Der Rundweg von Madari beginnt etwas außerhalb des Dorfs Kyperounta im östlichen Troodos-Gebirge. Die Strecke ist rund 13 Kilometer lang, gut ausgeschildert und führt mit etwa 650 Höhenmetern durch einige der schönsten Landschaften, die die Insel zu bieten hat. Im Vergleich zu anderen Wanderwegen auf Zypern gilt sie als anspruchsvoll, und der Gipfel erreicht etwa 1.600 Meter. Dieser großartige Rundweg verläuft um den Madari-Gipfel in der Region Pitsilia im Troodos-Gebirge.

Für die komplette Runde sollte man etwa 4 bis 5 Stunden einplanen. Unterwegs wechseln sich aussichtsreiche Gratpassagen, dichte Waldstücke im Adelfoi-Wald und auffällige geologische Formationen ab. Gerade diese Mischung aus Höhe, abwechslungsreicher Vegetation und freien Rundumblicken von der Mesaoria-Ebene bis hin zur Mittelmeerküste macht den Weg zu einer der schönsten Wanderstrecken Zyperns.
- Wie die Bergwanderwege Zyperns entstanden
- Zwei ganz unterschiedliche Abschnitte, eine unvergessliche Tour
- Der spektakuläre Aussichtspunkt am Madari-Feuerbeobachtungsturm
- Endemische Pflanzen machen Madari botanisch besonders
- Dramatische Geologie prägt die Berglandschaft
- So planst du deine Wanderung auf dem Madari-Weg
- Warum dieser Weg das Wandern auf Zypern so gut zeigt
Wie die Bergwanderwege Zyperns entstanden
Das Forstamt Zyperns legte das Wegenetz rund um Madari im Rahmen eines größeren Projekts an, mit dem in den Troodos-Bergen gut zugängliche Naturpfade geschaffen werden sollten. Der Adelfoi-Wald bildet in der Nähe von Agia Marina Xyliatou im Bezirk Nikosia eine natürliche Grenze und erstreckt sich über mehr als 120 Quadratkilometer. Rund um Madari gibt es mehrere miteinander verbundene Wege, sodass Wanderer ihre Route flexibel anpassen können. Der bekannteste Startpunkt heißt Doxa si o theos, was so viel wie „Gott sei Dank“ bedeutet, und liegt etwas außerhalb des Dorfs Kyperounta.

Der Ort bekam seinen Namen wegen der Schwierigkeit der Strecke – viele Wanderer danken nach der Tour erst einmal Gott, dass sie es geschafft haben. Die Forstbehörde kümmert sich mit klaren Markierungen, Holzwegweisern und regelmäßiger Instandhaltung darum, dass der Weg sicher und gut begehbar bleibt. Das Wegenetz von Madari ist außerdem an den europäischen Fernwanderweg E4 angeschlossen, der Zypern von Norden nach Süden durchquert. Für die Rundtour gibt es mehrere mögliche Einstiege, wobei Doxa si o theos bei Einheimischen am beliebtesten ist.
Zwei ganz unterschiedliche Abschnitte, eine unvergessliche Tour
Der erste Teil führt von Doxa si o theos hinauf zum Madari-Feuerbeobachtungspunkt. Es geht bergauf, und an mehreren Stellen öffnen sich beeindruckende Ausblicke nach Süden und Norden. Im Süden liegen die Dörfer Kyperounta und Chandria, im Norden sieht man die Küste des besetzten Morphou-Gebiets und die Mesaoria-Ebene. Dieser etwa 4 Kilometer lange Abschnitt bietet links und rechts immer wieder großartige Aussichten auf mehrere Bergketten, die zur größeren Gebirgslinie des Troodos gehören.

Auf dem Grat sind Wanderer Wind und Sonne direkt ausgesetzt, denn Bäume gibt es hier kaum. Dafür ist die Sicht in alle Richtungen völlig frei. Der zweite Abschnitt beginnt ab dem Adelfi-Gipfel und führt auf mehr als sechs Kilometern bergab durch einen der schönsten Wälder Zyperns.
Dieser Teil bringt Wanderer bis zum Ort Selladi tou Karamanli und verläuft über eine der abgeschiedensten Strecken im Troodos. Dichte Kiefern und jahrhundertealte Wacholder säumen den Madari-Weg und spenden viel Schatten. Die Waldpassage wirkt ganz anders als der offene Grat – selbst in den Sommermonaten bleibt es hier angenehm kühl.
Der spektakuläre Aussichtspunkt am Madari-Feuerbeobachtungsturm
Am höchsten Punkt des Adelfoi-Bergs auf 1.613 Metern steht der Feuerbeobachtungsturm von Madari. Madari selbst ist mit 1.612 Metern einer der markanten Gipfel des Troodos-Gebirges. Während der sommerlichen Brandsaison ist der Turm besetzt, und Mitarbeiter der Forstbehörde halten ständig Ausschau nach Rauch oder Anzeichen von Waldbränden. Wanderer können den Turm besteigen und von dort einen Rundumblick über fast die ganze Insel genießen. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Pentadaktylos-Gebirge im Norden, zur Akamas-Halbinsel im Westen und zur Südküste bei Limassol.

Der Turm ist von vielen Stellen entlang des Weges zu sehen und dient Wanderern oft als guter Orientierungspunkt. Wer die komplette Runde abkürzen möchte, kann vom Feuerwehrposten auf demselben Weg zurückgehen und die Distanz so auf 7,6 Kilometer reduzieren. Viele Besucher fahren auch direkt über eine asphaltierte Straße vom Dorf Chandria bis zum Aussichtspunkt, auch wenn die letzten 800 Meter über eine schmale Schotterstraße verlaufen. So können auch Menschen, die die ganze Wanderung nicht schaffen, die Aussicht vom Gipfel erleben.
Endemische Pflanzen machen Madari botanisch besonders
Auf dem Madari-Weg lassen sich zahlreiche endemische Pflanzen entdecken, darunter die Troodos-Rose, Troodos-Katzenminze, Stern von Bethlehem, Kamille, Manouthkia, Goldene Eiche, Zyprische Zeder, Zyprischer Krokus und Thymian. Die Goldene Eiche wächst ausschließlich auf dem magmatischen Untergrund des Troodos-Massivs in Höhenlagen zwischen 400 und 1.800 Metern – entweder als dichter Macchia-Bestand für sich oder zusammen mit der Kalabrischen Kiefer. Nach zyprischem Recht steht die Goldene Eiche unter Schutz, und auch die Busch- und Niederwaldvegetation ihres Lebensraums ist durch EU-Recht geschützt. Manouthkia ist ein immergrüner kleiner Strauch mit blassrosa Blüten.

Die Zyprische Zeder kommt in kleinen Beständen innerhalb des Adelfoi-Walds vor und ist eine von nur zwei endemischen Nadelbaumarten der Insel. Unterwegs sieht man Goldene Eichen, Wildrosen und Mastixsträucher, Wacholder, Kiefern, Erdbeerbäume, Zistrosen und Salbei, dazu auch Zedern, Platanen und Adlerfarn. Im Frühling zeigt sich die Landschaft besonders farbenfroh, wenn Krokusse und andere Wildblumen die Wiesen nahe dem Grat bedecken. Im Herbst färben sich die Blätter der Goldenen Eiche bronzefarben und bilden einen schönen Kontrast zu den immergrünen Kiefern.
Dramatische Geologie prägt die Berglandschaft
Entlang des Madari-Wegs gibt es hohe, eindrucksvolle Felsen und mehrere geologisch interessante Bereiche. Die Gegend um Madari ist wegen ihrer senkrechten Gesteinswände und steilen Klippen besonders spannend. Das Troodos-Gebirge besteht aus ophiolithischem Gestein und gilt als der am besten ausgebildete und bekannteste Ophiolith-Komplex der Welt. Der Troodos-Ophiolith entstand vor Millionen von Jahren auf dem Meeresboden und wurde später durch tektonische Kräfte angehoben – so entstand das heutige Gebirge.
Die senkrechten Felswände, die man vom Weg aus sieht, sind Brüche und Verwerfungen in dieser uralten ozeanischen Kruste. Eine Reihe hoher, senkrechter Felsformationen, die als Teisia bekannt sind, wirkt wie riesige Steinmauern, die aus dem Boden aufragen. Erkunden lassen sich diese Formationen über den Weg Teisia tis Madaris, einen kürzeren 3,5 Kilometer langen Rundweg, der sich nahe dem Feuerbeobachtungspunkt mit dem Hauptweg von Madari verbindet. Die Felsen bieten eine dramatische Kulisse für Fotos und zeigen eindrucksvoll, welche gewaltigen geologischen Kräfte Zypern geformt haben.
So planst du deine Wanderung auf dem Madari-Weg
Der Madari-Weg ist vom Dorf Kyperounta aus erreichbar, das etwa 45 Kilometer nördlich von Limassol an der Straße E909 liegt. Wenn du nach Kyperounta hineinfährst, passierst du links das Krankenhaus. Nach etwa 1 Kilometer erscheint links die Straße nach Spilia, die F944. Dort abbieten und weitere 1,8 Kilometer fahren, bis du an eine kleine Kreuzung kommst. Rechts siehst du dann die Steinstufen von Doxa si o theos. Parkmöglichkeiten gibt es direkt dort. Weitere mögliche Startpunkte sind die Kreuzung Moutti tis Choras sowie der Bereich direkt am Feuerbeobachtungsturm über die Straße von Chandria nach Polystypos.

Am angenehmsten ist die Wanderung zwischen März und Mai oder von September bis November. Im Juli und August sollte man möglichst früh starten. Auch im Winter kann man hier wandern, allerdings kann der Weg im Januar und Februar, besonders oberhalb von 1.400 Metern, schneebedeckt sein. Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten und kein Trinkwasser, deshalb sollte man ausreichend Proviant mitnehmen. Am Startpunkt Doxa si o theos gibt es jedoch einen Trinkwasserbrunnen. Gute Wanderschuhe sind wegen des felsigen und stellenweise steilen Geländes unverzichtbar. Sinnvoll ist auch Kleidung in mehreren Schichten, denn mit zunehmender Höhe und durch den Wind auf dem Grat können die Temperaturen deutlich sinken.
Warum dieser Weg das Wandern auf Zypern so gut zeigt
Der Rundweg von Madari zeigt sehr gut, was die Berge Zyperns Wanderern zu bieten haben. Die Kombination aus Gratwanderung, Waldpassagen, geologischen Besonderheiten, endemischen Pflanzen und weiten Ausblicken vermittelt genau das, was den Troodos ausmacht. Der Weg ist ein gutes Beispiel dafür, wie gut zugängliche Natur erhalten werden kann, ohne ihren wilden Charakter zu verlieren. Für Menschen, die auf Zypern leben, ist Madari eine schnelle Auszeit in der Natur, ganz ohne lange Anreise – und zugleich ein schönes Beispiel dafür, wie nah Berge und Meer auf der Insel beieinander liegen.
Das Wegenetz rund um Madari unterstützt einen naturnahen Tourismus, von dem Bergdörfer wie Kyperounta profitieren, während gleichzeitig die natürlichen Ressourcen geschützt werden. Dass die Strecke als Rundweg und nicht einfach als Hin- und Rückweg angelegt wurde, zeigt eine durchdachte Planung, die unterwegs für möglichst viel Abwechslung sorgt. Wer den Rundweg von Madari komplett schafft, nimmt ein echtes Erfolgserlebnis mit – schließlich gehört er zu den anspruchsvollsten Tageswanderungen Zyperns und führt durch Landschaften, die viele Besucher der Insel nie zu Gesicht bekommen.