Sowohl die traditionellen Outfits der Männer als auch die der Frauen bestanden aus einer inneren Schicht namens Poukamisso. Bei Männern ähnelte sie einem weißen, langärmeligen Baumwollhemd, während Frauen meist ein längeres Unterkleid trugen. Diese mehrschichtigen Kleidungsstücke entstanden aus praktischer Notwendigkeit im mediterranen Klima Zyperns und dienten gleichzeitig dazu, zwischen alltäglicher Arbeitskleidung und festlicher Garderobe zu unterscheiden.

Die zypriotische Tracht war früher ein komplettes Ensemble, bei dem jede Schicht ihren eigenen Zweck erfüllte. Die inneren Lagen waren schlicht und aus Baumwolle oder Leinen gefertigt, während die äußeren Schichten aufwendig mit Ornamenten und Stickereien verziert waren. Dekoration, Stoffqualität und Farbe signalisierten sozialen Status, Wohlstand und regionale Herkunft.
Die markante Vraka-Hose
Die Vraka-Hose ist weit mehr als nur ein Kleidungsstück – sie ist ein wesentlicher Bestandteil der nationalen Identität und Kultur. Tatsächlich ist die Vraka das Schlüsselelement, das die Männertracht Zyperns von der griechischen Nationaltracht unterscheidet. Diese lockere, weite Hose aus handgewebter Baumwolle bildet das Herzstück der traditionellen Männerkleidung.

Normalerweise wird die Vraka aus einem großen, einzelnen Stück schwarz gefärbter Baumwolle gefertigt. Der Stoff wird in Falten gelegt, oben und unten zusammengerafft und mit einer Kordel namens Vrakozoni um die Taille befestigt. Entgegen heutiger Vorstellungen trugen zypriotische Männer im Alltag keine schwarzen Vrakes – im Sommer bevorzugten sie leichte weiße Vrakes, den Rest des Jahres steifere in Blau. Die schwarze Vraka war die offizielle Tracht des zypriotischen Mannes und wurde nur bei Festlichkeiten und zur sonntäglichen Kirchenliturgie getragen.
In den Städten und großen Dörfern im Flachland musste die Vraka möglichst viele Falten haben, denn je mehr Stoff jemand verwendete, desto deutlicher zeigte sich sein Wohlstand. In ländlichen Gebieten waren die Vrakes kürzer. Es gab Variationen in der Linienführung und Größe, abhängig vom Alter und der Region. Diese unterscheidenden Merkmale waren früher Hinweise auf die Herkunft des Trägers.
Früher war die Vraka-Hose nicht nur unverzichtbarer Bestandteil der Alltagskleidung, sondern auch ein Statussymbol für den zypriotischen Mann. Eine lockerere Silhouette mit mehr Falten deutete auf eine hohe finanzielle Stellung des Trägers hin, da handgewebte Baumwolle damals ziemlich teuer war.
Die Sayia der Frauen und regionale Varianten
Darüber trugen die Frauen ein besonderes Kleid namens Sayia oder Foustania, begleitet von einer dekorativen Schürze namens Podia und einer bestickten Weste namens Sarca oder Gilekki. Die Sayia, ein langärmeliger, vorne offener Mantel, wurde über Pantalons getragen, die mit gewebter Stickerei verziert waren. Das Kleid selbst heißt Sayia – im Wesentlichen eine lange Tunika mit wunderschöner Stickerei, die üblicherweise mit Schürze, Gürtel und Weste darüber getragen wurde.

Die oft als lebendiges Artefakt bezeichnete Sarca-Weste ist wahrscheinlich das bekannteste und auffälligste Element der traditionellen Frauenkleidung. Aus luxuriösen Stoffen wie feiner Wolle, Samt und manchmal Seide gefertigt, dient die Sarca als dekoratives Element des Gewands. Die Existenz der Sarca beim Sayia-Kostüm stellt jene infrage, die behaupten, die Sarca sei erst zur Zeit von Königin Amalia von Griechenland nach Zypern gekommen. Die städtische Sarca erhielt ihre endgültige Form vermutlich durch Modeeinflüsse aus dem Ausland, während sie in den Regionen Karpasia und Paphos in ihrer ursprünglichen Form erhalten blieb.
In manchen Regionen trugen Frauen traditionell knielange Kleider kombiniert mit weißem Hemd und Unterhose. Das Hemd lugte unter dem Kleid an Brust und Manschetten hervor, während die am unteren Rand bestickte Hose ab dem Knie sichtbar war. Das Kleid wurde mit einem Tuch gegürtet.
Das einzigartige Karpasia-Doupletti
Ein besonderes lokales Kleidungsstück in Karpasia, dem nordöstlichen Teil Zyperns, ist das Doupletti – ein weißer, dicht gefalteter Rock, der doppelt über die Schultern wie ein Umhang gelegt wird. Der Stehkragen, der eigentlich der Rockbund ist, ist weiß mit farbigen Perlen bestickt. Dieser Rock war ursprünglich Teil der Brautkleidung und wurde mit der Sarca getragen, was ihn zu einer der markantesten regionalen Varianten Zyperns macht.

Das Foustani, ein einteiliges, tailliertes und gefaltetes Kleid, war bis in die 1950er Jahre das bevorzugte Obergewand in den ländlichen Gebieten Zyperns, besonders in der Ebene und den Bergen. Das festliche Foustani wurde mit einer bestickten Schürze getragen, während das alltägliche mit einer schlichten Schürze kombiniert wurde. In Paphos behielt man die Sayia neben dem Foustani bei, da sie als bequemer im Tragen galt.
Unterschiede zwischen Stadt und Land
Früher gab es eine deutliche Unterscheidung zwischen Alltags- oder Arbeitskleidung und festlicher Tracht. Beide Versionen waren mehrschichtig, doch die Alltagsgewänder wurden aus robusten Stoffen wie Baumwolle und Wolle gefertigt und waren in Dekoration und Farbe eher bescheiden gehalten. Die festlichen Outfits hingegen bestanden aus luxuriösen Seiden- und Samtstoffen, die aufwendig mit komplexen Mustern und Stickereien verziert waren.
Die Westen unterschieden sich je nach Anlass. Einfache Alltagswesten waren schlicht und dunkel ohne jegliche Verzierungen. Die prächtigsten Westen wurden aus Samt oder feiner Wolle gefertigt und mit Stickereien geschmückt, die mithilfe von Metalldraht oder -faden erstellt wurden.
Warum traditionelle Kleidung Identität definiert
Auch wenn Zyprioten ihre traditionellen Trachten im Alltag normalerweise nicht tragen, kann man diese Gewänder bei Festivals, Messen und Veranstaltungen sowohl in Städten als auch in lokalen Dörfern noch immer sehen. Materialien wie Baumwolle und Seide wurden vor Ort angebaut und zu charakteristischen Kleidungsstücken verarbeitet, verziert mit Stickereien, Spitze und Schmuck, die sozialen Status und Anlass widerspiegelten.

Regionale Trachten zeigen lokale Variationen in Stil, Materialien und Details, bewahren aber gleichzeitig eine gemeinsame zypriotische Identität. Insgesamt demonstrieren die zypriotischen Trachten, wie die Insel fremde Einflüsse in ihre eigenen konservativen volkskunsthandwerklichen Traditionen integriert hat.