12 verlassene Orte auf Zypern

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Zypern ist eine Insel, auf der die Geschichte offen vor einem liegt. Man muss nicht erst lange danach suchen. Fährt man von Limassol ins Landesinnere, hinauf ins Troodos-Gebirge oder hinüber in den besetzten Norden, stößt man auf Orte, an denen die Zeit ganz plötzlich stehen geblieben zu sein scheint. Eine Kirche hinter Stacheldraht. Eine Asbestmine so groß wie ein kleiner Berg. Eine Ranch, deren Zäune noch stehen, obwohl längst niemand mehr dort lebt. 

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Oder ein Luna Park, der schon dichtmachte, bevor die meisten heutigen Besucher überhaupt geboren waren. Das sind keine kleinen Randnotizen der zyprischen Geschichte. Diese Orte zeigen ganz direkt, was die Insel im 20. Jahrhundert geprägt hat – politische Teilung, der Zusammenbruch von Industrien, wirtschaftlich bedingte Abwanderung und diese stille Form der Vernachlässigung, die einsetzt, wenn niemand mehr da ist, der sich kümmert. Im Folgenden geht es um einige der spannendsten verlassenen Orte Zyperns – was sie einmal waren, wie es so weit kam und was einen heute tatsächlich erwartet, wenn man hinfährt.

Der Tempel des Zeus

Der Zeustempel in Salamis gehört zu den historisch bedeutendsten verlassenen Bauwerken auf Zypern, auch wenn ihn viele Inselbesucher nie zu Gesicht bekommen. Salamis selbst war einst die antike Hauptstadt Zyperns – ein Stadtstaat an der Ostküste nahe dem heutigen Gazimağusa, der vom 11. Jahrhundert v. Chr. bis zu den arabischen Überfällen im 7. Jahrhundert n. Chr. durchgehend besiedelt war. Heute erstrecken sich die Überreste über ein weitläufiges archäologisches Areal an der Nordostküste. Der Tempel des Zeus liegt am südlichen Ende des römischen Forums.

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Die Ursprünge des Tempels reichen weiter zurück, als es die römischen Reste vermuten lassen. Der Kult um Zeus Salaminios soll der Überlieferung nach sogar von Teukros selbst gegründet worden sein – also ganz zu Beginn der Stadtgeschichte. Die heute sichtbaren Baureste stammen aus der Römerzeit. Wie wichtig die Anlage war, zeigt auch ein Eintrag des Historikers Tacitus: Im Jahr 22 n. Chr. verlieh Kaiser Augustus dem Heiligtum das Recht, Asyl zu gewähren.

Am südlichen Ende des Forums, zwischen den Bäumen, liegen die Reste des Zeustempels. Er stand wohl auf der noch heute erkennbaren gestuften Plattform, auch wenn das Bauwerk inzwischen weitgehend überwuchert ist. Das Forum selbst ist beeindruckend groß. Es misst etwa 250 mal 60 Meter und hatte ursprünglich eine offene Mitte, umgeben von Geschäften und einer hölzernen Säulenhalle, die Schatten spendete.

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Bei Ausgrabungen in den 1970er Jahren fand man auf der Tempelterrasse Inschriften zu Ehren Livias, der Frau des Augustus, sowie Widmungen an Zeus Salaminios. Zu den bemerkenswertesten Funden gehörte ein gewaltiges Marmorkapitell, das auf jeder Seite eine Karyatide zeigt, die zwischen den Vorderteilen geflügelter Stiere steht. Die Stätte liegt im Norden Zyperns und wird von der Türkischen Republik Nordzypern verwaltet. Für den Zutritt zum archäologischen Gelände von Salamis braucht man ein separates Ticket, und der Zeustempel befindet sich innerhalb dieser Anlage.

Kirche Agios Anastasios von Peristerona/Maratha

Die Klosterkirche Agios Anastasios in Peristeronopigi im Bezirk Gazimağusa im Norden Zyperns steht für eines der schmerzhaftesten Kapitel der kulturellen Geschichte der Insel nach 1974. Das Dorf hatte schon vor der türkischen Militärintervention eine komplizierte Vergangenheit. Bis 1958 war Peristeronopigi ein gemischtes Dorf. Dann wurden alle rund 200 türkischen Zyprer infolge der interkommunalen Unruhen vertrieben und suchten Zuflucht in Maratha und in der Stadt Gazimağusa. Die zweite Vertreibung folgte 1974, als etwa 1.700 griechische Zyprer vor der vorrückenden türkischen Armee flohen.

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Zu dem, was die fliehende Bevölkerung zurücklassen musste, gehörte auch die Klosterkirche Agios Anastasios – ein Bauwerk von echtem religiösem und künstlerischem Wert. Die königlichen Ikonostasistüren der Kirche, die laut erhaltener Inschrift aus dem Jahr 1778 stammen, wurden nach der Invasion geplündert. Bemalt wurden sie vom Mönch Filaretos aus Psimolofou. Sie sind ein wichtiges Beispiel der zyprischen Ikonentradition des 18. Jahrhunderts. Nach jahrelangen Bemühungen der zyprischen Altertümerverwaltung kehrten die Türen schließlich aus Japan zurück.

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Die Kirche selbst ist bis heute in schlechtem Zustand. Laut einer 2023 im Europäischen Parlament eingebrachten Anfrage gehört das Kloster Agios Anastasios in Peristeronopigi zu den christlichen Denkmälern in den besetzten Gebieten, die entweiht wurden und vom Einsturz bedroht sind. Das Gebäude liegt in einem Gebiet, das für die meisten Besucher aus dem Süden nur über einen offiziellen Grenzübergang erreichbar ist. Wer den Weg auf sich nimmt, findet hier eines der deutlichsten Zeugnisse dafür, was den religiösen Gemeinschaften der griechischen Zyprer im Norden nach 1974 genommen wurde.

Tivoli Luna Park

Der Tivoli Luna Park gehört zu den weniger gut dokumentierten verlassenen Orten Zyperns, doch seine Überreste sind auffällig genug, dass sich in den vergangenen zehn Jahren viele Urban Explorer und Fotografen dafür interessiert haben. In den 1970er und 1980er Jahren war der Park im Raum Nikosia ein öffentliches Vergnügungsziel. Damals kamen an Wochenenden und Feiertagen Familien aus der Hauptstadt hierher – in einer Zeit, als es auf Zypern noch vergleichsweise wenige reine Freizeitorte gab.

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Die Schließung kam schrittweise. Die Besucherzahlen gingen zurück, neue Unterhaltungsangebote kamen hinzu, die Anlagen alterten und es wurde nicht genug investiert, um den Park konkurrenzfähig zu halten. Irgendwann in den späten 1980ern oder frühen 1990ern stellte Tivoli den Betrieb ein. Anders als der bekanntere verlassene Luna Park bei Limassol ist Tivoli kleiner und liegt näher an städtischem Umfeld. Während der Park bei Limassol offener in der Landschaft liegt, steckt Tivoli mitten in einer Nachbarschaft – und genau das lässt seinen Verfall heute noch fremder wirken.

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Von den Fahrgeschäften stehen noch einzelne Gerüste und jene verrosteten Metallkonstruktionen, die für Freizeitparks dieser Zeit typisch waren – gebaut noch bevor Faserverbundstoffe Stahl als Standardmaterial verdrängten. Inzwischen hat sich die Vegetation ihren Platz zurückgeholt. Bäume und Gestrüpp haben Wege überwuchert und an manchen Stellen sogar den Beton aufgebrochen.

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Einige Teile der Anlage sind vom Rand aus sichtbar, und genau so erleben die meisten Besucher den Ort heute, denn einen offiziellen Zugang gibt es nicht. Für Urban Explorer, die solche Orte ernsthaft dokumentieren wollen, ist Tivoli ein Stück zyprischer Freizeitkultur aus einer Zeit, bevor Satellitenfernsehen und Internet den Alltag und die freie Zeit auf der Insel grundlegend verändert haben.

Maximos Ranch (verlassen)

Die Maximos Ranch liegt im Bezirk Paphos, im landwirtschaftlich geprägten Landesinneren und weit weg von der Küstenbebauung, die das touristische Bild dieser Region bestimmt. Früher war sie ein aktiver landwirtschaftlicher Betrieb mit Reitanlage. Heute ist sie aufgegeben, doch vieles ist noch da: die Zäune stehen größtenteils noch, und auch die Gebäude sind in sehr unterschiedlichem Zustand erhalten.

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Spannend ist an diesem Ort vor allem, wie jung diese Aufgabe eigentlich ist. Das hier ist keine mittelalterliche Ruine und auch kein Geisterdorf aus der Zeit nach 1974. Es handelt sich um einen landwirtschaftlichen Betrieb des 20. Jahrhunderts, der schlicht aufgehört hat zu funktionieren. Und genau diese Arbeitswelt ist noch deutlich ablesbar. Stallgebäude, Zäune, Wasserversorgung und die gesamte Organisation einer funktionierenden Ranch sind noch gut zu erkennen. Auf Google Maps ist das Gelände als “abandoned” eingetragen – so wurde es auch in der Szene der Urban Explorer bekannt.

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Die Landschaft ringsum ist typisch für das Hinterland von Paphos: trockenes Buschland mit Blick über landwirtschaftliche Ebenen bis zur Küste. Von der Stadt Paphos aus ist die Ranch mit dem Auto gut erreichbar und damit leichter zugänglich als die abgelegenen Orte am Waldrand im Hinterland der Akamas-Halbinsel. Historisch im klassischen Sinn ist die Anlage nicht besonders bedeutend. Als sehr unmittelbares Stück jüngerer zyprischer Agrargeschichte hat sie aber etwas, das berühmteren Ruinen oft fehlt – das echte Gefühl eines Arbeitsortes, den man einfach zurückgelassen hat.

Pine Hill Lodge

Die Pine Hill Lodge liegt im Troodos-Gebiet, eingebettet in das bewaldete Bergland. Allein die Höhe verleiht dem Ort einen ganz anderen Charakter als den verlassenen Plätzen an der Küste oder im Flachland dieser Liste. Die Lodge war einst ein Beherbergungsbetrieb, wurde später geschlossen und steht seitdem leer, während die Struktur selbst noch immer in der Berglandschaft vorhanden ist.

Michael Dubilet

Verlassene Unterkünfte auf Zypern erzählen oft eine sehr konkrete wirtschaftliche Geschichte. Der Tourismus im Troodos-Gebirge entwickelte sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts stark, weil Menschen von der Küste und aus dem Ausland im Sommer kühlere Temperaturen suchten. So entstanden im Wald zahlreiche kleine Lodges und Gästehäuser. Manche liefen gut und sind bis heute in Betrieb. Andere, wie die Pine Hill Lodge, konnten mit dem Wandel der Erwartungen an Unterkünfte nicht mithalten und bekamen nicht die nötigen Investitionen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Michael Dubilet

Die Lage im Troodos-Wald verleiht der verlassenen Lodge etwas, das städtischen Ruinen fehlt. Seit der Schließung ist der Pinienwald weitergewachsen und hat sich Stück für Stück an das Gebäude herangeschoben. Genau diese Kombination aus verfallender Architektur und reifem Bergwald ist der Grund, warum der Ort für Fotografen so interessant ist.

Michael Dubilet

Die Straßen in diesem Teil des Troodos-Gebirges sind im Vergleich zu den abgelegenen Waldpisten, die zu einigen anderen Orten auf dieser Liste führen, recht gut ausgebaut. Dadurch gehört die Pine Holly Lodge zu den Orten hier, die sich körperlich am einfachsten erreichen lassen.

Michael Dubilet

Verlassene Mine von Prodromos

Prodromos ist ein Dorf im Troodos-Gebirge, und die verlassene Mine in der Nähe ist eines von mehreren Relikten des Bergbaus in dieser Region, die von der starken industriellen Prägung Zyperns im 20. Jahrhundert erzählen. Zypern war über weite Teile der bekannten Geschichte ein bedeutender Kupferproduzent, und die Bergwerke, die diesen Rohstoff im Troodos-Gebirge abbauten, haben sichtbare Spuren in der Landschaft hinterlassen.

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Die Mine von Prodromos gehört eher zu den kleineren und weniger dokumentierten Anlagen, doch die erhaltenen Gebäude zeigen ziemlich klar, wie ein mittelgroßer Bergbaubetrieb auf Zypern in seiner aktiven Zeit ausgesehen hat. Verarbeitungsgebäude, Lagerstrukturen und die allgemeine Infrastruktur einer Mine, in der Menschen aus den umliegenden Dörfern arbeiteten, sind noch in ganz unterschiedlichem Erhaltungszustand vorhanden.

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Das Gelände rund um Prodromos ist steil und bewaldet – typisch für die höheren Lagen des Troodos-Gebirges. Die Mine liegt so in dieser Landschaft, dass sie eher wie ein Teil des Berges wirkt als wie ein Fremdkörper. Das liegt einerseits am Alter der Anlage, andererseits daran, wie schnell sich die Vegetation des Troodos ihr Terrain zurückholt, sobald die Industrie verschwindet. Wer hinwill, muss über Bergstraßen fahren. Ein Fahrzeug mit vernünftiger Bodenfreiheit ist dabei empfehlenswert.

Verlassenes Pieris-Gebäude

Das verlassene Pieris-Gebäude im Raum Limassol ist eines der meistfotografierten städtischen Leerstandsgebäude im Süden Zyperns. Anders als die ländlichen und bergigen Orte auf dieser Liste handelt es sich hier um ein urbanes Bauwerk – eine Geschäfts- oder Mischnutzungsliegenschaft in bebauter Umgebung, die leer stehen blieb und nach und nach verfiel, während die Stadt um sie herum weiterwuchs.

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Städtischer Leerstand hat auf Zypern oft mit Eigentumsstreitigkeiten, ungeklärten Erbschaften oder den wirtschaftlichen Bedingungen von Neubebauung in sich verändernden Vierteln zu tun. Das Pieris-Gebäude passt genau in dieses Muster. Sein Zustand ist schon von der Straße aus gut sichtbar, und genau der Kontrast zwischen dem funktionierenden Stadtleben ringsum und dem zerfallenden Gebäude macht den Ort für Fotografen und Urban Explorer interessant.

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Die Architektur des Hauses spiegelt die Bauweise wider, die in Limassol bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet war – also noch bevor der Beton-und-Glas-Look des Bau-Booms nach der Unabhängigkeit Zyperns voll durchsetzte. Die Materialien und Methoden jener Zeit altern sichtbar, und genau das lässt sich am Pieris-Gebäude gut ablesen. Diese Art von Verlassenheit ist weniger spektakulär als ein überflutetes Dorf oder ein abgesperrter Ferienort, sagt aber nicht weniger darüber aus, wie groß in jeder funktionierenden Stadt die Lücken zwischen Eigentum und tatsächlicher Nutzung sein können.

Hadjipavlou-Minen am Olympos

Die Hadjipavlou-Minen nahe dem Olympos im Troodos-Gebirge gehören zu mehreren kupferbezogenen Bergbaustandorten in der Gegend, die stillgelegt und danach sich selbst überlassen wurden. Das Troodos-Gebirge sitzt auf einem Ophiolith-Massiv – also freiliegender uralter ozeanischer Erdkruste, die außergewöhnlich reich an Kupfervorkommen ist.

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Gerade diese Geologie machte Zypern in der Antike zu einer der wichtigsten Kupferregionen der Welt. Die modernen Bergwerke, die im 20. Jahrhundert dieselben Lagerstätten abbauten, standen also in einer Tradition, die Tausende Jahre zurückreicht.

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Am Standort Hadjipavlou ist noch Infrastruktur aus der Betriebszeit erhalten – Gebäude und Anlagen, die zeigen, wie viel Arbeit und Organisation der zyprische Bergbau in der Mitte des 20. Jahrhunderts verlangte. Die Lage nahe dem Olympos, mit knapp unter 2.000 Metern der höchste Punkt der Insel, gibt dem Ort seinen ganz eigenen Charakter. Das Bergklima ist deutlich kühler und wechselhafter als an der Küste, und genau das beschleunigt die Verwitterung, die man an offenliegendem Metall und Beton gut erkennen kann.

Kalavasos Mine II

Kalavasos ist ein Dorf im Bezirk Larnaka, und der Bergbau in der Umgebung reicht bis in die Antike zurück. Die Anlage Kalavasos Mine II ist deutlich jüngeren Datums. Sie gehört zu den industriellen Betrieben des 20. Jahrhunderts, die die Kupfer- und Pyritvorkommen in den südlichen Ausläufern des Troodos-Gebirges erschließen sollten.

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Geschlossen wurde die Mine im Zuge des allgemeinen Niedergangs des zyprischen Bergbaus in den späteren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als die Erzgehalte zurückgingen und die weltweiten Kupferpreise kleinere Betriebe wirtschaftlich unrentabel machten. Was in Kalavasos Mine II geblieben ist, sind Verarbeitungsanlagen sowie die typischen Abraumhalden und offenen Grubenstrukturen eines mittelgroßen Kupferbergwerks.

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Die Lage im Bezirk Larnaka unterscheidet sich deutlich von den hochgelegenen Minen des Troodos. Das Gelände ist sanfter, das Klima trockener und die Umgebung stärker landwirtschaftlich geprägt als bewaldet. Die verlassene Mine liegt offen in dieser Landschaft, mit guter Sicht auf die Anlage. Dadurch lässt sich die räumliche Logik des Betriebs leichter nachvollziehen als an Orten, die tief in dichtem Bergwald verborgen liegen.

Verlassene Amiantos-Mine

Die Asbestmine von Amiantos ist der bedeutendste verlassene Industriestandort Zyperns – und einer der wichtigsten im gesamten Mittelmeerraum. Es war die größte Asbestmine Europas und eine der bedeutendsten weltweit. Von Beginn der organisierten Produktion im Jahr 1904 bis zur Schließung 1988 wurden in Amiantos schätzungsweise eine Million Tonnen Asbestfasern und 130 Millionen Tonnen Asbestgestein gefördert. 

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Aktiv war die Mine zwischen 1908 und 1988, wobei großflächiger Abbau und Verarbeitung in den 1950er Jahren einsetzten. Das Gelände wuchs auf über 2 Kilometer Breite an, mit einer zentralen offenen Grube, umgeben von rund 200 Meter hohen Halden. Wie groß dieser Eingriff tatsächlich ist, lässt sich mit Worten nur schwer vermitteln. Wer am Rand des Tagebaus steht, blickt auf eine Wunde im Troodos-Gebirge, die schon aus großer Entfernung sichtbar ist. 

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Nach 84 Jahren ununterbrochenen Betriebs kam 1988 das abrupte Aus. Zurück blieben riesige Abraumkippen, eine schlecht angelegte Grube und gewaltige Bergbauanlagen – eine massive Narbe in der Landschaft des Troodos. Geschlossen wurde die Mine nicht, weil das Vorkommen erschöpft war, sondern weil sich die Haltung zu Asbest weltweit änderte. Als die schweren Gesundheitsrisiken allgemein bekannt wurden, brach die internationale Nachfrage ein.

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Nach der Schließung 1988 lag das Gelände einige Jahre brach, bevor Anfang des 21. Jahrhunderts ein Sanierungsprogramm mit Wiederbegrünung begann, das bis heute läuft. Der Bereich des offenen Tagebaus wurde teilweise rehabilitiert, unter anderem durch eine Neuformung einzelner Abbaustufen und die Ableitung von Oberflächenwasser in einen zentralen See. Heute gibt es vor Ort auch ein Besucherzentrum, untergebracht in einem ehemaligen Minengebäude innerhalb des Troodos-Geoparks.

Verlassenes Krankenhaus von Amiantos

Direkt mit der Geschichte der Mine verbunden ist das Krankenhaus von Amiantos – eines der ungewöhnlicheren verlassenen Bauwerke im Troodos-Gebirge. Der Bergbau hinterließ nicht nur Gruben und Halden, sondern auch ein Krankenhaus, das heute aufgegeben auf der anderen Seite des Tals gegenüber den Hauptanlagen steht.

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Gebaut wurde das Krankenhaus für die Bergbaugemeinschaft von Amiantos, die auf ihrem Höhepunkt eine größere Siedlung mit eigener sozialer Infrastruktur war. In den produktivsten Jahrzehnten der Mine lebten und arbeiteten hier Tausende Arbeiter und ihre Familien, und das Krankenhaus war ein notwendiger Teil dieses Gemeinschaftslebens.

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Als die Mine 1988 schloss und sich die Gemeinschaft auflöste, verlor auch das Krankenhaus seinen Zweck. Das Gebäude steht noch immer im Tal gegenüber der Hauptgrube. Die Struktur ist weitgehend erhalten, das Innere jedoch ausgeräumt und stark verfallen.

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Wer die Mine von Amiantos besucht, sieht das Krankenhaus auf der anderen Seite des Tals. Es macht die menschliche Seite dieser Industriegeschichte oft direkter spürbar als die Verarbeitungsanlagen und Abraumhalden selbst. Ein medizinisches Gebäude, das für Arbeiter errichtet wurde, die rückblickend einem Stoff ausgesetzt waren, der ihre Gesundheit langsam zerstörte, trägt als Industriedenkmal ein ganz eigenes Gewicht.

Star Luna Park (bei Larnaka)

Der Star Luna Park bei Larnaka ist weniger gut dokumentiert als der verlassene Vergnügungspark bei Limassol, steht aber für dasselbe Phänomen. Auf Zypern gab es in den 1970er und 1980er Jahren mehrere kleine Freizeitparks, die lokale Gemeinden versorgten und in einer Größenordnung betrieben wurden, die zur Bevölkerung passte. Mit der Zeit wurden die Unterhaltungsangebote jedoch immer vielfältiger, und auch die Erwartungen der Familien an Freizeit änderten sich. Für solche Parks wurde es dadurch zunehmend schwer, wirtschaftlich zu bestehen.

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Der Star Luna Park schloss irgendwann nach seinen erfolgreichsten Jahren. Die Fahrgeschäfte und Anlagen blieben einfach stehen, statt abgebaut oder anders genutzt zu werden. Durch die Lage im Bezirk Larnaka wirkt die Umgebung ganz anders als an den Orten im Troodos-Gebirge: flacher, küstennah und geprägt von trockenem Buschland und offenem Himmel, wie man es aus dem Osten der Insel kennt. Übrig geblieben sind verrostete Strukturen der Fahrgeschäfte und die Reste der Betriebsanlagen – alles in einem Zustand, der zeigt, was Jahrzehnte mediterranen Klimas ohne Instandhaltung anrichten.

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Der Star Luna Park ist kleiner als der bekanntere Standort bei Limassol und zieht entsprechend weniger Besucher an. Deshalb wurde er in der Urban-Exploration-Szene auch seltener fotografiert und dokumentiert. Diese relative Unbekanntheit hat aber auch dazu geführt, dass es vor Ort weniger informelle Eingriffe gab. Wer Zyperns verlassene Vergnügungsparks gezielt erkunden will, findet hier einen Ort, der weit genug von Limassol entfernt liegt, um eine eigene Fahrt zu rechtfertigen – und der trotzdem eine spürbar andere Version derselben Art von Ort bietet.

Kann man diese verlassenen Orte besuchen?

Der Zugang ist je nach Ort sehr unterschiedlich. Die Amiantos-Mine und das dazugehörige Krankenhaus sind am ehesten auf Besucher eingestellt – mit Besucherzentrum im Geopark, markierten Wegen und einem geregelten Zugang. Die Ruinen von Salamis, darunter auch der Zeustempel, können mit einem kostenpflichtigen Ticket besichtigt werden und liegen im Norden Zyperns, erreichbar über offizielle Grenzübergänge. Orte wie die Agia-Zoni-Kirche von Varosha und die Kirche Agios Anastasios in Peristeronopigi liegen in besetztem Gebiet und sind nur über Kontrollpunkte aus dem Süden zugänglich. Für die verlassenen Orte im Süden – darunter Minen, Ranch und Luna Parks – gibt es keine offizielle Besucherinfrastruktur. Festes Schuhwerk, Wasser und Offline-Karten sind daher sinnvoll. Und ganz wichtig: Hinterlasse jeden Ort genau so, wie du ihn vorfindest.

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