Höhlenkloster des heiligen Neophytos

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Das Kloster des heiligen Neophytos zählt zu den geschichtlich bedeutendsten Klosteranlagen Zyperns. Es liegt an einem Berghang bei Tala und ist eng mit dem Leben und den Schriften des Neophytos verbunden, eines mittelalterlichen zyprischen Mönchs, Autors und Chronisten, der einen Großteil seines Lebens zurückgezogen in einer in den Fels geschlagenen Höhle verbrachte.

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Neophytos wurde 1134 im Bergdorf Kato Drys bei Lefkara als eines von acht Kindern einer Bauernfamilie geboren. Später wurde er für seine umfangreichen Aufzeichnungen über Politik, Gesellschaft, Naturereignisse und das Alltagsleben im mittelalterlichen Zypern bekannt. Obwohl er bewusst zurückgezogen lebte, zählen seine Manuskripte zu den wichtigsten historischen Quellen zur byzantinischen und frühen fränkischen Epoche der Insel.

Historischer Hintergrund

Neophytos wuchs in einfachen Verhältnissen auf und lernte nach Überlieferung erst im Kloster richtig lesen und schreiben. Als seine Familie ihm eine Ehe arrangierte, verließ er das Elternhaus und schloss sich dem Kloster des heiligen Johannes Chrysostomos im Norden Zyperns an. Dort arbeitete er als Assistent des Sakristans und setzte zugleich seine Studien fort.

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Trotz des Klosterlebens zog er die Einsamkeit vor und bat wiederholt um die Erlaubnis, als Eremit zu leben. 1158 pilgerte er nach Jerusalem, besuchte dort Klöster und historische Stätten und kehrte anschließend nach Zypern zurück.

Er wollte danach zum Berg Latmos in Kleinasien reisen, einem bekannten Ort für Einsiedler. Doch im Hafen von Paphos soll er aufgehalten worden sein und verlor zudem das Reisegeld. So blieb er auf Zypern und entdeckte im Juni 1159 an einem steilen Hang bei Tala eine kleine Höhle. Diese wurde zum Mittelpunkt seines Lebens und später zum Kern der Klosteranlage.

Ein Leben im Fels

Als Neophytos die Höhle bezog, war sie nur eine natürliche kleine Öffnung. Mit der Zeit erweiterte er sie, indem er weitere Kammern direkt in den Fels schlug: einen Wohnraum, eine der Heiligen Kreuz erhobene Kapelle sowie einen zusätzlichen Gebetsraum. Auch seine eigene Grabstätte meißelte er Jahrzehnte vor seinem Tod in den Fels.

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Rund elf Jahre lebte er nahezu völlig abgeschieden. Nach und nach verbreitete sich jedoch die Nachricht von seinem Einsiedlerdasein, und Einheimische begannen, ihn zu besuchen und mit Lebensmitteln zu versorgen. Bis 1170 hatte sich sein Ruf so weit verbreitet, dass Basileios Kinnamos, der Bischof von Paphos, ihn persönlich aufsuchte und ihn später anwies, Schüler anzunehmen. Um die Höhle entstand daraufhin eine kleine Mönchsgemeinschaft.

Bemerkenswerte historische Details

Einige Punkte stechen in der Überlieferung hervor. 1183, nach mehr als zwanzig Jahren in der Höhle, beauftragte Neophytos einen Maler aus Konstantinopel namens Theodoros Apsevdis mit der Ausmalung der Wände.

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Apsevdis hinterließ eine Inschrift mit Datierung und gehört damit zu den wenigen namentlich bekannten byzantinischen Malern. Die Fresken zählen zu den schönsten erhaltenen Werken der byzantinischen Kunst des 12. Jahrhunderts auf Zypern. Für die Malereien wurden kostbare Materialien wie Lapislazuli, Blattgold und Blattsilber verwendet.

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Neophytos ist in zwei Fresken dargestellt, darunter in einer seltenen Komposition zwischen den Erzengeln Michael und Gabriel. Als der Besucherandrang zunahm, schuf er 1197 oberhalb der ersten Höhle eine zweite Kammer, die er Neues Zion nannte. Von dort leitete er das Kloster und bewahrte zugleich Abstand zur wachsenden Gemeinschaft.

Seine Klosterordnung, die Typiki Diathiki, legte fest, dass die Gemeinschaft klein bleiben sollte, mit höchstens 15 bis 18 Mönchen vor Ort. Um sein Grab rankten sich zudem lokale Überlieferungen. Ein Sprichwort im zypriotischen Griechisch besagt, die Grabstätte passe sich jedem an, der hineingelegt werde – sinnbildlich für Menschen, die sich allzu bereitwillig anderen anpassen.

Der Schriftsteller aus der Höhle

Mindestens 16 Werke verfasste Neophytos zu Lebzeiten, von denen neun in europäischen Bibliotheken erhalten sind. Darunter finden sich theologische Kommentare, Lebensbeschreibungen religiöser Persönlichkeiten, klösterliche Regeln und autobiografische Texte.

Besonders bedeutsam ist seine 1196 entstandene Chronik Über die Unglücke, die Zypern trafen. Sie gehört zu den wenigen griechischsprachigen Quellen zur Eroberung Zyperns durch Richard I. von England im Jahr 1191.

Anders als viele latein- oder französischsprachige Berichte aus Westeuropa schilderte Neophytos die wirtschaftliche Not, politische Unruhe und das Leid der einfachen Bevölkerung unter wechselnder Fremdherrschaft. Dabei übte er Kritik sowohl an byzantinischen als auch an späteren lateinischen Machthabern und bot damit eine Perspektive, die in der mittelalterlichen zyprischen Geschichtsschreibung selten überliefert ist.

Das Kloster nach Neophytos

Neophytos starb um 1214 im Alter von etwa 80 Jahren und wurde in der von ihm vorbereiteten Grabstätte innerhalb des Höhlenkomplexes beigesetzt. Die Gemeinschaft bestand fort, auch wenn die Quellenlage für die folgenden Jahrhunderte lückenhaft ist.

1503 finanzierte ein weiterer Mönch namens Neophytos eine umfassende Restaurierung der Wandmalereien. Im frühen 16. Jahrhundert entstand die große dreischiffige Basilika des Klosters. Viele der ursprünglichen Fresken wurden zwischen 1585 und 1611 beschädigt oder zerstört.

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1631 erhielt das Kloster vom Patriarchat von Konstantinopel eine offizielle Anerkennung, die ihm Vorrang unter den Klöstern Zyperns gewährte. Im 18. Jahrhundert wurden die mit Neophytos verbundenen Reliquien aus der Höhle in die Hauptkirche überführt, wo sie bis heute aufbewahrt werden. Das Kloster ist weiterhin ein lebendiges monastisches Zentrum und zugleich ein bedeutendes historisches und kulturelles Denkmal.

Ein lohnender Besuch

Das Kloster liegt etwa 10 Kilometer von Paphos entfernt und ist über Bergstraßen bei Tala zu erreichen. Die Umgebung bietet bewaldete Hänge, Gärten und aussichtsreiche Wege mit Blick bis zur Küste.

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In der Nähe des Eingangs gibt es Parkplätze für Autos und Busse. Die Hauptbereiche des Klosters sind barrierefrei, allerdings führen zum Enkleistra-Höhlenkomplex und zum Museum steile Stufen, die den Zugang erschweren. Der Eintritt in die Klosteranlage ist in der Regel frei, für Museum und Höhlen wird meist eine kleine Gebühr erhoben. Die Öffnungszeiten richten sich nach der Saison und unterscheiden sich im Sommer und Winter.

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Das Fotografieren ist im Freien erlaubt, in Höhlen, Kirche und Museum jedoch zum Schutz der empfindlichen Fresken und Kunstwerke eingeschränkt. Infobroschüren sind in mehreren Sprachen erhältlich, zudem gibt es Audioguides mit historischen Erläuterungen. Im Museum werden Manuskripte, Ikonen und weitere Objekte gezeigt, die die Geschichte des Klosters und die Entwicklung der byzantinischen Kultur auf Zypern veranschaulichen. Das Tal und die Berglandschaft ziehen bis heute Besucherinnen und Besucher an, die sich für Geschichte, Architektur, Kunst und Kulturtourismus interessieren.

Geschichtliches und kulturelles Erbe

Das Kloster des heiligen Neophytos ist eines der bedeutendsten Beispiele mittelalterlicher Klosterarchitektur und byzantinischer Kunst auf Zypern. Die vom Heiligen geschaffenen Felskammern bewahren kostbare Fresken, Inschriften und Baumerkmale aus dem 12. Jahrhundert.

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Die Schriften des Neophytos geben zudem seltene, unmittelbare Einblicke in die politischen Verhältnisse, die Fremdherrschaften und das Alltagsleben im mittelalterlichen Zypern. Seine Chroniken sind zentrale Quellen für die Erforschung der byzantinischen und der Kreuzfahrerzeit im östlichen Mittelmeerraum.

Heute ist das Kloster zugleich lebendiger Ordensort und herausragendes Kulturerbe. Die Verbindung aus historischen Handschriften, byzantinischer Kunst, Höhlenarchitektur und Bergkulisse macht es zu einem der charakteristischsten historischen Ziele Zyperns.

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