Zypern zählt zu den Top-Tauchzielen im Mittelmeer: glasklares Wasser mit Sichtweiten oft über 30 Meter, sommerliche Wassertemperaturen bis 27 Grad und eine beeindruckende Unterwasserwelt von alten Schiffswracks bis zu farbenreichen Riffen.

Die Lage an der Schnittstelle dreier Kontinente hat eine reiche Seefahrtsgeschichte hinterlassen. Neben Naturhöhlen, Steilwänden und lebendigen Habitaten liegen zahlreiche Wracks auf dem Meeresgrund. Getaucht wird ganzjährig, die angenehmsten Bedingungen herrschen jedoch von April bis November, wenn das Wasser über 20 Grad bleibt und das Wetter am stabilsten ist.
Das Wrack der Zenobia bei Larnaka
Die MS Zenobia gehört zu den zehn besten Wracktauchgängen weltweit und ist Zyperns bekannteste Unterwasser-Sehenswürdigkeit. Die schwedisch gebaute RoRo-Fähre sank auf ihrer Jungfernfahrt am 7. Juni 1980 vor dem Hafen von Larnaka, nachdem Computerfehler das Ballastsystem lahmgelegt hatten. Heute liegt das Schiff auf der Backbordseite in 16 bis 42 Metern Tiefe – damit sind unterschiedliche Bereiche für verschiedene Erfahrungsstufen erreichbar.

Beim Untergang hatte das 172 Meter lange Schiff 104 Sattelzüge mit Ladung an Bord. So entstand ein riesiges künstliches Riff, das seit über vier Jahrzehnten eine artenreiche Unterwasserwelt anzieht. Taucher erkunden Brücke, Maschinenraum und Laderäume, in denen Lastwagen und Anhänger wie eingefroren wirken. Im Wrack leben Zackenbarsche, Barrakudas, Rotfeuerfische und mit etwas Glück Thunfische; an der Aufbautenstruktur wachsen bunte Schwämme, Weichkorallen und Anemonen.
Technisch versierte Taucher dringen in tiefer gelegene Bereiche vor und erkunden Gänge und Kabinen jenseits von 30 Metern. Sporttaucher bleiben meist an den Außenstrukturen und Decks zwischen 16 und 25 Metern. Zahlreiche Tauchbasen in Larnaka fahren die Zenobia täglich an, teils mit speziellen Wrackpenetrationskursen für erfahrene Taucher.
MUSAN – Unterwasserskulpturenpark
Das Museum of Underwater Sculpture Ayia Napa (MUSAN) eröffnete im August 2021 als erster Unterwasserwald und Skulpturenpark Zyperns. Er liegt vor dem Strand von Pernera zwischen Protaras und Agia Napa in 8 bis 10 Metern Tiefe. Auf rund 1.000 Quadratmetern eines zuvor kargen Meeresbodens stehen 93 Skulpturen des britischen Künstlers Jason deCaires Taylor.

Die Werke zeigen Menschen im Zusammenspiel mit der Natur – spielende Kinder, ein Paar beim Selfie, Figuren inmitten von Bäumen. Jede Skulptur wiegt bis zu 13 Tonnen und besteht aus inerten, pH-neutralen, meerestauglichen Materialien wie Edelstahl und Beton. Diese fördern das Ansiedeln von Korallen und bieten Lebensraum für Meeresarten. Das Projekt schafft ein künstliches Riff und sensibilisiert zugleich für den Meeresschutz.
Durch die geringe Tiefe ist MUSAN für Schnorchler, Einsteiger und erfahrene Taucher gut zugänglich. Das Gebiet wird schnell von Meeresleben besiedelt – darunter Oktopusse, Meerbrassen, Mittelmeer-Demoisellen und verschiedene Wirbellose, die die Skulpturen als Schutz und Futterplatz nutzen. Tauchcenter in Agia Napa und Protaras bieten geführte Touren im Rahmen von Schnuppertauchgängen und Ausfahrten für zertifizierte Taucher an.
Chapel Reef und Unterwasserstrukturen
Am Chapel Reef bei Protaras steht in 12 Metern Tiefe eine kleine Unterwasserkapelle zu Ehren des heiligen Nikolaus, des Schutzpatrons der Seefahrer. Das weiße Kapellchen schafft ein besonderes Taucherlebnis, bei dem sich spirituelle Symbolik und Meereserkundung verbinden. Am Riff leben Oktopusse, Muränen, Nacktschnecken und zahlreiche Fischarten, die zwischen Felsen und Spalten Unterschlupf finden.

Die Kapelle eignet sich für alle Brevets und wird oft als zweiter Tauchgang nach flacheren Plätzen besucht. Klare Sicht und moderate Tiefe erlauben lange Grundzeiten – ideal für Unterwasserfotografie. In der Nähe liegen Cyclops Cave und Green Bay, beide mit spannenden Felsformationen und vielseitigem Meeresleben.
Höhlensysteme und Naturformationen
Im Nationalpark Kap Greco reihen sich entlang der markanten Kalksteinküste zahlreiche Höhlentauchplätze aneinander. Die Meeresgrotten bieten Durchtauchgänge, Kavernen und Tunnel, geformt durch Jahrtausende von Wellenerosion. Besonders beeindruckend ist die Cathedral Cave mit einer großen Kammer, in die durch Öffnungen in der Decke Tageslicht einfällt – mittags entstehen spektakuläre Lichteffekte.

Die Turtle Cove zieht trotz ihres Namens eher wegen ihrer Geologie an, auch wenn sich gelegentlich Grüne Meeresschildkröten blicken lassen. Am Eingang in 6 Metern Tiefe führt eine große Öffnung in eine Kammer bis auf 18 Meter. An den Wänden siedeln bunte Schwämme und Weichkorallen, im Eingangsbereich stehen häufig Schwärme von Goldstriemen und Demoisellen.
Amphorae Cave und historische Stätten
Die Amphorae Cave bei Protaras verdankt ihren Namen antiken Keramikgefäßen, die vor Jahrzehnten in der Höhle entdeckt und später zum Schutz geborgen wurden. Der Tauchgang führt durch einen schmalen Eingang in 8 Metern in eine größere Kammer bei 18 Metern. Hier sind gute Tarierung und sauberes Flossenschlagen wichtig, um das Sediment am Boden nicht aufzuwirbeln.

Rund um Zypern gibt es mehrere Plätze mit antiken Amphoren, an denen Scherben auf dem Meeresboden von alten Handelsrouten zeugen. Diese Fundstellen sind gesetzlich geschützt; das Mitnehmen oder Bewegen von Artefakten ist strikt verboten. Tauchguides liefern historische Hintergründe und achten darauf, dass die Stätten unberührt bleiben.
Warum Zypern Tauchgänge auf Weltniveau bietet
Die Mischung aus historischen Wracks, künstlichen Riffen, Naturhöhlen und klarem, warmem Wasser macht Zypern zu etwas Besonderem. Dank kurzer Distanzen lassen sich während eines Aufenthalts viele Spots kombinieren – Fahrzeiten zwischen den Küstenorten liegen selten über 90 Minuten. Die Tauchbasen arbeiten mit hohen Sicherheitsstandards, die meisten Instruktoren sind nach PADI, SSI oder CMAS zertifiziert und unterrichten in mehreren Sprachen.

Sichtweiten von durchschnittlich 20 bis 40 Metern ermöglichen Unterwasserfotografie mit eindrucksvollen Ergebnissen – oft sogar ohne künstliches Licht in flachen Tiefen. Die meist ruhigen Bedingungen des Mittelmeers eignen sich ideal für die Ausbildung, während anspruchsvolle Plätze wie der Maschinenraum der Zenobia erfahrene Tec-Taucher fordern.