet der Ort eine Verbindung zur frühen islamischen Geschichte und die Möglichkeit zum Gebet an einer Stätte, die mit Umm Ḥarāms Andenken verknüpft ist. Für Historiker und Archäologen ist er ein Beispiel für kulturelle Kontinuität und Wandel. Für alle anderen ist er ein schöner, stiller Platz und ein Einblick in Zyperns vielfältiges Erbe.
Die Verbindung aus osmanischer Architektur, bronzezeitlicher Archäologie und geschützter Feuchtlandschaft macht die Tekke zu einem einzigartigen Ziel. Nur wenige Orte vereinen so verdichtet Zeugnisse der Menschheitsgeschichte mit intakter Natur. Die Hala Sultan Tekke ist daher weit mehr als ein einzelnes Bauwerk – sie ist ein komplexes Kultur- und Naturensemble.
Die Tekke belegt, dass heilige Orte ihren Stellenwert über wechselnde Zivilisationen und Glaubenswelten hinweg bewahren können. Der Platz, der einst Siedler der Bronzezeit anzog, später die Grabstätte einer frühen muslimischen Gefährtin wurde und von osmanischen Gouverneuren zu einem wichtigen Pilgerzentrum ausgebaut wurde, zieht bis heute Menschen an – aus spirituellen wie aus kulturellen Gründen.