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Unter den Straßen und Kirchen des heutigen Larnaka verbirgt sich ein Netz aus antiken Gräbern, das der Stadt ihren Namen gab. Die Nekropole von Phaneromeni war über rund 1.500 Jahre in Nutzung – von der Spätbronzezeit über die phönizische bis in die hellenistische Epoche – und bewahrt Schichten der Geschichte unter einer der ältesten dauerhaft bewohnten Städte Zyperns.

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Der Name Larnaka leitet sich vom altgriechischen larnax ab, was Sarkophag oder Steinsarg bedeutet. Diese Herkunft verweist direkt auf die Tausenden von Gräbern und Steinkisten, die im Stadtgebiet entdeckt wurden. Ein US-Konsul gab im späten 19. Jahrhundert an, mehr als 3.000 Gräber im Raum Larnaka untersucht zu haben. Bis heute kommen bei Neubauten regelmäßig weitere Bestattungsplätze ans Licht.

Ein Grab, das zur Kirche wurde

Die Katakombe der Kirche Phaneromeni liegt neben der alten Kirche Panagia Phaneromeni, etwa 7 Meter östlich der Kirchenmauer. Das in den Fels geschlagene Grab besteht aus zwei Kammern, die durch einen Gang verbunden sind, und wurde vollständig aus dem natürlichen Gestein gehauen. Bauform und Ausführung deuten auf eine ursprüngliche Nutzung als heidnische Grabanlage in phönizischer Zeit hin, möglicherweise bereits um 1200 v. Chr.

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Die Katakombe wurde 1870 entdeckt und aufgrund ihrer Nutzung als christlicher Bestattungs- und Andachtsort offiziell in das 8. Jahrhundert n. Chr. datiert. Die Felsschnittarchitektur ist jedoch deutlich älter. Frühe Christen nutzten die Anlage in Zeiten der Verfolgung als verborgenen Gebetsraum und machten aus der heidnischen Grabkammer einen christlichen Sakralort.

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Heute schmücken Ikonen der Gottesmutter und verschiedener Heiliger den Katakombenraum. Votivgaben der Gläubigen verstärken die spirituelle Atmosphäre. Der Ort ist zugleich Denkmal und lebendiger Andachtsraum, und manche Besucher vollziehen hier traditionelle Heilrituale, bei denen sie dreimal um die Kirche gehen.

Von Kition bis ins heutige Larnaka

Die Nekropole von Phaneromeni gehörte zur antiken Stadt Kition, einem bedeutenden Siedlungszentrum der Bronzezeit auf Zypern. Kition wurde um 1200 v. Chr. von mykenischen Kaufleuten gegründet und entwickelte sich später zu einem mächtigen phönizischen Königreich. Die Stadt war ein wichtiger Handelshafen und Umschlagplatz für Kupfer und verband Zypern mit Ägypten, der Levante und dem übrigen Mittelmeerraum.

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Die Phönizier kamen im 9. Jahrhundert v. Chr. nach Kition und prägten die Stadt bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. Sie brachten neue Bestattungsriten, Architekturformen und Kulte mit. Die in Phaneromeni gefundenen Gräber stammen überwiegend aus dieser phönizischen Zeit zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr., wenngleich Hinweise auch auf frühere mykenische Bestattungen in demselben Areal hindeuten.

Nach der phönizischen Epoche bestand Kition als hellenistische und römische Stadt fort. Das Gebiet blieb durch die byzantinische Zeit bis ins Mittelalter kontinuierlich besiedelt. Dadurch wurden Begräbnisplätze über Jahrhunderte weiter genutzt, oft mit späteren Bestattungen in oder nahe älterer Gräber.

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Die alte Kirche Panagia Phaneromeni wurde um 1920 unmittelbar über und neben der antiken Katakombe errichtet. Der Bau folgt der Basilika-Tradition, mit Grundriss in Kreuzform, Kuppel und zwei Glockentürmen. Das schlichte weiße Gotteshaus ersetzte eine ältere mittelalterliche Kirche am selben Ort und setzte damit eine mehr als tausendjährige Kontinuität des christlichen Kults fort.

2003 wurde für die wachsende Gemeinde eine größere neue Kirche fertiggestellt. Die neue Panagia-Phaneromeni-Kirche steht neben dem älteren Bau und verbindet ein helles, modernes Erscheinungsbild mit klassischen orthodoxen Architekturelementen. Zusammen bilden beide Kirchen ein Ensemble, das der Antike ebenso Rechnung trägt wie dem heutigen Gemeindeleben.

Der Altbau wurde in den letzten Jahren restauriert, um sowohl die Kirche als auch die darunter liegende Katakombe zu sichern. Diskutiert wird zudem ein unterirdisches Museum, das die archäologische Bedeutung des Ortes besser vermitteln und zugleich die kirchliche Nutzung wahren soll.

Was die Nekropole über das antike Zypern verrät

Die Nekropole von Phaneromeni ist ein Schlüssel, um den Wandel Kitions vom mykenischen Handelsposten zum bedeutenden phönizischen Königreich zu verstehen. Die Entwicklung von Grabarchitektur und Bestattungssitten spiegelt über mehr als 1.500 Jahre veränderte Glaubensvorstellungen, Handelsbeziehungen und soziale Strukturen.

Funde von Sarkophagen und Beigaben belegen enge Handelskontakte Kitions mit Ägypten, der Levante und anderen Kulturen des Mittelmeerraums. Importierte Keramik, Schmuck und Luxusgüter aus den Gräbern zeigen, dass Zypern an einem Knotenpunkt des antiken Verkehrs lag und lokale Eliten in Netzwerke eingebunden waren, die von Mesopotamien bis nach Festlandgriechenland reichten.

Die Wiederverwendung alter Gräber durch Christen offenbart, wie sich Religionen wandelten und zugleich Kontinuitäten bewahrt wurden. Anstatt heidnische Grabstätten zu zerstören, banden frühe Christen sie in ihre heilige Landschaft ein. Das stärkte die Legitimität der neuen Religion und hielt zugleich die Verbindung zur fernen Vergangenheit.

Antikes Larnaka heute erleben

Die Kirchen Panagia Phaneromeni liegen an der Faneromenis-Straße im Süden von Larnaka, auf der Strecke zum Salzsee. Von der Innenstadt ist der Ort gut erreichbar. In der Wohngegend gibt es zudem einen kleinen Kiefernpark, der sich gut für Familien eignet.

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Die neue Kirche ist für Gottesdienste in Betrieb und für Besucher offen. Die alte Kirche war zeitweise wegen Restaurierung geschlossen, bietet aber, wenn geöffnet, Zugang zur antiken Katakombe darunter. Die Stufen zum Eingang der Katakombe befinden sich etwa 7 Meter östlich der alten Kirchenmauer.

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Die Katakombe selbst besteht aus zwei in den Fels gehauenen Kammern, die durch einen Korridor verbunden sind. Ikonen der Gottesmutter und der Heiligen schmücken die Wände. Besucher sehen hier, wie aus einem heidnischen Grab ein christlicher Andachtsort wurde. Die Atmosphäre ist still und konzentriert und macht 3.000 Jahre Religionsgeschichte unmittelbar erfahrbar.

Warum diese Nekropole für Zypern bedeutsam ist

Die Nekropole von Phaneromeni bewahrt die Geschichte Larnakas über drei Jahrtausende. Die unzähligen Gräber im Stadtgebiet dokumentieren, wie mykenische Händler, phönizische Kaufleute, hellenistische Aristokraten, römische Beamte und byzantinische Christen hier ihre letzte Ruhe fanden. Jede Kultur fügte der Begräbnislandschaft neue Schichten hinzu und respektierte zugleich das Vorangegangene.

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Der Wandel der Katakombe vom heidnischen Grab zum christlichen Kultort zeigt, wie Zypern unterschiedliche religiöse Traditionen aufnahm und weiterentwickelte. Der Ort ist ein greifbares Zeugnis von Kontinuität und Veränderung und macht deutlich, dass neue Glaubensformen auf alten Fundamenten aufbauten, statt sie vollständig zu tilgen.

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