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Das antike Kourion thront auf einer fast 100 Meter hohen Kalksteinklippe an der Südwestküste Zyperns mit Blick auf die Bucht von Episkopi. Erste Spuren einer Besiedlung stammen aus der Jungsteinzeit (ca. 4500 bis 3900 v. Chr.). Die eigentliche Stadt wurde jedoch im 13. Jahrhundert v. Chr. von Argivern gegründet.

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Die Stadt‑Königreich-Anlage entstand auf den Hügeln der Umgebung und beherrschte das fruchtbare Tal des Kouris-Flusses. Funde deuten auf eine Verbindung zur griechischen Überlieferung von Argos auf dem Peloponnes hin. Die Bewohner sahen sich als Nachfahren argivischer Zuwanderer.

Heute zählt Kourion zu den eindrucksvollsten archäologischen Stätten Zyperns. Die Überreste reichen von der Bronzezeit bis in die byzantinische Epoche und erzählen von Wohlstand, politischem Ringen, Naturkatastrophen und religiösem Wandel.

Historischer Überblick

Herodot zufolge wurde Kourion in der späten Bronzezeit von Argivern gegründet und nach Koureus benannt, dem Sohn des Kinyras, des ersten Königs von Zypern. In assyrischen Quellen der Könige Sargon II. und Asarhaddon wird Damasu, König von Kuri, erwähnt. Während des zyprischen Aufstands gegen Persien im 5. Jahrhundert v. Chr. verriet der König Stasanor seine Heimat und stellte sich mit Truppen auf die Seite der Perser.

Später unterstützte Kourion im 4. Jahrhundert v. Chr. den Kampf Alexanders des Großen gegen die Perser. Der letzte König, Pasicrates, schloss sich seinem Feldzug an. Unter römischer Herrschaft erlebte die Stadt ihre Blüte und wurde zu einem der wichtigsten Zentren Zyperns. Inschriften aus Kourion belegen gewählte Ämter wie den Archon der Stadt, den Rat, den Ratsschreiber und den Marktschreiber sowie verschiedene Priesterämter, darunter Priester und Priesterinnen des Apollo Hylates.

Dank des regen Handels im Römischen Reich stiegen Wohlstand und Lebensqualität. Theater, Stadion, Aquädukt und prächtige öffentliche Gebäude zeugen vom Reichtum und der Raffinesse der Stadt.

Das verheerende Beben, das die Zeit anhielt

Gegen Tagesanbruch am 21. Juli 365 n. Chr. verwüstete ein schweres Erdbeben das römische Kourion. Es galt als das stärkste Ereignis im Mittelmeer jener Zeit. Zwischen 365 und 370 trafen fünf heftige Beben die Stadt, wie Funde auf dem gesamten Gelände belegen, und führten nahezu zur vollständigen Zerstörung. Unter den Entdeckungen befand sich ein Wohnkomplex, der unter den Trümmern verschüttet wurde und heute als das „Erdbebenhaus von Kourion“ bekannt ist.

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Besonders eindrücklich war ein Befund aus dem Jahr 1986: drei Skelette – zwei Erwachsene und ein Säugling -, eng aneinander gedrückt, die Gliedmaßen schützend vor den Körpern, unter herabgestürztem Putz und 150-Pfund-Steinen begraben. Insgesamt wurden in dem beschädigten Gebäude die Überreste von neun Menschen freigelegt: sieben Erwachsene, ein junges Mädchen und ein Baby.

In einem Hof lag eine rund 800 Pfund schwere steinerne Futterkrippe, vom Beben in zwei Teile gebrochen. An einer Eisenkette daran festgebunden fand man das Skelett eines Maultiers. Das Haus wurde nie wieder aufgebaut. Dieser versiegelte Befund bietet einen einzigartigen Einblick in den Alltag der späten römischen Zeit.

Eine Stadt zwischen Göttern und Gott

Etwa 2,5 Kilometer westlich der Akropolis lag das Heiligtum des Apollo Hylates, eines der bedeutendsten religiösen Zentren des antiken Zypern. Hier wurde Apollo als Gott der Wälder verehrt. Der Kultplatz war bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. in Nutzung und blieb es bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. Der Bezirk war durch zwei Tore zugänglich, das Kourion-Tor und das Paphos-Tor, verbunden durch eine lange dorische Säulenhalle.

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Eine Inschrift über einer Tür in der Frontmauer berichtet, dass zwei der Räume im Jahr 101 n. Chr. unter Kaiser Trajan errichtet wurden. Im Heiligtum fanden regelmäßige Feste statt, darunter Laufwettbewerbe in einem Stadion auf halbem Weg zwischen Kourion und dem Tempelkomplex. Das Heiligtum wurde bei den schweren Beben der Jahre 332 und 342 zerstört und danach offenbar endgültig aufgegeben.

Nach den Erdbeben setzte sich das Christentum rasch durch. Ende des 4. und Anfang des 5. Jahrhunderts wurde Kourion erneuert, wenngleich Teile der Akropolis brach lagen. Zum Wiederaufbau gehörte ein kirchlicher Bezirk an der Westseite der Akropolis.

Mosaiken, die über Jahrhunderte sprechen

Besonders eindrucksvoll sind die römischen Mosaikfußböden. Zu den wichtigsten Gebäuden zählen das Haus des Achilleus, das Haus der Gladiatoren und das Haus des Eustolios, alle mit Mosaiken aus dem 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. Das erste Bildfeld im Gladiatorenmosaik zeigt zwei vollständig gerüstete Kämpfer mit Helmen, Schilden und Schwertern im Duell; über ihnen stehen ihre Namen oder Beinamen: ΜΑΡΓΑΡΕΙΤΗΣ und ΕΛΛΗΝΙΚΟΣ.

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Das zweite Bildfeld zeigt erneut zwei Gladiatoren, diesmal mit einer unbewaffneten Figur zwischen ihnen. Im Haus des Eustolios gibt es Mosaiken mit Inschriften, die den Übergang vom Heidentum zum Christentum dokumentieren. Eine nennt Eustolios als Erbauer der Thermen und verweist auf Phoibos Apollon als früheren Schutzgott Kourions; eine andere erwähnt ausdrücklich Christus – ein aufschlussreicher Hinweis auf den schrittweisen religiösen Wandel im 5. Jahrhundert. Die Böden sind somit ein visuelles Zeugnis dieser Transformation.

Das großartige Meerblick-Theater

Das eindrucksvolle griechisch-römische Theater, das Herzstück der Anlage, entstand im 2. Jahrhundert v. Chr. und wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. erweitert. Es ist restauriert und dient heute vor allem im Sommer als Bühne für Open-Air-Konzerte und Theater – einer der beliebtesten Orte für hochkarätige Kulturveranstaltungen.

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Das Theater bot Platz für etwa 3.500 Zuschauer. Es wurde zweimal umgebaut: zunächst zur Zeit Caracallas (ca. 214 bis 217 n. Chr.), um Tierhatzen zu ermöglichen, und später im selben Jahrhundert wieder in ein klassisches Theater zurückverwandelt. Der Blick über das Mittelmeer bildet bis heute eine spektakuläre Kulisse.

Dank der Restaurierung erleben Besucher Aufführungen dort, wo schon die antiken Zyprer Tragödien und Komödien sahen. Auch das International Festival of Ancient Greek Drama nutzt die Bühne und knüpft so eine direkte Verbindung von der Gegenwart zu den klassischen Wurzeln.

Das Stadion der Wettkämpfe

Das Stadion von Kourion liegt 0,5 km westlich der Akropolis und 1,1 km östlich des Heiligtums des Apollo Hylates. Es entstand in der antoninischen Zeit (ca. 138 bis 180 n. Chr.). Die Laufbahn maß 187 m; die Startlinie war durch zwei runde Steinpfosten markiert, weit genug gesetzt für acht Läufer. Auf der Nord-, West- und Südseite umschloss eine freistehende, gebogene Zuschaueranlage den Dromos. Sie war 217 m lang und 17 m breit, mit sieben Sitzreihen, getragen von einer 6 m starken Quadermauer.

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Die Anlage bot Platz für rund 6.000 Zuschauer. Insgesamt war das Stadion 229 m lang und verfügte über sieben Sitzreihen mit einer Kapazität von bis zu 6.000 Personen. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts wurde es nach den verheerenden Erdbeben aufgegeben. Es ist das einzige ausgegrabene Stadion seiner Art auf Zypern und daher besonders wichtig für das Verständnis des antiken Sports auf der Insel.

Ihr Besuch im antiken Kourion

Die Ausgrabungsstätte liegt etwa 19 Kilometer westlich von Limassol an der Straße Richtung Paphos. Am bequemsten erreicht man sie mit dem Auto über die A6-Abfahrt, rund 30 Minuten vom Zentrum Limassols. Öffentlich fährt die Buslinie 16 von der Archiepiskopu-Makariou-III‑Avenue in Limassol Richtung Kourion Beach (ca. 40 Minuten), anschließend sind es etwa zehn Minuten zu Fuß bis zur Stätte. Öffnungszeiten: täglich 8:30 bis 17:00 Uhr im Winter und 8:30 bis 19:30 Uhr im Sommer.

Der Eintritt kostet 4,50 Euro und schließt das Kourion-Museum im nahegelegenen Dorf Episkopi ein. Dort sind Funde aus den Ausgrabungen ausgestellt, die den Besuch hervorragend ergänzen. Tragen Sie festes Schuhwerk – das Gelände ist weitläufig und teils uneben. Im Sommer sind Sonnenschutz und Wasser Pflicht, da es wenig Schatten gibt. Beim Besucherzentrum nahe dem Parkplatz hilft ein Modell beim Orientieren. Für das Heiligtum des Apollo Hylates ist ein separates Ticket nötig. Es liegt 2,5 Kilometer weiter westlich an der Straße nach Paphos; das Stadion befindet sich einen Kilometer westlich. Für den Hauptbereich sollten Sie zwei bis drei Stunden einplanen.

Warum Kourion für das Verständnis Zyperns wichtig ist

Kourion zeigt greifbar, wie Zypern über mehr als 3.000 Jahre Teil der mediterranen Welt war. Die Lage sicherte Kontrolle über fruchtbares Ackerland und Seehandelsrouten. Die Überreste belegen anspruchsvolle Stadtplanung, künstlerische Qualität und wirtschaftlichen Erfolg. Dank der „eingefrorenen“ Befunde nach dem Erdbeben lässt sich das Leben der Antike hier in einer Detailtiefe erforschen, die anderswo selten ist.

Der Wechsel vom Apollon-Heiligtum zu christlichen Basiliken auf der Akropolis macht einen der größten religiösen Umbrüche der Geschichte sichtbar. Für Zypern steht Kourion für Kontinuität und Identität: Die Insel war stets Kreuzungspunkt von Kulturen, Religionen und Zivilisationen. Dass im antiken Theater noch heute gespielt wird, schlägt eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart – und zeigt, dass solche Orte auch nach über zwei Jahrtausenden ihren ursprünglichen Zweck erfüllen können.

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