Das Thalassa-Museum in Agia Napa

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Mitten im Zentrum von Agia Napa steht das städtische Thalassa-Museum – das erste Museum im Mittelmeerraum, das sich ganz dem maritimen Erbe widmet. Sein Name geht auf das griechische Wort für “Meer” zurück. Eröffnet wurde es im August 2005, um die enge Verbindung zwischen Zypern und den umliegenden Gewässern zu zeigen.

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Das Museum wird unter der Leitung der Pierides-Stiftung, des Hellenischen Instituts zur Bewahrung der nautischen Tradition und der Tornaritis-Pierides-Stiftung für Meeresleben betrieben.

Auch das Gebäude selbst ist sehenswert. Es wurde aus Marmor, Onyx, Holz und Metall errichtet und hat sechs Ebenen, auf denen die Exponate aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen sind. Dazu gehören auch unterirdische Vitrinen, über die Besucher hinweggehen.

Seefahrtsgeschichte im Lauf der Jahrhunderte

Das Museum zeigt 7.000 Jahre zyprischer Geschichte – von der Jungsteinzeit bis zur venezianischen Herrschaft (5000 v. Chr. bis 1600 n. Chr.). Zu den archäologischen Schätzen gehören eine zusammengesetzte Vase mit senkrechtem Henkel aus der Frühbronzezeit III (2100-1900 v. Chr.), ein Schiffsmodell aus Ton mit Seeleuten und Kapitän aus der zypro-archaischen Zeit II (600-480 v. Chr.) sowie vier rotfigurige Teller mit Fischdarstellungen aus der klassischen und hellenistischen Epoche (475-30 v. Chr.).

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An diesen Fundstücken wird sichtbar, wie die Menschen auf Zypern in der Antike lebten, Handel trieben und das Mittelmeer befuhren. Außerdem ist im Museum ein Nachbau eines mesolithischen Papyrusboots aus dem Jahr 9200 v. Chr. zu sehen, das nach Ansicht von Archäologen für den Transport von Obsidian über die Ägäis genutzt wurde.

Die Entdeckung des Schiffs von Kyrenia

Das Wrack des Schiffs von Kyrenia wurde im November 1965 vom griechisch-zyprischen Tauchlehrer Andreas Kariolou entdeckt. Er sammelte in 33 Metern Tiefe Schwämme, etwa eine Seemeile nordöstlich des Hafens von Kyrenia. Nachdem die genaue Stelle nach einem ersten Sturm verloren gegangen war, absolvierte Kariolou mehr als 200 Tauchgänge, bevor er das Wrack 1967 wiederfand.

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Die wissenschaftliche Ausgrabung leitete Michael Katzev, damals Student am Museum für Archäologie und Anthropologie der University of Pennsylvania. Zwischen 1967 und 1969 arbeitete er mit einem Team aus mehr als 50 Unterwasserarchäologen, Studierenden und Technikern an der Fundstelle. Das Originalschiff ist außergewöhnlich gut erhalten – mehr als 60 % des Rumpfes blieben intakt – und befindet sich heute im Museum antiker Schiffswracks in der Burg von Kyrenia. Der Nachbau Kyrenia II im Thalassa-Museum wurde 1985 für wissenschaftliche Versuchszwecke gebaut und bereits in vielen Städten weltweit gezeigt, darunter New York, Nara, Sevilla und Hamburg.

Ein genauer Blick auf das antike Schiff

Das Schiff von Kyrenia ist 15 Meter lang und wurde aus Aleppo-Kiefer gefertigt, die um 389 v. Chr. gefällt wurde. An Bord befanden sich 381 Amphoren mit Wein, Olivenöl und Mandeln, wobei die meisten Amphoren aus Rhodos stammten. Zur Ladung gehörten außerdem 29 Mühlsteine, die in drei Reihen über dem Kiel lagen und sowohl als Fracht als auch als Ballast dienten. Steinmetze aus dem Steinbruch – vermutlich auf der Insel Kos – ritzten Erkennungsbuchstaben in die Seiten dieser Steine.

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Gesunken ist das Schiff zwischen 294 und 291 v. Chr. Darauf deuten sieben Bronzemünzen hin, die an der Wrackstelle gefunden wurden. Fünf davon wurden im Namen Alexanders des Großen geprägt und stammen aus der Zeit zwischen 334 und 301 v. Chr. Mehr als 9.000 Mandeln blieben in Krügen und im Schiffsinneren erhalten. Außerdem fand man im Bug 300 Bleigewichte für Netze – ein Hinweis darauf, dass die Seeleute unterwegs fischten. Küchenutensilien wie vier Holzlöffel, vier Ölkannen, vier Salzschälchen und vier Trinkbecher sprechen dafür, dass die Besatzung aus vier Personen bestand.

Was über die letzte Reise bekannt ist

Unter dem Rumpf entdeckte eiserne Speerspitzen und Geschossspitzen, die in der Bordwand steckten, brachten Archäologen zu dem Schluss, dass das Schiff von Piraten angegriffen und versenkt wurde. Das würde auch erklären, warum weder Überreste der Besatzung noch persönliche Gegenstände gefunden wurden – vermutlich plünderten die Piraten das Schiff und versklavten die Seeleute.

Die Handelsroute des Schiffs führte über Rhodos, Zypern und die Levante, vielleicht mit Ägypten als letztem Ziel. Vor seiner letzten Fahrt war das Schiff bereits 15 bis 25 Jahre im Einsatz. Spuren von Reparaturen zeigen das deutlich, darunter ein ausgebesserter Bruch im Kiel sowie Schutzschichten aus Pech und Bleiverkleidung an der Außenseite des Rumpfs. Solche Arbeiten waren nötig, um die Lebensdauer des alternden Schiffs zu verlängern und das Eindringen von Wasser zu verhindern.

Sammlungen zur Naturgeschichte

Im Untergeschoss befindet sich ein Bereich zum Meeresleben mit Fossilien, die bis zu 130 Millionen Jahre alt sind. Die Tornaritis-Pierides-Stiftung für Meeresleben stellte paläontologische Exponate zur Verfügung, darunter versteinerte Fische, Muscheln, Korallen, Ammoniten und Trilobiten aus der späten Kreidezeit (130 bis 65 Millionen Jahre vor heute).

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Im naturgeschichtlichen Teil werden einheimische Meeresarten des östlichen Mittelmeers gezeigt, darunter Muscheln, Seepocken, Korallen, Seeigel, Seesterne, Krebse, Hummer, Schwämme, Gorgonien und Meerespflanzen aus den Gewässern rund um Zypern. Zu den präparierten Tieren gehören Fische, Delfine, Fuchshaie, ein großer Mondfisch, Meeresschildkröten, Robben sowie verschiedene See- und Süßwasservögel in nachgebildeten natürlichen Lebensräumen.

Außerdem sind Knochen und Schädel des endemischen Zwergflusspferds und von Elefanten zu sehen, die vor etwa 8.000 Jahren auf Zypern lebten. So entsteht eine direkte Verbindung zur prähistorischen Tierwelt der Insel.

Heutige Bedeutung und kultureller Einfluss

Das Thalassa-Museum ist auf Zypern ein wichtiger Ort für Bildung rund um Unterwasserarchäologie und den Schutz der Meere. Im Jahr 2025 feierte das Museum sein 20-jähriges Bestehen und richtete einen dauerhaften Bildungsbereich zur zyprischen Meeresarchäologie ein. Dort sind unter anderem eine SCUBA-Tauchausrüstung und Nachbildungen von Funden aus Unterwasserausgrabungen zu sehen.

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Besucher können an interaktiven Angeboten teilnehmen und virtuelle Realität nutzen, um archäologische Stätten unter Wasser zu erkunden. Das Schiff von Kyrenia ist auf drei zyprischen Euromünzen zu sehen – 10, 20 und 50 Cent – und zeigt damit seinen Rang als nationales Symbol. Bildungsprogramme richten sich an Kinder und junge Menschen im Alter von 15 bis 35 Jahren und fördern den respektvollen Umgang mit dem kulturellen Erbe und dem Meeresschutz. Gleichzeitig macht das Museum auf das empfindliche Gleichgewicht der Unterwasserökosysteme und auf die Folgen menschlicher Eingriffe im Mittelmeer aufmerksam.

So planen Sie Ihren Museumsbesuch

Das Thalassa-Museum liegt zentral in Agia Napa, nur wenige Minuten vom Stadtzentrum und vom Hafen entfernt. Der Eintritt für Erwachsene kostet 4 €, ermäßigt 2,50 € für Studierende sowie Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen und 1,50 € für Kinder an Primar- und Sekundarschulen. Geöffnet ist das Museum montags von 9:00 bis 14:00 Uhr, dienstags bis freitags von 9:00 bis 17:00 Uhr und samstags von 9:00 bis 14:00 Uhr. Sonntags bleibt es geschlossen.

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Die meisten Besucher verbringen ein bis zwei Stunden mit den Ausstellungen. Zur Anlage gehören ein Café, ein Souvenirladen und ein Freiluft-Amphitheater, in dem in den Sommermonaten Konzerte, Aufführungen und kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Eine Mehrzweckhalle bietet das ganze Jahr über Platz für Ausstellungen, Bildungsprogramme, Vorträge, Seminare und Workshops. Glasfaserbeleuchtung setzt die Exponate in Szene, und audiovisuelle Tafeln liefern Informationen zu den geschichtlichen Epochen Zyperns.

Warum dieses Museum so besonders ist

Das Thalassa-Museum bewahrt die maritime Geschichte Zyperns und erzählt sie so, dass sich alte Seefahrtstraditionen mit der heutigen Identität der Insel verbinden. Es zeigt, wie stark das Meer über Jahrtausende hinweg Handel, Kultur und Alltag geprägt hat. Durch den Nachbau des Schiffs von Kyrenia und die umfangreichen archäologischen Sammlungen bekommen Besucher einen direkten Zugang zur hellenistischen Vergangenheit der Insel und zu ihrer wichtigen Rolle in den Handelsnetzen des Mittelmeers.

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Die naturgeschichtlichen Ausstellungen machen außerdem deutlich, dass die Beziehung Zyperns zum Meer weit über die Menschheitsgeschichte hinausreicht und bis in geologische Zeiten zurückgeht. Dieses Museum verdient Aufmerksamkeit, weil es archäologische Daten in verständliche und greifbare Erzählungen verwandelt – für Einheimische genauso wie für Reisende. Die Mischung aus antiken Funden, lebensgroßen Nachbauten und naturkundlichen Exponaten ergibt ein rundes Bild von der dauerhaften Verbindung Zyperns mit dem Mittelmeer.

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