Aussichtspunkte am Kap Greko, Zypern

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Kap Greko, auch als Cavo Greco bekannt, hat mehrere unterschiedliche Aussichtspunkte entlang seiner südöstlichen Küste zwischen Agia Napa und Protaras. Die wichtigste Aussichtsplattform liegt am höchsten Punkt des 385 Hektar großen Nationalen Waldparks und eröffnet einen 360-Grad-Blick über das Mittelmeer und die umliegende Küstenlandschaft.

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Weitere Aussichtspunkte verteilen sich an verschiedenen Stellen entlang der Klippen. Jeder von ihnen bietet einen eigenen Blick auf Kalksteinformationen, Meereshöhlen und die berühmte Blaue Lagune darunter. Manche dieser erhöhten Plätze sind direkt von der Straße aus erreichbar, andere erfordern einen kurzen Spaziergang über Naturpfade.

Die Aussichtspunkte ziehen Fotografen, Naturfreunde und Besucher an, die Zyperns eindrucksvolle Küstenlandschaft erleben möchten – ohne die Menschenmengen, die man an den nur wenige Minuten entfernten Stränden der Ferienorte findet.

Geologische Entstehung und historische Entwicklung

Die geologische Geschichte von Kap Greko reicht Millionen Jahre zurück. Die heutigen Kalksteinklippen und Felsformationen entstanden durch das Zusammenspiel tektonischer Bewegungen sowie der formenden Kraft von Meer und Wind. Das Kalkgestein gehört zur Nikosia-Formation und wurde im Pliozän vor etwa 5 bis 3 Millionen Jahren abgelagert, als dieses Gebiet Teil eines flachen tropischen Meeres war. Als die afrikanische und die europäische tektonische Platte aufeinandertrafen, hob sich der Meeresboden allmählich und bildete schließlich die Insel Zypern.

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Wellen und Verwitterung haben die Küste nach und nach in ihre heutige markante Form gebracht. In die bis zu 30 Fuß hohen Kalksteinklippen hat die Natur zahlreiche Höhlen geformt. Durch das ständige Schlagen der Mittelmeerwellen gegen den Fels entstanden Netzwerke aus Meereshöhlen, natürlichen Bögen und Felsplattformen, die man heute von den Aussichtspunkten aus sehen kann. Einige dieser Höhlen reichen bis zu 240 Fuß tief in die Klippen hinein und sind nur vom Meer aus zugänglich.

In der Antike war das Kap als Cape Pedalion bekannt. Laut Strabon war der darüber liegende trapezförmige Hügel der Aphrodite geweiht. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Gegend seit der Jungsteinzeit besiedelt ist – 1992 wurde hier eine der ältesten Siedlungen Zyperns entdeckt. Auf dem Kap Greko steht ein Leuchtturm, und Wanderer können zudem die Ruinenfundamente eines antiken Tempels finden, der Aphrodite gewidmet war. Der Leuchtturm wurde 1892 von den Briten errichtet und war nach dem Leuchtturm an der Burg von Paphos der zweite auf Zypern.

1993 wurde das Gebiet als Nationaler Waldpark ausgewiesen, um seine besonderen Ökosysteme zu schützen. Zwischen 1910 und 1920 wurden die dichten Wacholderwälder auf dem Kap in kurzer Zeit großflächig abgeholzt und verbrannt, um die dampfbetriebenen Getreidemühlen in der Region Paralimni zu versorgen. Der langsam wachsende Wacholder hat sich bis heute nicht vollständig erholt, doch inzwischen prägen verschiedene Kiefernarten und 14 endemische Pflanzenarten die Landschaft.

Was man von den Aussichtspunkten sehen kann

Der wichtigste Aussichtspunkt auf dem Gipfel von Kap Greko bietet den umfassendsten Panoramablick. Nach Norden reicht die Sicht über die Bucht von Famagusta bis zu den in der Ferne liegenden, türkisch besetzten Pentadaktylos-Bergen. An besonders klaren Tagen soll man von hier sogar bis nach Israel sehen können, auch wenn die Atmosphäre eine so weite Sicht nur selten zulässt. Am Aussichtspunkt gibt es Bänke und einen Pavillon, der in den Sommermonaten Schatten spendet.

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Nach Westen sieht man Agia Napa und die Konnos-Bucht, während sich im Osten Protaras und die zerklüftete Küste in Richtung Paralimni zeigen. Unterhalb des Aussichtspunkts leuchtet das türkisblaue Wasser der Blauen Lagune in seiner typischen Farbe – ein Effekt, der entsteht, wenn Sonnenlicht durch das außergewöhnlich klare Wasser auf den weißen Kalksteinboden trifft. Am Kap Greko liegen die Wassertemperaturen zwischen 16oC und 28oC, und die Sicht unter Wasser kann bis zu 40 Meter betragen.

Von einigen Aussichtspunkten aus sieht man auch den Korakas-Bogen, die eindrucksvollste Naturbrücke Zyperns, an der rauen Nordostküste von Kap Greko. Diese natürliche Kalksteinbrücke, auch als Brücke der Verliebten oder Kamara tou Koraka bekannt, ist 50 Fuß hoch und 23 Fuß breit. Einer örtlichen Legende nach erwartet Paare, die die Brücke gemeinsam überqueren, ewige Liebe. Gleichzeitig zeigt die Formation deutliche Spuren fortschreitender Erosion, zu der in den vergangenen Jahrzehnten auch Pflanzenwurzeln beigetragen haben.

Von mehreren Aussichtspunkten aus ist auch die Kapelle Ayioi Anargyroi zu sehen, deren weiß getünchtes Gebäude am Rand einer Klippe steht. Die Kapelle ist den Heiligen Kosmas und Damian geweiht und besitzt eine Treppe, die hinunter zum Meer führt, wo heiliges Wasser fließt. Unterhalb der Kapelle liegt eine Höhle, die in örtlichen Legenden erwähnt wird und in der die Heiligen während ihrer Zeit in der Region Schutz gefunden haben sollen.

Spannende Details über die Gegend

Kap Greko markiert den östlichsten Punkt sowohl der Republik Zypern als auch – wenn man die Gebiete in äußerster Randlage ausnimmt – praktisch der Europäischen Union. Gerade deshalb ist der Sonnenaufgang hier etwas Besonderes, denn in den Sommermonaten geht die Sonne an keinem anderen Ort der EU früher auf.

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Einer lokalen Legende zufolge ist dies außerdem die Heimat des “Meeresmonsters von Agia Napa”. Es wird als Mischung aus riesiger Schlange und Krokodil beschrieben und trägt deshalb den Beinamen “zyprisches Ungeheuer von Loch Ness”. Wissenschaftler erklären solche Sichtungen meist mit Begegnungen mit Mittelmeer-Mönchsrobben (Monachus monachus), einer vom Aussterben bedrohten Art, die gelegentlich in den Gewässern rund um Zypern auftaucht. Trotzdem lebt die Legende unter den Einheimischen weiter und verleiht dem Ort eine besondere geheimnisvolle Note.

Das Gebiet rund um das Kap wurde von BirdLife International als Important Bird Area eingestuft, weil es ein wichtiger Zugkorridor für große Zahlen von Greifvögeln und anderen Vogelarten ist. Für Rotfußfalken, Steppenweihen, Wespenbussarde und Turmfalken bildet das Kap einen regelrechten Engpass auf dem Zugweg. Insgesamt wurden hier mehr als 80 Arten nachgewiesen, darunter auch Brutbestände von Zypernsteinschmätzern, Zyperngrasmücken und Chukarhühnern. Die erhöhten Aussichtspunkte eignen sich deshalb besonders gut zur Vogelbeobachtung im Frühling und Herbst.

Meeresleben und Sicht unter Wasser

Die Gewässer, die man von den Aussichtspunkten aus überblickt, beherbergen vielfältige mediterrane Meeresökosysteme. Schon kurz nach dem Einstieg ins Wasser gelangt man in relativ tiefe Bereiche (↕6-18 feet/2-6 meters) mit zerklüftetem felsigem Relief. Der Meeresboden besteht aus großen Felsblöcken, Plateaus und Geröllfeldern, die eine abwechslungsreiche Unterwasserlandschaft bilden, bevor in Tiefen von 12 bis 24 Fuß sandige Abschnitte beginnen.

Zu den häufigen Arten zählen Sattelbrassen, Schmucklippfische, Demoisellen und gewöhnliche Meerbrassen. Taucher können hier viele verschiedene Mittelmeerfische beobachten, darunter farbenfrohe Papageienfische, Oktopusse, Muränen und saisonal auftretende Barrakuda-Schwärme. Die Unterwasserwiesen aus Posidonia oceanica, die manchmal auch als “Lunge des Mittelmeers” bezeichnet werden, sind ein zentrales Ökosystem für unzählige Arten. Diese endemischen Meerespflanzen bilden ausgedehnte Unterwasserwiesen, die man von Bootstouren nahe der Aussichtspunkte aus erkennen kann.

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Meeresschildkröten tauchen in den Gewässern rund um Kap Greko regelmäßig auf. Viele Besucher berichten, dass sie Unechte Karettschildkröten und Grüne Meeresschildkröten in der Blauen Lagune und in der Umgebung gesehen haben. Eine Sichtung lässt sich zwar nie garantieren, doch bei guten Bedingungen erlaubt das klare Wasser, das man von den Aussichtspunkten aus überblickt, oft sogar einen Blick auf Schildkröten von oben.

Die Rolle von Kap Greko im modernen Zypern

Der Nationale Waldpark Kap Greko zieht jedes Jahr Tausende Besucher an und bleibt trotzdem deutlich ruhiger als die nahe gelegenen Strände der Ferienorte. Die Aussichtspunkte sind für Urlauber in Agia Napa und Protaras leicht erreichbare Naturziele und bieten einen schönen Gegenpol zu klassischen Strandferien. Viele kommen ganz gezielt wegen der Aussicht und der Fotomotive hierher – besonders bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, wenn das Licht Klippen und Meer besonders eindrucksvoll wirken lässt.

Der Schutz des Gebiets wird weiterhin vom Forstamt betreut. BirdLife Cyprus führt während der Zugzeiten regelmäßig Patrouillen gegen illegales Vogelfangen durch. Im Rahmen von Wiederaufforstungsprojekten wurden in geschädigten Bereichen mehr als 400 einheimische junge Bäume und Sträucher gepflanzt. Das Besucherzentrum von Kap Greko informiert mit Ausstellungen über die Ökologie der Region, ihre endemische Flora und die Zugvogelbestände.

Die Aussichtspunkte sind zudem beliebte Orte für Hochzeitsfotos und andere besondere Anlässe geworden. Die Mischung aus dramatischen Klippen, türkisfarbenem Wasser und mediterranem Licht sorgt für außergewöhnlich starke Kulissen. Professionelle Fotografen bringen ihre Kunden regelmäßig hierher, vor allem während der goldenen Stunde, wenn das schräg einfallende Sonnenlicht die Kalksteinformationen besonders schön hervorhebt.

Die Aussichtspunkte erkunden

Der Zugang zu den Aussichtspunkten von Kap Greko ist kostenlos und das ganze Jahr über rund um die Uhr möglich. Der wichtigste Aussichtspunkt liegt mit dem Auto nur etwa 5 bis 10 Minuten von Agia Napa entfernt. Von Agia Napa aus fährt man Richtung Osten nach Protaras und nimmt dann die erste Abzweigung zum Grecian Park Hotel und nach Kap Greko. Eine klare Beschilderung weist den Weg durch den Nationalpark.

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Für die verschiedenen Aussichtspunkte gibt es mehrere Parkmöglichkeiten. Der Hauptparkplatz nahe dem Gipfel bietet Platz für Autos, Motorräder, Quads und Reisebusse. Weitere Parkflächen befinden sich in der Nähe des Aussichtspunkts über die Blaue Lagune und im Bereich der Meereshöhlen. Das Parken ist kostenlos, allerdings sind die Plätze in den Sommermonaten zwischen 10 Uhr und 14 Uhr oft schnell belegt.

Die öffentlichen Buslinien 101 und 102 fahren sowohl von Agia Napa als auch von Protaras durch den Nationalen Waldpark Kap Greko. Der Fahrpreis beträgt 2 € pro Person und Strecke. Die Busse halten in der Nähe des Parkeingangs und des Besucherzentrums, von dort aus erreicht man die einzelnen Aussichtspunkte nach einem kurzen Fußweg. In der Urlaubssaison fahren die Busse regelmäßig, im Winter ist der Takt deutlich seltener.

Die Naturpfade zwischen den Aussichtspunkten reichen von leicht bis mittelschwer. Der Aphrodite-Naturpfad verläuft 2 Kilometer entlang der Nordostküste und ist Teil des europäischen Fernwanderwegs E4, der von Zypern bis nach Gibraltar führt. Unterwegs passiert man mehrere Aussichtspunkte und durchquert mediterrane Macchia. Ein weiterer Weg führt zur Zyklopenhöhle, in deren Nähe es auch einen Picknickplatz gibt. Gut ausgebaute Radwege ziehen sich durch den ganzen Park und bieten eine weitere Möglichkeit, die Aussichtspunkte zu erreichen.

Wann der beste Besuchszeitpunkt ist, hängt davon ab, was man erleben möchte. Der Sonnenaufgang liegt je nach Jahreszeit zwischen 5:30 Uhr im Sommer und 6:45 Uhr im Winter – und wegen der östlichsten Lage geht die Sonne hier innerhalb der EU besonders früh auf. Wer fotografieren möchte, sollte etwa 45 Minuten vor Sonnenaufgang da sein, um die Farben vor der Morgendämmerung einzufangen. Auch der Sonnenuntergang ist beeindruckend, vor allem an den nach Westen gerichteten Aussichtspunkten mit Blick auf Agia Napa. Zur Mittagszeit ist die Fernsicht meist am klarsten, im Sommer kann es dann aber sehr heiß werden. Angenehmer sind oft der frühe Morgen und der späte Nachmittag, wenn die Temperaturen milder sind und das Licht für Fotos besser ist.

Warum diese Aussichtspunkte so besonders sind

Die Aussichtspunkte von Kap Greko bieten etwas, das im Mittelmeertourismus immer seltener wird. Es sind natürliche Plattformen, an denen geologische Prozesse sichtbar bleiben, an denen endemische Arten weiter gedeihen und an denen Besucher Küstenökosysteme erleben können, ohne dass alles stark kommerzialisiert wurde. Sie zeigen, dass Naturschutz und touristische Zugänglichkeit gut nebeneinander bestehen können – wenn ein Gebiet sinnvoll verwaltet wird.

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Wer an diesen erhöhten Punkten steht, spürt unmittelbar die Kräfte, die Zypern geformt haben. Der Kalkstein unter den Füßen entstand aus uralten Meeresorganismen. Die Höhlen darunter wurden über Jahrtausende von den Wellen ausgewaschen. Die endemischen Pflanzen, die aus Felsspalten wachsen, entwickelten sich über Tausende Jahre in Isolation. Diese direkte Verbindung zu Erdgeschichte und natürlichen Prozessen vermittelt eine Perspektive, die bei klassischen Strandferien oft fehlt.

Die Aussichtspunkte von Kap Greko belohnen alle, die den kurzen Weg aus den Ferienorten auf sich nehmen, mit einem Erlebnis, das sich klar von Poolliegen und Beachclubs unterscheidet. Der Wind, das Geräusch der Wellen tief unten an den Klippen und der Anblick ziehender Vögel über dem Kopf schaffen Erinnerungen, die aus echten Naturerlebnissen entstehen und nicht aus künstlich geschaffener Unterhaltung. Diese Aussichtspunkte zeigen, dass einige der eindrucksvollsten Orte Zyperns keinen Eintritt, keine Menschenmassen und kaum mehr als einen einfachen Zugang und guten Schutz brauchen.

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