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In den Troodos-Bergen liegen Dörfer, die von Kiefernwäldern umgeben sind und traditionelle zypriotische Baukunst zeigen: Natursteinhäuser mit Holzlauben klammern sich auf 600 bis 1.200 Metern an die Hänge. Zwischen Obstgärten, Weinbergen und dichten Wäldern gewachsen, bieten sie im Sommer eine kühle Zuflucht vor der Hitze der Küste.

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Kakopetria, Platres und Pedoulas sind besonders prägnante Beispiele. Die Dörfer mit ihren steinernen Häusern, schrägen Dächern aus Terrakotta, Holzläden und Kopfsteinpflaster stehen heute unter Denkmalschutz. Ihre Architektur ist an das Gebirgsklima angepasst – mit Schnee, reichlich Regen und steilen Hängen, wie man sie in den Ebenen Zyperns kaum kennt.

Kakopetria liegt zwischen den Flüssen Kargotis und Garillis, die hier zum Klarios zusammenfließen. Diese Wasserläufe schufen fruchtige Uferzonen, in denen einst Mühlen das Getreide der Dorfbewohner mahlten. Die Bergorte erfüllten eine Doppelfunktion: ständige Agrargemeinden und zugleich Sommerfrischen für Küstenbewohner, besonders in der osmanischen und britischen Zeit.

Das geschützte Altviertel von Kakopetria

Berühmt ist der alte Ortskern Palia Kakopetria, ein national geschütztes Denkmal traditioneller zypriotischer Baukunst. Überkragende Holzbalkone, enge, steingepflasterte Gassen und liebevoll restaurierte Häuser versetzen Besucher in eine andere Zeit. Kakopetria liegt auf 667 Metern in der Solea-Ebene, südwestlich von Nikosia an den Nordhängen des Troodos.

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Der Name bedeutet sinngemäß „schlechter Fels“ und geht auf eine örtliche Legende zurück: Ein großer Felsbrocken stürzte von einer Klippe und erschlug während einer Hochzeitsfeier ein frisch vermähltes Paar. Trotz dieser düsteren Erzählung wirkt der Ort durch seine sorgsam restaurierte Bausubstanz warm und einladend. Die engen, steingepflasterten Gassen und die traditionellen Häuser mit Holzlauben sind instand gesetzt und als Kulturerbe ausgewiesen.

Platres – Bergkurort mit Geschichte

Platres auf rund 1.200 Metern war zu britischer Kolonialzeit der bedeutendste Bergkurort Zyperns. Wohlhabende Zyprerinnen und Zyprer sowie Gäste aus dem Nahen Osten suchten hier Erfrischung vor der Küstenhitze. Der Ort blühte als Reiseziel, nicht zuletzt wegen des berühmten, heute verlassenen Berengaria-Hotels. Oben am Hang, versteckt im dichten Kiefernwald, beherbergte dieses Juwel der Berge einst unter anderem König Faruq von Ägypten und den Präsidenten Israels.

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Das Berengaria steht heute leer – ein steinernes Relikt mit noch vorhandenem Mobiliar, das von vergangenem Glanz erzählt. Die Ruine spiegelt sowohl die glorreiche Historie von Platres als auch die Herausforderungen der Bergdörfer wider, seit der Tourismus an die Küsten abzog. Im Dorf prägen weiterhin traditionelle Steinhäuser mit steilen Dächern das Bild – eine Antwort auf Schnee und Regen, die im Tiefland Zyperns kaum eine Rolle spielen.

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Die umliegenden Kiefernwälder locken mit Wanderwegen und Wasserfällen wie Millomeris und Mesa Potamos. Dank der natürlichen Kühle ist Platres im Hochsommer beliebt, wenn an der Küste die 35-Grad-Marke fällt. In den Tavernen werden Bergspezialitäten serviert – etwa Wildpilze, Forellen aus Gebirgsbächen und Wild, das an der Küste kaum zu finden ist.

Traditionelle Materialien und Bauweisen

Die Häuser bestehen in der Regel aus Naturstein, mit geneigten Dächern und Holzläden. Das Material lieferte Kalkstein aus der Umgebung, zu Quadern bearbeitet und mit wenig Mörtel gefügt. Die dicken Wände wirken als Wärmespeicher und gleichen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sowie zwischen Sommer und Winter aus. Über Generationen prägten Werkstatttraditionen die Bauweise – das Handwerk ging in Familien vom Vater auf den Sohn über.

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Holz für Tragbalken, Dachstühle und Balkone stammte einst aus den Troodos-Wäldern, bevor strengere Schutzauflagen die Nutzung einschränkten. Das Holz altert mit einer silbergrauen Patina, die sich harmonisch zum Stein fügt. Holzläden schützen die Fenster vor Unwettern und erlauben dennoch Luftzirkulation über verstellbare Lamellen. Häufig tragen massive steinerne Erdgeschosse leichtere Anbauten aus Holz – so ließen sich Häuser bei Familienzuwachs flexibel erweitern.

Die Dächer bestehen aus Holzkonstruktionen mit Ziegeln aus lokaler Tonerde. Überlappende Reihen leiten Regenwasser zu Rinnen und Fallrohren und schützen die Wände vor Feuchtigkeit. Die steile Dachneigung, nötig um Schnee abzuführen, prägt eine Silhouette, die sich stark von den flachen oder flach geneigten Dächern der Küstendörfer unterscheidet.

Dorfkirchen und religiöse Architektur

In den Bergdörfern finden sich viele kleine Kirchen und Kapellen, die religiöse und soziale Zentren zugleich sind. Auf dem Weg nach Platres liegt das Kloster Panagia Trikoukia in beeindruckender Landschaft mit Panoramablicken und Kiefernwald – eine steinerne Kirche mit Ziegeldach, die von ihrer langen Geschichte zeugt. Die Bauten folgen byzantinischen Traditionen: Steinmauerwerk, Kuppel- oder Tonnengewölbe und reich verzierte Ikonostasen, die Altarraum und Kirchenschiff trennen.

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Viele Kirchen zählen zum UNESCO-Welterbe, berühmt für außergewöhnliche byzantinische Fresken an Wänden und Decken. Die bemalten Kirchen im Troodos bewahren einige der bedeutendsten Beispiele byzantinischer und nachbyzantinischer Kunst Zyperns. Ihre abgeschiedene Lage in den Bergen schützte sie vor Zerstörungen, die an der Küste vorkamen. Die Fresken datieren vom 11. bis ins 17. Jahrhundert und dokumentieren 600 Jahre Kunstentwicklung.

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Kirchen waren zugleich soziale Ankerpunkte. An Festtagen wurden ruhige Dörfer zu lebendigen Treffpunkten, an denen verstreute Familien jährlich zusammenkamen. Motive der Sakralarchitektur fanden zudem Eingang in Wohnhäuser – etwa geschnitzte Holztüren, bemalte Deckenbalken oder Steinornamente mit kirchlichen Mustern.

Erhalt heute und Agrotourismus

Heutige Initiativen setzen auf authentische Restaurierung und zeitgemäße Nutzung. Staatliche Förderprogramme unterstützen Projekte, die mit traditionellen Methoden und Materialien arbeiten. Vorgabe ist, Steinfassaden, Holzelemente und das gewachsene Dorfbild zu bewahren, während innen moderne Bäder, Küchen und unauffällige Klimatisierung zulässig sind.

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Viele restaurierte Häuser fungieren heute als kleine, charaktervolle Unterkünfte und bieten ein authentisches Bergerlebnis. Beispiele wie Casale Panayiotis in Kalopanayiotis oder The Mill Hotel in Kakopetria zeigen, wie sich historische Substanz mit Komfort verbinden lässt. Meist bleiben Natursteinwände, Holzbalkone und Möbel im historischen Stil erhalten, ergänzt um moderne Annehmlichkeiten für längere Aufenthalte.

So ziehen die Dörfer Reisende an, die mehr als Strandurlaub suchen. Kulturtourismus schafft Einkommen und stärkt ländliche Regionen, die vom Wegzug in die Städte betroffen sind. Das Zusammenspiel aus traditioneller Architektur, Berglandschaft, Wanderwegen, byzantinischen Kirchen und lokaler Küche macht die Bergdörfer zu eigenständigen Zielen, die sich klar von den Küstenorten abheben.

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