Der Lara Beach liegt auf der Halbinsel Akamas im Westen Zyperns, etwa 27 Kilometer nordwestlich von Paphos. Dieser goldene Strand gehört zu den wichtigsten Nistplätzen des Mittelmeers für zwei gefährdete Meeresschildkrötenarten. Anders als die vielerorts erschlossenen Küsten Zyperns ist Lara frei von kommerziellem Tourismus. Es gibt keine Liegen, keine Restaurants und außer einer kleinen Hütte des Schutzprojekts keine festen Bauten. Der Strand gehört in erster Linie den Schildkröten – Menschen sind hier eher Gäste als Kunden.

Zyperns erste Station zum Schutz der Schildkröten
Der Schutz von Lara Beach begann 1971 mit der offiziellen Ausweisung des Gebiets als Schutzzone. 1978 startete die Fischereibehörde Zyperns ein formelles Projekt, das eine saisonale Station und eine Brutstätte in Lara einrichtete. Es war das erste Schildkrötenschutzprojekt im gesamten Mittelmeerraum.

Zwischen 1980 und 1983 wurde die Initiative vom World Wide Fund for Nature unterstützt, 1990 folgte Hilfe der Europäischen Union über das MedSPA-Projekt. Heute überwachen staatlich finanzierte Naturschützer die Nistgebiete ganzjährig, mit verstärkter Präsenz während der Fortpflanzungszeit.
Grüne Meeresschildkröten und Unechte Karettschildkröten nisten hier seit Jahrhunderten. Beide gelten im Mittelmeer laut internationalen Schutzorganisationen als gefährdet. Die Population der Grünen Meeresschildkröte im Mittelmeer ist kritisch gefährdet – jeder Nistplatz ist daher überlebenswichtig. Die Unechte Karettschildkröte steht weltweit etwas besser da, ihre Mittelmeerbestände bleiben jedoch verwundbar.
In der östlichen Mittelmeerregion finden die meisten Nistaktivitäten beider Arten in Zypern und der Türkei statt. Schätzungen zufolge nisten jedes Jahr auf überwachten Mittelmeerstränden 2.280 bis 2.787 Unechte Karettschildkröten und 339 bis 360 Grüne Meeresschildkröten.
Goldener Sand und klares Wasser
Der Lara Beach zieht sich entlang der zerklüfteten Akamas-Küste und gliedert sich in zwei Abschnitte. In der ersten Bucht liegen am Wasserrand mehr Steine und Kies, in der zweiten ist der Untergrund weicher und sandiger. Beide Bereiche bieten außergewöhnlich klares Wasser, das die meiste Zeit ruhig bleibt – ideal zum Schwimmen, solange man die markierten Nistzonen meidet. Der Strand ist nach Nordwesten ausgerichtet und wird von wildem Buschland und markanten Klippen eingerahmt, die ihn natürlich vor Bebauung schützen.

Die Anfahrt erfolgt über eine unbefestigte Piste von rund sieben Kilometern ab Agios Georgios Peyias. Von Paphos aus braucht man etwa eine Stunde, die letzten neun Kilometer sind komplett holprig und uneben. Viele empfehlen einen Geländewagen, doch auch mit normalen Mietwagen ist die Strecke bei langsamer, vorsichtiger Fahrt machbar. Die ruppige Straße begrenzt die Besucherzahl von selbst und erhält den abgeschiedenen Charakter. In der Hochsaison trifft man am gesamten Strandabschnitt oft nur 10 bis 15 weitere Personen. Im Winter ist der Strand mitunter völlig leer.
Fünf Fakten über Laras Schildkröten
- Weibliche Schildkröten kehren zum Strand ihrer Geburt zurück, um selbst zu laichen – dafür legen sie teils Tausende von Kilometern quer durchs Mittelmeer bis nach Zypern zurück.
- Die besten Chancen, Jungtiere zu sehen, hat man im August, wenn die ersten Gelege schlüpfen. Die Nistsaison läuft bei Unechten Karettschildkröten von Ende Mai bis Mitte August, bei Grünen Meeresschildkröten von Juli bis September.
- Weibliche Unechte Karettschildkröten legen pro Saison im Schnitt 1,8 bis 2,2 Gelege, Grüne Meeresschildkröten 2,9 bis 3,1. Ein einziges Gelege kann über 100 Eier enthalten.
- Naturschützer sichern Nester mit Aluminiumgittern und Warnschildern, um sie vor Füchsen und anderen Räubern zu schützen. Die Gitter lassen die Jungtiere entweichen, halten größere Fressfeinde jedoch fern.
- In der Nistsaison ist der Strand von 19 bis 7 Uhr gesperrt, um Störungen zu vermeiden. Zusätzlich helfen Turtle-Excluder-Devices in Fischernetzen und Regeln zur Küstenbeleuchtung in der Region, die Tiere über den Strand hinaus zu schützen.
So läuft die Eiablage ab
Die Schildkrötenstation in der Lara-Bucht arbeitet saisonal. Mitarbeitende der Forst- und Fischereibehörden überwachen die Nistaktivität. Weibchen kommen nachts an Land und graben oberhalb der Hochwasserlinie eine Nestkammer. Mit den Hinterflossen heben sie etwa 50 Zentimeter Tiefe aus, legen die Eier ab, bedecken das Nest wieder und kehren ins Meer zurück. Das dauert mehrere Stunden. Das Team markiert jedes Nest und erfasst Daten zu Gelegegröße, Schlupferfolg und Maßen der Weibchen.

Die Brut dauert je nach Sandtemperatur 45 bis 70 Tage. Wärmerer Sand bringt mehr weibliche Jungtiere hervor, kühlerer mehr männliche. Neuere Studien deuten darauf hin, dass Unechte Karettschildkröten im Mittelmeer zunehmend kühlere Nistplätze wählen – ein möglicher Ausgleich für das Geschlechterverhältnis in wärmer werdenden Ozeanen.
Wenn der Schlupf beginnt, öffnen die Kleinen mit einem vorübergehenden Eizahn die Schale und graben sich gemeinsam nach oben. Sie kommen meist nachts an die Oberfläche, wenn es kühler ist und weniger Feinde lauern, und steuern dann auf den hellsten Horizont zu – natürlicherweise das vom Mondlicht erhellte Meer.
Aktuelle Herausforderungen im Schutz
Trotz Schutzstatus wächst der Druck durch den Tourismus. Immer mehr Besucher bringen verbotene Dinge wie Sonnenschirme mit, die Nester beschädigen können, oder ignorieren markierte Zonen. Hunde, laute Musik und Müll setzen den Populationen zusätzlich zu. Lichtverschmutzung durch Boote und nahe Bauvorhaben kann Jungtiere desorientieren, sodass sie landeinwärts statt zum Meer kriechen. Ein weiteres großes Risiko ist Plastik im Mittelmeer: Schildkröten verwechseln schwebende Teile oft mit Quallen, ihrer Hauptnahrung.
Der Strand ist Teil des Natura-2000-Netzwerks, Europas System geschützter Gebiete. Das bringt Ressourcen, aber auch klare Auflagen. Dauerhafte kommerzielle Bebauung ist untersagt, und in der Nistsaison wird selbst der Fahrzeugverkehr eingeschränkt. Auf der Akamas-Halbinsel wachsen 39 der 128 endemischen Pflanzen Zyperns; außerdem leben hier Fledermäuse, Füchse, Gänsegeier und in nahegelegenen Meeresgrotten die gefährdeten Mittelmeer-Mönchsrobben. Der Schutz nützt also dem gesamten Ökosystem – nicht nur den Schildkröten.
So besucht man den Lara Beach heute
Die Anreise erfordert Vorbereitung. Es gibt keinerlei Infrastruktur, daher sollte man Wasser, Proviant, Sonnenschutz und eigenen Schatten mitbringen. Eine Ausnahme ist das Lara Restaurant in einer benachbarten Bucht. Dort gibt es Essen und Getränke mit Blick auf die Küste. Das Restaurant hat schon häufiger gestrandeten Gästen geholfen, etwa mit Notfalltreibstoff für alle, die die Abgeschiedenheit unterschätzt haben.

Schwimmen ist in ausgewiesenen Bereichen abseits der Nester erlaubt. Das Wasser bleibt ganzjährig glasklar, wird aber nahe am Ufer schnell tief. Im Sommer heizt sich der Sand stark auf – festes Schuhwerk ist Pflicht. Schatten gibt es nur, wenn man ihn selbst mitbringt. Am angenehmsten sind späte Frühjahrs- und frühe Herbsttage, wenn die Temperaturen milder sind und Schildkrötenaktivität weiterhin beobachtet werden kann. Wer Eiablagen sehen möchte, kommt zwischen Mai und August; die meisten Schlüpflinge zeigen sich im August und September.
Rund um die Akamas-Halbinsel laden Wanderwege zu Touren bis zur Avakas-Schlucht ein, einer eindrucksvollen Kalksteinschlucht, die von saisonalen Bächen geformt wurde. Die Pfade bieten weite Küstenblicke und die Chance, vielfältige Pflanzenwelt zu entdecken, darunter endemische Arten, die es nur hier gibt. Bootsfahrten ab Paphos oder Latchi sind eine Alternative und machen meist in der Lara-Bucht Halt – oft kombiniert mit der Blauen Lagune und Meeresgrotten.
Warum Lara Beach für Zypern wichtig ist
Der Lara Beach steht für Zyperns Einsatz, Tourismus und Naturschutz in Einklang zu bringen. Während große Teile der Küste für Resorts und Ferienwohnungen erschlossen sind, bleibt Lara bewusst naturbelassen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass manche Naturwerte im Schutz mehr bedeuten als in der Nutzung. Der Strand ist ein Lernort, an dem Einheimische und Gäste Naturschutz konkret erleben und die Verletzlichkeit der Meeresökosysteme verstehen können.
Der Erfolg des Schildkrötenprogramms in Lara zeigt: Schutz wirkt, wenn er konsequent umgesetzt und finanziert wird. Weltweit erholen sich Meeresschildkröten vielerorts. In den letzten Jahrzehnten wurden deutliche Zunahmen der Bestände drei Mal so häufig registriert wie Rückgänge – vor allem dank Nestschutz und Lebensraumerhalt wie in Lara. Zyperns Beitrag zum Mittelmeer-Schildkrötenschutz reicht über die eigenen Gewässer hinaus, denn die hier nistenden Tiere wandern durch das gesamte östliche Mittelmeer – ihr Überleben ist für mehrere Länder relevant.