Fußball prägt die Sportlandschaft Zyperns wie keine andere Disziplin, doch der Inselstaat pflegt eine vielfältige Sportkultur, die weit über den Rasen hinausgeht. Von leidenschaftlichen Vereinsrivalitäten bis zu olympischen Einzelerfolgen – Sport verbindet die Gemeinschaften auf dieser Mittelmeerinsel mit 1,14 Millionen Einwohnern.

Die Briten brachten den Fußball Anfang des 20. Jahrhunderts nach Zypern, und die Einheimischen nahmen ihn begeistert an. Im September 1934 wurde der zyprische Fußballverband gegründet, um den inzwischen beliebtesten Sport der Insel zu organisieren. 1948 trat der Verband der FIFA bei, 1962 der UEFA – damit war der zyprische Fußball offiziell auf der internationalen Bühne angekommen.
Die zyprische First Division bildet die höchste Spielklasse im Ligasystem des Landes. In der Saison 2025-26 treten 14 Mannschaften an. In der ersten Runde bestreiten die Teams jeweils 26 Spiele – jeder gegen jeden, einmal zu Hause und einmal auswärts. Danach teilt sich die Liga in zwei Gruppen. Die besten sechs Mannschaften kämpfen um die Meisterschaft und die Plätze für europäische Wettbewerbe, während die unteren acht Teams gegen den Abstieg spielen.
APOEL Nikosia ist der erfolgreichste Verein in der Geschichte des zyprischen Fußballs – mit 29 Meistertiteln und 21 Pokalsiegen. In der Saison 2011-12 schrieb der Klub Geschichte, als er als erste und bisher einzige zyprische Mannschaft das Viertelfinale der Champions League erreichte. APOEL gewann seine Gruppe, in der auch Porto, Schachtar Donezk und Zenit St. Petersburg spielten, und besiegte im Achtelfinale Lyon im Elfmeterschießen. Erst Real Madrid beendete den Lauf mit einem 8:2-Gesamtergebnis im Viertelfinale – doch dieser Erfolg setzte Zypern fest auf die europäische Fußballkarte.
Basketball auf Platz zwei der Beliebtheit
Basketball ist die zweitbeliebteste Sportart in Zypern – fast die gesamte Bevölkerung verfolgt das Spiel. Der zyprische Basketballverband wurde 1966 gegründet und trat 1974 als Vollmitglied der FIBA bei. Einen kräftigen Aufschwung erlebte der Sport, nachdem Griechenland 1987 die Eurobasket gewonnen hatte – das löste neues Interesse und verstärkte Investitionen auf der ganzen Insel aus.

Moderne Hallenstadien veränderten die Basketballszene in den 1980er Jahren grundlegend. Die zyprische Sportbehörde baute in jeder größeren Stadt Anlagen, darunter das Eleftheria-Stadion in Nikosia und die Kition-Arena in Larnaka – beide sind heute Austragungsorte für europäische Wettbewerbe. Die oberste Liga umfasst derzeit 11 Männer- und 6 Frauenteams. AEL Limassol ist der erfolgreichste Männerverein der Liga.
2025 wird Zypern das renommierte Eurobasket-Turnier ausrichten – ein wichtiger Meilenstein für die Basketballgemeinschaft des Landes.
Nationalmannschaft kämpft trotz Vereinserfolgen
Die zyprische Fußballnationalmannschaft hat sich noch nie für ein großes internationales Turnier qualifiziert – trotz der Erfolge der Vereine auf europäischer Ebene. Ihr erstes Spiel bestritt die Mannschaft 1949, ein Freundschaftsspiel gegen Maccabi Tel Aviv, das 3:3 endete. Der erste offizielle Sieg gelang am 27. November 1963 mit einem 3:1 gegen Griechenland in Nikosia.

Im Oktober 2010 erreichte die Nationalmannschaft ihre bisher beste FIFA-Platzierung auf Rang 43, liegt aber im Juni 2023 auf Platz 111. Zypern erkämpfte sich in der Qualifikation zur EM 2012 ein 4:4 gegen Portugal und feierte denkwürdige Siege gegen Irland (5:2 im Jahr 2006) und Bosnien (2:1 im Jahr 2015). Diese vereinzelten Erfolge zeigen das Potenzial, doch die Mannschaft schafft es nicht, sporadische Siege in eine Turnierteilnahme umzumünzen.
Michalis Konstantinou ist mit 32 Toren in 85 Einsätzen zwischen 1998 und 2010 der erfolgreichste Torschütze der zyprischen Geschichte. Ioannis Okkas hält mit 106 Länderspielen den Rekord und erzielte zwischen 1997 und 2012 insgesamt 27 Tore.
Volleyball und andere Sportarten im Aufwind
Der zyprische Volleyballverband wurde 1978 gegründet und hat die Sportart seitdem zu einem wichtigen Teil der Inselkultur gemacht. Männer- und Frauenligen spielen in zwei Divisionen. Omonia hat die meisten Titel im Männervolleyball gewonnen, während PAEEK für strukturierte Nachwuchsarbeit bekannt ist.
Zypern war 2024 Mitausrichter der EuroVolleyU17W-Europameisterschaft für Mädchen unter 17 Jahren – das stärkte das Profil des Landes im europäischen Volleyball. Der Verband führt in Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und Sportministerium das Programm “Spiel Volleyball – Wachse damit” durch und bietet Kurse und Workshops für Schulkinder auf der ganzen Insel an.

Beachvolleyball floriert dank idealer klimatischer Bedingungen und umfangreicher Küsteninfrastruktur. Städte wie Larnaka, Limassol, Ayia Napa und Paphos unterhalten spezialisierte Plätze, die internationalen Standards entsprechen. Die jährliche panzyprische Beachvolleyball-Meisterschaft zieht Spitzenteams von der ganzen Insel an, und Zypern richtet regelmäßig Veranstaltungen der Europäischen Volleyball-Konföderation aus.
Einzelsportler mit internationaler Anerkennung
Tennisspieler Marcos Baghdatis ist weltweit der bekannteste zyprische Sportler. In seiner Karriere erreichte er 2006 das Finale der Australian Open und schaffte es auf Platz acht der Weltrangliste im Einzel. Seine Erfolge inspirierten eine ganze Generation junger Tennisspieler in Zypern.

Segler Pavlos Kontides gewann bei den Olympischen Spielen 2012 in London die erste olympische Medaille für Zypern überhaupt – Silber in der Laser-Klasse der Männer. Er tritt weiterhin auf höchstem Niveau an und zählt zu den gefeiertsten Sportlern des Landes. Leichtathlet Kyriakos Ioannou hat zahlreiche Auszeichnungen bei internationalen Wettkämpfen gewonnen und hält mehrere nationale Rekorde.
Das zyprische Paralympics-Team nahm erstmals 1988 in Seoul teil und hat seitdem 8 Medaillen gewonnen, darunter 3 goldene. Diese Erfolge zeigen das Engagement der Insel für inklusive Sportprogramme.
Rallye-Rennsport und aufstrebende Sportarten
Die Zypern-Rallye findet seit 1970 jährlich statt und begeistert Fans damit, wie Zivilfahrzeuge in Hochgeschwindigkeits-Rennmaschinen verwandelt werden. Die Veranstaltung führte über die kurvenreichen Schotterstraßen des Troodos-Gebirges und war von 2000 bis 2006 Teil der FIA-Rallye-Weltmeisterschaft.

Rugby Union ist in Zypern zwar noch relativ neu, hat aber in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Derzeit treten vier Teams an: Larnaca Spartans, Limassol Crusaders, Nicosia Titans und Paphos Tigers. Die Nationalmannschaft gewann 2007 das FIRA-3D-Turnier und spielt nach Aufstiegen 2008 und 2010 derzeit auf der 2B-Ebene.
Stadionkultur und regionale Rivalitäten
Fußballstadien sind überall in Zypern zentrale Treffpunkte der Gemeinschaft. Sechs Stadien fassen mehr als 10.000 Zuschauer, das GSP-Stadion in Nikosia bietet Platz für 22.859 Besucher. Jüngste Modernisierungsprogramme haben Sitzplätze, Sicherheitssysteme und Barrierefreiheit verbessert – so kann Zypern internationale Qualifikationsspiele und Jugendmeisterschaften ausrichten.
Rivalitäten ziehen sich durch mehrere Sportarten und geografische Regionen. APOEL und Omonia pflegen eine intensive Rivalität sowohl im Fußball als auch im Basketball, mit politischen Untertönen, die Jahrzehnte zurückreichen. Fans gestalten aufwendige Choreografien, führen Gesänge an und bewahren kulturelle Traditionen, die Zyperns komplexe Identität widerspiegeln.