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In den Hügeln nördlich von Pafos öffnet das vorgeschichtliche Dorf Lemba-Lakkous ein seltenes Fenster in die Welt vor 5.000 Jahren. Die chalkolithische Siedlung brachte einige der bemerkenswertesten zyprischen Figurinen hervor und wurde zur Basis für eines der ehrgeizigsten Experimente der Archäologie: den Wiederaufbau eines uralten Dorfes.

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Lemba-Lakkous liegt nur sechs Meilen nördlich von Pafos im Südwesten Zyperns, in einer Region, die als Ktima-Niederungen bekannt ist. Die Siedlung gehört in die späte Chalkolithikum-Phase, etwa 3500 bis 2400 v. Chr. In dieser Zeit entwickelte sich die Kultur Zyperns rasant: Rund 100 Dörfer verteilten sich über die Insel, und die Gemeinschaften beherrschten sowohl Steinwerkzeuge als auch frühe Kupferverarbeitung.

Der Fundplatz gehört zu einem Verbund nah verwandter Siedlungen in der Umgebung, darunter Kissonerga-Mosphilia und Kissonerga-Mylouthkia. Jedes dieser Dörfer dürfte um die 100 Rundhäuser umfasst haben, verbunden durch gemeinsame Traditionen, Keramikstile und symbolische Praktiken.

Wie der Fundplatz freigelegt wurde

Moderne Ausgrabungen in Lemba-Lakkous begannen 1976 unter Professor Edgar Peltenburg von der University of Edinburgh. Damit startete das Lemba Archaeological Project, das unser Bild der zyprischen Vorgeschichte nachhaltig veränderte. Zwischen 1976 und 1983 legte das Team Schichten jahrhundertelanger Besiedlungsschritte systematisch frei.

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Freigelegt wurden sieben Gebäude, bei dreien davon blieben die Steinfundamente hervorragend erhalten. Im Dorf richtete das Team das Lemba Archaeological Research Centre ein, indem es traditionelle zyprische Häuser zu einer Arbeitsbasis umbaute. Von hier aus wurden über Jahrzehnte Forschungen im gesamten Bezirk Pafos koordiniert.

Alltag im Dorf

Die Häuser von Lemba-Lakkous waren rund und hatten Durchmesser von 3 bis 16 Metern. Größere Bauten besaßen zentrale Herdstellen aus Steinen, die mit Kalkputz überzogen waren. Pfostenlöcher im Boden zeigen, wo Holzbalken die Dächer stützten. Die Fundamente bestanden aus Stein, die aufgehenden Wände aus Pisé, also einer Mischung aus Lehm und Stroh.

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In der Nähe der Häuser fanden Archäologen schachtförmige Gräber, in denen die Toten in Hockerlage bestattet wurden. Die meisten Skelette gehörten Kindern und Säuglingen, was darauf hindeutet, dass Erwachsene anderswo beigesetzt wurden. Die Grabbeigaben waren spärlich, meist ein oder zwei Objekte pro Bestattung, etwa Anhänger oder kleine Figurinen.

Tierknochen und Samenreste zeichnen das Bild einer vielseitigen Wirtschaftsweise. Die Bewohner jagten, fischten, sammelten Wildpflanzen und bauten Feldfrüchte an. Sie hielten Vieh und kannten ihre Umwelt äußerst gut.

Die berühmte Dame von Lemba

Der bekannteste Fund aus Lemba-Lakkous ist eine Kalksteinfigur, die als Dame von Lemba gilt. Mit 36 Zentimetern Höhe gehört sie zu den größten kreuzförmigen Figurinen, die je auf Zypern entdeckt wurden. Dargestellt ist eine stehende Gestalt mit ausgebreiteten Armen, breiten Hüften und stark stilisierten Zügen. Datierung: um 3500 v. Chr.

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Gefunden wurde sie in einem Gebäude an einer Terrassenkante, etwas abseits der übrigen Hausgruppen. Die isolierte Lage in einem älteren Gräberfeld deutet auf eine zeremonielle oder religiöse Funktion. Heute befindet sich die Dame von Lemba im Zypernmuseum in Nikosia.

Kreuzförmige Figurinen prägen das späte Chalkolithikum. Sie bestehen aus Kalkstein oder Pikrolith und zeigen den Menschen in stark abstrahierter Form. Meist werden sie mit Fruchtbarkeit, Erneuerung und kultischen Handlungen rund um Geburt in Verbindung gebracht. Die Kreuzform dürfte für die damaligen Gemeinschaften symbolische Bedeutung gehabt haben.

Rund um die Dame von Lemba kursieren im Internet wilde Legenden über einen tödlichen Fluch. Diese Geschichten sind frei erfunden und entbehren jeder historischen Grundlage. Die Statue wurde in den 1970er Jahren entdeckt, nicht 1878, und gehörte nie einer verfluchten Familie.

Das Experimentaldorf, das die Archäologie veränderte

1982 startete das Lemba Archaeological Project etwas bis dahin Einzigartiges: das Lemba Experimental Village. Auf einem angrenzenden Gelände entstand das erste Programm für experimentelle Archäologie im gesamten östlichen Mittelmeerraum. Ziel war es, prähistorische Bauten und ihre Wirkung auf die Entstehung archäologischer Befunde besser zu verstehen.

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Die Archäologen errichteten sieben Gebäude mit denselben Materialien und Techniken wie die chalkolithischen Baumeister: Stein, Holz, Lehm und Kalkputz. Das größte Rundhaus misst 10 Meter Außendurchmesser und entspricht einem Haus der mittleren Chalkolithikum-Phase. Einige Bauten wurden absichtlich zerstört, durch Brand oder natürlichen Einsturz, um den Zerfall alter Häuser nachzuvollziehen.

Das Experimentaldorf entwickelte sich zu einer wichtigen Sehenswürdigkeit und Lernstätte. Es ist heute Teil der Aphrodite Cultural Route und ermöglicht Besucherinnen und Besuchern einen unmittelbaren Eindruck vom Leben in der Vorgeschichte. Man kann sehen, wie die Rundhäuser entstanden und welche Herausforderungen die Menschen im Chalkolithikum bewältigen mussten.

Warum das Dorf verlassen wurde

Um 2400 v. Chr. wurden Lemba-Lakkous und andere große chalkolithische Siedlungen im Raum Pafos aufgegeben. Damit endete eine über 1.300 Jahre währende Epoche. Die charakteristischen Keramikstile verschwanden, die Herstellung kreuzförmiger Figurinen erlosch, ganze Traditionen gingen verloren.

Als Gründe werden Umweltveränderungen, soziale Neuordnung oder wirtschaftliche Umbrüche diskutiert. Um 2400 v. Chr. trafen zudem Menschen aus Anatolien ein, die neue Technologien und kulturelle Praktiken mitbrachten. Die chalkolithische Lebensweise, die Westzypern über ein Jahrtausend geprägt hatte, fand ein Ende. Die Forschung in Lemba-Lakkous prägt bis heute unser Verständnis der zyprischen Vorgeschichte.

Lemba heute besuchen

Das Dorf Lemba zählt zu den ältesten Siedlungsplätzen Zyperns, seine Geschichte reicht fast 6.000 Jahre zurück. Die archäologische Stätte Lemba-Lakkous liegt im heutigen Dorf, rund sechs Kilometer nordwestlich von Pafos. Das Areal ist für alle zugänglich, die sich für die Vorgeschichte Zyperns interessieren.

Das Lemba Experimental Village heißt Besucher willkommen und bietet einen praktischen Einblick in das Leben im Chalkolithikum. Die rekonstruierten Rundhäuser vermitteln unmittelbar, wie Menschen um 3500 v. Chr. gewohnt haben.

Auch das moderne Lemba ist für seine lebendige Kunstszene bekannt. Die 1981 gegründete Lemba School of Fine Arts machte das Dorf international bekannt. Heute kann man Künstlern bei der Arbeit zusehen und Galerien mit traditionellem Handwerk und zeitgenössischer Kunst besuchen.

Warum Lemba-Lakkous wichtig ist

Lemba-Lakkous ist mehr als ein Fundplatz. Hier zeigt sich ein Schlüsselmoment der zyprischen Geschichte: Gemeinschaften entwickelten komplexe soziale Strukturen, schufen eindrucksvolle Symbolkunst und etablierten Traditionen, die die Insel über Jahrhunderte prägten. Die hier gefertigten kreuzförmigen Figurinen spiegeln Vorstellungen von Fruchtbarkeit, Leben und Tod wider, die Menschen auf der ganzen Insel verbanden.

Das Experimentaldorf ergänzt diese Geschichte um eine weitere Perspektive. Durch den Wiederaufbau der Häuser und das Erproben alter Techniken gewannen Archäologen Einsichten, die allein durch Ausgrabung nicht möglich wären. Lemba-Lakkous zeigt, dass wir die Vergangenheit nur verstehen, wenn sorgfältige Feldarbeit mit kreativem Nachbauen zusammenkommt. Der Ort erinnert daran, dass Zypern schon lange vor der Schrift hochinnovative und versierte Gemeinschaften beheimatete.

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