Die Zypern-Tourismusorganisation hat zwischen 2004 und 2013 mit Mitteln der EU-Strukturfonds sieben offizielle Weinrouten eingerichtet. Entlang dieser Wege liegen über 60 Weingüter, traditionelle Tavernen, Museen, Kirchen und andere kulturelle Sehenswürdigkeiten in den Weinregionen. Jede Route stellt andere einheimische Rebsorten vor und zeigt die Besonderheiten des Terroirs, geprägt von Höhe, Boden und Mikroklima.

- Die Route der Weindörfer Krasochoria
- Die Commandaria-Weinstraße
- Omodos – das meistbesuchte Weindorf
- Koilani bewahrt historische Weinbaugeräte
- Wenn die Lese beginnt, erwachen die Dörfer
- Das Weinfest von Limassol feiert 64 Jahre
- Tipps für die Planung Ihrer Weintour
- Weintourismus stärkt die Dorfwirtschaft
Die Route der Weindörfer Krasochoria
Die Route der Weindörfer Krasochoria im Bezirk Limassol gilt als Herz der zyprischen Weinproduktion. In dieser Region liegen 20 malerische Dörfer mit der höchsten Dichte an Weingütern der Insel. Allein in Omodos und Koilani gibt es zusammen 10 Weingüter. Das trockene Klima und der kalkreiche Untergrund bieten ideale Bedingungen sowohl für autochthone Sorten wie Xynisteri und Mavro als auch für internationale Trauben wie Cabernet Sauvignon, Grenache und Syrah. Insgesamt wachsen hier 23 verschiedene Rebsorten.
Die Commandaria-Weinstraße
Die Commandaria-Route verbindet 14 Dörfer, in denen seit dem 12. Jahrhundert der älteste namentlich bekannte Wein der Welt hergestellt wird. Die Johanniter-Ritter perfektionierten die Produktion, nachdem sie ihre Zentrale im Kastell Kolossi errichtet hatten und die Lehensherrschaft La Grande Commanderie entstand. Dieser süße Dessertwein gewann 1224 den ersten dokumentierten internationalen Weinwettbewerb, als König Philipp II. August von Frankreich ihn zum besten vorgestellten Wein kürte.
Omodos – das meistbesuchte Weindorf
Omodos ist das beliebteste Weindorf Zyperns, vor allem dank der hervorragend bewahrten traditionellen Architektur und Kultur. Es liegt auf 810 Metern an den Südhängen des Troodos-Gebirges, umgeben von terrassierten Weinbergen, die die Hänge wie ein grüner Teppich überziehen. Enge Kopfsteinpflastergassen sind gesäumt von Steinhäusern mit Ziegeldächern, Holzbalkonen und gepflasterten Höfen mit großen Tonamphoren.
Der Dorfplatz misst rund 3.000 Quadratmeter und gilt als möglicherweise größter traditioneller Platz Zyperns. Er wurde 1910 angelegt und 1987 mit seinem ursprünglichen Steinpflaster restauriert. Er liegt vor dem historischen Kloster zum Heiligen Kreuz, das bereits vor dem Besuch der heiligen Helena im Jahr 327 n. Chr. bestand, auch wenn das genaue Gründungsdatum unbekannt ist. Im Klosterkomplex befinden sich Museen für byzantinische Ikonen, Volkskunst, Werke zyprischer Maler sowie zur Unabhängigkeitsbewegung von 1955 bis 1959.

In Omodos sind derzeit fünf Weingüter aktiv: Ktima Gerolemo, Zenon, Olympus Winery, Linos Winery und Oenou Yi. Die familiengeführten Betriebe bieten Führungen an, die traditionelle und moderne Kellertechnik anschaulich erklären. Besucher sehen Gärbehälter, Barriquekeller, Abfüllanlagen und oft auch die Weinberge. Verkostungen umfassen meist mehrere Weine, begleitet von lokalen Spezialitäten wie Halloumi, Oliven und traditionellem Brot.
Koilani bewahrt historische Weinbaugeräte
Das Dorf Koilani liegt in ähnlicher Höhe wie Omodos an den Osthängen des Berges Afami, umgeben von weitläufigen Weinbergen. Der Ortsname geht auf den Berg Kyllini auf dem Peloponnes zurück, während der benachbarte Berg Afami seinen Namen von Zeus Efimios aus Arkadien hat. Funde aus römischer Zeit, darunter Gräber mit Keramikgefäßen, belegen eine frühe Besiedlung.

Die Einwohnerzahl erreichte 1946 mit 1.385 ihren Höchststand und ging durch Abwanderung allmählich zurück. Bis 1946 lebten griechische und türkische Dorfgemeinschaften nebeneinander; die türkischen Bewohner unterhielten eine eigene Moschee und Schule. Heute ist die traditionelle Bausubstanz außergewöhnlich gut erhalten, moderne Gebäude sind selten. Strenge Vorgaben stellen sicher, dass Neubauten dem klassischen Stil aus Stein und Holz entsprechen.
Zwei Museen bewahren das Erbe von Koilani. Das Kirchenmuseum zeigt kirchliche Kunst, Ikonen und Paramente und dokumentiert Jahrhunderte orthodoxen Glaubenslebens. Das Weinbergmuseum präsentiert eine vollständige Sammlung historischer Geräte des Weinbaus und der Traubenverarbeitung, sodass Besucher nachvollziehen können, wie vor der Mechanisierung angebaut, gelesen und gekeltert wurde. Zu sehen sind hölzerne Weinpressen, keramische Gärgefäße, kupferne Brennapparate für Zivania sowie Handwerkzeuge für die Weinbergsarbeit.

Die Kapelle der Agia Mavri ist das markanteste Gotteshaus des Ortes. Sie steht unter einer mächtigen Platane in eindrucksvoller Naturkulisse, besitzt eine ungewöhnliche Architektur und bedeutende mittelalterliche Wandmalereien. Die beiden Hauptkirchen, Panagia Eleousa und die Monogeni-Kapelle, betreuen die Gläubigen vor Ort und wechseln sich im Gottesdienst ab, da die Gemeinde klein ist.
Wenn die Lese beginnt, erwachen die Dörfer
Im September und Oktober findet auf Zypern traditionell die Weinlese statt. Je nach Größe der Weinberge und Rebsorte dauert sie fünf Tage bis über einen Monat. Für Qualitätsweine wird bevorzugt von Hand gelesen, damit nur optimal gereifte Trauben geerntet und unreife oder beschädigte Beeren hängen gelassen werden. Diese arbeitsintensive Methode erfordert viel Personal, liefert aber bessere Ergebnisse als maschinelle Ernte.

Traditionell unterstützen Familien und Nachbarn sich gegenseitig bei der Lese – es ist genauso ein gesellschaftliches Ereignis wie landwirtschaftliche Arbeit. In den steilen, terrassierten Weinbergen der Bergdörfer ist Maschineneinsatz ohnehin kaum möglich, daher wird aus praktischen Gründen weiterhin von Hand geerntet. Nach dem Pflücken bringen die Helfer die Trauben in kleinen Partien in die Weingüter, damit die Gärung zügig starten kann und die Frucht frisch bleibt.

Typische Trauben-Spezialitäten gehören bei Erntefesten unbedingt dazu. Palouzes ist eine Art Creme aus weißem Traubensaft und Mehl, die gekocht wird, bis sie goldfarben und dick ist. Warm kann Palouzes mit Rosengeranienblättern, Orangenblütenwasser, Vanille oder Mastix aromatisiert werden. Er wird warm oder kalt gegessen, ist natürlich süß und kommt ohne zugesetzten Zucker aus.
Das Weinfest von Limassol feiert 64 Jahre
Das Weinfest von Zypern in Limassol ist das bedeutendste der Insel und eines der ältesten durchgehend veranstalteten Weinfeste Europas. 1961 vom Entwicklungsverband Limassol ins Leben gerufen, findet es seit 64 Jahren statt – mit kurzen Unterbrechungen während der politischen Unruhen 1964 sowie 1974 bis 1977. Seit 1978 organisiert die Gemeinde Limassol das Ereignis.

Gefiert wird in den städtischen Gärten von Limassol, einem 60.000 Quadratmeter großen Park von 1888 direkt an der Uferpromenade. Alte Bäume, Spazierwege, Spielplätze, eine Freilichtbühne und sogar der Zoo von Limassol schaffen eine grüne Kulisse für das neuntägige Fest, das jährlich Ende September bis Anfang Oktober stattfindet. Die Ausgabe 2025 lief vom 27. September bis 5. Oktober.
Am Eingang begrüßt eine sieben Meter hohe Statue eines traditionellen Winzers in zyprischer Vraka (weiter Pluderhose). Das Werk von Giorgos Mavrogenis aus dem Jahr 1962 ist zum Wahrzeichen des Festes geworden. Am Sockel steht das Motto “Trink Wein, um lange zu leben”, zugeschrieben dem zyprischen Schriftsteller und Dichter Michalis Pitsillides. Die Statue ist beliebter Treffpunkt und Fotomotiv für die Besucher.
Tipps für die Planung Ihrer Weintour
Die Weinrouten lassen sich gut auf eigene Faust mit dem Auto oder im Rahmen organisierter Touren erkunden. Karten und Informationen zu den Weingütern gibt es auf der Website der Zypern-Tourismusorganisation. Die meisten Weingüter empfangen während der Öffnungszeiten auch spontane Besucher, doch ein kurzer Anruf vorab stellt sicher, dass Personal Zeit für ausführliche Führungen hat. Mit GPS sind auch kleine Dörfer leicht zu finden, und entlang der Weinrouten weisen Schilder den Weg zu den wichtigsten Weingütern.

Spezialisierte Anbieter wie Cyprus Taste Tours führen Kleingruppen mit maximal sieben Personen, was Zeit für Fragen und persönliche Betreuung lässt. Meist stehen drei bis vier Weingüter pro Tag auf dem Programm, inklusive traditionellem Meze-Mittagessen. Der Transport ist inbegriffen, sodass alle unbesorgt probieren können. Die Guides geben Hintergrund zu Geschichte, einheimischen Sorten und Bräuchen – weit mehr als nur ein simples Tasting.
Die beste Reisezeit für Weintourismus ist von April bis Oktober. Im September und Oktober zur Lese erleben Sie authentische Feste und reges Treiben in den Weinbergen, allerdings bei höheren Temperaturen und mehr Besucherandrang. Angenehm mild sind April und Mai mit blühenden Reben und weniger Gästen. Im Sommer bleibt es in den Dörfern trotz Höhenlage heiß, die Abende sind jedoch angenehm kühl.
Weintourismus stärkt die Dorfwirtschaft
Über 90 Prozent der zyprischen Weingüter sind kleine Familienbetriebe mit weniger als 100.000 Flaschen Jahresproduktion. Preislich können sie mit Industriebetrieben oder Importen, die zwei Drittel des lokalen Marktes im Wert von 75 Millionen Euro ausmachen, kaum konkurrieren. Weintourismus eröffnet entscheidende Direktverkaufs- und Marketingmöglichkeiten.
Wer direkt im Weingut einkauft, sorgt für deutlich höhere Erlöse als über den Handel. Aus der persönlichen Begegnung entsteht oft Treue – viele Gäste bestellen auch zu Hause weiter, häufig online. Viele Weingüter arbeiten dafür mit Importeuren in europäischen Ländern und Nordamerika zusammen und bieten entsprechende Versandlösungen an.

Auch die Dörfer insgesamt profitieren: Tavernen, Kunsthandwerk, Unterkünfte und kulturelle Stätten leben von den Ausgaben der Weingäste. Wer etwa 50 bis 100 Euro für Wein ausgibt, lässt leicht weitere 100 bis 150 Euro für Essen, Übernachtung, Handwerk und andere lokale Produkte im Dorf.