Witwen- und Falsche Witwenspinnen auf Zypern

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Die berüchtigte Schwarze Witwe kennen viele – aber nur wenige wissen, dass auf Zypern gleich eine ganze Gruppe naher Verwandter lebt. Unter Steinen, zwischen trockenem Gras, in alten Mauern und sogar rund um unsere Häuser verstecken sich faszinierende Spinnen, die man als Witwen- und Falsche Witwenspinnen kennt.

Eine Art verdient wegen ihres medizinisch bedeutsamen Giftes durchaus Respekt. Die anderen sind harmlos oder nur schwach giftig und helfen auf der ganzen Insel ganz nebenbei dabei, Insektenbestände in Schach zu halten.

Die Familie der Witwenspinnen

Witwen- und Falsche Witwenspinnen gehören zur Unterfamilie Latrodectinae, einem Zweig der Kugelspinnenfamilie (Theridiidae). Bekannt sind sie vor allem für ihre unordentlich wirkenden, dreidimensionalen Netze – und nicht für die klassischen runden Radnetze, die man sonst oft vor Augen hat.

Auf Zypern kommen mehrere Vertreter dieser spannenden Gruppe vor, darunter die Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) sowie verschiedene Falsche Witwen aus der Gattung Steatoda. Sie haben zwar einen gemeinsamen Vorfahren und sehen sich oft ähnlich, doch nur Arten der Gattung Latrodectus gelten als echte Witwenspinnen.

Ihre verworrenen Seidenfallen sind kleine Meisterwerke. Sie können Insekten festhalten, die um ein Vielfaches größer sind als die Spinne selbst.

Europäische Schwarze Witwe, erwachsenes Weibchen mit Eikokon © iNaturalist

Alte Spinnen mit altem Ruf

Witwenspinnen leben seit Millionen von Jahren im Mittelmeerraum. Lange bevor es die moderne Wissenschaft gab, wussten Menschen bereits, dass bestimmte glänzend schwarze Spinnen schmerzhafte Bisse verursachen können.

Der griechische Arzt Dioskurides beschrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. Symptome, die den heutigen Beschwerden nach einem Biss der Schwarzen Witwe sehr ähnlich sind. Im Lauf der Geschichte trafen Bauern bei der Weizenernte oft auf diese Spinnen, die sich zwischen trockenen Halmen versteckten. So entstanden viele Legenden und Aberglauben.

Der Name Latrodectus stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “verborgener Beißer” – eine passende Bezeichnung für ein Tier, das den größten Teil seines Lebens unter Pflanzen oder Steinen verborgen verbringt.

Falsche Witwen hatten trotz ihres einschüchternden Aussehens nie denselben Ruf. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde wissenschaftlich klar, wie eng sie tatsächlich mit den echten Witwenspinnen verwandt sind.

Witwen- und Falsche Witwenarten auf Zypern

Auf Zypern wurden mehrere Arten der Latrodectinae nachgewiesen.

Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus)

Sie ist die größte und bekannteste Witwenspinne der Insel. Erwachsene Weibchen sind glänzend schwarz und tragen auffällige rote oder orangefarbene Flecken auf dem Hinterleib. Bei älteren Tieren kann die Färbung allerdings fast vollständig schwarz wirken.

Ihr Gift ist medizinisch bedeutsam, doch die Spinne ist scheu und beißt nur, wenn sie eingeklemmt oder angefasst wird.

Europäische Schwarze Witwe, erwachsenes Weibchen mit Eikokons © wp-polzin iNaturalist

Falsche Witwen (Steatoda-Arten)

Auf Zypern leben außerdem mehrere Falsche Witwenspinnen, darunter:

  • Steatoda paykulliana
  • Steatoda grossa
  • Steatoda triangulosa
  • Steatoda nobilis (von Zypern gemeldet)
  • möglicherweise kommen auch weitere Steatoda-Arten vor

Falsche Witwen haben wie echte Witwen einen rundlichen Hinterleib, zeigen aber meist braune, cremefarbene oder rötliche Muster statt des glänzend schwarzen Erscheinungsbildes von Latrodectus.

Ihr Gift enthält zwar Stoffe, die mit denen der Schwarzen Witwen verwandt sind, doch ihre Bisse verlaufen in der Regel mild und müssen nur selten ärztlich behandelt werden.

Falsche Schwarze Witwe Steatoda paykulliana © Luca Tringali iNaturalist

Meisterinnen außergewöhnlicher Seide

Anders als Radnetzspinnen, die elegante kreisrunde Netze bauen, schaffen Witwenspinnen unregelmäßige, dreidimensionale Gespinste.

Einige Fäden reichen wie unsichtbare Stolperdrähte bis zum Boden. Streift ein Insekt einen davon, schnellt der Faden nach oben und hebt die Beute an. So kann die Spinne sie sicher mit Seide einwickeln, bevor sie zubeißt und Gift einsetzt.

Die Seide von Witwenspinnen gehört zu den stärksten natürlichen Fasern, die bekannt sind. Im Verhältnis zu ihrer Dicke kann sie mit Stahl mithalten oder ihn sogar übertreffen – und bleibt dabei erstaunlich elastisch.

Diese Spinnen ernähren sich von:

  • Käfern
  • Fliegen
  • Heuschrecken
  • Grillen
  • Schaben
  • Motten
  • anderen Spinnen

Große weibliche Schwarze Witwen erbeuten gelegentlich auch kleine Geckos, junge Eidechsen oder sogar winzige Nagetiere, wenn diese sich in ihren besonders kräftigen Netzen verfangen.

inaturalist.org

Balz zwischen Riesen und Zwergen

Zu den bemerkenswertesten Eigenschaften der Witwenspinnen gehört der enorme Größenunterschied zwischen den Geschlechtern.

Erwachsene Weibchen können zwanzig- bis fünfzigmal schwerer sein als Männchen. Vor der Paarung nähert sich das winzige Männchen vorsichtig dem Netz des Weibchens und erzeugt bestimmte Vibrationen, die signalisieren, dass es ein möglicher Partner und keine Beute ist.

Die Balz kann mehrere Stunden dauern, bevor es zur Paarung kommt.

Trotz ihres furchteinflößenden Rufs fressen die Weibchen ihre Partner normalerweise nicht. Sexueller Kannibalismus ist in der Natur viel seltener, als die Popkultur vermuten lässt, und tritt vor allem dann auf, wenn Nahrung knapp ist.

Weibchen stellen mehrere seidige Eikokons her, von denen jeder zwischen 100 und 400 Eier enthalten kann. Nach dem Schlüpfen verbreiten sich die Jungspinnen per “Ballooning”: Sie geben feine Seidenfäden ab, mit denen sie vom Wind über erstaunliche Entfernungen getragen werden.

© Óscar Mendez iNaturalist

Gift: Respekt statt Angst

Die Europäische Schwarze Witwe besitzt eines der stärksten Spinnengifte Europas.

Ihr wichtigstes Toxin, α-Latrotoxin, wirkt auf das Nervensystem und kann starke Muskelschmerzen, Krämpfe, Schwitzen und Beschwerden im Bauchraum auslösen – ein Zustand, der als Latrodektismus bekannt ist.

Zum Glück sind Bisse selten, denn diese Spinnen sind ausgesprochen scheu. Meist kommt es nur dann dazu, wenn die Spinne versehentlich gegen die Haut gedrückt wird, etwa bei der Gartenarbeit oder beim Umsetzen von Steinen.

Falsche Witwenspinnen besitzen ein deutlich schwächeres Gift. Ihre Bisse können sich wie ein Bienen- oder Wespenstich anfühlen und klingen meist ohne ernsthafte Komplikationen wieder ab.

Dank moderner medizinischer Versorgung sind schwere Erkrankungen nach Bissen von Witwenspinnen heute ungewöhnlich, und Todesfälle sind äußerst selten.

Wissenswerte Fakten

  • 🕸️ Die Seide von Witwenspinnen gehört zu den stärksten natürlichen Materialien, die je untersucht wurden.
  • 🕷️ Medizinisch bedeutsam sind nur erwachsene Weibchen. Männchen sind zu klein, um ein ernstes Risiko darzustellen.
  • 🎈 Frisch geschlüpfte Jungspinnen können mehrere Kilometer weit reisen, indem sie an Seidenfäden durch die Luft getragen werden.
  • 🌍 Witwenspinnen kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor.
  • 🦎 Große Schwarze Witwen wurden gelegentlich dabei beobachtet, wie sie Geckos und andere kleine Wirbeltiere fingen.
  • 🌾 Die Europäische Schwarze Witwe war früher auch als “Erntespinne” bekannt, weil Bauern ihr besonders oft bei der Getreideernte begegneten.
  • 🕷️ Falsche Witwenspinnen werden in Gebäuden oft zu natürlichen Schädlingsbekämpfern, weil sie Fliegen, Mücken und Schaben fressen.

Leben auf ganz Zypern

Witwen- und Falsche Witwenspinnen besiedeln überraschend viele verschiedene Lebensräume.

Die Europäische Schwarze Witwe bevorzugt trockene Graslandschaften, Weinberge, Olivenhaine, felsige Hänge und aufgegebene Ackerflächen. Dort baut sie ihre Netze bodennah unter Steinen oder zwischen niedriger Vegetation.

Falsche Witwen sind noch anpassungsfähiger. Man findet sie in Gärten, Wäldern, an Dorfmauern, in Höhlen, Schuppen und manchmal auch in Häusern, wo sie still und unauffällig unerwünschte Insekten beseitigen.

Obwohl sie auf Zypern weit verbreitet sind, werden diese Spinnen nur selten bemerkt, weil sie die meiste Zeit des Tages gut verborgen in ihren Netzen verbringen.

Braune Witwe auf Zypern © Reflectitur Photons iNaturalist

Zusammenleben mit Witwenspinnen

Trotz ihres Rufs sind Witwenspinnen keine aggressiven Tiere.

Mit ein paar einfachen Vorsichtsmaßnahmen lassen sich unbeabsichtigte Begegnungen meist gut vermeiden:

  • Beim Gärtnern oder Anheben von Steinen Handschuhe tragen.
  • Stiefel, Handschuhe und Kleidung ausschütteln, wenn sie draußen lagen.
  • Nicht mit bloßen Händen in dunkle Spalten greifen.
  • Spinnen beobachten, ohne sie zu stören.

Wie Schlangen beißen auch Witwenspinnen nur als letzte Möglichkeit, wenn sie nicht fliehen können.

Die stillen Schädlingsbekämpfer der Natur

Witwen- und Falsche Witwenspinnen sind wertvolle Bestandteile der Ökosysteme Zyperns.

Jede einzelne Spinne fängt im Jahr Hunderte von Insekten und hilft so dabei, Bestände von Fliegen, Käfern, Heuschrecken und anderen wirbellosen Tieren zu regulieren. Indem sie die Zahl der Insekten im Gleichgewicht hält, trägt sie zur natürlichen Balance in wilden Lebensräumen ebenso wie in landwirtschaftlich genutzten Landschaften bei.

Statt gefürchtet zu werden, verdienen diese Spinnen Anerkennung als geschickte Jäger, die die Insel seit Tausenden von Jahren mit dem Menschen teilen.

Wo man sie in der Natur finden kann

Am besten lassen sich Witwenspinnen vom späten Frühling bis in den Herbst beobachten, wenn die erwachsenen Weibchen am aktivsten sind.

Schauen Sie aufmerksam unter Steine, zwischen trockenes Gras, an alte Steinmauern oder unter niedrige Sträucher. Oft sind ihre Netze leichter zu entdecken als die Spinnen selbst.

Falsche Witwen trifft man häufiger in der Nähe von Gebäuden und in Gärten an, besonders an warmen Abenden, wenn viele Insekten unterwegs sind.

Wenn Sie eine entdecken, beobachten Sie sie mit etwas Abstand. Ihre glänzenden Körper, die feine Seide und ihre geduldige Jagdweise machen sie zu einigen der faszinierendsten Spinnentiere Zyperns.

Mehr als nur ein furchteinflößender Name

Der Name “Witwenspinne” hat unzählige Mythen hervorgebracht, doch die Wirklichkeit ist weit spannender. Auf Zypern lebt nicht nur die Europäische Schwarze Witwe, eine der bemerkenswertesten Spinnen Europas, sondern auch eine artenreiche Gemeinschaft von Falschen Witwen, die in unseren Gärten und Landschaften still und effektiv Insektenschädlinge in Schach hält. Zusammen zeigen sie, dass selbst die missverstandensten Tiere einen wichtigen Platz in der Natur haben – und dass sich Schönheit, Raffinesse und ökologischer Wert oft in einem scheinbar wirren Netz verbergen.

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