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Auf Zypern liegen zwei große Salzseensysteme, die für Tausende Zugvögel auf ihrer Route zwischen Europa und Afrika unverzichtbare Rastplätze sind. Der Salzsee-Komplex von Larnaka befindet sich an der Südostküste, der Salzsee von Akrotiri südwestlich von Limassol. Beide Feuchtgebiete sind international bedeutsam und ziehen jeden Winter bis zu 20.000 Flamingos sowie zahlreiche weitere Arten an.

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Der Salzsee-Komplex von Larnaka

Der Salzsee von Larnaka besteht aus vier miteinander verbundenen Becken mit insgesamt 1.761 Hektar Fläche südwestlich der Stadt. Das größte Becken heißt Aliki, gefolgt von Orphani, Soros und dem kleinsten, dem Flughafensee. Der Flughafensee wurde beim Bau der Startbahn des Internationalen Flughafens Larnaka von Orphani abgetrennt und damit vom Hauptkomplex isoliert.

Zusammen kommen die Seen auf 2,2 Quadratkilometer und liegen direkt an der Zufahrtsstraße zum Flughafen Larnaka, wodurch sie zu den bekanntesten Landmarken der Gegend zählen. Im Winter ist das Wasser bis zu einem Meter tief. Von November bis März füllen Regenfälle die Becken, im Sommer trocknen sie aus und es bleiben Salzböden zurück.

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Im Winter treffen zwischen 2.000 und 12.000 Rosaflamingos am Larnaka-Salzsee ein, um sich an den zahlreichen Salzkrebschen zu bedienen. Dunkelrote Algen bilden die Basis der Nahrungskette: Die kleinen Krebse fressen sie, die Flamingos wiederum die Krebse. Das System bietet außerdem Lebensraum für rund 85 Wasservogelarten, insgesamt schätzungsweise 20.000 bis 38.000 Individuen.

Seit 1997 sind die Seen nach zyprischem Recht und der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt. International sind sie als Ramsar-Gebiet von internationaler Bedeutung, Natura-2000-Gebiet, als Besonderes Schutzgebiet nach dem Barcelona-Übereinkommen sowie als Important Bird Area von BirdLife International anerkannt.

Der Salzsee von Akrotiri

Der Salzsee von Akrotiri, auch Salzsee von Limassol genannt, ist das größte Binnengewässer Zyperns. Er misst 10,65 Quadratkilometer und liegt innerhalb des Britischen Hoheitsgebiets südwestlich von Limassol. Der tiefste Punkt liegt 2,7 Meter unter dem Meeresspiegel, die maximale Wassertiefe beträgt etwa einen Meter, kann im Winter jedoch bis auf 2,8 Meter unter dem Meeresspiegel ansteigen.

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Zwischen 2.000 und 20.000 Rosaflamingos überwintern am Akrotiri-See, dazu kommen Kraniche, Greifvögel und zahlreiche Watvogelarten. Weil über die Hälfte der Fläche nur rund 30 Zentimeter tief ist, finden Watvögel ideale Fressplätze. Die Nahrungsgrundlage bilden Feenkrebse im Wasser, die vielen Vogelarten als Futter dienen.

Der Salzsee von Akrotiri besitzt einen Schutzstatus wie Larnaka: Er ist Ramsar-Gebiet, Teil von Natura 2000 und als Important Bird Area ausgewiesen. Entstanden ist der See, als sich eine vorgelagerte Insel im Laufe der Erdgeschichte mit der Südküste Zyperns verband.

Historischer Hintergrund

Funde belegen eine Besiedlung der Gegend am Larnaka-Salzsee seit der Spätbronzezeit im 2. Jahrtausend v. Chr. Bevor Sedimente den Zugang zum Mittelmeer blockierten, bildeten die heutigen Seen eine Lagune, die als größter Naturhafen Zyperns diente.

Ausgrabungen bei Hala Sultan Tekke zeigen, dass Larnaka, im Altertum als Kition bekannt, zwischen 1650 und 1050 v. Chr. zu den wichtigsten städtischen und kommerziellen Zentren Zyperns gehörte. Die strategische Lage des Naturhafens ermöglichte leichten Zugang aus Afrika, Asien und Europa und machte Kition zu einem bedeutenden Handelsplatz der Antike.

Nach der Aufgabe der Stadt verlandete die Mündung, der Naturhafen verschwand und an seiner Stelle entstanden die heutigen Salzseen. Dieser Wandel bewahrte Spuren der antiken Siedlung und schuf zugleich das Feuchtgebiet, das heute Zugvögeln als Rastplatz dient.

Wander- und Naturpfade

Ein 4 Kilometer langer, linearer Naturpfad führt durch das Gebiet des Larnaka-Salzsees bis zum historischen Kamares-Aquädukt. Startpunkte sind entweder direkt am Aquädukt oder am Salzsammel-Plateau an der Artemis Avenue.

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Bäume, Sträucher und Blumen entlang des Weges sind beschildert. Ruhebänke laden zum Verweilen ein und dienen als Aussichtspunkte. Der Pfad ist bei Spaziergängern, Joggern und Vogelbeobachtern beliebt. Ein Beobachtungsturm bietet erhöhte Blicke über den See und damit beste Chancen, Flamingos zu sehen.

Der Weg führt an Stätten mit historischem und kulturellem Bezug vorbei. Einst stand hier ein Heiligtum der Göttinnen Artemis-Diana und Aphrodite-Astarte, von dem jedoch keine Bauten erhalten sind. Eine elegante Statue der Artemis-Diana wurde gefunden; eine Kopie schmückt heute den Kreisverkehr an der Artemis Avenue.

Akrotiri Umweltbildungszentrum

Das Akrotiri Environmental Education Centre liegt gegenüber dem Swan Pub vor der Kontrollstelle der britischen Basis im Dorf Akrotiri. Der Eintritt ist frei. Ausstellungen erklären das Ökosystem des Sees, seine Tierwelt und den Naturschutz vor Ort.

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Eine Aussichtsplattform auf der Rückseite blickt über den See; mehrere Teleskope ermöglichen es, Flamingos und andere Vögel aus sicherer Distanz zu beobachten. Das Personal informiert über aktuelle Sichtungen und die besten Beobachtungsplätze. Ausstellungen widmen sich zudem Pflanzen, die ausschließlich in Akrotiri vorkommen, und den Maßnahmen zu ihrem Schutz.

Für Familien gibt es einen Kinderbereich, der sich für etwa 45 Minuten Spielzeit eignet. So verbindet das Zentrum Wissensvermittlung mit praktischen Angeboten und macht den Besuch besonders familienfreundlich.

Besuch des Salzsees von Akrotiri

Ab dem Stadtzentrum von Limassol fährt man mit der Buslinie 24 ab dem EMEL Busbahnhof Richtung Akrotiri. Der Bus verkehrt stündlich, bis zur Akrotiri Community Board dauert die Fahrt rund 34 Minuten. Endhaltestelle ist das Dorf Akrotiri.

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Mit dem Auto ab Limassol folgt man der B6 nach Südwesten; bis ins Dorf Akrotiri braucht man etwa 25 Minuten. Von Paphos fährt man über die A6 Richtung Limassol und dann auf der B6 nach Süden bis Akrotiri. Die Strecke ist rund 70 Kilometer lang und dauert etwa eine Stunde. Von Larnaka nimmt man die A5 und weiter die B6 nach Süden, dafür sollte man etwa 1 Stunde und 15 Minuten einplanen.

Die beste Aussicht bietet das Akrotiri Environmental Education Centre. Eine Umrundung des Sees mit dem Auto eröffnet weitere Beobachtungspunkte, teils sind kurze Fußwege nötig, um gute Sicht zu bekommen.

Ökologische Bedeutung für Zypern

Die Salzseen zählen zu den wichtigsten Lebensräumen Zyperns. Sie beherbergen 70 Prozent der Vogelwelt der Insel, sowohl Stand- als auch Zugvögel. Diese Dichte macht sie entscheidend für die Biodiversität Zyperns.

Grüne Meeresschildkröten und Unechte Karettschildkröten legen an Stränden in der Nähe des Akrotiri-Sees ihre Nester an. Die Feuchtgebiete dienen als Nahrungsgebiete für Jungtiere, bevor sie in tiefere Gewässer abwandern.

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Endemische Pflanzen, die nirgends sonst auf der Welt vorkommen, wachsen in den halophytischen Buschlandschaften rund um beide Seen. Diese salztoleranten Arten bilden spezialisierte Pflanzengesellschaften, die an hohe Salzgehalte und saisonale Überflutung angepasst sind.

Die Seen wirken wie natürliche Filter, bevor Wasser ins Mittelmeer gelangt. Die Vegetation nimmt Nährstoffe und Schadstoffe auf und verbessert so die Wasserqualität. Davon profitieren Wildtiere ebenso wie die Menschen.

Bildungswert und Forschung

Beide Salzseen dienen als Freiluftklassenzimmer für Schulen und Universitäten. Bei Exkursionen und Projekten befassen sich Lernende mit Ökologie, Ornithologie, Geologie und Umweltwissenschaften. Die Nähe zu größeren Städten erleichtert die Durchführung solcher Programme.

Langzeitmonitoring erfasst Vogelbestände, Wasserqualität, Salzgehalt und Vegetationsdynamik. Diese Daten helfen, die Auswirkungen von Klimawandel, Verschmutzung und den Bedarf an Schutzmaßnahmen zu verstehen. Internationale Forschungsteams arbeiten dabei mit zyprischen Institutionen zusammen.

Der Kontrast zwischen dem einstigen Hafen und dem heutigen Feuchtgebiet zeigt anschaulich geologische Veränderungen und menschliche Einflüsse auf Landschaften. Der Wandel von der gewerblichen Salzgewinnung hin zum Naturschutzgebiet spiegelt veränderte Haltungen gegenüber natürlichen Ressourcen wider.

Kulturelle Verbindung

Für Zyprer schlagen die Salzseen eine Brücke von der Antike in die Gegenwart. Wo einst Händler der Bronzezeit verkehrten, kommen heute Besucher aus aller Welt. Die über Jahrtausende fortdauernde Nutzung verleiht dem Ort kulturelle Tiefe.

Die jährliche Ankunft der Flamingos gehört zum saisonalen Rhythmus. Familien kommen im Winter, um den Kindern die Vögel zu zeigen, und schaffen Traditionen, die weitergegeben werden. Cafés und Restaurants in der Nähe beider Seen greifen das Flamingo-Motiv in ihrem Erscheinungsbild auf.

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Künstler und Fotografen lassen sich von den wechselnden Landschaften inspirieren. Rosa Vögel, weiße Salzflächen, blaues Wasser und die umliegenden Berge liefern Motive für Bilder und Fotos. In der Tourismuswerbung gelten die Salzseen als ikonische Landschaften Zyperns.

Langfristige Schutzziele

Die Behörden kaufen weiter privates Land rund um die Seen, um Schutzgebiete zu vergrößern und Bebauungsdruck zu mindern. Weitere Ankäufe sind geplant, ausgenommen Flächen in Besitz muslimischer oder griechisch-orthodoxer Religionsgemeinschaften.

Bildungsangebote sollen Störungen durch Besucher verringern, die ins Wasser gehen oder sich Vögeln zu sehr nähern. Mehr Bewusstsein für angemessene Beobachtungsabstände schützt empfindliche Arten und ermöglicht zugleich den Zugang für die Öffentlichkeit.

Renaturierungsprojekte beheben Schäden aus früheren Nutzungen. In Bereichen, die von invasiven Arten dominiert werden, werden einheimische Pflanzen wieder angesiedelt. Ein Wassermanagement sorgt für passende Salzgehalte und den natürlichen Wechsel aus Trockenfallen und Überflutung.

Die Salzseen Zyperns zeigen, dass Schutz und öffentliche Nutzung mit guter Planung vereinbar sind. Auch künftig werden diese Feuchtgebiete Flamingos und andere Zugvögel willkommen heißen und als wichtige Rastplätze entlang einer der großen Zugrouten der Welt dienen.

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