Das Museum des Nationalen Befreiungskampfes wurde 1961 eröffnet, nur zwei Jahre nach dem Ende des Aufstands. Der ehemalige EOKA-Kämpfer Christodoulos Papachrysostomou gründete es auf Beschluss der Griechischen Gemeinschaftskammer vom 26. Januar 1961.

Die Entscheidung wurde am 23. Februar desselben Jahres im Amtsblatt der Republik veröffentlicht. Ziel der Gründung war es, das Bewusstsein für den Freiheitskampf zu fördern, der Gefallenen zu gedenken, Erinnerungen für kommende Generationen zu bewahren und Material für die historische Dokumentation zusammenzutragen.
Anfangs war das Museum an verschiedenen Standorten untergebracht, bevor es in das heutige, eigens errichtete Gebäude in der Nähe des Heiligen Erzbistums von Zypern im Zentrum von Nikosia umzog. Das neue Haus wurde am 30. April 2001 eröffnet, finanziert vom Heiligen Erzbistum von Zypern sowie vom Bildungs- und Kulturministerium. Die moderne Ausstattung machte aus dem einst schlichten Archiv ein historisches und wissenschaftliches Zentrum mit neuer Technologie und visuellen Medien.
Historischer Hintergrund
Die Nationale Organisation der zypriotischen Kämpfer, bekannt unter ihrem griechischen Kürzel EOKA, wurde am 07. März 1953 vom griechischen Offizier Oberst Georgios Grivas gegründet. Grivas traf am 10. November 1954 auf Zypern ein, um den Aufstand vorzubereiten. Unterstützung erhielt die Organisation vom orthodoxen Erzbischof von Zypern, Makarios III., der bei seiner Erhebung 1950 gelobt hatte, nicht zu ruhen, bis die Vereinigung mit Griechenland erreicht sei.

Die bewaffnete Kampagne der EOKA begann in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1955 mit 18 koordinierten Bombenanschlägen in Nikosia, Famagusta, Larnaka und Limassol. Ziel waren Polizeistationen, militärische Anlagen, Regierungsgebäude und der Sender der Cyprus Broadcasting Station. Grivas verwendete das Kampfname Digenis, benannt nach einem legendären byzantinischen Feldherrn, der im Mittelalter Zypern verteidigt haben soll, und hielt seine Identität zunächst geheim.
Der britische Gouverneur John Harding verhängte am 26. November 1955 den Ausnahmezustand. Bereits im Januar 1955, noch vor Beginn des bewaffneten Kampfes, beschlagnahmte die britische Regierung in der Nähe des Dorfes Chloraka 27 Kisten mit EOKA-Waffen. 1956 eskalierte der Konflikt, seinen Höhepunkt erreichte er, als die Briten Erzbischof Makarios III. im März 1956 auf die Seychellen verbannten. Er blieb bis März 1957 in Haft, kehrte jedoch erst im Februar 1959 nach Zypern zurück.
Art und Umfang des Konflikts
EOKA agierte über zwei Hauptzweige. In den Bergen operierten klassische Guerillagruppen, die in versteckten Lagern in den Wäldern des Troodos lebten. In den Städten bestanden Zellen aus Kämpfern, die neben ihren zivilen Berufen oder der Schule Aktionen durchführten. Unterstützt wurden die bewaffneten Flügel durch die Nationale Front Zyperns, die EOKA mit Informationen, Nachschub, Waffen, Medikamenten, Rekruten und Unterschlüpfen versorgte.

Rekrutiert wurde EOKA in den Dörfern vor allem über den Bauernverband Zyperns sowie in den Städten über zwei große Jugendbewegungen: die kirchlich geprägte Christliche Jugendbewegung und die nationalistische Pancyprian Youth Movement. Grivas wollte die Jugend zur tragenden Säule der EOKA machen. Zudem war in den Kampfjahren eine Jugendabteilung namens ANE aktiv.
Während der vierjährigen Kampagne verübte EOKA 104 Hausanschläge, 53 Unruhen, 136 Sabotageakte, 403 Hinterhalte, 35 Angriffe auf Polizeikräfte, 38 Angriffe auf Soldaten und 43 Überfälle auf Polizeistationen. Ziel der Strategie war, die Briten von den Troodos-Bergen fernzuhalten, wo sich die Hauptgruppen versteckten. Anfänglich untersagte EOKA Angriffe auf türkische Zyprioten und richtete sich ausschließlich gegen britische Soldaten und griechische Kollaborateure. Ab Januar 1957 nahm EOKA jedoch auch türkisch-zypriotische Polizeibeamte ins Visier, da man sie als Unterstützer der Kolonialverwaltung ansah.
Opferzahlen und britische Reaktion
Die Angaben zu den Opfern variieren je nach Quelle. Britische Unterlagen nennen 126 getötete britische Soldaten, 26 britische Zivilisten und 21 britische Polizisten während des Ausnahmezustands. Andere Quellen sprechen von 156 Gefallenen beim britischen Militär und 788 Verwundeten. Insgesamt kamen in den vier Jahren schätzungsweise rund 600 Menschen auf allen Seiten ums Leben.
Zur Verstärkung verlegten die Briten Truppen aus Ägypten in die Stützpunkte Dhekelia und Akrotiri. Da die griechisch-zypriotische Bevölkerung EOKA unterstützte und kaum verwertbare Hinweise lieferte, stützten sich die Briten stark auf etwa 4.000 türkisch-zypriotische Polizisten. Der Einsatz dieser Kräfte gegen die griechisch-zypriotische Gemeinschaft verschärfte die Spannungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.
Die britischen Behörden setzten harte Gegenmaßnahmen ein, darunter Massenverhaftungen, Ausgangssperren und Verhörmethoden. 2012 veröffentlichte das Foreign Office freigegebene Akten, die Vorwürfe über Folter und Misshandlungen zwischen 1955 und 1959 belegten. Den Dokumenten zufolge räumten Beamte der Kolonialverwaltung Misshandlungen ein. Berichtet wird unter anderem, dass britische Soldaten und Sicherheitskräfte einen blinden Mann töteten, einen Griechenzyprioten zwangen, sein eigenes Grab zu schaufeln, und eine schwangere Frau schlugen, die daraufhin eine Fehlgeburt erlitt.
Ein Blick in die Sammlung
Das Museum erstreckt sich über zwei Etagen im Gebäude neben dem Erzbischofspalast. Im Erdgeschoss geht es um die Entstehung der EOKA und den historischen Kontext, im ersten Stock um persönliche Erfahrungen der Kämpfer und den Alltag im Konflikt. Auf jeder Etage zeigen vier Räume Originaldokumente, Architekturzeichnungen, Fotos, Plakate, Waffen, Propagandamaterialien und persönliche Gegenstände von EOKA-Mitgliedern.
Mobiliar aus der Zeit lässt die Atmosphäre der 1950er Jahre lebendig werden. Interaktive Bildschirme liefern vertiefende Informationen zur Geschichte und zu den Operationen. Ein Vorführraum zeigt historische Filme über Zypern, mit besonderem Schwerpunkt auf der EOKA-Periode. Ein 25-minütiger Dokumentarfilm, verfasst von Yiannis Chr. Spanos und inszeniert von Andy Roditis, führt Besucher durch den Widerstand gegen die britische Herrschaft.
Zu den Ausstellungsstücken zählen szenische Darstellungen in Lebensgröße, die Schlüsselmomente des Kampfes zeigen. Ausgestellt sind Waffen der EOKA, offizielle britische Unterlagen, Fotografien von Einsätzen und Gefallenen sowie Erinnerungsstücke rund um die Befreiungsbewegung. Einige Fotos zeigen deutliche Gewaltdarstellungen getöteter griechisch-zypriotischer Kämpfer, darunter verbrannte oder verstümmelte Leichen, und vermitteln so einen unverblümten Eindruck von der Brutalität des Konflikts.
Der Weg zur Unabhängigkeit
1958 wuchs bei Erzbischof Makarios III., dem Führer der griechischen Zyprioten, die Sorge, dass eine Teilung bevorstehen könnte. Griechenland fürchtete, die Lage könne in einen Krieg mit der Türkei münden. Die Türkei stand gleichzeitig an ihren Ostgrenzen unter Druck. Die britische Regierung wollte einen griechisch-türkischen Krieg und damit eine Destabilisierung der NATO verhindern.

Am 5. Dezember 1958 erkannten die Außenminister Griechenlands und der Türkei die zugespitzte Lage an, worauf mehrere Treffen folgten. Daraus gingen die Londoner-Zürcher Abkommen hervor, die am 19. Februar 1959 unterzeichnet wurden. Der Kompromiss sah vor, dass Zypern ein unabhängiger und souveräner Staat wird, statt sich Griechenland anzuschließen. Erzbischof Makarios und Oberst Grivas akzeptierten die Abmachungen widerwillig und gaben das Ziel der Enosis auf, während die türkisch-zypriotische Führung den Kompromiss begrüßte.
Oberst Grivas veröffentlichte am 9. März 1959 ein Flugblatt, in dem er die Londoner Abkommen annahm und für den 13. März 1959 einen Waffenstillstand ankündigte. Damit endete der EOKA-Kampf nach vier Jahren. Am 16. August 1960 erlangte Zypern formell die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Erzbischof Makarios III. wurde am 13. Dezember 1959 zum Präsidenten und Fazil Küçük zum Vizepräsidenten der Republik Zypern gewählt.
Bildungsauftrag und moderne Technik
Das Museum versteht sich nicht nur als Aufbewahrungsort für Exponate, sondern auch als Lernort, der kommenden Generationen den Weg Zyperns zur Selbstbestimmung näherbringt. 2011 kamen 27.000 Besucher, vor allem Schulklassen und ausländische Reisende. Schulen planen regelmäßig Besuche, und Gruppen können Führungen buchen.
Es gibt kostenlose Informationsbroschüren auf Griechisch, Englisch und Deutsch. Zur technischen Ausstattung gehören Projektionsmöglichkeiten für Filme zur zyprischen Geschichte. Computer mit umfangreichem Material zum Befreiungskampf stehen für die Recherche bereit. Zudem verfügt das Museum über einen Buchladen mit Literatur und Erinnerungsstücken zur Unabhängigkeitsbewegung.
Jährlich beteiligt sich das Haus an Veranstaltungen, etwa am Internationalen Museumstag im Mai, wenn Dokumentarfilme gezeigt und spezielle Führungen angeboten werden. Der Rat des Historischen Gedächtnisses des Befreiungskampfes der EOKA 1955-1959 unterstützt die Aktivitäten und trägt zur Bewahrung der Geschichtsdarstellung bei.
Ihr Besuch heute
Der Eintritt in das Museum des Nationalen Befreiungskampfes ist frei. Geöffnet ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8:00 bis 14:00 Uhr. Mittwochs gelten 15:00 bis 17:00 Uhr, ausgenommen im Juli und August, wenn durchgehend die Vormittagszeiten 8:00 bis 14:00 Uhr gelten. Samstags und sonntags ist geschlossen.

Das Gebäude ist vollständig barrierefrei. Es gibt rollstuhlgerechte WCs und ausgewiesene Parkplätze in der Nähe des Eingangs. Dank der überschaubaren Größe lässt sich die Ausstellung in ein bis zwei Stunden gut erkunden; wer alle Texte ausführlich lesen möchte, sollte mehr Zeit einplanen.
Die Lage nahe dem Heiligen Erzbistum in der Altstadt innerhalb der venezianischen Mauern macht das Museum von anderen Sehenswürdigkeiten Nikosias aus gut erreichbar. Es befindet sich an einem zentralen Platz, von dem aus mehrere weitere historische und religiöse Stätten bequem zu Fuß liegen.
Das Museum im zyprischen Gedächtnis
Das Museum des Nationalen Befreiungskampfes bewahrt ein umstrittenes und vielschichtiges Kapitel der zyprischen Geschichte. Für viele Griechischzyprioten steht EOKA für den Kampf um Selbstbestimmung gegen die Kolonialherrschaft. Das Museum zeichnet diesen Weg als Ringen um Freiheit und Unabhängigkeit nach und ehrt jene, die für eine als gerecht empfundene Sache ihr Leben riskierten.
Die Darstellung folgt überwiegend der griechisch-zypriotischen Perspektive. EOKA-Kämpfer werden als Patrioten und Freiheitskämpfer gezeigt, die sich der britischen Kolonialmacht unter großen persönlichen Opfern widersetzten. Diese Lesart prägt die nationale Identität und das kollektive Gedächtnis der griechisch-zypriotischen Gemeinschaft, auch wenn die Ereignisse von 1955 bis 1959 von türkischen Zyprioten und britischen Beobachtern anders bewertet werden.
Das Museum zeigt zudem, wie sich ganz normale Menschen auf vielfältige Weise beteiligten – vom bewaffneten Widerstand bis zur logistischen Unterstützung – und wie der Konflikt Familien, Gemeinschaften und den Alltag auf der Insel prägte. Mit der Bewahrung dieser Geschichten und Objekte stellt das Museum sicher, dass junge Generationen die Opfer für die Unabhängigkeit verstehen und die historischen Kräfte kennenlernen, die das moderne Zypern geformt haben.