Als Höhenstationen von Troodos gelten zwei Hauptorte im Troodos-Gebirge, die die britische Kolonialverwaltung als Sommerfrischen anlegte. Platres, auf 1.100 Metern an den Südhängen gelegen, wurde zum führenden Kurort in den Bergen – mit eleganten Hotels, Villen und schattigen Spazierwegen. Der Troodos-Platz nahe dem Olympos in rund 1.700 Metern Höhe diente als Verwaltungszentrum: In den heißen Sommermonaten zog der britische Gouverneur mit seiner gesamten Regierung dorthin um. Zusammen bildeten diese Höhenstationen ein besonderes Refugium in den Bergen, das den Tourismus auf Zypern über mehr als ein Jahrhundert prägte.

Historischer Hintergrund
Als Generalleutnant Sir Garnet Wolseley am 22. Juli 1878 als erster Hoher Kommissar auf Zypern in Larnaka eintraf, erkannte er sofort ein gravierendes Problem: Auf den Ebenen an der Küste litten britische Truppen unter Temperaturen von oft über 40 Grad Celsius, und in den Niederungen grassierte Malaria. Aus Indien kannte man bereits erfolgreiche Höhenstationen, die Sterblichkeit unter Soldaten und Zivilisten senkten – die Briten wussten also, was zu tun war.

Bereits im September 1878, nur zwei Monate nach der Übernahme der Insel, begann der Bau der Höhenstation im Troodos. Man wählte Lagen über 1.500 Metern, da dort Hitze und Tropenkrankheiten deutlich weniger belasteten. Aus England bestellte Holzhäuser scheinen nie angekommen zu sein, wie Unterlagen nahelegen. Im Mai 1879 konnten sich rund 400 britische Angehörige, vor allem Pioniere des Royal Engineers, für den Sommer in ihr Lager in die Berge zurückziehen.
Die Entscheidung war rein gesundheitlich motiviert, nicht strategisch. Tatsächlich hielt die britische Regierung Zypern anfangs für einen ungeeigneten Militärstützpunkt. Dennoch wurde der Brauch, von Mai bis September in die kühleren Berge zu flüchten, so fest verankert, dass er fast ein Jahrhundert lang anhielt – auch nachdem die Gesundheitsgefahren abgenommen hatten.
Platres wird Luxuskurort
Platres existierte mindestens seit byzantinischer Zeit als kleines Bauerndorf und wird in der Lusignan-Zeit (1192-1489) unter 119 Dörfern des Bezirks Limassol erwähnt. Bekannt wurde der Ort jedoch erst, als die Briten seine besonderen natürlichen Vorteile erkannten. Anders als die vielerorts kargen Hänge des Troodos liegt Platres am ganzjährig wasserführenden Krios Potamos, der am Olympos entspringt. Diese verlässliche Wasserquelle ließ üppiges Grün entstehen.

Die Briten investierten rasch, um Platres zu einem echten Erholungsort auszubauen. Ab den frühen 1900er Jahren entstanden hier die ersten Hotels Zyperns sowie prächtige Villen wohlhabender Familien. Mit diesen Hotels rückte Zypern erstmals auf die internationale Tourismuskarte. Zunächst kamen Gäste aus der internationalen Gemeinschaft in Ägypten – vor allem wohlhabende zyprische Auswanderer, die in die Heimat zurückkehrten, um dieses Paradies zu genießen.
1900 eröffnete das erste Hotel, Ta Krya Nera (Kaltwasser). Es folgten das Grand Hotel (1905), Pafsilipon (1912), Helvetia (1915), Monte Carlo (1920) und Forest Park (1936). Nach 1905 setzte ein regelrechter Tourismusboom ein. Die Einwohnerzahl stieg von einigen Hundert auf bis zu 10.000 Menschen in der Hochsaison. Zahlreiche Bars, Tavernen, Cafés und Restaurants bedienten die wachsende Zahl der Besucher.
Die Sommerresidenz des Gouverneurs
Zwischen Platres und dem Troodos-Platz errichteten die Briten eine Sommerresidenz für den Kolonialgouverneur. Jedes Jahr zog die gesamte Kolonialverwaltung für die Sommermonate in die Troodos-Region um. Die Residenz, um 1880 fertiggestellt, wurde in dieser Zeit zum Mittelpunkt des britischen Koloniallebens. Das Gebäude ist durch eine kuriose historische Note bekannt: Der französische Dichter Arthur Rimbaud arbeitete als Bauleiter an seiner Errichtung. 1946 wurde eine Gedenktafel angebracht, die mit typisch britischem Witz festhält, Rimbaud, ein Genie der französischen Dichtung, habe trotz seines Ruhms mit eigenen Händen an dem Haus gearbeitet.

Nach der Unabhängigkeit Zyperns 1960 wurde das Gebäude zur Präsidentiellen Sommerresidenz und diente seither allen Präsidenten der Republik. Diese Funktion erfüllt es bis heute und öffnet bei besonderen Anlässen auch der Öffentlichkeit die Türen. Das Ministerkabinett tagt dort weiterhin in den Sommermonaten – eine Fortsetzung der jahrhundertealten Tradition der Sommerregierung in den Bergen.
Kurioses und Wissenswertes zu den Höhenstationen
Das Grand Hotel Helvetia, später New Helvetia, wurde 1906 vom Limassoler Nikolaos Kypriotis erbaut und gilt als eines der ersten echten Hotels auf Zypern. Beim Ausbau 1929 entstand ein markanter dreistöckiger Bau aus roten Ziegeln, die vor Ort mit einer speziellen, bis heute erhaltenen Presse hergestellt wurden. Das Haus bezog klassisches Mobiliar, eigens in Österreich gefertigt. Das New Helvetia ist seit über 100 Jahren ununterbrochen in Betrieb und damit das älteste durchgehend geöffnete Hotel Zyperns.

Das Troodos-Gebirge spielte zudem eine unerwartete Rolle in der Geologie. Es beherbergt eine ungestörte Ophiolith-Abfolge, den Troodos-Ophiolithen, der entstand, als die afrikanische und die eurasische Platte vor Millionen Jahren zusammenstießen. Untersuchungen durch den Geologen Ian Graham Gass und Kollegen lieferten entscheidende Belege für die Theorie der Ozeanbodenspreizung – eine zentrale Säule der modernen Plattentektonik.
1960 erreichte Platres seinen Höhepunkt mit 16 betriebenen Hotels. 1950 lebten dort rund 500 Menschen ganzjährig. Später, nach dem Tod vieler Eigentümer, wurden die Häuser unter den Kindern aufgeteilt – oft ohne Einigkeit über die Führung. Manche verloren das Interesse und ließen die Gebäude verfallen. Verpachtete Hotels litten, weil Pächter wenig in den Erhalt investierten. Das Forest Park Hotel, einst das Juwel von Platres mit 150 Zimmern und 85-jähriger Geschichte, schloss 2017 endgültig. 2018 zählte der Ort nur noch etwa 200 ständige Einwohner.
Kolonialarchitektur und britisches Erbe
Die Höhenstationen zeigen bis heute eine charakteristische Kolonialarchitektur. Verwendet wurden große Tuffsteine in der typischen gelben Farbe Zyperns, unverputzt belassen. Markant sind Arkaden mit Spitzbögen in Anlehnung an die zyprische Gotik, dazu Holzrahmen, Ziegeldächer und klassisches Interieur. Die Briten brachten ihren Baustil mit und kombinierten lokale Materialien mit europäischen Gestaltungsideen.

Auch die Infrastruktur trieb die Entwicklung voran. Die Briten bauten ein Straßennetz, das die Berge mit den Küstenstädten verband. Zudem entstand eine Schmalspurbahn, die Cyprus Government Railway, die den Hafen von Famagusta mit Nikosia und den Kupferminen im Nordwesten verknüpfte. Zwar war die 2-Fuß-6-Zoll-Spur wirtschaftlich nicht erfolgreich und wurde zwischen 1932 und 1951 schrittweise eingestellt, dennoch markiert sie ein wichtiges Kapitel der Infrastrukturgeschichte Zyperns. Zu den wenigen erhaltenen Relikten zählt der Bahnhof von Evrychou an der Strecke zwischen Troodos und der Hauptstadt.
Die Höhenstationen heute
Mit der Verbreitung von Klimaanlagen in der Mitte des 20. Jahrhunderts sank der Bedarf an Sommerfrischen in den Bergen. Badeorte gewannen an Beliebtheit, weil Hitze am Meer erträglicher wurde. Schrittweise löste Strandtourismus den Bergtourismus als Hauptanziehungspunkt für internationale Gäste ab. Die türkische Invasion 1974 traf die Bergorte zusätzlich, da Unsicherheit und rückläufige Besucherzahlen die gesamte Insel belasteten.
Während des Unabhängigkeitskampfs 1955 bis 1959 nutzte die britische Armee Platres als Operationsstützpunkt, Hotels dienten militärischen Zwecken – der Tourismus kam zum Erliegen. Als die britische Militärpräsenz um 1990 in der Region schrumpfte, fiel eine weitere wirtschaftliche Stütze weg. Rund 120 Soldaten und ihre Familien – meist junge Paare – hatten in Wohnungen gelebt und zur lokalen Wirtschaft beigetragen.
Trotz aller Rückschläge bleiben die Troodos-Berge ein wichtiges Ziel für Einheimische und Gäste. Im Sommer bieten sie Erfrischung gegenüber den Küsten, im Winter locken die Skipisten am Olympos Wintersportler an. Die Präsidentielle Sommerresidenz ist weiterhin Schauplatz von Regierungssitzungen und gelegentlichen Veranstaltungen. Neun byzantinische Kirchen und ein Kloster bilden gemeinsam eine UNESCO-Welterbestätte (Ersteintrag 1985). Wanderwege, Wasserfälle und pittoreske Dörfer ziehen jährlich Zehntausende Besucher an.
Besuch der Höhenstationen von Troodos
Platres liegt etwa 25 Kilometer nordwestlich von Limassol und rund 45 Kilometer südwestlich von Nikosia. Die Anfahrt mit dem Auto ist unkompliziert, von Limassol braucht man ungefähr 45 Minuten. Der Troodos-Platz befindet sich etwa 5 Kilometer von Platres entfernt. Beliebte Wanderwege führen unter anderem zu den Wasserfällen Caledonia und Millomeris sowie zur mittelalterlichen Brücke Milia. Auch Mountainbiken und Klettern haben hier ihren Platz.
Einige historische Hotels sind weiterhin in Betrieb, darunter New Helvetia, Semiramis und Pendeli. Sie bewahren ihren kolonialen Charme und bieten zugleich modernen Komfort. Im Ortskern erwarten Besucher Kopfsteinpflastergassen, Cafés und traditionelle Tavernen mit authentischer zyprischer Küche. Zu den Spezialitäten zählen Halloumi, Moussaka und Souvlaki. Weinliebhaber können die nahen Weindörfer entlang der Krasochoria-Weinstraße erkunden.
Ein Erbe, das den Zypern-Tourismus prägte
Die Höhenstationen von Troodos stehen für ein spannendes Kapitel der Inselgeschichte, in dem Gesundheitsfürsorge, Kolonialverwaltung und Naturkulisse zusammen den Grundstein für den ersten Tourismus Zyperns legten. Aus einer praktischen Maßnahme zum Schutz britischer Truppen vor Hitze und Krankheit entwickelte sich ein verfeinertes Resort-System, das internationale Prominenz, Literaten und wohlhabende Reisende aus dem Mittelmeerraum anzog.
Auch wenn die goldene Ära vorbei ist, haben die Bergdörfer ihren Reiz bewahrt. Wer heute kommt, erhält einen lebendigen Eindruck jener Zeit, in der Zypern sich vom Agrarland zu einem Ziel für Erholung und Komfort wandelte. Das Vermächtnis der Pioniere – von den Hoteliers der ersten großen Häuser bis hin zum Barkeeper mit seiner nationalen Cocktailkreation – lebt in den Kiefernwäldern und historischen Gebäuden fort, die die Hänge noch immer säumen.