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Kouklia ist ein Dorf im Bezirk Paphos und liegt auf dem Gelände der antiken Stadt Palaipaphos, dem mythischen Geburtsort der Aphrodite, die hier im Altertum verehrt wurde. Dieses bescheidene Dorf, 16 Kilometer östlich des modernen Paphos, bewahrt die Reste eines der am längsten ununterbrochen genutzten Heiligtümer der Menschheitsgeschichte.

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Seit etwa 1200 v. Chr. war Palaipaphos ein bedeutendes religiöses Zentrum, berühmt auf ganz Zypern und im gesamten Mittelmeerraum. Die Stadt diente zugleich als politische Hauptstadt und als Heiligtum, in dem sich die Verehrung einer uralten Fruchtbarkeitsgöttin über die Jahrhunderte zur griechischen Aphrodite wandelte. Das Aphrodite-Heiligtum ist das bekannteste unter den Kultstätten der antiken Göttin; seine frühesten Überreste stammen aus dem 12. Jahrhundert v. Chr., und der Kult bestand bis ins 3. bis 4. Jahrhundert n. Chr. fort.

Das Heiligtum lag weithin sichtbar auf einem Kalksteinplateau mit Blick auf einen einstigen Hafen und eine Lagune. Nach Professorin Maria Iacovou von der Universität Zypern befand es sich ganz in der Nähe der ursprünglichen Hafenverwaltung des antiken Paphos. Die strategische Lage band den Kultplatz direkt an die Seewege an und brachte Pilger aus dem gesamten Mittelmeerraum hierher.

Historischer Hintergrund

Bereits in der Kupfersteinzeit, etwa 3900 bis 2500 v. Chr., verehrten die Zyprioten eine Fruchtbarkeitsgöttin. Sie stellten sie als Frau mit deutlichen Zeichen von Mutterschaft dar und formten Figuren aus Stein oder Ton; größere dienten als Kultobjekte, kleinere wurden am Körper getragen. Andere legte man in Gräber, um die Toten zu schützen. Tonfiguren vom Typ Astarte, die hier gefunden wurden, deuten auf einen einheimischen zyprischen Fruchtbarkeitskult hin, der bis in die Jungsteinzeit zurückreicht.

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Der Kult, der schließlich mit Aphrodite verbunden wurde, vereinte offenbar zyprische Traditionen mit phönizischen Einflüssen und später der griechischen Religion. Manche Forschende meinen, die Verehrung sei aus Syrien nach Zypern gelangt und von Paphos aus nach Kythera in Griechenland übergegangen. Archäologische Befunde zeigen, dass die Zyprioten schon vor dem Eintreffen der Griechen eine Fruchtbarkeitsgöttin verehrten und einen Kult entwickelten, der Ägäisches und Nahöstliches verband.

Homer kannte dieses Heiligtum und erwähnte es um das 8. Jahrhundert v. Chr. in der Odyssee, wo er Aphrodite als die „Kyprische“ bezeichnet. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. nannte man sie die „Paphische“. Sein Ruhm verbreitete sich in der griechischen Welt, noch bevor das klassische Athen seine Blüte erreichte.

Gründungsmythen und königliche Priester

Zur Gründung von Palaipaphos kursieren zwei Überlieferungen. Nach der einen gründete Agapenor, König von Tegea, das Stadtkönigtum auf dem Rückweg aus dem Trojanischen Krieg. Nach einer anderen war Kinyras, der sagenhafte einheimische König, der Gründer und erste Hohepriester des Aphrodite-Heiligtums. Letztere Version steht enger mit dem Priesteramt in Verbindung, das das Heiligtum über Jahrhunderte kontrollierte.

Die Kinyaden, die Nachkommen des Kinyras, stellten die erblichen Oberpriester des Heiligtums. Sie verfügten über enorme Macht und Autorität. Inschriften deuten darauf hin, dass sie zwar von einem Rat und einer Volksversammlung kontrolliert wurden, ihre religiöse Stellung ihnen jedoch auf ganz Zypern politischen Einfluss verlieh. Die Könige von Palaipaphos führten den Doppeltitel „König von Paphos und Priester der Anassa“, das heißt, der politische Herrscher war zugleich der Hohepriester der Göttin. Diese Verbindung verschaffte ihnen außergewöhnliche Kontrolle über die Belange der Insel.

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Nikokles, der letzte König von Palaipaphos, gründete um 320 v. Chr. die neue Stadt und den Hafen von Nea Paphos und machte sie zur neuen Hauptstadt. Danach erhielt die alte Stadt den Namen Palaipaphos und wurde zu einer heiligen Stätte, deren Schwerpunkt auf religiösen, nicht mehr auf politischen Aufgaben lag.

Bemerkenswerte archäologische Funde

Die Ausgrabungen in Palaipaphos förderten weit mehr zutage als das Heiligtum allein. Das Stadtbild von Palaipaphos gewann 2025 deutlich an Kontur, als Teile der monumentalen Akropolismauern mit Türmen aus dem 4. bis 5. Jahrhundert v. Chr. entdeckt wurden. Das städtische Zentrum lag auf dem Hadjiabdoullah-Plateau, rund 1 Kilometer östlich des Heiligtums.

Bereits 2016 stießen Archäologen dort auf einen großen Lager- und Industriekomplex aus der zyprisch-klassischen Zeit. Er erstreckte sich über mehr als 5 Meter entlang der Nordkante des Plateaus und bestand aus abgestuften Terrassen am Hang. Lange Quermauern und parallele Stützmauern gliederten die Anlage in Produktions- und Lagereinheiten. Funde landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie Oliven, Trauben und Weizen belegen die Nutzung als Umschlags- und Lagerstätte. Wahrscheinlich diente der Komplex als Zentrum der Königsdynastie, die den Stadtstaat Paphos bis zum Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. regierte.

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Der Hügel Laona nördlich des Hadjiabdoulla-Komplexes wurde als monumentaler Tumulus identifiziert, 100 mal 60 Meter groß und über 10 Meter hoch – eine große Seltenheit im antiken Zypern. Er wird in das 3. Jahrhundert v. Chr. datiert. Für seinen Bau benötigte man 9.888 Kubikmeter Mergel und rote Erde. Der gewaltige Grabhügel entstand aus dicken, horizontalen Mergelschichten im Wechsel mit Lagen roter Erde. Der Mergel musste aus dem natürlichen Vorkommen gebrochen und mit Karren herangeschafft werden. Der enorme Aufwand zeigt die Bedeutung der dort Bestatteten.

Zwischen 1950 und 1955 legten Ausgrabungen außerhalb der Stadtmauern bei Marchellos den sogenannten Belagerungshügel frei. Er enthielt schwere Steinkugeln, zahlreiche Waffen wie Speer- und Pfeilspitzen sowie viele Architekturelemente mit Inschriften in der zyprischen Silbenschrift. Herodot erwähnt einen von Persern aufgeschütteten Hügel während der Belagerung der Stadt im Zuge des Ionischen Aufstands 498-497 v. Chr. Die Skulpturenfragmente datieren an das Ende der archaischen Zeit, in das 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. Der bedeutendste Fund war eine Statue, bekannt als der Priester-König. Zudem kamen zwei Frauenköpfe mit ägyptischen Frisuren und zwölf Statuen junger Männer, sogenannte Kouroi, ans Licht.

Die einzigartige Verehrung eines konischen Steins

In Palaipaphos erhielt die Göttin keinen überdachten Tempel; nach Homer stand der heilige Altar unter freiem Himmel, von Mauern umgeben und mit bunt bemalten Türen versehen. Verehrt wurde sie nicht als Statue, sondern in Gestalt eines konischen Steins. Antike Berichte beschreiben ihn als etwas Ungewöhnliches, eine weiße, pyramidenförmige Gestalt unbekannten Materials. Dieser symbolische Stein ist in Paphos seit frühester Zeit belegt; da die Verehrung von Steinstelen ein Merkmal östlicher Religionen ist, könnte die nahe Petra tou Romiou zur Entstehung des Mythos beigetragen haben, sie sei dort geboren worden.

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Der konische Stein wurde in der Nähe des Altars gefunden und ist heute im Museum von Kouklia ausgestellt. Er ist schwarz, während die Alten ihn als weiß beschrieben – möglicherweise hat er sich im Lauf der Jahrhunderte verfärbt. Auf dem Altar durfte kein Blut vergossen werden; Opfer wurden allein mit Gebeten und reinem Feuer dargebracht.

Die Darstellung der Göttin war nicht menschlich, sondern eine runde Form, die sich von einer breiteren Basis säulenartig zu einer kleinen Spitze verjüngt. Das Heiligtum ist auf vielen römischen Münzen aus der Zeit Vespasians und auch auf früheren und späteren Prägungen zu sehen.

Die Stätte in neuerer Zeit

Wegen ihrer religiösen Bedeutung und Bausubstanz wurde Kouklia 1980 zusammen mit Kato Paphos in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die archäologische Forschung dauert an. Seit 1996 gräbt eine schweizerisch-deutsche Mission, und seit 2006 leitet die Universität Zypern große Projekte, die das Stadtbild und die Geschichte weiter erhellen.

Besucherinnen und Besucher können die Ruinen des Heiligtums erkunden, darunter megalithische Fundamente aus der späten Bronzezeit, das römische Dreiflügelgebäude und Reste verschiedener Nebengebäude. Die nahe Kirche Panagia Katholiki stammt aus dem 12. oder 13. Jahrhundert n. Chr. und ist kreuzförmig angelegt. Ihre erhaltenen Wandmalereien spiegeln die volkstümliche Kunst des 15. Jahrhunderts wider und zeigen, wie der christliche Kult den heidnischen ersetzte.

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Die archäologische Stätte ist im Winter täglich von 8:30 bis 17:00 Uhr und im Sommer bis 19:30 Uhr geöffnet. Der Eintritt von 4,50 Euro umfasst das Heiligtum und das Museum. Eine audiovisuelle Einführung auf Griechisch und Englisch vermittelt den historischen Hintergrund. Kouklia liegt rund 16 Kilometer östlich von Paphos und ist mit dem Auto über die A6 oder B6 erreichbar.

Pilgerfeste und heilige Zeremonien

Während der Frühlingsfeste zu Ehren von Aphrodite und Adonis zogen getrennte Prozessionen bekränzter Männer und Frauen die Heilige Straße entlang von Nea Paphos zum Heiligtum der Aphrodite in Palaia Paphos, wo Spiele sowie Musik- und Dichtwettbewerbe stattfanden. Tausende Pilger aus aller Welt kamen zu den Feierlichkeiten, darunter das viertägige Fest Aphrodisia.

Das Frühlingsfest ehrte sowohl Aphrodite als auch ihren Geliebten Adonis. Männer und Frauen nahmen in getrennten Zügen teil, trugen Kränze und wanderten von der jüngeren Küstenstadt zum alten Heiligtum. Es gab sportliche Wettkämpfe, Musikdarbietungen, Dichterwettstreite und religiöse Riten. Die Kinyaden, Nachkommen des Kinyras, phönizischer Herkunft, dem Namen nach jedoch griechisch, waren die Oberpriester.

Ihre Macht und ihr Ansehen waren sehr groß, doch lassen Inschriften darauf schließen, dass sie von einem Rat und einer Volksversammlung beaufsichtigt wurden. Es gab zudem ein Orakel. Das Heiligtum behielt seine religiöse Bedeutung über wechselnde Herrschaften hinweg – von den bronzezeitlichen Königreichen über die persische, ptolemäische und römische Zeit.

Warum Palaipaphos wichtig ist

Palaipaphos steht für eine der beständigsten religiösen Traditionen der Mittelmeergeschichte. Das Heiligtum war über mehr als 1.600 Jahre in Betrieb – länger als die meisten antiken Kultzentren. Der Wandel von einer lokalen Fruchtbarkeitsgöttin zur im ganzen Mittelmeer verehrten Aphrodite zeigt, wie sich religiöse Vorstellungen entwickelten und über Kulturen hinweg verbreiteten. Die baulichen Reste belegen, wie sich zyprische, phönizische, griechische und römische Traditionen zu einem einzigen Kult verbanden, der Pilger aus der gesamten antiken Welt anzog.

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Die Stätte verknüpft Zypern mit elementaren Stoffen der griechischen Mythologie und zeigt die zentrale Rolle der Insel bei der Prägung der klassischen Kultur. Zwar gab es in der griechischen Welt viele Aphrodite-Heiligtümer, doch Palaipaphos beanspruchte den Rang als ihr Geburtsort und wichtigstes Kultzentrum. Die archäologischen Zeugnisse bestätigen, dass dies nicht nur Legende war, sondern eine Realität, die über mehr als ein Jahrtausend politische Macht, religiöse Praxis und kulturelle Identität prägte. Für alle, die sich für antike Religion, Archäologie oder Mythologie interessieren, bietet Palaipaphos eine unmittelbare Verbindung zu Vorstellungen, die die westliche Zivilisation über Jahrtausende beeinflusst haben.

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