Naturschutzgebiet Paphos-Wald – Endemische Tierwelt

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Das Naturschutzgebiet Paphos-Wald zählt zu den größten und ökologisch bedeutendsten Schutzgebieten Zyperns. Es erstreckt sich über rund 620 Quadratkilometer im nordwestlichen Teil des Troodos-Gebirges und bildet das ausgedehnteste zusammenhängende Waldökosystem der Insel.

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Der Schutzstatus geht auf eine Reihe von Maßnahmen zurück, die 1938 begannen, als die Regierung den dringenden Handlungsbedarf erkannte, den Lebensraum des vom Aussterben bedrohten Zyprischen Mufflons zu bewahren. Heute gilt der Wald als Hotspot der biologischen Vielfalt und beherbergt Dutzende endemischer Arten, die nur hier vorkommen.

Die Landschaft reicht von dichten Kiefernwäldern und uralten Zedernbeständen bis zu Gold-Eichenwäldern und Auenvegetation entlang der Bergbäche. Diese Vielfalt an Lebensräumen trägt eine außergewöhnliche Tierwelt vom großen Säuger bis zu seltenen Insekten und macht das Gebiet zu einem der wichtigsten Rückzugsräume mediterraner Biodiversität.

Historischer Hintergrund

Der Schutz des Paphos-Waldes begann aus einer Notlage heraus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Bestand des Zyprischen Mufflons durch unablässige Jagd auf etwa 25 Tiere geschrumpft – das Aussterben stand bevor. Die britische Kolonialverwaltung erklärte daraufhin am 4. November 1938 den gesamten Paphos-Wald zum ständigen Wildschutzgebiet.

Dieser damals beispiellose Schritt umfasste nicht nur Staatsflächen, sondern auch Privatgrundstücke innerhalb der Waldgrenzen sowie Besitzungen des Klosters Kykkos. Die Entscheidung war umstritten, vor allem bei lokalen Gemeinschaften, die für Jagd und Landwirtschaft auf den Wald angewiesen waren. Ein überarbeiteter Erlass von 1944 nahm einige Privatflächen aus den strengsten Regelungen heraus, doch der Kern des Schutzgebietes blieb erhalten.

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Nach der Unabhängigkeit führte die Republik Zypern die Schutzmaßnahmen fort und baute sie aus. Die Forstverwaltung übernahm das Management des Waldes und die Überwachung der Wildtierbestände. Waldbrände blieben eine ständige Herausforderung; besonders verheerend war 1974 ein Feuer, das 35 Prozent des Paphos-Waldes und des nordwestlichen Troodos-Gebirges zerstörte.

Die anschließende Wiederaufforstung setzte stark auf die schnellwüchsige Kalabrische Kiefer, was das Erscheinungsbild des Waldes deutlich veränderte. 1977 erhielten Teile des Gebietes den Status von Naturreservaten, darunter besonders geschützte Bereiche wie das Zedertal und Mavri Gkremmi. Heute sorgt die Einbindung in das europäische Natura-2000-Netzwerk für zusätzliche Anerkennung und Schutz.

Eine Landschaft von außergewöhnlicher Vielfalt

Im Schutzgebiet liegen großflächige natürliche Lebensräume mit vierzehn nach EU-Richtlinien anerkannten Lebensraumtypen. Dominierend sind Kalabrische Kiefernwälder, die sich von etwa 200 Metern Höhe bis zum Gipfel des Tripylos auf 1.352 Metern erstrecken. Diese Bestände bilden das größte, zusammenhängende Waldökosystem Zyperns.

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Zwischen den Kiefernwäldern finden sich Bestände der Gold-Eiche, die zahlreichen Arten wichtigen Lebensraum bietet. Diese endemische Eiche, Quercus alnifolia, wächst ausschließlich auf Zypern und bildet charakteristische, niedrige Wälder an felsigen Hängen. Die botanische Attraktion des Gebiets ist jedoch das Zedertal: Hier wachsen rund 50.000 Zyprische Zedern in dichten Gruppen. Der Großteil steht im Bereich Tripylos mit etwa 16.000 ausgewachsenen Bäumen und 135.000 Jungpflanzen.

Die Bachläufe säumen artenreiche Laubgehölze wie Orientalische Platane, Erle, Lorbeer und Myrte. In niedrigeren Lagen geht der Wald in mediterrane Macchie mit duftenden Kräutern und Sträuchern über. Insgesamt wurden im Paphos-Wald über 600 Pflanzenarten nachgewiesen, davon 50 endemische, die nur auf Zypern vorkommen.

Bemerkenswerte Fakten aus einem Tierparadies

Das Zyprische Mufflon ist die Leitart des Schutzgebiets und Nationaltier Zyperns. Schätzungen der Forstverwaltung aus dem Jahr 1878 gingen von nur 25 verbliebenen Tieren aus; dank des Schutzes leben heute wieder rund 3.000 Mufflons auf der Insel.

Die Wildschafe stammen von Hausschafen ab, die vor etwa 10.000 Jahren in der Jungsteinzeit eingeführt wurden. Die Männchen tragen eindrucksvolle, gebogene Hörner, die bis zu 85 Zentimeter lang werden können. Sechs endemische Vogelarten brüten im Wald; insgesamt sind etwa 100 Vogelarten nachgewiesen, davon rund 40 Standvögel.

Der Zyprische Zwergohreule, die erst vor Kurzem per Genanalyse als eigene Art bestätigt wurde, nistet im gesamten Gebiet. Forschungsprogramme haben über 230 Nistkästen installiert, um die Bestände zu fördern. Im Wald leben 22 Reptilienarten, darunter die Zyprische Peitschennatter, die auf europäischen Schutzlisten geführt wird.

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Zehn verschiedene Fledermausarten nutzen Höhlen und Baumhöhlen im Schutzgebiet. Unter den Schmetterlingen schwirren der endemische Paphos-Bläuling und der Zyprische Wiesenvögelchen von Frühling bis Herbst durch die Waldlichtungen. In den ganzjährig wasserführenden Bächen leben drei Froscharten, und in Gebirgstümpeln kommen Süßwasserkrabben vor.

Endemische Arten, die den Wald prägen

Die Zyprische Zeder ist wohl die bedeutendste endemische Art des Waldes. Sie ist der einzige Baum, der ausschließlich auf Zypern wächst, und wird wegen ihrer besonders kurzen Nadeln auch Kurzblattzeder genannt. Ihr Gesamtareal umfasst nicht mehr als 300 Hektar, vorwiegend im Zedertal und am Gipfel des Tripylos.

Die langsam wachsenden Nadelbäume können mehrere Jahrhunderte alt werden, entwickeln schirmartige Kronen und waagerechte Äste. Ihr Holz enthält natürliche Stoffe, die Fäulnis und Insektenfraß entgegenwirken. Unter den endemischen Pflanzen stehen drei Arten nach EU-Richtlinien unter besonderem Schutz: Ranunculus kykkoensis, eine nur im Paphos-Wald vorkommende Felsenblume, blüht in steinigem Gelände. Phlomis cypria hat hier seinen größten Bestand. Arabis kennedyae, eine prioritäre Schutzart, erreicht im Zedertal ihre westlichste Verbreitungsgrenze.

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Das Zyprische Mufflon ist das einzige endemische Großsäugetier der Insel. Der Bestand wird auf 2.500 bis 3.000 Tiere geschätzt, hauptsächlich im Staatswald von Paphos und seiner Umgebung. Die Tiere zeigen Inselzwergwuchs und sind etwa 18 Prozent kleiner als ihre Festlandvorfahren. Die Zyprische Maus, erst 2006 als neue Art beschrieben, war das erste neu entdeckte Säugetier Europas seit einem Jahrhundert.

Ein lebendiges Labor für mediterranen Naturschutz

Der Paphos-Wald zeigt, wie wirksam langfristiger Naturschutz sein kann. Die Erholung des Mufflon-Bestands von der Beinahe-Ausrottung zu stabilen Zahlen gehört zu den größten Erfolgen im Mittelmeerraum. Möglich wurde dies durch konsequenten Lebensraumschutz, Bekämpfung der Wilderei und Zuchtprogramme in der Forststation Stavros tis Psokas.

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Gegenwärtig steht das Gebiet vor neuen Herausforderungen. Der Klimawandel bringt längere Dürreperioden und extreme Temperaturen, die die Waldökosysteme belasten. Die geringe genetische Vielfalt der Mufflons erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten, vor allem dort, wo sie an den Waldrändern mit Haustieren in Kontakt kommen.

Streunende Hunde reißen gelegentlich Jungtiere, auch wenn die Gefahr geringer ausfällt, als es Medienberichte manchmal nahelegen. Zudem kommt es zu Nutzungskonflikten mit der Landwirtschaft, die sich ausbreitet. Die großflächigen Kiefernmonokulturen nach der Wiederaufforstung sind zwar eindrucksvoll, bieten aber weniger vielfältige Nahrung als der einstige Mischwald.

Kiefernnadeln versauern den Boden und hemmen den Unterwuchs, was das Nahrungsangebot reduziert. Forschungsprogramme überwachen daher laufend die Tierbestände, erfassen die genetische Vielfalt und untersuchen die Gesundheit des Ökosystems. Das Gebiet dient als Freiluftlabor, um die Anpassung mediterraner Arten an Umweltveränderungen zu verstehen. Internationale Zusammenarbeit über europäische Naturschutznetzwerke bringt zusätzliche Mittel und Fachwissen für das Waldmanagement.

Eines der größten Naturjuwele Zyperns erleben

Der Paphos-Wald bietet mehrere Zugangspunkte und Erlebnisse für Besucher. Der Haupteingang liegt an der Straße, die das Dorf Panagia mit dem Kloster Kykkos verbindet. Für die meisten ist das Zedertal das Hauptziel, an der Schnittstelle der Bezirke Nikosia, Paphos und Limassol. Die Anfahrt dorthin führt über schmale Bergstraßen und dauert von den größeren Städten etwa ein bis zwei Stunden. Alle Zufahrten sind asphaltiert, die Bedingungen schwanken jedoch je nach Jahreszeit.

Im Tal selbst verläuft ein 2,5 Kilometer langer Schotterweg bergauf entlang eines Bergbaches. Hier lassen sich die Zedern aus nächster Nähe betrachten und mit etwas Glück Wildtiere beobachten. In der Forststation Stavros tis Psokas gibt es ein Mufflon-Gehege, in dem man die scheuen Tiere aus nächster Nähe sehen kann. Die Station bietet zudem einfache Übernachtungsmöglichkeiten. Wanderwege durchziehen verschiedene Waldzonen; die Beschilderung ist jedoch spärlich, daher sind Orientierungssinn und Kartenkenntnis wichtig.

Im Frühling blühen die Wildblumen und die Vogelwelt zeigt sich am aktivsten. Im Herbst ist es kühler, und mit etwas Glück kann man in der Paarungszeit Mufflons beobachten. Im Winter fällt in den höheren Lagen gelegentlich Schnee und verwandelt die Landschaft. In tieferen Lagen kann der Sommer sehr heiß sein. Der Wald ist weitgehend frei von kommerzieller Infrastruktur, seine Wildnis bleibt erhalten. Es gibt keine Restaurants oder Geschäfte im Schutzgebiet, daher sollte man Verpflegung und Wasser mitbringen.

Warum dieser Wald über seine Grenzen hinaus bedeutsam ist

Der Paphos-Wald schützt mehr als einzelne Arten. Er erhält funktionsfähige mediterrane Ökosysteme, die zeigen, wie Natur ohne starke menschliche Einflüsse funktioniert. Der Wald erbringt wichtige Leistungen wie Wasserregulierung, Erosionsschutz und Kohlenstoffspeicherung. Seine Rolle für die Biodiversität Zyperns ist zentral. Als genetische Arche erhält er Populationen endemischer Arten, die es sonst nirgends gibt.

Gehen diese Populationen verloren, wären manche Arten weltweit ausgestorben. Der Wald beweist, dass sich Investitionen in den Naturschutz auszahlen. Die Rückkehr des Mufflons zeigt, dass sich Artenrückgänge selbst vom Rand des Aussterbens umkehren lassen, wenn konsequent gehandelt wird. Für die Identität Zyperns haben Wald und Tierwelt auch eine symbolische Bedeutung: Das Mufflon ziert Euromünzen, Fluggesellschaftslogos und Sportwappen.

Das Zedertal ist ein Naturerbe von nationalem Rang, das Stolz und Schutz verdient. Das Schutzgebiet schafft zudem wirtschaftlichen Nutzen durch Ökotourismus, Forschung und den Schutz der Einzugsgebiete. Es sorgt dafür, dass kommende Generationen intakte Naturräume vorfinden und nicht nur deren Reste. In einer Zeit rasanter Umweltveränderungen ist der Paphos-Wald der Beweis, dass Wildnis fortbestehen kann, wenn Gesellschaften sich zu ihrem Schutz bekennen.

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