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Kap Greco ist eine Landspitze zwischen Agia Napa und Protaras am südlichen Ende der Bucht von Famagusta. Das Gebiet umfasst 385 Hektar und steht als Nationaler Forstpark unter der Verwaltung der Forstbehörde Zyperns. Die Küste ist von markanten Kalksteinklippen geprägt, die bis zu rund 10 Meter hoch sind, und von zahlreichen Meeresgrotten, die durch Wellenschlag entstanden sind.

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Die Grotten haben sich in geschichtetem Kalkstein gebildet, der vor Millionen Jahren in warmen Meeren abgelagert wurde. Harte und weichere Lagen verwittern unterschiedlich schnell. Die Brandung trifft unablässig auf die Klippen und löst den weicheren Kalkstein schneller auf als die härteren Schichten darüber und darunter. So entstehen die typischen Höhlen, Bögen und Durchgänge entlang der Küste von Kap Greco.

Historischer Hintergrund

Der Prozess begann vor Tausenden von Jahren, als Meeresspiegel und Wellenmuster anders waren. Wasser drang in Risse des Kalksteins ein und weitete sie durch mechanische Kraft und chemische Lösung. Meerwasser ist salzhaltig und leicht sauer, was die Auflösung von Kalziumkarbonat im Kalkstein begünstigt.

In den Grotten ist eine nahezu horizontale, weiche Kalksteinschicht zu erkennen, die von den Wellen leicht ausgeräumt wurde. Die härtere Deckschicht bewahrte die Höhlen vor dem Einsturz und bildet die Dächer. Die untere, ebenfalls härtere Schicht formt einen mehrere Meter breiten Absatz. Dieser liegt teils unter Wasser, teils bleibt er über dem Meeresspiegel und ermöglicht den Zugang zu den Eingängen.

Widerstandsfähigere Bereiche innerhalb der weichen Schicht erodierten ungleichmäßig, weshalb sie nicht vollständig verschwand. So entstand eine Reihe von Grotten, getrennt durch stehengebliebene Felspfeiler. Manche Höhlen sind hinter diesen Pfeilern miteinander verbunden und bilden Tunnel, die tief in die Klippen führen. Einige Gänge reichen nach lokalen Schätzungen bis zu 80 Meter weit ins Gestein, die meisten Höhlen sind jedoch deutlich kleiner.

Die Kapelle Ayioi Anargyroi und die Schmugglerhöhle

Die kleine weiße Kapelle Ayioi Anargyroi steht auf einem Felsvorsprung über dem Meer in der Nähe des Hauptgrottenfelds. Sie ist den heiligen Kosmas und Damian gewidmet, Zwillingsbrüdern, die als Ärzte Kranke behandelten, ohne Bezahlung anzunehmen. Wegen der malerischen Lage ist die Kapelle ein beliebter Ort für Hochzeitsfotos.

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Von der Kapelle führen Stufen hinunter bis auf Meereshöhe, wo sich eine Stelle für Weihwasser befindet. Unterhalb liegt eine früher als Schmugglerhöhle bekannte Grotte, die zugänglich ist. Sie verleiht dem Ort eine zusätzliche historische Note, denn die Küsten Zyperns wurden über Jahrhunderte von Schmugglern genutzt, um die Zollbehörden des Osmanischen Reichs und später der Briten zu umgehen.

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Die Schmugglerhöhle ist größer als viele andere in der Umgebung und zieht sich ins Kliff hinein. Bei ruhiger See und Niedrigwasser kann man ohne zu schwimmen hineingehen. Das klare Wasser am Eingang gibt den Blick auf Meereslebewesen frei, die die Höhle als Schutzraum nutzen.

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Schwimmen und Erkunden der Grotten

An einer Seite der Bucht sind Grotten teilweise überflutet und können erschwommen werden. Die Sichtweite ist oft außergewöhnlich gut und überschreitet nicht selten 20 Meter. Unter ruhigen Bedingungen ist das Hineinschwimmen daher vergleichsweise sicher. Doch Wellen können plötzlich zunehmen und Schwimmer einschließen – Vorsicht ist daher unerlässlich.

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Auf der anderen Seite der Bucht öffnen sich Grotten zu einem Absatz, der meist trocken über dem Meeresspiegel liegt. Hier kann man über den Sims laufen und in die Eingänge blicken, ohne nass zu werden. In manchen Höhlen liegen kleine Kiesstrände, wo die Wellen Material abgelagert haben.

Die Grotten sind ideal zum Schnorcheln und Apnoetauchen. In ihnen finden Fische Unterschlupf, darunter Zackenbarsche, Oktopusse und kleine Rifffische. Die Kalksteinwände tragen bunte Algen und andere Aufwuchsorganismen. Taucher sichten in der Gegend gelegentlich Meeresschildkröten, auch wenn die Höhlen selbst für sie in der Regel zu eng sind.

Klippen­springen und Sicherheit

Das Springen von den Klippen ist an den Meeresgrotten beliebt. Einheimische und Besucher springen aus unterschiedlichen Höhen ins tiefe Wasser, meist 5 bis 10 Meter, an einigen wagemutigeren Stellen auch 15 Meter und mehr. Offiziell ist dies nicht erlaubt und es birgt reale Risiken.

Vor dem Sprung sollten die Bedingungen sorgfältig geprüft werden. Verdeckte Felsen unter der Oberfläche können schwere Verletzungen verursachen. Die Wassertiefe schwankt mit Gezeiten und Wellengang. Was bei Niedrigwasser sicher war, kann bei Hochwasser gefährlich sein. Der Kalkstein ist scharfkantig und kann beim Ein- oder Ausstieg Füße und Hände schneiden.

Festes Schuhwerk ist beim Erkunden der Grotten und Klippen Pflicht. Durch Gischt sind die Felsen oft nass und rutschig. Scharfe Kanten verletzen schnell nackte Füße. Robuste Wasserschuhe oder geschlossene Sandalen schützen und erlauben dennoch das Schwimmen.

Die Palastgrotten und tiefe Gänge

Einige Grotten am Kap Greco reichen deutlich weiter in die Klippen hinein als jene bei der Kapelle. Die Palastgrotten und ähnliche Formationen bilden tiefe, nur vom Meer aus erreichbare Passagen. Dorthin gelangt man per Boot oder nach langen Schwimmstrecken von Land aus.

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Die tiefsten Grotten sollen bis zu etwa 75 Meter in den Fels reichen, auch wenn sich solche Angaben nur schwer belegen lassen. Vermutlich entstanden sie entlang von Klüften und Schwächezonen im Kalkstein, in denen früher Grundwasser floss. Mit steigendem Meeresspiegel drang das Meer in diese alten Wasserwege ein und weitete sie.

Die meisten dieser Tiefgrotten füllen sich bei Hochwasser vollständig und sind ohne passende Ausrüstung und Erfahrung gefährlich. Selbst erfahrene Höhlengänger sollten sie niemals allein betreten und stets jemanden an Land über ihre Pläne informieren.

Meeresleben und Unterwasserwelt

Die Grotten und das umliegende Wasser beherbergen die typische Vielfalt des östlichen Mittelmeers. Das Gebiet ist ein wichtiges Refugium und wimmelt von bunten Fischen, Meeresschildkröten und gelegentlich Delfinen. Zackenbarsche, die recht groß werden können, ruhen tagsüber an den Höhleneingängen und gehen nachts auf Beutezug.

Oktopusse leben in kleineren Höhlen und Spalten und lassen sich von aufmerksamen Schnorchlern oft entdecken. Diese intelligenten Tiere sammeln Muscheln und Steine, um ihre Behausungen zu verschließen. Auch Muränen kommen in den Systemen vor, sind jedoch scheu und gegenüber Menschen selten aggressiv, solange man sie in Ruhe lässt.

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Dank klaren Wassers und reicher Unterwasserwelt sind die Grotten von Kap Greco ein Ziel für Tauchschulen. In Agia Napa bieten mehrere Tauchzentren geführte Touren für brevetierte Taucher an. So lassen sich tiefere Grotten sicher erkunden, die für Gelegenheitsschwimmer unerreichbar sind.

Warum die Grotten von Kap Greco heute wichtig sind

Die Meeresgrotten zeigen, wie geologische Prozesse Zyperns Küste bis heute formen. Jeder Wellenstoß trägt winzige Mengen Kalkstein ab. Über Jahrzehnte und Jahrhunderte verändern sich dadurch die Höhlenformen, einige stürzen ein, während anderswo neue entstehen.

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Zugleich sind die Grotten wertvolle Lebensräume in einem immer dichter bebauten Mittelmeerraum. Während Küsten mit Hotels und Marinas verbaut werden, bleiben natürliche Höhlensysteme selten. Der Schutz von Kap Greco als Nationaler Forstpark bewahrt diese Lebensräume für kommende Generationen.

Das Kap ist von BirdLife International als Important Bird Area (IBA) ausgewiesen, da es ein wichtiger Zugkorridor für Greifvögel und viele andere Arten ist. Die Grotten selbst sind zwar kein Vogelhabitat, gehören aber zu dem größeren Schutzgebiet, das Kap Greco aus Naturschutzsicht so bedeutend macht.

So besichtigt man die Meeresgrotten

Das Hauptgebiet der Meeresgrotten liegt etwa 4 Kilometer östlich von Agia Napa an der Straße Richtung Kap Greco. Von der E307 zweigt eine Schotterpiste ab, die zu einem Parkplatz nahe der Grotten führt. Ab der Abzweigung sind es rund 650 Meter, die mit einem normalen Auto gut zu bewältigen sind, auch wenn die Oberfläche holprig ist.

Bootstouren ab Agia Napa steuern die Grotten regelmäßig im Rahmen von Küstenfahrten an. Vom Meer aus bekommt man die beste Sicht auf die Formationen, oft mit Badestopps, bei denen man die Eingänge erkunden kann. Aus dieser Perspektive wird die Größe der Kalksteinklippen deutlicher als vom Land aus.

Zu Fuß gelangt man über einen markierten Pfad von der Kapelle Ayioi Anargyroi zu den Grotten. Ab dem Parkplatz der Kapelle dauert der Spaziergang etwa 10 Minuten. Die Wege sind uneben und felsig, festes Schuhwerk ist daher wichtig.

Am schönsten ist ein Besuch früh morgens oder am späten Nachmittag, wenn es kühler ist und das Licht bessere Fotos erlaubt. Zur Mittagszeit kann die Sommerhitze auf den offenen Klippen sehr stark sein. Frühling und Herbst bieten das angenehmste Wetter für längere Erkundungen.

Sicherheit und Umweltschutz

Unbedingt genügend Trinkwasser, Sonnenschutz und passendes Schuhwerk mitbringen. An den Grotten gibt es keinerlei Infrastruktur, also entsprechend planen. Die Mobilfunkabdeckung ist meist gut, Hilfe ist im Notfall jedoch nicht sofort vor Ort.

Bitte keinen Müll hinterlassen und keine Formationen beschädigen. Der Kalkstein ist weich und leicht zu zerkratzen. In leicht zugänglichen Höhlen taucht gelegentlich Graffiti auf – das ist illegal und zerstört Naturerbe. Besucher sollten keine Spuren ihres Aufenthalts hinterlassen.

Die Bedingungen zum Schwimmen können sich rasch ändern. Ruhige See kann sich bei Winddrehung binnen Minuten aufbauen. Vor dem Hineinschwimmen in Grotten immer den Wetterbericht prüfen.

Beachten Sie Sperrungen, falls die Behörden den Zugang eingeschränkt haben. Mitunter werden Grotten aus Sicherheitsgründen oder zum Schutz brütender Vögel und anderer Tiere vorübergehend geschlossen. Solche Maßnahmen dienen sowohl der Sicherheit der Besucher als auch dem Schutz der Natur.

und natürliche Wahrzeichen