Die Arabahmet‑Moschee ist eine osmanische Moschee aus dem 16. Jahrhundert im Viertel Arab Ahmet in Nikosia. Sie entstand Ende der 1500er Jahre, kurz nach der osmanischen Eroberung Zyperns im Jahr 1571, und trägt den Namen von Arab Ahmet Pascha, einem der Befehlshaber des Invasionsheeres. Er war zudem Gouverneur von Rhodos.

Sie ist die einzige Moschee auf Zypern mit typisch türkischen Kuppeln: Eine große Zentralkuppel mit rund 6 Metern Durchmesser überspannt den Gebetssaal, drei kleinere Kuppeln bedecken die Vorhalle, und an den vier Ecken sitzen nochmals winzige Kuppeln. Dieses Konzept folgt dem klassischen anatolischen Schema, bei dem eine Kuppel auf einem quadratischen Baukörper ruht.
Historischer Hintergrund
Arab Ahmet Pascha gehörte zur Führung der osmanischen Truppen, die Zypern eroberten. Das Viertel rund um seine Moschee entwickelte sich danach zu einer der bedeutendsten Wohngegenden im osmanischen Nikosia. Hohe Beamte, Richter (Kadis) und Statthalter (Paschas) ließen sich hier aus zwei praktischen Gründen nieder.

Zum einen lag das Viertel in der Nähe des alten osmanischen Saray, zuvor der Lusignan‑Palast, wodurch man den Amtssitz bequem zu Fuß erreichen konnte. Zum anderen wehte am Abend eine kühle Brise von der Bucht von Morphou herüber, die diesen Stadtteil in heißen Sommernächten zum kühlsten Ort der Stadt machte. In Zeiten ohne Klimaanlagen war das ein großer Vorteil.
Die Moschee wurde zum Mittelpunkt dieses vornehmen Quartiers. Bedeutende Familien bauten in der Nachbarschaft, und das Gebiet stand bald sinnbildlich für osmanische Autorität und Ansehen in der Hauptstadt.
Auf christlichen Fundamenten
Die Arabahmet‑Moschee wurde nicht aus einer Kirche umgewandelt, sondern als Moschee neu errichtet – allerdings auf dem Areal einer abgetragenen lateinischen Kirche. Die Baumeister entfernten die alten Spuren nicht vollständig, sondern nutzten Teile des Materials in bemerkenswerter Weise weiter.
Unter den Teppichen des heutigen Gebetsraums liegen rund 25 mittelalterliche Grabplatten. Sie kennzeichneten einst die Gräber französischer Kreuzritter und anderer europäischer Adliger aus der Zeit der Lusignan‑Herrschaft (1192-1489). Hebt man die Teppiche an, sind Inschriften und Reliefs auf den Steinen noch immer zu erkennen.
Architektur und Gestaltung
Die Arabahmet‑Moschee folgt einem byzantinischen Kreuzgrundriss, wobei Pendentifs die Zentralkuppel tragen. Diese Technik ermöglicht es, eine runde Kuppel auf einem quadratischen Unterbau zu platzieren, indem gekrümmte dreieckige Übergangselemente (Pendentifs) den Übergang schaffen. Der Stil ist typisch für die in Anatolien entwickelte osmanische Sakralarchitektur, die auch nach Zypern gelangte.

Der Bau wirkt äußerst zurückhaltend geschmückt. Anders als die reich verzierten gotischen Kirchen, die später zu Moscheen umgebaut wurden, besitzt die Arabahmet‑Moschee keine geschnitzten oder geformten Dekorelemente. Diese strenge Schlichtheit entspricht der typischen türkischen Monumentalarchitektur der Epoche, in der klare Linien und Geometrie eine spirituelle Atmosphäre ohne überladenes Dekor schaffen.
Aus einer Ecke des Gebäudes ragt ein schlanker, hoher Minarettturm auf. Von hier ertönt seit über 400 Jahren fünfmal täglich der Gebetsruf (Adhan). Die Höhe des Minaretts trug dazu bei, dass die Stimme des Muezzins im ganzen Viertel zu hören war und die Gläubigen zum Gebet rief.
Im Inneren entspricht die Moschee dem üblichen Aufbau islamischer Gotteshäuser. Der Boden ist mit Teppichen belegt, auf denen die Gläubigen knien und sich verneigen. Seitlich steht eine grüne Kanzel (Minbar), von der der Imam die Freitagspredigt hält. Die Gebetsnische (Mihrab) in der Wand zeigt die Richtung nach Mekka an.
Der Garten der Ehrengräber
Ungewöhnlich für eine Moschee ist der Friedhof im Garten. Auch wenn das im islamischen Bauwesen selten ist, wurde der Ort wegen der hier bestatteten Persönlichkeiten bekannt. Zypressen spenden Schatten, und zwischen den gut erhaltenen Grabsteinen blühen Blumen.
Das bedeutendste Grab ist das von Mehmet Kamil Pascha, 1833 in Nikosia geboren. Er erreichte etwas, was keinem anderen Zyprioten gelang: Er wurde Großwesir des Osmanischen Reiches, also der ranghöchste Verwaltungschef nach dem Sultan. Kamil Pascha bekleidete dieses Amt im späten 19. Jahrhundert gleich viermal.
Kamil Pascha starb am 14. November 1913 in seiner Heimatstadt unerwartet an einer Synkope (plötzliche Bewusstlosigkeit infolge von Herzproblemen). Er wurde im Hof der Moschee beigesetzt, in der er als junger Mann gebetet hatte.
Restaurierungen im Lauf der Zeit
Die erste große Instandsetzung war 1845 nötig, etwa 270 Jahre nach der Errichtung. Osmanische Bauten auf Zypern mussten wegen der häufigen Erdbeben in der Region oft umfassend repariert werden. 1845 wurden beschädigte Bereiche erneuert und die Struktur verstärkt.

Eine zweite große Restaurierung erfolgte in den 1990er Jahren. Dieses Projekt war deutlich umfassender und zielte darauf ab, die Moschee langfristig zu bewahren. Man setzte die Kuppeln instand, reinigte das Mauerwerk, sanierte das Minarett und modernisierte die Ausstattung, ohne den historischen Charakter zu beeinträchtigen. Auch der Garten wurde überarbeitet, Wege angelegt und der Friedhof sorgfältig gepflegt.
Das Arabahmet‑Viertel heute
Die Umgebung der Moschee hat sich über die Jahrhunderte stark gewandelt. In osmanischer Zeit war sie die vornehmste Wohngegend. Nach 1878, als Großbritannien die Verwaltung Zyperns übernahm, blieb der Charakter erhalten, wurde aber vielfältiger. Armenische Zyprer, die seit der osmanischen Eroberung dort lebten, wurden zahlreicher. Viele Armenier, die vor den Massakern in Anatolien flohen, fanden im frühen 20. Jahrhundert im Arab Ahmet‑Viertel Zuflucht.

Die interkommunalen Unruhen von 1963 veränderten das Viertel grundlegend. Viele Bewohner, darunter die meisten armenischen Familien, flohen. Nach der türkischen Invasion Zyperns 1974 geriet das Gebiet als Teil von Nikosia unter türkische Kontrolle.
Heute geht es hier ruhiger zu als zu osmanischer Blütezeit. Die Moschee ist weiterhin ein aktiver Gebetsort für die muslimischen Bewohner der Nachbarschaft. Der friedliche Garten bietet eine kleine Auszeit vom Trubel der Innenstadt von Nikosia.
Warum die Arabahmet‑Moschee wichtig ist
Die Arabahmet‑Moschee steht für echte osmanische Architektur auf Zypern. Anders als die umgewidmeten Kathedralen, die in anderen Teilen Nikosias dominieren, wurde dieses Gebäude von Anfang an als Moschee entworfen und errichtet. Es zeigt, was osmanische Architekten schufen, wenn sie nicht auf bestehende Bauten Rücksicht nehmen mussten.

Sie zeigt auch, wie Eroberer mit dem architektonischen Erbe ihrer Vorgänger umgingen. Die Wiederverwendung von Kreuzritter‑Grabplatten im Fußboden ist einerseits pragmatisches Recycling, schafft andererseits einen unbeabsichtigten Dialog zwischen christlichem und islamischem Zypern. Wer hier betet, kniet auf Steinen, die einst christliche Gräber markierten.
Mit dem Grab von Kamil Pascha erhält die Moschee über ihre Architektur hinaus besondere Bedeutung. Es erinnert daran, dass Zypern Persönlichkeiten hervorbrachte, die im gesamten Osmanischen Reich Wirkung entfalteten. Kamil Paschas vier Amtszeiten als Großwesir zeigen, dass Zyprer im 19. Jahrhundert bis in die höchsten Machtpositionen aufsteigen konnten.
Besuch der Arabahmet‑Moschee
Die Moschee liegt in der Salahi‑Sevket‑Straße (früher Victoria Street) im Viertel Arab Ahmet in Nikosia. Von der Republik Zypern ist sie über die Übergänge in der Ledra‑Straße oder am Ledra Palace erreichbar; dafür benötigt man einen Reisepass oder einen EU‑Personalausweis.
Besucher sind außerhalb der Gebetszeiten willkommen. Während der fünf täglichen Gebete und am Freitagmittag, wenn das Gebet länger dauert, ist die Moschee geschlossen. Am besten eignen sich späte Vormittage oder der frühe Nachmittag an Wochentagen.
Vor Ort gelten die üblichen Regeln. Vor dem Betreten zieht man die Schuhe aus. Frauen sollten ihr Haar mit einem Tuch bedecken; bei Bedarf kann am Eingang eines ausgeliehen werden. Beide Geschlechter tragen schlichte Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt. Fotografieren ist in der Regel erlaubt, sollte aber respektvoll erfolgen und keine Betenden während des Gebets zeigen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Ein Teil des Unterhalts der Moschee wird durch Spenden gedeckt.
Eine stille Ecke Geschichte
Die Arabahmet‑Moschee ist bedeutsam, weil sie in der geteilten Stadt Nikosia etwas Seltenes bietet: einen ruhigen Ort zum Innehalten. Auch wenn Politik einen Besuch in Nikosia manchmal kompliziert erscheinen lässt, bleibt diese Moschee schlicht ein Ort des Glaubens und der Schönheit, der seiner Gemeinde seit über 400 Jahren dient.
Der Kontrast zwischen dem friedlichen Garten und den verborgenen mittelalterlichen Grabplatten darunter fasst Zyperns vielschichtige Geschichte an einem einzigen Ort zusammen. Unterschiedliche Glaubensrichtungen, Herrschaften und Epochen überlagern sich hier und schaffen Bedeutungsebenen, die über jede einzelne Zeit oder Gruppe hinausgehen.