Zypern ist die drittgrößte Insel im Mittelmeer und umfasst 9.251 Quadratkilometer mit sehr unterschiedlichen Landschaften. Rund 19 Prozent der Fläche sind mit Wäldern bedeckt – ein bedeutender Anteil, der Kohlenstoff bindet, Sauerstoff liefert und das Klima abkühlt. Je nach Höhe, Klima und Boden unterscheiden sich die Waldzonen deutlich: In den höheren Lagen dominieren Nadelwälder, in den Tiefebenen Mischvegetation des Mittelmeerraums.

Gebirgszüge und ihre Wälder
Im Südwesten erhebt sich das Troodos-Gebirge mit dem Olympos (auch Chionistra genannt) als höchstem Gipfel mit 1.952 Metern. Entlang der Nordostküste zieht sich das Kyrenia-Gebirge hin, niedriger, aber ökologisch ebenso bedeutsam. Dazwischen liegt die Mesaoria-Ebene als zentrales Tiefland. Diese abwechslungsreiche Topografie schafft mehrere Waldzonen, in denen je nach Höhe und Feuchte unterschiedliche Pflanzengemeinschaften gedeihen.

Die Aleppo-Kiefer (Calabrian pine) bildet den ausgedehntesten Waldtyp der Insel. Sie bedeckt beide Gebirgszüge von Meereshöhe bis etwa 1.400 Meter und ist hervorragend an das mediterrane Klima angepasst – das Rückgrat des zyprischen Waldökosystems. In größeren Höhen im Troodos übernimmt die Schwarzkiefer und dominiert ab rund 1.400 Metern bis hinauf zu den Gipfeln.
Seltene Zedernbestände im Paphos-Wald
Die Zypern-Zeder ist eines der wertvollsten Naturgüter der Insel. Diese endemische Art kommt ausschließlich im Cedar Valley im Paphos-Wald vor, in Höhen zwischen 800 und 1.400 Metern. Der gesamte Bestand umfasst nur 290 Hektar, davon sind lediglich 106 Hektar reine Zedernbestände. Die Vorkommen sind auf sechs Gebiete verteilt, größtenteils innerhalb des Natura-2000-Gebiets Koilada Kedron-Kampos.

In ihrem kleinen Verbreitungsgebiet ist die Art mehreren Gefahren ausgesetzt. Wiederkehrende Dürrephasen führen zu Absterbeerscheinungen, dazu kommen Insektenbefall und die ständige Gefahr von Waldbränden. Weil die Zeder nicht in höhere Lagen ausweichen kann, reagiert sie besonders empfindlich auf den Klimawandel. Im LIFE-KEDROS-Projekt wurden waldbauliche Maßnahmen umgesetzt, um die Konkurrenz zwischen Jung- und Altbäumen zu verringern. Durch Renaturierung konnten 9,4 Hektar Lebensraum für die Zeder erweitert und weitere 12,3 Hektar degradierte Flächen wiederhergestellt werden.
Goldeiche und weitere endemische Bäume
Die Goldeiche ist der Nationalbaum Zyperns und ebenfalls endemisch, sie wächst ausschließlich im Troodos-Gebirge. Dieser immergrüne Eichenbaum besiedelt das magmatische Gestein des Troodos-Massivs zwischen 400 und 1.800 Metern. Er tritt in dichten Reinbeständen oder gemischt mit Aleppo-Kiefer auf. Sowohl das zyprische Recht als auch EU-Vorgaben stellen die Goldeiche und ihre Buschlandschaften unter Schutz.

Auf Zypern wachsen 1.750 einheimische Pflanzenarten, davon 128 Endemiten. Die meisten endemischen Arten finden sich im Troodos-Gebirge (87), gefolgt vom Kyrenia-Gebirge (57) und der Akamas-Halbinsel (35). Zur Flora gehören aromatische Kräuter wie Troodos-Salbei, wilder Thymian und verschiedene Orchideen, die im Unterwuchs von Kiefern- und Zedernwäldern gedeihen.
Macchie und Garigue der Tieflagen
In den trockenen Tieflagen dominieren Vegetationstypen, die perfekt an mediterrane Bedingungen angepasst sind. Zur Macchie zählen unter anderem Europäischer Ölbaum, Johannisbrotbaum, Phönizischer Wacholder, Mastixstrauch sowie vereinzelt Aleppo-Kiefern. Diese ausgedehnte Strauchvegetation gilt als besonders widerstandsfähig gegenüber dem Klimawandel, auch weil ihre Beeren vielen ziehenden Körnerfressern als Nahrung dienen und so die Ausbreitung der Pflanzen fördern.
Die Garigue ist noch lückiger und trockener und besteht aus niedrigen Sträuchern und Kräutern wie Lavendel, Thymian, Rosmarin, Salbei und verschiedenen Zistrosen-Arten (Cistus). Diese lockere Pflanzendecke steht für das typische Bild am trockensten Ende des mediterranen Klimaspektrums. Oft entsteht Garigue in Waldlichtungen, auf Brandflächen oder aufgegebenem Ackerland.
Flusstäler und Auwälder
Entlang der Flüsse prägt ein anderer Waldtyp das Bild. In den Auen dominieren Orientalische Platane und Erle, dazu gesellen sich Oleander, Lorbeer und Myrte. Der Bau von Staudämmen hat diese Lebensräume stark verkleinert, weil unterhalb der Dammkronen Flussbetten austrocknen. Die verbliebenen Auwälder sind für die Vielfalt der Lebensräume wichtig und dienen als Korridore für die Wanderung von Wildtieren zwischen den Gebirgen.

Schutzgebiete und Naturschutz
Auf Zypern stehen 752 Quadratkilometer Land unter Schutz – in Form von Naturschutzgebieten, Nationalen Waldparks, ständigen Wildschutzgebieten und einem Schildkröten-Brutstrand. Der Paphos-Wald bedeckt etwa 603 Quadratkilometer und ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Insel. Über 70 Prozent des Natura-2000-Netzes liegen in bewaldeten Regionen.
Der Troodos-Nationalwaldpark umfasst 90,62 Quadratkilometer und ist seit 2015 UNESCO Global Geopark. Er schützt hochmontane Nadelwälder, Wacholderbestände in den höchsten Lagen sowie zahlreiche endemische Pflanzen. Das Management setzt auf Wiederaufforstung mit einer standortgerechten Mischung einheimischer Arten und besondere Förderung endemischer Lebensgemeinschaften.

Druckfaktoren und Bewirtschaftung
Waldbrände sind die größte Gefahr für Zyperns Wälder. Wenig Niederschlag und häufige Hitzewellen erhöhen die Zahl der Brände und ihre Intensität. Frühere Aufforstungen setzten oft einseitig auf Aleppo-Kiefern, teils auch an ungeeigneten Standorten. Solche Monokulturen sind feueranfällig und werden leicht von Prozessionsspinnern und Borkenkäfern heimgesucht.

Die übermäßige Wassernutzung, vor allem in der Landwirtschaft, wird mit abnehmenden Niederschlägen zunehmend problematisch. Historische Überweidung und das Abbrennen von Wäldern zur Schaffung frischer Weiden haben große, ehemals alte Waldflächen in die heute vielerorts sichtbaren Buschlandschaften verwandelt. Im 19. Jahrhundert lebten auf Zypern mehr Ziegen als auf jeder anderen Mittelmeerinsel – mit entsprechend schnellen Folgen für die Walddegradation.
Waldtiere und endemische Fauna
Das Zypern-Mufflon, eine Wildschaf-Unterart, ist das wohl bekannteste endemische Säugetier der Insel und das größte wildlebende Landtier der Region. Es lebt im Paphos-Wald und in angrenzenden Schutzgebieten, unverkennbar an seinen stark gebogenen Hörnern. Weitere Endemiten sind Zypern-Grasmücke, Zypernsteinschmätzer, Zypern-Zwergohreule, Zypern-Stachelmaus und die Zypern-Maus.

Die Wälder bieten zahlreichen Vogelarten Lebensraum, einige davon kommen nur auf Zypern vor. An den Küsten nisten Grüne Meeresschildkröten und Unechte Karettschildkröten, und auch die vom Aussterben bedrohte Mittelmeer-Mönchsrobbe vermehrt sich hier. Einst lebten auf der Insel auch Zwerg-Elefanten und Zwerg-Flusspferde, die heute ausgestorben sind; ihre Überreste stammen aus Fundstellen, die auf etwa 11.500 bis 12.000 Jahre datiert werden.

Zyperns Wälder stehen mit zunehmendem Klimadruck an einem Wendepunkt. Dass Kiefern und Zedern hier dominieren, ist das Ergebnis einer Jahrmillionen langen Anpassung an mediterrane Bedingungen. Heute setzen Schutzprogramme auf artenreiche Wiederaufforstung, konsequentes Brandmanagement und den Erhalt endemischer Arten. Ob kommende Generationen dieses Naturerbe in gleicher Fülle erleben, hängt vom Erfolg dieser Maßnahmen ab.