Schutz der Biodiversität in Zypern

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Zypern besitzt für eine Insel dieser Größe eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt. Rund 1.800 Pflanzenarten kommen vor, darunter 143 endemische Taxa, die ausschließlich auf Zypern vorkommen. Bei den Tieren wurden 385 Vogelarten, 21 Säugetiere, 24 Reptilien und 3 Amphibien nachgewiesen.

Auch über 5.000 Insektenarten sind dokumentiert. Diese Fülle ist dem besonderen Standort Zyperns an der Schnittstelle von Europa, Asien und Afrika zu verdanken, kombiniert mit unterschiedlichen Klimabedingungen und großen Höhenspannen vom Meeresspiegel bis zum 1.952 Meter hohen Gipfel des Olympos im Troodos-Gebirge.

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Auch die geologische Entwicklung als angehobene ozeanische Platte, nicht als Kontinentalfragment, hat zur Entstehung charakteristischer Arten beigetragen. Das Zusammenspiel aus geografischer Isolation, vielfältigen Lebensräumen und einer sehr langen Erdgeschichte schuf Bedingungen, unter denen sich einzigartige Lebensformen entwickeln und behaupten konnten.

Historischer Hintergrund

Die heutige Biodiversität Zyperns ist das Ergebnis von Millionen Jahren natürlicher Evolution, geprägt durch eine komplexe geologische Entstehung. Das Troodos-Gebirge hob sich durch tektonische Kräfte vom Meeresboden empor und schuf so Lebensräume von der Küste bis zu alpinen Höhen. In der späten Eiszeit lebten hier Zwergflusspferde und Zwergelefanten, die kurz nach der Ankunft des Menschen um 10.000 v. Chr. ausstarben.

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Seit Jahrtausenden prägt der Mensch die zyprische Landschaft. Neolithische Siedler brachten um 8.200 v. Chr. Haustiere mit und begannen Ackerbau. Über die Zeit entstand durch traditionelle Bewirtschaftung ein Mosaik aus Feldern, Weinbergen, Obstgärten und Weideland, durchsetzt mit natürlicher Vegetation. Diese Kulturlandschaft förderte die Artenvielfalt, weil sie vielen Arten abwechslungsreiche Lebensräume bot. Vögel, Kleinsäuger, Reptilien und Insekten passten sich an diese halbnatürlichen Strukturen an.

Heute schrumpfen natürliche Lebensräume jedoch stark. Durch rasante Urbanisierung, kommerzielle Forstwirtschaft, Tourismus und verwandte Nutzungen sind nur noch etwa 20 % der ursprünglichen Habitate erhalten. Besonders Küstenzonen leiden unter touristischer Infrastruktur wie Hotels, Apartments und Freizeitanlagen. Dünen und Feuchtgebiete wurden großteils zerstört oder beeinträchtigt. Die Halbinsel Akamas ist die letzte größere unbebaute Küstenlandschaft in der Republik Zypern und hat daher herausragende Schutzbedeutung.

Bemerkenswerte endemische Arten

Das Zyprische Mufflon ist das bekannteste endemische Wildtier der Insel. Das Wildschaf ist Nationalsymbol Zyperns und war im 20. Jahrhundert stark vom Aussterben bedroht. Durch Schutzmaßnahmen wuchs der Bestand von unter 100 Tieren wieder auf eine stabile Population. Das Mufflon lebt vor allem im Paphos-Wald und im Troodos-Gebirge, wo das zerklüftete Gelände Schutz bietet.

Zwei Vogelarten brüten ausschließlich auf Zypern: der Zyperngrasmücke und der Zypernsteinschmätzer. Beide ziehen im Winter nach Afrika. Neu anerkannt ist der Zypernzwergohreule, der früher als Unterart des Eurasischen Zwergohreule galt und nun als eigenständige, nur auf Zypern vorkommende Art geführt wird.

Unter den Reptilien sind die Zypern-Peitschennatter und die Troodos-Eidechse nur hier heimisch. Zu den endemischen Säugetieren zählen die Zypern-Stachelmaus und die Zyprische Maus. Die endemische Flora ist vielfältig: Die Zypresse von Zypern (Zedernart, die nur im Troodos vorkommt) gehört zu den bedeutendsten Nadelbäumen. Die Gold-Eiche mit goldschimmernder Blattunterseite wächst in Bergwäldern. Zu den endemischen Blütenpflanzen zählen die Zypern-Tulpe, Cyclamen cyprium, Crocus cyprius sowie zahlreiche aromatische Kräuter wie Nepeta troodi und Salvia willeana.

Das Natura-2000-Netz in Zypern

Zypern gehört zu den fünf EU-Ländern mit dem größten Flächenanteil im Natura-2000-Netz: 28,8 % der Landes- und Meeresflächen sind erfasst. Insgesamt gibt es 63 Gebiete mit zusammen 1.789 Quadratkilometern. Natura 2000 ist das zentrale Schutzinstrument der EU und beruht auf der Vogelschutzrichtlinie von 1979 sowie der FFH-Richtlinie von 1992.

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Geschützt werden 48 in Anhang I der FFH-Richtlinie gelistete Lebensraumtypen, davon 13 prioritäre. Etwa 60 % der Schutzflächen liegen in Staatswald, 26 Gebiete umfassen große Waldareale. In Zypern kommen 38 Arten des Anhangs II vor, darunter 14 prioritär zu schützende. Insgesamt sind 58 Arten der Anhänge II, IV und V der FFH-Richtlinie erfasst: 21 Säugetiere, 13 Reptilien, 3 Amphibien, 2 Gliederfüßer, 1 Fisch und 18 endemische Pflanzen. Zudem sind 129 in Anhang I der Vogelschutzrichtlinie gelistete Vogelarten geschützt.

Natura-2000-Gebiete sind unterschiedlich geprägt und bewirtschaftet. Anders als strenge Reservate schließen viele Flächen auch Landwirtschaft, Wälder und Siedlungen ein. Der Ansatz setzt auf das Miteinander von Nutzung und Naturschutz statt auf vollständigen Ausschluss. Tätigkeiten sind so zu gestalten, dass seltene Arten und Lebensräume gesichert werden. Traditionelle Nutzungen wie Landwirtschaft oder Forstwirtschaft bleiben möglich, wenn sie nachhaltig erfolgen.

Verpflichtungen aus dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt

Zypern ist Vertragsstaat des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), dem wichtigsten globalen Rahmen zum Schutz der Biodiversität. Das 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro beschlossene Abkommen verfolgt drei Ziele: die Vielfalt des Lebens zu erhalten, biologische Ressourcen nachhaltig zu nutzen und die Vorteile aus genetischen Ressourcen fair zu teilen.

Das CBD verpflichtet Staaten zu nationalen Biodiversitätsstrategien und Aktionsplänen. Zypern verabschiedete seine Nationale Biodiversitätsstrategie und den Aktionsplan 2020-2030 im Juni 2020. Das Programm umfasst 13 strategische Ziele, ausgerichtet an den fünf Leitlinien des CBD und den EU-Zielen. Es geht um die Verankerung von Biodiversität in der Politik, den Ausbau fachlicher Kompetenzen, das Management von Schutzgebieten, nachhaltige Ressourcennutzung, den Umgang mit invasiven Arten und Klimafolgen sowie die Mobilisierung von Mitteln für den Naturschutz.

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Benannte Hauptbedrohungen für die Biodiversität Zyperns sind Habitatverlust durch Bebauung, übermäßige Wasserentnahme, Klimawandel mit weniger Niederschlag und steigenden Temperaturen, Waldbrände, invasive Arten, nicht nachhaltige Landwirtschaft, Überweidung, Überfischung sowie Verschmutzung aus Industrie, Haushalten und Landwirtschaft. Der Aktionsplan sieht konkrete Maßnahmen vor, um diese Risiken zu mindern und den Erhaltungszustand gefährdeter Arten und Lebensräume zu verbessern.

Internationale Kooperationsprogramme

Ein zentrales Vorhaben ist LIFE IP PHYSIS zur Verbesserung des Managements von Natura 2000 in Zypern. Das Programm läuft von 2019 bis 2029, verfügt über mehr als 16 Millionen Euro Gesamtbudget und erhält 10 Millionen Euro EU-Förderung. Ziel ist, für Arten und Lebensraumtypen im gesamten Netz einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen oder zu sichern.

Vier staatliche Stellen teilen sich die Verantwortung für die Schutzgebiete, was enge Abstimmung verlangt. Das Projekt behebt Schwächen in der Steuerung des Netzes, schließt Wissenslücken zu Arten und Lebensräumen, setzt Maßnahmen- und Managementpläne um und stärkt die gesellschaftliche Akzeptanz. Da Akzeptanz und Unterstützung in Gemeinden und bei Grundeigentümern teils gering sind, ist die Einbindung der Interessengruppen entscheidend.

Die Biodiversitätsstrategie der EU für 2030 setzt ehrgeizige Ziele, an deren Umsetzung Zypern mitwirkt. Bis 2030 sollen mindestens 30 % der Landfläche der EU unter Schutz stehen und wirksam gemanagt werden. Zypern erreicht mit 28,8 % fast diesen Wert, die eigentliche Herausforderung ist jedoch das effektive Management und das Erreichen eines günstigen Erhaltungszustands für geschützte Arten und Lebensräume.

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Zypern ist zudem in weltweite Initiativen eingebunden. Der 2022 verabschiedete Kunming-Montreal-Rahmen für biologische Vielfalt setzt 23 Ziele, um den Artenverlust bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Dazu zählen Schutz von Land- und Meeresflächen, Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme, Verringerung von Verschmutzung, Management invasiver Arten und nachhaltige Nutzung wildlebender Arten.

Klimawandel und neue Bedrohungen

Der Klimawandel verschärft die Herausforderungen. Die jährliche Niederschlagsmenge ist im letzten Jahrhundert um 16 % gesunken, zugleich stiegen die Durchschnittstemperaturen um 1 Grad Celsius. Das wirkt sich auf Wasserverfügbarkeit, Lebensräume und die Verbreitung von Arten aus. Manche Arten weichen in höhere Lagen aus, wo es kühler ist, was Konflikte mit endemischen Gebirgsarten verursachen kann, die an enge Bedingungen angepasst sind.

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Invasive Arten setzen der heimischen Biodiversität zu, indem sie Ressourcen konkurrieren, endemische Arten jagen oder Lebensräume verändern. Eingeführte Wildschweine beschädigten die Vegetation, bevor sie durch Bekämpfungsmaßnahmen aus großen Waldgebieten entfernt wurden. Im Meer dringen über den Suezkanal eingeschleppte Arten in zyprische Gewässer vor und beeinträchtigen heimische Fischbestände und Ökosysteme.

Waldbrände, natürlich oder vom Menschen verursacht, zerstören Lebensräume und töten Wildtiere. Mit dem Klimawandel könnten Häufigkeit und Intensität zunehmen, was ohnehin belastete Ökosysteme weiter schwächt. Krankheiten, die zwischen Nutztieren und Wildtieren übertragen werden, gefährden seltene Arten wie das Mufflon. Schutzprogramme müssen diese Risiken mit integrierten Ansätzen gemeinsam adressieren.

Landwirtschaft und Biodiversität

Rund 48 % der Landesfläche sind Landwirtschaftsgebiete, daher ist die Bewirtschaftung entscheidend für den Naturschutz. Traditionelle, kleinteilige Betriebe schufen nützliche Mosaike aus unterschiedlichen Kulturen, Bracheflächen, Trockenmauern und Hecken, die vielen Arten Lebensraum boten. Moderne, intensive Landwirtschaft mit viel Chemie, Bewässerung und Monokulturen mindert diesen Wert deutlich.

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU steuert durch Prämien und Auflagen. Agrarumweltmaßnahmen honorieren biodiversitätsfreundliche Praktiken wie Feldraine, geringeren Pestizideinsatz und den Erhalt traditioneller Methoden. Biodiversität wirksam in die Agrarpolitik zu integrieren, ist zentral, um Naturschutzziele mit einer stabilen Lebensmittelproduktion zu verbinden.

Überweidung durch Schafe und Ziegen schädigt in manchen Regionen die Vegetation, verringert die Pflanzenvielfalt und fördert Erosion. In Schutzgebieten gilt es, Weidedruck so zu steuern, dass Naturschutzziele und traditionelle Weidewirtschaft, die Zyperns Kultur seit Jahrtausenden prägt, im Gleichgewicht bleiben.

Schutz der Meeresbiodiversität

Auch die Meereswelt Zyperns ist artenreich, mit Meeresschildkröten, der vom Aussterben bedrohten Mittelmeer-Mönchsrobbe und über 80 Fischarten. Marine Schutzgebiete im Rahmen von Natura 2000 sichern wichtige Habitate wie Seegraswiesen, Felsriffe und Sandböden, die zahlreichen Meeresorganismen Lebensraum bieten.

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Überfischung gefährdet Bestände und das Gleichgewicht der Meeresökosysteme. EU-Fischereipolitiken regeln Fangmengen, Methoden und geschützte Arten, doch die Durchsetzung ist anspruchsvoll. Die Bedürfnisse der Fischerei mit dem Schutz der Natur zu vereinbaren, erfordert laufende Abstimmung und anpassungsfähiges Management.

Verschmutzung durch Schifffahrt, Küstenbebauung und landwirtschaftliche Einträge beeinträchtigt Wasserqualität und Lebensräume. Plastikmüll ist besonders gefährlich für Meeresschildkröten und Seevögel, die Abfälle mit Nahrung verwechseln. Da Meeresströmungen Schadstoffe über Grenzen tragen, ist internationaler Schulterschluss unverzichtbar.

Warum die Biodiversität Zyperns heute zählt

Endemische Arten Zyperns sind einzigartiges genetisches Erbe, entstanden über Millionen Jahre. Geht es verloren, ist es unwiederbringlich. Die Insel ist zugleich ein natürliches Labor für Forschung zu Evolution, Anpassung und ökologischen Prozessen. Erkenntnisse aus Zypern helfen weltweit zu verstehen, wie Arten auf Inseln, auf Klimawandel und auf menschliche Einflüsse reagieren.

Intakte Ökosysteme erbringen Leistungen wie Wasserreinigung, Bodenbildung, Bestäubung, Schädlingskontrolle und Klimaregulierung. Wälder verhindern Erosion, steuern den Wasserhaushalt und binden Kohlenstoff. Feuchtgebiete filtern Schadstoffe und sind unverzichtbare Rastplätze für Zugvögel zwischen Europa und Afrika. Diese Funktionen stützen Landwirtschaft, Tourismus und die Lebensqualität der Menschen.

Durch seine Lage an zentralen Zugrouten trägt Zypern eine besondere Verantwortung: Jedes Jahr ziehen Millionen Vögel zweimal über die Insel, sie verbindet Brutgebiete in Europa mit Überwinterungsgebieten in Afrika. Der Schutz von Rastplätzen und die Bekämpfung illegaler Vogeljagd sind entscheidend für stabile Bestände über drei Kontinente hinweg.

Naturnahe Tourismusangebote schaffen wirtschaftlichen Wert und unterstützen den Naturschutz. Gäste kommen wegen einzigartiger Arten, der Frühlingsblüte und abwechslungsreicher Landschaften. Nachhaltiger Ökotourismus bringt Arbeitsplätze und Einkommen in ländliche Regionen und bietet Alternativen zu umweltschädlichen Nutzungen. So zeigt sich, dass Schutz und wirtschaftliche Entwicklung zusammengehen können.

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Die besten Orte für Familienfotos auf Zypern

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