Der Salzsee von Larnaka ist ein Verbund aus vier unterschiedlich großen Salzseen westlich der Stadt. Der größte ist der Aliki-See, gefolgt von Orphani, Soros und Spiro. Drei dieser Seen sind miteinander verbunden und bilden nach dem Salzsee von Limassol das zweitgrößte Salzsee-System Zyperns.

Zusammen nehmen die Seen eine Fläche von 2,2 Quadratkilometern ein, zwischen dem Internationalen Flughafen Larnaka und der historischen Moschee Hala Sultan Tekke. Damit gehört der Salzsee zu den auffälligsten Naturmerkmalen für alle, die per Flugzeug in Zypern ankommen.
Historischer Hintergrund
Funde zeigen, dass der Bereich um den Salzsee seit der Späten Bronzezeit besiedelt war. In der Nähe des heutigen Standorts der Hala Sultan Tekke wurde ein Hafen freigelegt, der die damalige Stadt versorgte. Das antike Larnaka, damals Kition, war zwischen 1650 und 1050 v. Chr. eines der bedeutenden städtischen und wirtschaftlichen Zentren Zyperns. Der natürliche Hafen bot einen strategischen Zugang zu Handelsrouten zwischen Afrika, Asien und Europa.
Bevor sich Sedimente ablagerten und die Salzseen abriegelten, bestand hier eine mit dem Mittelmeer verbundene Lagune. Über Jahrhunderte verlandeten die Verbindungen zum Meer zunehmend. Hinweise deuten darauf hin, dass die Menschen der Bronzezeit einen künstlichen Kanal aushoben, um den Hafen funktionsfähig zu halten. Schließlich verschlammte die Mündung vollständig, der Hafen ging verloren, und das eingeschlossene Wasser entwickelte sich zu dem Salzseesystem, das wir heute sehen.
Im Mittelalter wurde die Salzgewinnung zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Die Mengen waren so groß, dass Salz zu den wichtigsten Exportgütern Zyperns zählte und bis nach Venedig verschifft wurde, was jährlich Einnahmen in Höhe von Tausenden Pfund einbrachte. Die kommerzielle Salzgewinnung endete 1986, seither steht das Gebiet unter Schutz.
Jahreszeitliche Veränderung und Ökologie
Die Sommer auf der kleinen Mittelmeerinsel sind sehr trocken. Der See fällt so weit trocken, dass stellenweise nur noch eine feste Salzkruste sichtbar ist. In der größten Hitze bildet die Verdunstung eine weiße Decke über dem gesamten Seeboden, die aus der Ferne wie Schnee wirkt. Häufig liegt ein grauer Staubschleier über der ausgetrockneten Fläche.

Ab November füllen Winterregen die Seen wieder auf. In regenreichen Wintern steht das Gebiet großflächig unter Wasser. Die Gewässer sind flach und selten tiefer als einen Meter – ideale Bedingungen für das Gedeihen von Wasserorganismen. Dunkelrote Algen, die im Salzsee wachsen, bilden die Basis der Nahrungskette, von der sich die kleinen Garnelen ernähren.
In diesen Gewässern vermehren sich Muschelkrebse (Ostrakoden), Branchinella spinosa (Feenkrebse) und Artemia salina (Salinenkrebse). Sie sind eine zentrale Nahrungsquelle für die Flamingos. Diese winzigen Krebstiere kommen mit dem salzhaltigen Brackwasser gut zurecht, in dem viele andere Arten nicht überleben. Gehen die Garnelenbestände zurück oder trocknen die Wasserflächen aus, weichen die Vögel auf andere Nahrungsgebiete aus oder ziehen weiter Richtung Afrika.
Wichtige Fakten zu Vogelwelt und Schutz
Neben seiner landschaftlichen Schönheit bietet der See Lebensraum für 85 Wasservogelarten mit geschätzten Beständen zwischen 20.000 und 38.000 Individuen. Weitere wichtige Arten sind Kraniche, Seeregenpfeifer, Lachmöwen, Stelzenläufer, Triel, Spornkiebitze, Zypernsteinschmätzer und Zyperngrasmücken.

Der Salzsee-Komplex von Larnaka wurde 1997 per Ministerratsbeschluss unter Schutz gestellt. Er zählt zu den wichtigsten Feuchtgebieten Zyperns und ist Ramsar-Gebiet, Natura-2000-Gebiet, Besonders Geschützter Bereich nach dem Barcelona-Übereinkommen und als Important Bird Area ausgewiesen.
Für Schlagzeilen sorgte vor einigen Jahren eine außergewöhnliche Beobachtung: Ein schwarzer Flamingo – der einzige bekannte seiner Art weltweit – wurde am Salzsee von Larnaka gesichtet. Dieses seltene melanistische Tier fällt zwischen den rosafarbenen Artgenossen stark auf und ist für Vogelbeobachter eine Sensation.
Aktuelle Daten von BirdLife Cyprus und den Behörden geben jedoch Anlass zur Sorge: Am Salzsee von Akrotiri ist die Zahl der überwinternden Flamingos auf einen historischen Tiefstand gefallen. Erstmals seit Beginn der systematischen Zählungen im Jahr 1992 wurden im Januar 2025 in Akrotiri nur 30 Flamingos erfasst – sonst sind es Tausende. Der Rückgang deutet auf massiven Druck durch Verschmutzung, unnatürliche Wasserzuflüsse und weitere Umweltbelastungen hin.
Warum dieses Feuchtgebiet für Zypern wichtig ist
Zypern liegt an einer bedeutenden Zugroute. Die Insel befindet sich am Schnittpunkt von drei Kontinenten und ist ein wichtiger Zwischenstopp für Vögel zwischen Brutgebieten in Europa und Asien und Winterquartieren in Afrika. Ohne intakte Feuchtgebiete wie den Salzsee von Larnaka würden diesen Routen entscheidende Rast- und Nahrungsplätze fehlen.

Der See leistet mehr als nur Lebensraum für Vögel. Er speichert bei Winterstürmen Hochwasser und mindert so das Überschwemmungsrisiko in der Umgebung. Versickerndes Wasser trägt zur Neubildung des Grundwassers bei. Salzverträgliche Pflanzen befestigen die Böden und bieten Insekten, Reptilien und kleinen Säugetieren einen Lebensraum.
Auch kulturell hat der Salzsee Larnakas Identität und Wirtschaft geprägt. Über Jahrhunderte trug der Salzexport maßgeblich zum Wohlstand der Stadt bei. Heute ist der See ein prägendes Landschaftsmerkmal, aus dem Flugzeug gut sichtbar und ein häufiges Motiv in der lokalen Tourismuswerbung.
Am Westufer liegt die Hala Sultan Tekke, eine der bedeutendsten Heiligtümer des Islam. Die Moschee beherbergt das Grab von Umm Haram, die als Gefährtin des Propheten Mohammed gilt und 647 auf Zypern gestorben sein soll. Die Verbindung aus Naturkulisse und religiöser Bedeutung macht den Ort für Musliminnen und Muslime ebenso wie für Naturfreunde besonders.
Besuch und verantwortungsvolle Beobachtung
Rosaflamingos kommen jeden Winter an den Salzsee von Larnaka. Sie treffen meist im November ein und bleiben bis etwa März, je nach Jahr etwas früher oder später. Die größten Schwärme sieht man in der Regel zwischen Dezember und Februar. Die meisten Tiere sammeln sich am größten der Seen, dem Aliki-See.

Ein 4 Kilometer langer Weg rund um den Salzsee hat zwei Haupteinstiege: beim Kamares-Aquädukt und auf dem Salzsammel-Plateau an der Artemis Avenue in Richtung altem Flughafen. Der Naturpfad ist mit Tafeln zu Flora, Fauna und Geologie ausgestattet, Bänke stehen an Aussichtspunkten.
Am schönsten beobachtet man die Flamingos frühmorgens oder zum Sonnenuntergang, wenn das Licht weich ist und weniger Betrieb herrscht. Für Fotos eignet sich das goldene Licht besonders gut, aber auch tagsüber im Winter sind die Chancen auf Sichtungen hoch. Bringen Sie Fernglas oder ein Teleobjektiv zwischen 300 und 600 Millimetern mit, um Details aus respektvollem Abstand zu sehen.
Waten ins Wasser, um näher an die Flamingos heranzukommen, ist verboten. Die Vögel reagieren sehr empfindlich auf Störungen, besonders im Winter, wenn sie vor der Brutzeit Kraft sammeln müssen. Wer sie aufscheucht, zwingt sie zur Flucht und raubt ihnen Energie, die sie für Nahrungssuche, Überleben und Zug benötigen.
Warum der Schutz von Feuchtgebieten zählt
Der Salzsee von Larnaka zeigt, wie saisonale Feuchtgebiete trotz monatelanger Trockenheit eine erstaunliche Artenvielfalt tragen. Der jährliche Wechsel aus Überflutung und Austrocknung schafft spezielle Lebensräume, die in dauerhaften Gewässern fehlen. Ihr Schutz setzt Verständnis für diese besondere Ökologie und ihre Gefährdungen voraus.
Verschmutzung durch städtischen Abfluss, Agrarchemikalien und andere Quellen verschlechtert die Wasserqualität. Eingriffe in natürliche Wasserläufe verändern Zeitpunkt und Tiefe der saisonalen Überflutung. Bebauung am Ufer zerschneidet Lebensräume und erhöht die Störung. Der Klimawandel droht die für das Ökosystem entscheidenden Niederschlagsmuster zu verschieben.
Flamingos sind Gradmesser für die Gesundheit der Feuchtgebiete. Ihre rückläufigen Zahlen an manchen zyprischen Salzseen zeigen deutlich, dass gehandelt werden muss. Stabile Wasserstände, sauberes Wasser und möglichst wenig Störung sind entscheidend, damit die Vögel hier weiterhin Zuflucht finden.
Für Besucherinnen und Besucher schafft die Beobachtung dieser eindrucksvollen Tiere eine Verbindung zu globalen Zugbewegungen und zur gegenseitigen Abhängigkeit von Ökosystemen über Kontinente hinweg. Die Flamingos am Salzsee von Larnaka verknüpfen Brutgebiete Tausende Kilometer entfernt mit dieser kleinen Mittelmeerinsel – ein Beispiel dafür, dass Naturschutz nur mit internationaler Zusammenarbeit und lokaler Verantwortung gelingt.