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Maa-Palaiokastro ist ein bedeutender Ort in der Geschichte Zyperns. Die spätbronzezeitliche Siedlung an der Westküste bei dem heutigen Paphos markiert die Ankunft mykenischer Griechen um 1200 v. Chr. Auf einer kleinen Halbinsel errichtet und von kräftigen Mauern umgeben, zeigt der Fundplatz, wie griechische Kultur in einer Phase großer Umbrüche im östlichen Mittelmeerraum auf Zypern Einfluss gewann.

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„Palaiokastro“ bedeutet auf Griechisch „alte Burg“ und bezieht sich auf die massiven Befestigungsmauern, die noch lange nach der Aufgabe der Siedlung sichtbar waren. Zu sehen sind die Reste einer kleinen, strategisch bedeutsamen Gemeinschaft vom späten 13. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts v. Chr. sowie ein unterirdisches Museum aus dem Jahr 1996.

Die Siedlung liegt auf einem Vorsprung, der ins Mittelmeer ragt und nur über einen schmalen Landstreifen mit dem Festland verbunden ist. Ausgrabungen brachten Wohnhäuser, öffentliche Gebäude mit ägäischer Architektur und zwei mächtige Wehrmauern zutage, die Angriffe von Land wie von See abwehren sollten.

Historischer Hintergrund von Maa-Palaiokastro

Maa-Palaiokastro entstand in einer extrem unruhigen Zeit im östlichen Mittelmeer. Am Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. brachen die großen mykenischen Palastzentren auf dem griechischen Festland, etwa Mykene und Pylos, zusammen. Viele Menschen verließen ihre Städte und suchten im östlichen Mittelmeer neue Lebensräume.

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Ein Teil dieser mykenischen Flüchtlinge ließ sich in bestehenden zyprischen Städten wie Enkomi, Kition und Palaipaphos nieder, andere gründeten neue befestigte Siedlungen. Maa-Palaiokastro und Pyla-Kokkinokremos an der Südostküste entstanden in dieser Zeit als kleine Verteidigungsaußenposten. Sie waren nur wenige Generationen lang bewohnt, wurden jedoch intensiv genutzt.

Archäologische Funde datieren die erste Besiedlung von Maa-Palaiokastro auf etwa 1230-1200 v. Chr. Um 1175 v. Chr. wurde der Ort wohl von Piraten zerstört, jedoch rasch wiederaufgebaut. Endgültig aufgegeben wurde er um 1150 v. Chr., im Zuge der großräumigen Erschütterungen am Ende der Bronzezeit im östlichen Mittelmeer.

Vor der mykenischen Ankunft nutzten Menschen die Halbinsel bereits in der frühen chalkolithischen Periode. Damals lebte man in einfachen Behausungen, die Felsnischen mit hölzernen Aufbauten kombinierten.

Befestigungen und Wehrarchitektur

Auffällig sind vor allem zwei Befestigungssysteme. Die nördliche Mauer schützte die Landseite an der schmalen Verbindung zum Festland. Sie war etwa 70 Meter lang und 3,5 Meter breit. Errichtet wurde sie im kyklopischen Stil aus großen, unregelmäßigen Felsblöcken, zwischen die kleinere Steine eingepasst wurden. Es gab ein Haupttor und ein kleineres Seitentor.

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Die südliche Mauer verlief entlang der Küste und schützte vor Angriffen vom Meer. Beide Mauern nutzten sehr große Steine, lehnten sich an mykenische Bautechniken an und passten sich an lokale Materialien an. In den Räumen 45 und 46 identifizierten Archäologen zudem eine turmartige Struktur, die wahrscheinlich der Beobachtung und Kontrolle der Küstenschifffahrt diente.

Die Befestigungen zeigen, wie viel Aufwand die Bewohner trotz der kleinen Siedlung in ihre Verteidigung steckten. Sie machen die Gefährdungslage jener Zeit deutlich und belegen die Vorbereitung auf Angriffe. Der Wehrbau unterscheidet sich klar von älteren zyprischen Traditionen und weist deutlich mykenische Einflüsse auf.

Forschung und Funde

Erste Sondagen führte 1952 Porphyrios Dikaios durch. Zwischen 1979 und 1986 leitete Dr. Vassos Karageorghis acht Grabungskampagnen, bei denen Grundrisse, Mauern und Alltagsobjekte freigelegt wurden.

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2018 kamen moderne Methoden zum Einsatz, um Bauten und Siedlungsorganisation zu analysieren. Das Ergebnis: Einige Bereiche waren sorgfältig geplant, andere offenbar hastig errichtet.

Auf Keramik und weiteren Objekten fanden sich Inschriften in der zypro-minoischen Schrift, einer frühen zyprischen Schreibform, deren Inhalt bis heute unbekannt ist. Sie deuten auf Verwaltungstätigkeiten hin, etwa zur Organisation von Handel oder lokalen Abläufen.

Die Funde belegen weitreichende Kontakte im Mittelmeerraum. Manche Keramik ist klar mykenisch geprägt, während zugleich lokale zyprische Stile fortbestanden. Der Alltag in Maa-Palaiokastro verband also ägäische und zyprische Traditionen.

Die Rolle des Ortes bei der Hellenisierung Zyperns

Maa-Palaiokastro ist deshalb so wichtig, weil hier der frühe Einzug griechischer Kultur auf Zypern greifbar wird. Im späten 13. und frühen 12. Jahrhundert v. Chr. erreichten mykenische Gruppen die Insel und setzten damit einen Hellenisierungsprozess in Gang, der Zyperns Kultur über Jahrtausende prägte.

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Die Siedlung zählt zu den frühesten griechischen Gemeinschaften auf Zypern. Auch wenn Maa-Palaiokastro nur für kurze Zeit bestand, prägten die mykenischen Zuwanderer zahlreiche Städte. In Orten wie Enkomi und Kition setzten sich griechisch geprägte Bauweisen, Keramik, religiöse Praktiken und Organisationsformen durch.

In dieser Phase kamen etwa massive Wehrmauern, sorgfältig zugerichtete Quader für bedeutende Gebäude und religiöse Symbole wie die „Hörner der Weihe“ aus Griechenland und Kreta auf. Mit der Zeit verbreiteten sich Sprache und Kultur der Griechen über die Insel und legten das Fundament dafür, dass Zypern griechischsprachig wurde.

Besuch von Maa-Palaiokastro heute

Maa-Palaiokastro liegt nahe der Coral Bay im Gebiet von Peyia, unweit von Paphos. Besonders eindrucksvoll ist das unterirdische Museum, entworfen vom italienischen Architekten Professor Andrea Bruno und finanziert von der A. G. Leventis Foundation. Um die Landschaft zu schonen, befindet sich der Bau weitgehend unter der Erde, sichtbar ist nur eine kupferne Kuppel.

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Bruno stellte sich das Haus zunächst als „Museum des Nichts“ vor, einen schlichten, leeren Rundsaal zum stillen Nachdenken. Später kam eine kleine Ausstellung hinzu, doch der Weg hinab in den unterirdischen Raum bleibt das prägendste Erlebnis.

Die Schau zeigt Repliken von Funden, Grabungsfotos und verständliche Informationen zur Geschichte der mykenischen Siedler auf Zypern. Draußen führen Wege durch die Reste von Häusern und Wehrmauern, Tafeln erläutern die sichtbaren Strukturen.

Das Gelände ist ganzjährig außer an wichtigen Feiertagen geöffnet. Maa-Palaiokastro ist zwar kleiner und weniger ausgebaut als andere Fundplätze, bietet aber eine stille, nachdenkliche Atmosphäre und macht einen entscheidenden Moment der Inselgeschichte greifbar.

Warum Maa-Palaiokastro für Zyperns Erbe wichtig ist

Maa-Palaiokastro bewahrt greifbare Zeugnisse dafür, wie Zypern in einer der größten Krisen der Antike Zuflucht bot. Der Ort zeigt, dass Gemeinschaften selbst in Zeiten des Zusammenbruchs neue Heimaten gründen und kulturelle Traditionen bewahren konnten, während sie sich an neue Bedingungen anpassten.

Die Anlage beleuchtet, wie Kultur im antiken Mittelmeer übertragen wurde. Die Architektur macht deutlich, wie ägäische Bautechniken nach Zypern gelangten und für lokale Gegebenheiten angepasst wurden. Gemischte Keramikensembles zeigen das Wechselspiel zwischen Zuwanderern und ansässigen Gruppen. Hinweise auf Metallverarbeitung verbinden die Siedlung mit Zyperns anhaltender Rolle im mittelmeerischen Kupferhandel, trotz der wirtschaftlichen Störungen jener Zeit.

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