Das Naturkundemuseum Zyperns ist die größte naturkundliche Ausstellung des Landes. Es liegt am Stadtrand von Nikosia auf dem Gelände der Carlsberg-Brauerei und zeigt rund 2.500 Exponate zur Geologie, Flora und Fauna der Insel. Seit der Eröffnung im Jahr 1996 zählt das Museum jedes Jahr tausende Besucher und dient als Lernort für alle, die Zyperns Naturerbe besser verstehen möchten.

Historischer Hintergrund
Die Photos-Photiades-Stiftung für Wohltätigkeit, Wissenschaft und Kultur gründete das Museum im Rahmen ihres Auftrags, der Öffentlichkeit durch Bildungs- und Kulturprojekte zu dienen. Der ehemalige Präsident der Republik Zypern, Glafkos Clerides, weihte das Haus am 29. Mai 1996 ein. Es war die erste Einrichtung auf der Insel, die sich speziell der Bewahrung und Vermittlung der Naturgeschichte Zyperns widmet.
Ziel der Gründung war, Besucher über die Artenvielfalt und die geologische Entwicklung der Insel zu informieren. Die Sammlung umfasst Millionen Jahre Naturgeschichte – von uralten Fossilien bis zu heutigen Tierarten. Die Ausstellungen wollen das Bewusstsein für die Umwelt stärken und zum Schutz der Natur motivieren.
Hauptsammlungen und Ausstellungen
Im Museum sind über 2.500 Objekte in mehreren Kategorien zu sehen. Den größten Teil bilden präparierte Tiere – Säugetiere, Vögel, Fische, Reptilien und Insekten. Dank fachgerechter Präparation wirken die Exemplare erstaunlich lebensecht. So können Besucher Arten aus nächster Nähe betrachten, denen sie in der Natur kaum begegnen würden.

Zwei Mittelmeerhaie von jeweils 3 Metern Länge sorgen für einen eindrucksvollen Auftakt. Außerdem gibt es eine umfangreiche Sammlung nordamerikanischer Säugetiere, wobei der Schwerpunkt weiterhin auf der Tierwelt Zyperns und der Region liegt. Gezeigt werden sowohl häufige als auch seltene oder bedrohte Arten.
Besonderes Augenmerk gilt endemischen Arten Zyperns. Das Zypern-Mufflon, ein Wildschaf und nationales Symbol, ist in einem Diorama des Paphos-Waldes dargestellt. Diese Bergschafe standen einst kurz vor dem Aussterben, konnten sich aber durch Schutzmaßnahmen erholen. Das Diorama zeigt das Mufflon in seiner natürlichen Umgebung mit typischer Vegetation und Landschaft.
Ein weiteres auffälliges Diorama bildet das Ökosystem des Salzsees von Larnaka mit Flamingos und anderen Zugvögeln nach. Dieses Feuchtgebiet ist jedes Jahr ein wichtiger Rastplatz für tausende Vögel auf der Route zwischen Europa und Afrika. Die Präsentation verdeutlicht die ökologische Bedeutung der zyprischen Feuchtgebiete und die saisonalen Zugbewegungen, die der Insel eine große Artenvielfalt bescheren.
Geologische Sammlungen
Der Geologiebereich zeigt Gesteine, Mineralien, Schmucksteine und Fossilien, die die Entstehung und Entwicklung Zyperns nachvollziehbar machen. Eine zentrale Rolle spielt das Troodos-Gebirge, das vor etwa 90 Millionen Jahren in 8.000 Metern Tiefe unter dem Meer entstand. Es besteht aus ophiolithischen Gesteinen, die reich an Asbest, Chrom und kupferführendem Schwefelkies sind, mit Einschlüssen von Gold und Silber.

Die geologischen Tafeln erläutern, dass der Troodos-Komplex ein Fragment ozeanischer Kruste und des oberen Mantels ist, das sich abgelöst hat und allmählich emporgehoben wurde, weil die afrikanische Lithosphärenplatte unter die eurasische abtaucht. Diese tektonischen Vorgänge schufen eine Geologie, die Zypern für Geowissenschaftler weltweit besonders interessant macht.
Zu den Fossilien zählen Stücke, die bis zu 3 Millionen Jahre alt sind. Besonders faszinierend sind Knochen des fossilen Zwergflusspferds. Diese inzwischen ausgestorbenen Tiere lebten einst auf Zypern und passten sich an die Inselbedingungen an, indem sie im Vergleich zu ihren Festlandsverwandten kleiner wurden. Die Funde zeigen eindrücklich, wie Isolation die Evolution beeinflusst.
Aus dem Meer stammen Muscheln und Korallen aus dem Mittelmeer. Diese Sammlungen dokumentieren die Vielfalt des marinen Lebens rund um Zypern und zeigen, wie sich Küstenökosysteme im Lauf der Zeit verändert haben.
Sondersammlungen privater Stifter
Mehrere Privatsammlungen sind wichtige Bestandteile des Museums. Dr. Andreas Kodros stiftete Mineralien und Muscheln. Dr. Lefteris Hadjisterkotis, Beamter des Jagd- und Wildtierdienstes und von 1999 bis 2001 Präsident der International Union of Game Biologists, überließ dem Museum mediterrane Muscheln und Fossilien.
Das Museum nimmt Beiträge von Sammlern an, die seine Bildungsarbeit unterstützen möchten. Zwischen Spendern und Museum werden rechtliche Vereinbarungen getroffen, um eine korrekte Dokumentation und Pflege der Objekte sicherzustellen. Dank dieser Praxis konnte die Sammlung über die anfängliche Finanzierung hinaus deutlich wachsen.
Historischer Kontext der Tierwelt Zyperns
Ausstellungen beleuchten auch die Domestikation von Tieren auf Zypern. Funde belegen die Haltung von Haustieren bereits in der Vorzeit, besonders in der akeramischen Jungsteinzeit des 7. Jahrtausends v. Chr. Zu den domestizierten Arten zählten Schweine, Schafe, Ziegen und Esel. Das Rind kam um 2500 v. Chr. in der frühen Bronzezeit hinzu.

Diese prähistorischen Gemeinschaften beherrschten die Seefahrt und kamen mit Hausrat und Vieh über das Meer nach Zypern. Ziegen und Schafe waren im Nahen Osten bereits in der Mittelsteinzeit zwischen 10.000 und 12.000 v. Chr. domestiziert worden. Diese Phase markiert den Beginn der menschlichen Besiedlung des Mittelmeerraums. Die Präsentationen schlagen den Bogen von diesen frühen Praktiken zur Entwicklung der zyprischen Kultur und Landwirtschaft.
Lage und Besucherinformationen
Das Museum befindet sich bei Carlsberg Cyprus, Themidos-Straße 1 bis 7, im Stadtteil Latsia am Rand von Nikosia. Es liegt auf dem gut ausgeschilderten Brauereigelände und ist leicht zu finden. Öffentliche Busse und Taxis verbinden es bequem mit dem Zentrum von Nikosia und anderen Teilen der Insel.
Das Museum ist eine gemeinnützige Einrichtung. Der Eintritt ist frei, damit alle unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten Zugang haben. Jährlich kommen mehr als 8.500 Besucher. Besuche sind vorab telefonisch zu buchen, um eine passende Betreuung sicherzustellen.
Die Öffnungszeiten liegen in der Regel an Wochentagen und teils am Wochenende. Es empfiehlt sich, vorab die aktuellen Zeiten zu prüfen, da sich diese an Feiertagen oder zu besonderen Anlässen ändern können. Erreichbar ist das Museum telefonisch unter 00357-22585834 und 00357-22585858 sowie per Fax unter 00357-22481450.
Der Zugang ist nicht barrierefrei, was den Besuch für manche Personen einschränkt. Sanitäre Anlagen sind vorhanden. Parkplätze für Autos und Busse machen das Museum auch für Gruppen geeignet. Kostenlose gedruckte Führer auf Griechisch und Englisch helfen bei der Orientierung und beim Verständnis der Ausstellungen.
Bedeutung für Zypern
Das Naturkundemuseum Zyperns schließt eine wichtige Bildungslücke und ergänzt die archäologischen Museen der Insel. Während die Geschichte des Menschen andernorts ausführlich dargestellt wird, war die Naturgeschichte vor der Eröffnung dieses Hauses unterrepräsentiert. Das Museum schafft hier Ausgleich, indem es das ökologische Erbe Zyperns in den Mittelpunkt stellt.
Gleichzeitig fördert es das Umweltbewusstsein in einer Zeit wachsender Herausforderungen für den Naturschutz. Indem es die Vielfalt des Lebens auf Zypern zeigt und ökologische Zusammenhänge erklärt, regt es dazu an, Natur zu schützen. Diese Bildungsarbeit unterstützt die breiteren Bemühungen, Lebensräume und Arten zu erhalten.

Für Studierende und Forschende bietet das Museum einen konzentrierten Zugang zu Belegen und Informationen, die im Feld nur mit großem Aufwand zu sammeln wären. Die Sammlungen dienen als Referenz für wissenschaftliche Arbeiten und Bildungsprojekte. Durch die Zusammenarbeit mit Behörden bleibt das Haus zudem bei Naturschutzthemen und wissenschaftlichen Entwicklungen auf dem neuesten Stand.