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Das Museum befindet sich im ursprünglichen Bahnhof von Evrychou, einem Sandsteingebäude aus dem Jahr 1906 am Fuß des Troodos-Gebirges. Der Bahnhof war vom 14. Juni 1915 bis zum 31. Dezember 1931 der westliche Endpunkt der Cyprus Government Railway. An diesem Tag wurden die letzten fünf Meilen der Strecke wegen finanzieller Verluste aufgegeben.

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Nach der vollständigen Stilllegung der Bahn im Jahr 1951 wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt: zunächst als Gesundheitszentrum, später als Schlafstätte für Forstarbeiter. Während ihres Kampfes gegen die britische Herrschaft beschädigten und verbrannten EOKA-Kämpfer das Gebäude, da die Bahn als koloniale Infrastruktur galt.

Das Department of Antiquities restaurierte den Bahnhof zwischen 2003 und 2012. Von 2010 bis 2012 wurden neue Gleise in Y-Form über etwa 100 Meter verlegt. Im September 2016 öffnete das Museum offiziell und ist seitdem das einzige Eisenbahnmuseum Zyperns. Britische Auswanderer und lokale Eisenbahnfreunde trugen maßgeblich zur Entstehung bei; ihre Beiträge werden in der Eingangshalle gewürdigt.

Historischer Hintergrund

Die Cyprus Government Railway war vom 21. Oktober 1905 bis zum 31. Dezember 1951 in Betrieb und durchzog die Insel auf 76 Meilen. Schon 1878, als Großbritannien die Kontrolle über Zypern übernahm, schlug der britische Hochkommissar Sir Garnet Wolseley den Bau einer Bahn vor. Weil jedoch unklar war, wie lange Großbritannien die Insel verwalten würde, wurde das Vorhaben jahrzehntelang aufgeschoben. Im Juli 1903 legte Frederick Shelford im Auftrag der Crown Agents eine Machbarkeitsstudie vor, und im Mai 1904 begann schließlich der Bau.

Man entschied sich für eine Schmalspur von 2 Fuß 6 Zoll, um Baukosten in dem schwierigen Gelände zu senken. Abschnitt 1 verband Famagusta mit Nikosia, war 36 Meilen lang und wurde am 21. Oktober 1905 eröffnet. Abschnitt 2 von Nikosia nach Morphou über 24 Meilen folgte am 31. März 1907. Dennoch schrieb die Bahn schon nach drei Jahren Verluste. Eine Studie von Bedford Glasier im Januar 1913 empfahl die Verlängerung bis Evrychou. Abschnitt 3 von Morphou nach Evrychou über 15 Meilen wurde am 14. Juni 1915 in Betrieb genommen.

Insgesamt gab es 39 Stationen und Haltepunkte, alle mit großen, dreisprachigen Schildern in Griechisch, Türkisch und Englisch. Die Bahngesellschaft besaß 12 Dampflokomotiven aus England (Hunslet Engine Company sowie Nasmyth, Wilson and Company), 17 Personenwagen und rund 100 vielseitig einsetzbare Güterwagen. Die Loks erreichten bis zu 48 Kilometer pro Stunde, sodass eine komplette Fahrt über die gesamte Strecke etwas mehr als drei Stunden dauerte.

Aufgaben und Betrieb der Bahn

Die Cyprus Government Railway diente vor allem dem Güterverkehr: landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Morphou, Mineralien und Erze der Cyprus Mines Corporation sowie Holz aus dem Troodos-Gebirge wurden zum Hafen von Famagusta transportiert. Zwischen 1912 und 1939 beförderte die Bahn Postsendungen, die per Egyptian Khedivial Mail Line in Famagusta ankamen. Viele Stationen fungierten zugleich als Telefon- und Telegrafenstellen sowie als Postämter und waren wichtige Kommunikationszentren für ihre Gemeinden.

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In beiden Weltkriegen transportierte die Bahn alliierte Truppen, während die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg die Strecke ins Visier nahmen. Zwischen 1946 und 1949 brachten Züge tausende jüdische Flüchtlinge in die Internierungslager von Karaolos. Während der Enosis-Unruhen im Oktober 1931 rissen Nationalisten bei Trakhoni 120 Yards Gleis heraus und zerstörten drei Meilen Telefonkabel, da sie die Bahn als Symbol britischer Kolonialherrschaft sahen.

In 46 Betriebsjahren beförderte die CGR 7.348.643 Fahrgäste sowie 3.199.934 Tonnen Handelsgüter und Fracht. Viele Zyprer betrachteten die Züge anfangs eher als Sehenswürdigkeit denn als praktisches Verkehrsmittel. Wirtschaftlich rentabel wurde die Linie nie, und mit dem Ausbau des Straßennetzes nach dem Zweiten Weltkrieg verschlechterte sich die Lage weiter.

Ausstellungen und Sammlungen

Das Museum nutzt zwei Etagen des restaurierten Bahnhofs. Im Erdgeschoss geht es um Bau und Streckenführung der Cyprus Government Railway, im ersten Stock um das Reisen mit der Bahn und die beförderten Güter. Auf jeder Etage präsentieren vier Räume Originaldokumente, Baupläne, Fotos, Plakate sowie Modelle von Lokomotiven, Wagen und Bahnhöfen. Möbel aus der Zeit vermitteln die Atmosphäre eines Bahnhofs Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Zu den Exponaten zählen der Fahrplan der Cyprus Government Railway von 1938, verschiedene Waagen, Werkzeuge und Geräte, Ersttagsbriefe, Probedrucke von Briefmarken, Luftpostbriefe und Zeitungsbanderolen. Gezeigt werden außerdem unterschiedliche Stempeltypen aus ländlichen Gebieten, städtischen Postämtern und britischen Militärlagern. Interaktive Bildschirme bieten vertiefende Informationen zur Geschichte und zum Betrieb der Bahn.

Außerhalb des Bahnhofs sind rekonstruierte Bahnsteige und Gleisabschnitte zu sehen, die mit Originalschienen aus den Restaurierungsarbeiten verlegt wurden. Unter einem Metalldach steht Wagen 152 auf einem Stumpfgleis, daneben eine handbetriebene Inspektionsdraisine. Beide Stücke wurden 2012 aufgearbeitet und mit Infotafeln versehen. Auf dem Gelände pflegt das Museum einen Rosengarten; weibliche Besucherinnen erhalten dort traditionell eine Rose vom Team.

Beeindruckende Bauleistungen

Der Bau der Strecke war eine große ingenieurtechnische Herausforderung. Für die Stabilisierung des Unterbaus verwendete man Steine aus antiken Bauten, darunter der Burg Sigouri in der Mesaoria. Allein im ersten Streckenabschnitt entstanden 51 Brücken, weitere 34 zwischen Nikosia und Kalo Chorio, um Flüsse und Täler zu überqueren. Diese Bauwerke gehörten zu den herausragenden Leistungen der Bahn-Infrastruktur.

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Nachdem sich herausstellte, dass das harte Wasser Zyperns die Lokomotivkessel schädigte, wurden entlang der Strecke Wasseraufbereitungsanlagen installiert. Der Hauptsitz und die Verwaltung der gesamten Cyprus Government Railway befanden sich am Bahnhof Nikosia. Die Schmalspur erlaubte leichtere Bauweisen und günstigere Ausrüstung; enge Kurven und steile Rampen, etwa auf der Zweigstrecke nach Karavostasi, ließen sich so bewältigen.

Die letzten Jahre der Bahn

Bis 1948 war der westliche Endpunkt wegen sinkender Fahrgastzahlen zum Flugfeld Nikosia zurückverlegt worden. Der letzte Zug verließ den Bahnhof Nikosia am 31. Dezember 1951 um 14:57 Uhr und erreichte Famagusta um 16:38 Uhr. Nach der Stilllegung versteigerte die Regierung das Inventar: Meyer Newman & Co. erwarb zehn Lokomotiven, die Gleise und den Großteil des Wagenparks für 65.626 Pfund. Lokomotive 1 wurde als Denkmal vor dem Bahnhof Famagusta erhalten.

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Die meisten ehemaligen Bahnbeschäftigten fanden Arbeit im Staatsdienst oder in halbstaatlichen Organisationen. Einige Wagen kauften Einheimische und führten ihnen neue Zwecke zu, Ausrüstung wurde auf sieben Regierungsabteilungen verteilt. Bahnhöfe wurden entweder abgerissen oder zu Polizeistationen, Depots des öffentlichen Bauwesens oder Getreidelagern umgenutzt. Ein großer Abschnitt der Autobahn Nikosia–Famagusta verläuft heute auf der ehemaligen Trasse.

Der Abbau und Abtransport der Gleise dauerte mehr als zwei Jahre. Eine für die Cyprus Mines Corporation gebaute Erweiterung blieb bis 1974 in Betrieb und überdauerte damit die Hauptstrecke um mehr als zwei Jahrzehnte.

Heute zu Besuch

Der Eintritt in das Cyprus Railway Museum ist frei, geöffnet ist täglich mit saisonalen Zeiten. Vom 16. April bis 15. September sind die Öffnungszeiten 9:30 bis 17:00 Uhr, vom 16. September bis 15. April 8:30 bis 16:00 Uhr. Trotz der Lage im Gebirge ist der Zugang barrierefrei: Rampen, Treppenlifte und behindertengerechte WCs sind vorhanden. Kostenlose Parkplätze gibt es in der Nähe des Eingangs.

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Warum das Museum wichtig ist

Das Cyprus Railway Museum bewahrt ein zentrales Kapitel der Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte der Insel. Die Bahn stand im frühen 20. Jahrhundert für einen bedeutenden Technologieschub: Sie verband wichtige Orte und ermöglichte Handel in einem Ausmaß, das mit früheren Verkehrsmitteln nicht zu erreichen war. Das Museum zeigt, wie die Bahn Siedlungsmuster, wirtschaftliche Aktivitäten und den Alltag auf Zypern geprägt hat.

Die Ausstellungen machen deutlich, wie Zypern in der Kolonialzeit an die Welt angebunden war: Waren gelangten über den Hafen von Famagusta auf internationale Märkte, zugleich kamen Importgüter ins Land. Die Geschichte der Bahn spiegelt größere Entwicklungen wider – Modernisierung, technischen Wandel und den weltweiten Wechsel von der Schiene zur Straße in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Für eine kleine Insel, deren Wirtschaft stark auf Landwirtschaft und Bergbau beruhte, bedeutete die Bahn zugleich große Chancen und die Schwierigkeit, teure Infrastruktur mit begrenzten Mitteln zu unterhalten.

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