Der Nationalwaldpark Kap Greco liegt an der südöstlichen Spitze Zyperns zwischen Agia Napa und Protaras. Das Schutzgebiet umfasst 385 Hektar markante Küste, an der Kalksteinklippen in türkisfarbenes Mittelmeerwasser abfallen.

Seit 1993 ist das Gebiet als Nationalwaldpark ausgewiesen und Teil des Natura-2000-Netzwerks, das europaweit für seine ökologische Bedeutung anerkannt ist. Ein verzweigtes Netz aus Naturpfaden führt durch abwechslungsreiche Küstenlandschaften, vorbei an antiken Überresten und zu einigen der eindrucksvollsten Aussichtspunkte der Insel.
Historischer Hintergrund
Das Gebiet war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt; Funde belegen neolithische Ansiedlungen sowie später griechische und römische Einflüsse. Geformt wurde die Landschaft über Millionen Jahre durch tektonische Kräfte und die Erosion von Meer und Wind. Entlang eines Pfades liegen die Ruinen eines Aphrodite-Heiligtums, die einen direkten Bezug zur mythologischen Vergangenheit Zyperns herstellen. Auch die markanten Felsformationen erzählen von den geologischen Prozessen, die diese Küste über unzählige Jahrtausende geformt haben.

Mit der Ausweisung zum Nationalwaldpark im Jahr 1993 erhielten einzigartige Ökosysteme und Kulturgüter einen verbindlichen Schutz. Seither stehen Maßnahmen im Fokus, die den Ausgleich zwischen Besucherzugang und Naturschutz sichern. Die Gründung des Parks spiegelte das wachsende Bewusstsein wider, Zyperns Naturerbe für kommende Generationen zu bewahren.
Das Netz der Naturpfade
Neun ausgeschilderte Wege mit insgesamt 16 Kilometern Länge durchziehen den Park. Sie reichen von leichten Spaziergängen von etwa 45 Minuten bis zu fordernden Touren von rund zwei Stunden. Viele Pfade greifen ineinander, sodass sich Routen je nach Zeit und Kondition flexibel kombinieren lassen.
Der Aphrodite-Naturpfad verläuft 2 Kilometer entlang der Nordostküste. Er führt durch beeindruckende Kulissen, ist gut markiert und damit für nahezu alle Wandernden geeignet. Unterwegs passiert man die Überreste eines antiken Tempels und Bereiche, in denen Schäfer einst natürliche Höhlen und Trockenmauern als Unterstand nutzten.

Der Rundweg Ayioi Anargyroi ist 2,3 km lang und in etwa 45 Minuten zu bewältigen. Startpunkt ist die weiß getünchte Kirche Ayioi Anargyroi, die auf einem steilen Küstenfelsen errichtet wurde und unterwegs immer wieder Meerblicke bietet. Der Rundweg verbindet sich mit dem Pfad Ayioi Anargyroi – Meeresgrotten, der die Tour für alle, die länger unterwegs sein möchten, erweitert.
Der Weg Agioi Anargyroi – Meeresgrotten beginnt an einem Parkplatz eines ehemaligen Steinbruchs, ist 2,5 km lang und dauert rund 45 Minuten. Sehenswert sind verkieselte Meeresorganismen sowie ein Aussichtspunkt, von dem aus man bis zum Kloster Stavrovouni blicken kann. Die Route führt unter anderem durch den natürlichen Felsbogen Kamara tou Koraka und steigt anschließend sanft durch Buschvegetation an.
Der Pfad Konnos – Ayioi Anargyroi ist eine Küstenroute, die entweder am Strand Konnos oder an der Kapelle begonnen werden kann. Die 4,8 km lange Strecke dauert etwa 2 Stunden und folgt der Uferlinie mit durchgehendem Blick auf das Mittelmeer. Unterwegs verbindet der Weg mehrere wichtige Punkte des Parks.
Ein Abschnitt des Europäischen Fernwanderwegs E4, der 2005 eröffnet wurde, insgesamt 539 km auf Zypern misst und die internationalen Flughäfen Larnaka und Pafos verbindet, verläuft durch Kap Greco. Dieser Teil gehört zu einer Fernroute, die sich von Spanien bis nach Zypern erstreckt und in Europa insgesamt rund 10.000 Kilometer umfasst.
Reiche Biodiversität und endemische Arten
Der Park beherbergt über 400 Pflanzenarten, von denen viele auf Zypern endemisch sind. Das mediterrane Klima schafft ideale Bedingungen, damit diese Vielfalt ganzjährig gedeiht. Zu den erfassten Endemiten zählen Bosea cypria, Allium willeanum, Anthemis tricolor, Onosma fruticosa und Teucrium micropodioides. Darüber hinaus sind 14 seltene einheimische Pflanzenarten dokumentiert.
Zur Tierwelt gehören Säuger wie Füchse, Hasen und Igel, die sich frei im Park bewegen. Kap Greco ist Brutgebiet für Zypern-Steinschmätzer, Zypern-Grasmücken und Schwarzfrankoline, allesamt endemisch auf der Insel. Insgesamt wurden hier rund 20 Arten des Anhangs I der EU-Vogelschutzrichtlinie nachgewiesen.

Während der Zugzeiten dient der Park zahlreichen Vogelarten als wichtiger Rastplatz auf ihren Routen zwischen Europa und Afrika. Diese Lage macht Kap Greco besonders bedeutsam für den Naturschutz und zieht Vogelbeobachtende aus aller Welt an.
Markante Naturformationen
Zu den spektakulärsten Erscheinungen zählen die Meeresgrotten. Die dramatischen Kalksteinformen wurden vom Meer geschaffen und lassen sich am eindrucksvollsten per Bootstour betrachten. Besonders bekannt sind die Palace Caves und die Smugglers' Caves, die ausschließlich vom Wasser aus zugänglich sind. Einige Höhlen reichen bis zu 240 Fuß in die Felsen hinein.
Die natürliche Brücke Kamara tou Koraka gilt als architektonisches Wunder der Natur. Einer lokalen Überlieferung nach geht der Name auf die vielen Krähennester zurück, die einst die Umgebung säumten. Die Formation kann von ausgewiesenen sicheren Bereichen aus betrachtet werden; das Betreten der Brücke ist untersagt.

Die Zyklopenhöhle ist in der lokalen Mythologie verankert. Der Überlieferung nach lebte hier einst eine Familie von Zyklopen, die nach einem Seebeben auf der Insel Schiffbruch erlitten hatte. Die Höhle schlägt eine Brücke zwischen Geologie und den Legenden des antiken Griechenlands.
Die Blue Lagoon steht für einige der klarsten Gewässer Zyperns. Die Sichtweite beträgt bis zu 40 Meter, die Wassertemperaturen liegen zwischen 16 °C und 28 °C. Damit ist das Gebiet hervorragend zum Schnorcheln und Tauchen geeignet.
Spannende Fakten zum Park
Der Leuchtturm am Kap Greco wurde 1892 von den Briten errichtet und diente über Jahrzehnte der Navigation. Inoffiziell nutzte man ihn zudem als Beobachtungspunkt zur Kontrolle von Schmuggelaktivitäten in der Region.
Wilder Spargel wächst im gesamten Gebiet, und das Sammeln ist erlaubt und beliebt. Wer sammelt, sollte dies verantwortungsvoll tun, nur kleine Mengen mitnehmen und genügend Pflanzen für Fauna und Regeneration stehen lassen.
Vom höchsten Punkt des Kap Greco auf 28 Metern Höhe eröffnen sich weite Blicke über die Insel. Der Aussichtspunkt bietet Rundumblicke, die Küstenlinie und Hinterland gleichermaßen umfassen.

Der Phönizische Wacholder gedeiht in Teilen des Parks besonders gut. Der Rundweg Agioi Anargyroi ist bekannt für dichte Bestände dieses Wacholders, die Schatten spenden und das mediterrane Ambiente der Wanderungen prägen.
Der Park im heutigen Zypern
Kap Greco erfüllt in der modernen zyprischen Gesellschaft mehrere Funktionen: Erholungsraum für Einheimische und Gäste, Lernort für mediterrane Ökologie und Rückzugsgebiet für gefährdete Arten. Die Aufnahme in Natura 2000 unterstreicht seine internationale Bedeutung für den Naturschutz.
Die Nähe zu Agia Napa und Protaras sorgt vor allem im Sommer für viele Besuchende. Daher setzt das Management auf gezielte Lenkung, um Tourismus und Schutz in Einklang zu bringen. Ausgewiesene Wege bündeln den Andrang und schonen empfindliche Lebensräume.
Zugleich trägt der Park zur kulturellen Identität Zyperns bei, wo Geschichte und Natur aufeinandertreffen. Ruinen, Höhlen und Felsformationen schaffen eine Verbindung zwischen heutigen Gästen und Jahrtausenden menschlicher Nutzung dieser Landschaft.
Unterwegs auf den Naturpfaden
Kap Greco ist ganzjährig zugänglich und kostenfrei. Die Wege sind gut beschildert, festes Schuhwerk ist wegen des unebenen Geländes jedoch empfehlenswert. Im Sommer eignen sich frühe Morgen- oder späte Nachmittagsstunden, um der starken Mittagshitze zu entgehen.
Der Strand Konnos, einer der schönsten Strände Zyperns, ist ein idealer Ausgangspunkt für viele Touren. Der gut geschützte, goldsandige Strand ist etwa 35 Meter breit und 200 Meter lang. Von hier verzweigen mehrere Wegnetze in den Park.

Parkplätze befinden sich an wichtigen Punkten, darunter bei der Kapelle Ayioi Anargyroi, an der Blue Lagoon und am Besucherzentrum. Öffentliche Verkehrsmittel verbinden den Park mit den umliegenden Orten, mit eigenem Fahrzeug ist man jedoch flexibler bei der Wahl der Einstiege.
Im Park gibt es Picknickplätze, Bänke entlang der Wege und Infotafeln zu Ökologie und Geschichte. Ein 4 Kilometer langer Radweg bietet eine alternative Möglichkeit für alle, die die Landschaft lieber per Fahrrad als zu Fuß erkunden.
Ein Naturjuwel zum Entdecken
Die Naturpfade von Kap Greco eröffnen einen leicht zugänglichen Zugang zu einer der prägnantesten Küstenlandschaften Zyperns. Das Zusammenspiel aus Geologie, endemischen Arten, historischen Stätten und weiten Mittelmeerblicken spricht Wandernde, Naturfreundinnen und -freunde sowie alle an, die Zyperns Naturerbe unmittelbar erleben möchten. Die Wege zeigen, wie Schutzgebiete Erholung und Naturschutz vereinen können, indem sie die ökologische Vielfalt bewahren und zugleich erlebbar machen.
