Jenseits der felsigen Küsten und der klaren, flachen Buchten Zyperns beginnt eine ganz andere Welt – das offene Mittelmeer. Dort, in tieferen Gewässern, wo der Meeresboden im endlosen Blau verschwindet, leben einige der stärksten und schnellsten Fische des Meeres. Es sind pelagische Arten, und sie prägen die Fischereikultur Zyperns seit Jahrhunderten.

Doch welche Meereswanderer sind das eigentlich, und wie werden sie heute auf Zypern gefangen?
Leben ohne Meeresboden
Die pelagische Fischerei richtet sich auf Fische, die im freien Wasserkörper leben, fern vom Meeresgrund. Anders als Riff- oder Bodenfische legen diese Arten enorme Strecken zurück und ziehen oft in großen Schwärmen oder als einzelne Jäger umher.
Auf Zypern ist die pelagische Fischerei sowohl ein wichtiger Erwerbszweig als auch eine beliebte Tradition des Sportfischens, besonders in den warmen Monaten, wenn wandernde Arten durch das östliche Mittelmeer ziehen.
Auf den Spuren uralter Strömungen
Der Fang großer pelagischer Arten hat auf Zypern eine lange Geschichte. Seit Jahrtausenden folgen Fischer auf der Insel den saisonalen Wanderungen von Thunfisch und Schwertfisch durch das östliche Mittelmeer.

Heute wird die Fischerei auf Zypern im Rahmen größerer Mittelmeerregelungen gesteuert, vor allem durch internationale Abkommen wie ICCAT (Internationale Kommission zur Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik), die stark wandernde Arten wie Thunfisch und Schwertfisch reguliert.
Historisch gesehen nahm die pelagische Fischerei mit der Einführung von Oberflächen-Langleinen und polyvalenten Fischereifahrzeugen deutlich zu. Damit konnten Fischer weiter hinausfahren, bis in internationale Gewässer, in denen große Wanderfische unterwegs sind.
Jäger der blauen Weite
Die pelagische Fischerei auf Zypern konzentriert sich vor allem auf einige zentrale Arten und Fangmethoden:
🌊 Gezielte kommerziell gefangene Arten
Zu den wichtigsten Zielarten gehören:
- Atlantischer Blauflossen-Thunfisch (Thunnus thynnus)
- Schwertfisch (Xiphias gladius)
- Weißer Thun (Thunnus alalunga)
Diese wandernden Raubfische ziehen je nach Saison durch die Gewässer Zyperns und werden hauptsächlich mit treibenden Oberflächen-Langleinen und polyvalenten Gerätesystemen gefangen.
🎣 Weitere pelagische und halbpelagische Arten
Je nach Jahreszeit und Gebiet treffen Fischer außerdem auf:
- Bernsteinmakrele (Seriola dumerili)
- Mahi-Mahi / Goldmakrele (Coryphaena hippurus)
- Barrakuda (Sphyraena spp.)
- Verschiedene kleinere Thunfischarten und Stachelmakrelen
Diese Arten sind oft weniger streng reguliert und tauchen sowohl in kommerziellen Fängen als auch beim Freizeitfischen auf.
🚤 Fanggebiete
Pelagische Fischerei findet statt:
- innerhalb der zyprischen Hoheitsgewässer
- im weiteren östlichen Mittelmeer (“internationale Gewässer”)
- rund um Offshore-Canyons und Auftriebszonen, in denen sich Köderfische sammeln
Fremd, schnell und beeindruckend
- Blauflossen-Thunfische können Tausende Kilometer wandern und in einer einzigen Saison sogar das ganze Mittelmeer durchqueren.
- Zypern hat eine der aktivsten Freizeitfischereien auf pelagische Arten im östlichen Mittelmeer.
- In manchen Jahren kann das Gesamtgewicht der beim Freizeitfischen gefangenen pelagischen Fische fast an die kommerziellen Anlandungen heranreichen.
- Die Saison für Weißen Thun ist auf Zypern meist kurz – oft nur einige Sommermonate.
- Goldmakrelen (Mahi-Mahi) gehören zu den am schnellsten wachsenden pelagischen Fischen und können ihre Größe innerhalb weniger Monate verdoppeln.
Das schwebende Netz des Lebens
Pelagische Fische verbinden die Ökosysteme des Mittelmeers miteinander. Sie transportieren Energie zwischen Lebensräumen, indem sie kleinere Fische und Kalmare fressen und selbst größeren Räubern wie Haien und Meeressäugern als Beute dienen.

Zypern liegt in einem biologisch reichen Korridor des östlichen Mittelmeers, wo wärmere Wassermassen und saisonale Strömungen wandernde Arten anziehen. Deshalb ist die Insel ein wichtiger Beobachtungspunkt für Bestandsentwicklungen von Thunfisch und Schwertfisch in der Region.
Auch die Freizeitfischerei – darunter Angeln vom Boot, Speerfischen und Spinnfischen von der Küste – trägt überraschend stark zum Gesamtdruck auf diese Arten bei, besonders in küstennahen Bereichen.
Zwischen Tradition und offenem Meer
Heute bewegt sich die pelagische Fischerei auf Zypern in einem sorgfältig austarierten Spannungsfeld zwischen Tradition, Freizeitnutzung und Naturschutz.

- Kommerzielle Flotten unterliegen einer strengen Lizenzvergabe und Quotenregelung nach den ICCAT-Vorgaben
- Freizeitangler fangen Thunfisch, Bernsteinmakrele und Goldmakrele mit Ruten und Schleppangel-Techniken
- Für einige Arten gelten saisonale Sperrzeiten zum Schutz der Fortpflanzung, zum Beispiel regionale Beschränkungen für Thunfisch und Schwertfisch
Gleichzeitig verändern steigende Meerestemperaturen und invasive Arten das Ökosystem. Die Verbreitung heimischer Fische verschiebt sich, und Fischer berichten immer häufiger von Veränderungen bei Bestandsgröße und Artenzusammensetzung.
Ein Schritt hinaus ins Blaue
Für Besucher und Einheimische zeigt sich die pelagische Fischerei auf Zypern oft in folgenden Formen:
- Angelausflüge mit dem Boot ab Häfen wie Larnaka, Limassol und Paphos
- Schleppangel-Touren auf Thunfisch und Mahi-Mahi
- Speerfischen (mit Lizenz) auf pelagische Räuber in der Nähe von Riffen und Abbruchkanten
- Saisonale Angelcharter während der Sommerwanderungen
Selbst von der Küste aus erleben glückliche Angler manchmal, wie schnelle Räuber dicht am Ufer Jagd auf Köderfische machen – ein kurzer, aber unvergesslicher Moment, in dem das offene Meer ganz nah ans Land rückt.
Die Insel und der endlose Horizont
Die pelagische Fischerei auf Zypern erzählt eine Geschichte von Bewegung – von Fischen, die riesige Meeresräume durchqueren, und von Menschen, die ihnen über Generationen hinweg folgen. Von antiken Fischern, die das Meer zu lesen wussten, bis zu heutigen Anglern mit Sonar und Langleinen ist diese Verbindung tief in der Identität der Insel verankert.

In diesen offenen Gewässern ist Zypern nicht nur eine Insel – es ist ein Knotenpunkt des Lebens in ständiger Bewegung, an dem jede Jahreszeit ein neues Kapitel bringt, geschrieben vom Meer.