Museum des Pancyprian Gymnasium

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Die Museen des Pancyprian Gymnasium befinden sich in einer Reihe restaurierter Häuser direkt nördlich der Schule. Unter diesen Dächern sind mehrere Sammlungen vereint: ein Schulgeschichtsmuseum, archäologische und numismatische Bestände, eine Kunstgalerie, naturkundliche Exponate, alte Karten, historische Waffen sowie eine außergewöhnliche Sammlung gotischer Skulpturen. Zusammen vermitteln sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln ein umfassendes Bild von Bildung, Kultur und Geschichte Zyperns.

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Das Museum ist unabhängig von der Schule organisiert, bleibt jedoch eng mit der Institution verbunden, aus der es hervorging. Der Eingang liegt an der Thisseos-Straße und nicht auf dem Schulgelände. Die Räume sind so angelegt, dass Besucher Schritt für Schritt die vielfältigen Einflüsse der Schule auf Zypern über mehr als zwei Jahrhunderte nachvollziehen können.

Historischer Hintergrund

Erzbischof Kyprianos gründete das Pancyprian Gymnasium 1812 während der osmanischen Herrschaft. Ursprünglich trug es den Namen Hellenische Schule von Nikosia und gilt heute als das älteste ununterbrochen bestehende Gymnasium der Insel. Bereits zuvor bestand am selben Ort seit 1753 eine Schule namens Ellinomouseion.

Die Gründung war ein mutiger Schritt, um griechische Bildung und Kultur in Zeiten osmanischer Kontrolle zu bewahren. Kyprianos, Oberhaupt der zyprisch-orthodoxen Kirche, sah Bildung als Schlüssel zur Bewahrung der kulturellen Identität der griechischen Bevölkerung Zyperns. Er rief die erste weiterführende Schule der Insel ins Leben und gab ihr zunächst den Namen Hellenische Schule.

Auch das Kellergeschoss der Schule ist geschichtsträchtig. Anfang des 19. Jahrhunderts traf sich Erzbischof Kyprianos dort heimlich mit Vertretern der Filiki Eteria, einer Geheimgesellschaft, die den griechischen Unabhängigkeitskampf gegen das Osmanische Reich vorbereitete. Diese Treffen fanden 1818 statt, drei Jahre vor Ausbruch des Griechischen Unabhängigkeitskriegs.

Das Schicksal von Erzbischof Kyprianos nahm ein tragisches Ende. Mit Beginn des Unabhängigkeitskriegs 1821 ließ der örtliche Pascha 470 bedeutende Zyprer hinrichten, darunter Kyprianos, der öffentlich gehängt wurde. Trotz des Verlusts ihres Gründers bestand die Schule fort. Nach den Verfolgungen von 1821 wurde sie kurzzeitig geschlossen und um 1830 unter Erzbischof Panaretos wiedereröffnet.

Entwicklung durch verschiedene Epochen

1893 erweiterte Erzbischof Sophronios III. die Schule um ein Lyzeum und hob sie damit auf das Niveau griechischer Gymnasien. Fortan konnten Absolventen des Pancyprian Gymnasium an der Universität Athen studieren. 1896 erhielt die Schule ihren heutigen Namen, Pancyprian Gymnasium.

Bereits 1894 wurde zudem das Didaskaleio gegründet, eine Ausbildungsstätte für Grundschullehrkräfte. Damit reichte der Einfluss der Schule über die Sekundarstufe hinaus und prägte das Bildungssystem der ganzen Insel.

1920 zerstörte ein Brand das Schulgebäude. Der Wiederaufbau begann jedoch schon wenige Monate später, ermöglicht durch eine Spende von Ioannis Vergopoulos. Die schnelle Erholung zeigte, wie stark die Schule in der Gemeinschaft verankert war.

Sammlungen, die viele Geschichten erzählen

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Die archäologische Abteilung zeigt Keramik, Münzen und Fundstücke, die die frühe Vergangenheit Zyperns greifbar machen. Die numismatische Sammlung veranschaulicht die Vielzahl an Kulturen und Mächten, die die Insel über Jahrtausende geprägt haben. Diese Objekte sind zugleich historische Zeugnisse und didaktische Mittel im Sinne des Bildungsauftrags der Schule.

In der Kunstgalerie hängen Werke von Malerinnen und Malern, die an der Schule lehrten oder dort ausgebildet wurden. Sie zeigen, wie hier neben Wissen auch künstlerisches Talent gefördert wurde. Die Gemälde geben Einblick in unterschiedliche Phasen der zyprischen Kunstentwicklung und die Strömungen, die lokale Künstler beeinflussten.

Zu den besonderen Schätzen zählt die Sammlung gotischer Skulpturen. Sie beleuchtet ein eigenes Kapitel des mittelalterlichen Erbes Zyperns aus der Zeit der fränkischen und venezianischen Herrschaft. Auffällig sind Größe und Technik der Werke, die europäische Gotik mit lokalen Einflüssen verbinden.

Die naturkundliche Sektion präsentiert Exponate zur geologischen Entstehung und zur ökologischen Vielfalt Zyperns. Diese Sammlung ergänzt die historischen und künstlerischen Bestände und rundet das Bild der Insel ab.

Die Kitchener-Karte und andere kartografische Schätze

Zu den bedeutendsten Dokumenten gehört die Landvermessungskarte von 1885, erstellt von Lord Horatio Kitchener. Sie entstand nach der ersten wissenschaftlichen Vermessung Zyperns, nachdem Großbritannien 1878 die Kontrolle übernommen hatte. Kitchener schloss die Messarbeiten im März 1883 ab, die Karte erschien 1885 und blieb bis Mitte des 20. Jahrhunderts der maßgebliche Referenzplan der Insel.

Die Karte zeigt nicht nur Geografie. Sie hielt Grundbesitz, Topografie und Siedlungen zu einem entscheidenden Zeitpunkt fest, als Zypern von der osmanischen zur britischen Verwaltung überging. Aufgrund ihrer Genauigkeit war sie über Jahrzehnte unverzichtbar für Verwaltung, Militär und Wirtschaft.

Die im Museum gezeigten historischen Karten machen sichtbar, wie unterschiedliche Mächte und Kulturen Zypern im Lauf der Zeit darstellten. Sie spiegeln wandelnde Grenzen, Ortsnamen und geografische Vorstellungen verschiedener Epochen.

Ehemalige, die Zypern prägten

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Viele Schülerinnen und Schüler dieser Schule übernahmen später wichtige Rollen in der zyprischen Gesellschaft. Drei Präsidenten der Republik Zypern besuchten das Pancyprian Gymnasium: Erzbischof Makarios III., Tassos Papadopoulos und Glafkos Klerides. Ihre Ausbildung hier bereitete sie auf die Führung in der Zeit der Unabhängigkeit und danach vor.

Nicht nur in der Politik setzte die Schule Maßstäbe. Künstler, Autorinnen, Wissenschaftler und Fachleute aus vielen Bereichen gingen aus ihr hervor. Der Ökonom Christopher Pissarides, der 2010 den Nobelpreis erhielt, ist Absolvent des Pancyprian Gymnasium. Sein Werdegang steht exemplarisch für den Anspruch auf exzellente Bildung über Generationen hinweg.

Zur Geschichte gehören auch dunklere Seiten. Schülerinnen und Schüler des Pancyprian Gymnasium beteiligten sich zwischen 1955 und 1959 am EOKA-Kampf für die Union mit Griechenland und gegen die britische Kolonialherrschaft. Das zeigt die lange Tradition der Schule, Bildung mit nationalem Bewusstsein und politischem Engagement zu verknüpfen.

Die Severios-Bibliothek

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Die umfangreiche Bibliothek der Schule wurde 1949 eröffnet und nach Demosthenis Severis benannt, einem frühen Absolventen der Institution. Die Severios-Bibliothek bewahrt über 60.000 Manuskripte. Ihr Bestand wuchs über Jahrzehnte durch Schenkungen privater Sammlungen und andere Zuwendungen.

Der Schwerpunkt liegt auf philologischen und historischen Materialien sowie einer großen Zeitschriftensammlung, darunter viele nicht mehr erscheinende Titel. Forschende, Studierende und Interessierte an griechischer Literatur, zyprischer Geschichte und mediterranen Studien finden hier wertvolle Quellen. 1989 wurde die Bibliothek erweitert, wodurch Kapazitäten und Zugänglichkeit deutlich verbessert wurden.

Besuch des Pancyprian Gymnasium Museum

Geöffnet ist das Museum montags bis freitags von 9:00 bis 15:30 Uhr, mittwochs verlängert bis 17:00 Uhr. Samstags ist von 9:00 bis 13:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei und damit für alle zugänglich, die sich für die Geschichte und Bildung Zyperns interessieren.

Der Eingang befindet sich an der Thisseos-Straße auf der Nordseite des Schulareals und nicht am Haupteingang der Schule. Erstbesucher verwechseln beides gelegentlich, doch das Schulpersonal weist gern den richtigen Weg.

Warum dieses Museum heute wichtig ist

Die Museen des Pancyprian Gymnasium sind weit mehr als eine Sammlung von Schulandenken. Sie bewahren Zeugnisse dafür, wie Bildung unter Fremdherrschaft zum Motor kulturellen Überlebens und zur Formung nationaler Identität wurde. Die Schule bestand kontinuierlich durch osmanische, britische und unabhängige zyprische Zeiten und blieb dabei ihrem Kernauftrag treu.

Die Vielfalt der Sammlungen macht sichtbar, wie sich Bildung, Politik, Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft auf Zypern gegenseitig beeinflussten. Archäologische Funde verankern die Insel in der Antike. Schulmaterialien zeigen, wie Wissen über Generationen weitergegeben wurde. Die Kunstgalerie belegt die Förderung kreativen Ausdrucks. Die naturkundliche Abteilung erklärt die Umwelt, in der sich das Leben auf Zypern entwickelte.

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