Der Nationalpark auf der Akamas-Halbinsel nimmt die nordwestliche Spitze Zyperns ein. Er beginnt nördlich von Pafos und reicht bis zum Kap Arnaoutis. Die Landschaft wechselt zwischen goldenen Stränden, eindrucksvollen Steilküsten, trockenen Ebenen mit Macchie sowie Bergwäldern aus Kiefern und Wacholder.

Tiefe Schluchten, von periodischen Flüssen in den Kalkstein geschnitten, durchziehen das Gelände. Durch das Innere führen keine asphaltierten Straßen, große Teile sind unbewohnt. Der Name leitet sich von Akamas ab, einem Sohn des mythischen Helden Theseus, der der Legende nach nach dem Trojanischen Krieg die antike Stadt Soloi gründete.
- Historischer Hintergrund
- Tierwelt von Flughunden bis Mönchsrobben
- Außergewöhnliche Pflanzenvielfalt
- Tierwelt im geschützten Rückzugsraum
- Lara-Bucht: Schutzstation für Meeresschildkröten
- Avakas-Schlucht und Naturdenkmäler
- Wissenswertes über die Halbinsel
- Heute unterwegs in Akamas
- Die Halbinsel verantwortungsvoll entdecken
- Warum Akamas für Zypern wichtig ist
Historischer Hintergrund
Bis ins Jahr 2000 nutzte das britische Militär die Akamas als Übungsgebiet und Schießplatz. Laut dem Gründungsvertrag von 1960 durfte die britische Armee die Halbinsel bis zu 70 Tage im Jahr nutzen. Paradoxerweise trug die Militärpräsenz zum Erhalt bei, weil sie Bebauung verhinderte. Nach dem Abzug starteten Umweltschutzverbände und der zyprische Staat den langwierigen Prozess, das Gebiet unter Schutz zu stellen.

Im Zuge des EU-Beitritts Zyperns wurde der Großteil der Akamas zwischen 2003 und 2009 in das Natura-2000-Netz aufgenommen. Zwei Schildkrötenstrände wurden zu Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung erklärt. Der Raum Polis-Gialia erhielt den Status eines besonderen Schutzgebiets von gemeinschaftlichem Interesse. Die gesamte Halbinsel wurde als besonderes Schutzgebiet für Vögel ausgewiesen. Allerdings wurden bis 2009 nur 50 Prozent der 2003 vorgeschlagenen Landfläche tatsächlich unter Schutz gestellt.
Das Gebiet steht weiterhin unter Druck durch touristische Projekte und die geplante A7-Autobahn zwischen Polis und Pafos. Umweltorganisationen wie die Grüne Partei Zyperns, Greenpeace und Friends of the Earth drängen auf stärkeren Schutz. Die Regierung hat angekündigt, das Gebiet als Nationalen Forstpark auszuweisen, doch die Umsetzung verzögert sich und stößt auf Widerstand von Grundeigentümern innerhalb der Grenzen.
Seit 2017 wurden rund 80 Brände im oder am Nationalen Forstpark vorsätzlich gelegt. Landwirtschaftsminister Costas Kadis erklärte 2021, wirtschaftliche Interessen stünden hinter Brandstiftungen, die den umfassenden Schutz sabotieren sollten. Nach einem Brand 2021 wies der Leiter der Forstbehörde darauf hin, dass immer dann Feuer ausbrechen, wenn Sitzungen zu Schutzmaßnahmen für die Akamas anstehen.
Tierwelt von Flughunden bis Mönchsrobben
Die Halbinsel bietet Lebensraum für 168 Vogelarten, 20 Reptilienarten, 16 Schmetterlingsarten und 12 Säugetierarten. Seltene Zugvögel rasten in Akamas, während der endemische Zyperngrasmücke und der Zypernsteinschmätzer im Buschland brüten. Gänsegeier kreisen an den Klippen in der Thermik, und Habichtsadler ziehen in den Bergen Nachwuchs groß. Zypern-Zwergohreulen jagen nachts in den Wäldern.

Der Blauracke mit seinem leuchtend blauen Gefieder zieht während der Zugzeiten viele Beobachter an. Zu den Säugetieren zählen Flughunde, die in Kalksteinhöhlen leben und sich dort fortpflanzen, außerdem Spitzmäuse, Igel und Füchse, die man in der Dämmerung sehen kann. Die vom Aussterben bedrohte Mittelmeer-Mönchsrobbe taucht gelegentlich in abgelegenen Buchten auf, Sichtungen bleiben aber äußerst selten.
Zu den Reptilien gehören die Schwarze Peitschennatter, die Sandviper mit stumpfer Schnauze sowie zahlreiche Eidechsenarten, die in größeren Höhen oft größer werden. Die Halbinsel zählt zu den
Außergewöhnliche Pflanzenvielfalt
Akamas beherbergt in seinen unterschiedlichen Lebensräumen über 600 Pflanzenarten. Von den 128 endemischen Pflanzen Zyperns wachsen 39 ausschließlich auf dieser Halbinsel. Dazu zählen seltene Orchideen wie Ophrys kotschyi und Ophrys lepethica, das Zypern-Alpenveilchen mit seinen rosa Blüten sowie der leuchtend gelbe Crocus veneris, der im Herbst blüht.

Der Erdbeerbaum mit seinen essbaren roten Früchten wächst in den Wäldern. Rosa und violette Pfingstrosen blühen im Frühling an den Hängen. Die endemische Zypern-Tulpe, Tulipa cypria, findet man in felsigem Gelände. Mehrere endemische Flockenblumen wie Centaurea akamantis und Centaurea veneris kommen weltweit nur hier vor.
Die Pflanzengesellschaften wechseln mit Höhe und Exposition. An den Steilküsten gedeihen salztolerante Arten. Die trockenen Ebenen duften nach Thymian, Salbei und Oregano. Höhere Lagen sind von Pinienwäldern bedeckt. Entlang der saisonalen Bäche wachsen Auenpflanzen wie Platanen, Oleander und wilder Johannisbrotbaum.
Tierwelt im geschützten Rückzugsraum
Über 168 Vogelarten wurden in Akamas nachgewiesen, damit gehört die Halbinsel zu den wichtigsten Vogelgebieten Zyperns. Sie ist ein zentrales Trittsteinbiotop für Zugvögel zwischen Europa und Afrika. Zu den Standvögeln zählen die seltene Zyperngrasmücke, die nur auf Zypern vorkommt, sowie der Zypernsteinschmätzer. Der Habichtsadler brütet in den Bergregionen.

Gänsegeier, einst auf ganz Zypern verbreitet, überleben heute vor allem im Raum Akamas. Die bis zu 2,8 Meter spannweitenstarken Vögel brüten an Felswänden und nutzen warme Aufwinde. Der gefährdete Ägyptische Flughund bildet Kolonien in den Kalksteinhöhlen der Halbinsel. Sir David Attenborough filmte diese fruchtfressenden Fledertiere für eine Naturdokumentation.

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe, eines der seltensten Meeressäugetiere der Welt mit weniger als 700 verbliebenen Individuen, wird gelegentlich vor Akamas gesichtet. Sowohl Suppenschildkröten als auch Unechte Karettschildkröten nisten an den Stränden der Halbinsel, besonders in der Lara-Bucht und bei Toxeftra. Zu den Reptilien zählen mehrere endemische Arten wie die Zypern-Peitschennatter und die Sandviper mit stumpfer Schnauze.

Zu den Säugetieren zählen Rotfüchse, Igel und Spitzmäuse. Auf der Halbinsel leben 16 Schmetterlingsarten, einige davon nirgendwo sonst. Die Küste beherbergt eine vielfältige Unterwasserwelt, darunter Zackenbarsche, Oktopusse und Seeigel im klaren Wasser.

Lara-Bucht: Schutzstation für Meeresschildkröten
Die Lara-Bucht ist eine der wichtigsten Schutzstationen für Meeresschildkröten im Mittelmeer. Die Abteilungen für Forstwirtschaft und Fischerei der Republik Zypern betreiben die Station und schützen von Mai bis Mitte August die Nistplätze der bedrohten Suppen- und Unechten Karettschildkröten.

Weibliche Tiere kehren an jene Strände zurück, an denen sie schlüpften – teils nach 20 Jahren im Meer. Nachts kommen sie an Land, graben Nester in den Sand und legen ihre Eier. Während der Saison patrouilliert das Team täglich und markiert Nester mit Drahtkörben, um sie vor Füchsen und anderen Räubern zu schützen. Schilder mahnen Besucher, Abstand zu halten.
Nester von stark frequentierten Stränden, die sich als Brutplätze nicht eignen, werden sorgfältig in die Station in Lara umgesetzt. Nach etwa zwei Monaten schlüpfen die Jungen und erreichen meist nachts das Meer. Die Station verfügt über Wassertanks, in denen frisch geschlüpfte Tiere ihre ersten Stunden verbringen, bevor sie freigelassen werden.
Besucher können die Station besichtigen und mehr über Biologie und Schutz der Schildkröten erfahren. Pro Saison werden am Lara-Strand gewöhnlich 100 bis 200 Nester markiert. Der Strand ist über einen kurzen Fußweg vom Parkplatz erreichbar. Baden ist erlaubt, aber Sonnenschirme, Schattenspender und Hunde sind strikt untersagt, da sie Nester stören oder Jungtiere gefährden können.
Avakas-Schlucht und Naturdenkmäler
Die Avakas-Schlucht zählt zu den spektakulärsten Naturformationen Zyperns. Über Jahrtausende hat Wasser den schmalen Canyon in den weißen Kalkstein gegraben. Die Wände ragen stellenweise bis zu 30 Meter hoch. Der Pfad folgt dem saisonalen Flussbett des Avgas durch die Schlucht.

Zwischen den hohen Felswänden fällt gefiltertes Licht ein, betont die Schichtung des Gesteins und wirft dramatische Schatten. Wilde Feigenbäume und andere Pflanzen wachsen aus Felsspalten. Die Schlucht ist etwa 3 Kilometer lang. Für die Wanderung braucht es festes Schuhwerk, da man über Felsblöcke klettern und gelegentlich durch seichtes Wasser waten muss.

Die Bäder der Aphrodite liegen am nordöstlichen Rand des Parks. Der griechischen Mythologie zufolge badete die Göttin Aphrodite in dieser Quelle und traf hier ihren Geliebten Adonis. Ein kleines, von üppigem Grün umgebenes Becken markiert den Ort. Von hier starten auch die Naturpfade Aphrodite und Adonis.

Fontana Amorosa, der „Brunnen der Liebe“, ist ein weiterer Ort mit Aphrodite-Bezug. Die Franken gaben dem Strand im 16. Jahrhundert seinen Namen. Der Legende nach erfasst jeden, der aus der Quelle trinkt, jugendliche Sehnsucht. Das kristallklare Wasser und der sandige Grund machen den Platz beliebt zum Schwimmen.
Wissenswertes über die Halbinsel
Akamas diente als Drehort für den Film „Akamas“, der bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere feierte. Der Film erzählt eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Teilung der Insel im Jahr 1974.

Der antike Geograf Ptolemäus beschrieb Akamas im 2. Jahrhundert n. Chr. als dicht bewaldete Landspitze, geteilt von Bergen, die nach Norden ansteigen. Diese Beschreibung trifft bis heute zu und zeigt, wie wenig sich die Landschaft in zwei Jahrtausenden verändert hat.
Die Ortschaft Polis liegt an der Nordostseite der Halbinsel, Pegeia am südlichen Ende. Beide dienen als Ausgangspunkte mit Infrastruktur für Besucher. Latchi, ein Fischerdorf mit kleinem Hafen an der Nordostküste, ist Startpunkt für Bootstouren.
Über die Halbinsel verstreut finden sich archäologische Überreste, darunter antike Gräber, Klosterruinen und Grundmauern kleiner Siedlungen. Sie stehen zwar weniger im Fokus als große Fundstätten anderswo auf Zypern, belegen aber eine jahrtausendelange Besiedlung.
Einheimische Hirten lassen noch heute Ziegen und Schafe auf Teilen der Halbinsel weiden und führen damit eine Tradition fort, die bis in die Antike zurückreicht. In einigen Bereichen wurde Überweidung allerdings als Gefahr für empfindliche Pflanzengesellschaften identifiziert.
Heute unterwegs in Akamas
Die Halbinsel ist von Pafos aus in etwa 45 Kilometern erreichbar. Man fährt nach Polis und weiter zu den Bädern der Aphrodite, wo die Asphaltstraße endet. Am Besucherpunkt bei den Bädern gibt es Karten und Infos zu den Wegen. Die Buslinie 622 verbindet Polis mit den Bädern, fährt rund 20 Minuten und kostet 2 Euro.

Für das Innere braucht man entweder ein Geländefahrzeug, schließt sich einer organisierten Jeeptour an oder geht zu Fuß. Mit normalen Autos erreicht man einige Küstenabschnitte auf Pisten, auf raueren Wegen drohen jedoch Schäden. Jeep- und Buggytouren starten in Pafos, Latchi und Polis und führen meist in halben oder ganzen Tagen zur Blauen Lagune, zur Avakas-Schlucht und zur Lara-Bucht.

Bootstouren ab dem Hafen von Latchi zeigen die Küste aus einer anderen Perspektive. Sie stoppen an Badeplätzen und Meeresgrotten, die vom Land aus nicht erreichbar sind. Meist stehen die Blaue Lagune und weitere Buchten an der Westküste auf dem Programm.
Die Halbinsel verantwortungsvoll entdecken
Akamas ist von Pafos oder Polis per Bus, Mietwagen oder mit organisierten Touren erreichbar. Die Buslinie 622 fährt von Polis bis zum Parkeingang bei den Bädern der Aphrodite. Mit dem Auto gelangt man am einfachsten zu den Hauptattraktionen, doch abseits der Asphaltstraßen sind für die Pisten nur 4×4-Fahrzeuge geeignet. Durch das gebirgige Terrain gibt es keine durchgehenden Straßen im Herzen der Halbinsel.

Einige in Karten verzeichnete Wege sind unbefestigt und erfordern hohe Bodenfreiheit. Organisierte Jeeptouren erschließen Ziele im Inneren wie die Blaue Lagune, Fontana Amorosa und die Avakas-Schlucht. Mit Quadbikes kann man die Pisten eigenständig erkunden. Am umweltfreundlichsten sind Wandern und Mountainbiken.
Bleiben Sie auf markierten Wegen, um empfindliche Vegetation und Lebensräume zu schonen. Nehmen Sie Ihren Müll wieder mit und heben Sie, wenn möglich, liegengebliebene Abfälle auf. Betreten Sie die Avakas-Schlucht bei starkem Regen nicht, da akute Flutgefahr besteht. Die beste Reisezeit ist im Frühling von März bis Mai mit Blüte und milden Temperaturen oder im Herbst von September bis November, wenn es ruhiger ist und die Eichenlaubfärbung einsetzt.
Warum Akamas für Zypern wichtig ist
Akamas zeigt, wie Zypern aussah, bevor der Massentourismus die Küste veränderte. Die Halbinsel bewahrt einen ursprünglichen Naturraum, in dem Ökosysteme seit Jahrtausenden funktionieren. Ein Spaziergang durch die Avakas-Schlucht oder an einem einsamen Strand von Akamas vermittelt ein Gefühl für die Landschaft, die auch die alten Zyprer kannten.

Die hier gebündelte Artenvielfalt macht Akamas unersetzlich. Ein Drittel der zyprischen Endemiten wächst auf dieser Halbinsel. Bedrohte Arten wie Mönchsrobben und Meeresschildkröten sind auf die geschützten Strände und Gewässer angewiesen. Die Flughund-Kolonien zeigen besondere evolutionäre Anpassungen. Ginge Akamas verloren, verschwänden Arten, die es sonst nirgends gibt.
Die Halbinsel beweist, dass Naturschutz und Tourismus zusammengehen können, wenn man sie richtig steuert. Jährlich kommen Tausende Wanderer, Jeep- und Bootsgäste nach Akamas. Das schafft Einkommen für die Region und stärkt das Bewusstsein für den Schutz der Natur. Mit guter Planung lässt sich nachhaltiger Tourismus ausbauen und gleichzeitig der Naturschutz festigen.
Akamas steht zudem für Zyperns Engagement in internationalen Umweltabkommen. Als Natura-2000-Gebiet ist die Halbinsel Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes. Die Schildkrötenschutzarbeit unterstützt weltweite Initiativen zum Erhalt bedrohter Meeresarten. Wie Zypern Akamas managt, prägt auch seinen Umwelt-Ruf im Ausland.