Stellen Sie sich vor, Sie gehen im Spätsommer über einen sonnigen Dorfplatz oder an einer ruhigen Küstenstraße entlang. Da fällt Ihnen ein eleganter Baum mit federleichten, herabhängenden Zweigen ins Auge. Seine kleinen grünlich-weißen Blüten sind längst verschwunden und haben glänzenden rosaroten Beeren Platz gemacht, die wie kleine Schmuckketten im Licht funkeln. Das sind die Schinus-Arten Zyperns – elegante Gäste aus Südamerika, deren feiner pfeffriger Duft und luftige Schönheit ganz selbstverständlich Teil des Alltagsbildes der Insel geworden sind.

Pfefferbäume aus der Familie der Sumachgewächse
Schinus gehört zur Familie der Anacardiaceae, also der Sumachgewächse – derselben bemerkenswerten Pflanzengruppe, zu der auch Pistazien (Pistacia vera), Mastixsträucher (Pistacia lentiscus), Cashews, Mangos und sogar Sumach gehören. Typisch für diese Familie sind harzhaltige Rinde, gefiederte Blätter und oft aromatische Früchte. Die Gattung Schinus umfasst etwa 30 Arten, die fast alle in Südamerika heimisch sind. Auf Zypern begegnet man am häufigsten zwei davon: Schinus molle, dem Peruanischen Pfefferbaum oder falschen Pfefferbaum, und Schinus terebinthifolius, dem Brasilianischen Pfefferbaum. Vor Ort heißen sie Αρτυμαθκιά (Artumathkiá – “Pfefferbaum”) für S. molle sowie Μαστισιά (Mastisiá – “mastixähnlich”) oder Σχίνος η τερεβινθόφυλλη für S. terebinthifolius. Diese Namen spielen auf ihre harzigen Verwandtschaftsmerkmale an.
Von den Anden bis nach Zypern
Beide Arten stammen aus dem subtropischen und tropischen Südamerika. Schinus molle wächst ursprünglich in den Vorgebirgen der Anden in Peru, Bolivien und den Nachbarländern, während S. terebinthifolius aus Brasilien, Argentinien und Paraguay kommt. Im 19. Jahrhundert gelangten sie als dekorative Besonderheiten nach Europa. Nach Zypern kamen sie in der britischen Zeit, also gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wo man sie wegen ihres schnellen Schattens, als Sichtschutz und wegen ihres eleganten Wuchses pflanzte. Wie viele eingeführte Mittelmeerpflanzen waren sie auf der Insel willkommen, weil sie Trockenheit gut vertragen und wenig Pflege brauchen – ideal für ein Land mit langen, trockenen Sommern.

Feine Blätter und beeren wie kleine Juwelen
Schinus molle ist ein immergrüner Baum, der 10 bis 15 Meter hoch werden kann. Er bildet eine rundliche, überhängende Krone mit schlanken, herabfallenden Zweigen. Seine Blätter sind fein gefiedert, leicht und hellgrün, wodurch der ganze Baum luftig wirkt und ein wenig an eine Weide erinnert. Im Frühling und Frühsommer erscheinen kleine grünlich-weiße Blüten in langen, hängenden Rispen. Danach entwickeln sich zahlreiche kleine, kugelige Beeren in Rosa bis Rot, die oft bis in den Winter hinein am Baum bleiben. Schinus terebinthifolius bleibt meist etwas kleiner und wächst aufrechter. Seine Blätter sind dichter und dunkler grün, die Beeren leuchtend rot. Beide Arten haben in jungen Jahren eine glatte graue Rinde, die mit dem Alter rissig und gefurcht wird. Zerreibt man Blätter oder junge Zweige, verströmen sie einen milden harzigen Duft.
Wissenswertes
- Die rosa Beeren von S. molle sind die Quelle der milden “rosa Pfefferkörner”, die in der gehobenen Küche verwendet werden – sie schmecken sanft pfeffrig mit einer leicht zitrischen Note, sind aber kein echter Pfeffer.
- Vögel lieben die Beeren und verbreiten die Samen weiter – im Herbst kann man oft ganze Schwärme dabei beobachten.
- Die Blätter enthalten Stoffe, die manche Insekten auf natürliche Weise fernhalten. Deshalb wurde der Baum traditionell gern an Gartenrändern gepflanzt.
- In seiner Heimat wurde das Holz für Sättel verwendet und die Rinde medizinisch genutzt. Auf Zypern schätzt man die Bäume vor allem wegen ihres Aussehens und ihres Schattens.
- Der Gattungsname Schinus geht auf das altgriechische schinos zurück, also den Mastixbaum – ein Hinweis auf die Ähnlichkeit innerhalb der Familie in Harz und Duft.

Noch ein paar Hintergründe
Beide Arten sind auf Zypern vollständig eingebürgert, verhalten sich hier aber unproblematisch – anders als ihr brasilianischer Verwandter, der in wärmeren und feuchteren Regionen invasiv werden kann. Schinus molle sieht man besonders oft in Dörfern, Gärten und an Straßenrändern, weil er schnell wächst und sehr elegant aussieht. Keine der beiden Arten gilt als bedroht. S. molle wird auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet eingestuft. Ihre harzige Natur zeigt klar, dass sie zu den Sumachgewächsen gehören – einer Pflanzenfamilie, die sowohl für köstliche Nüsse als auch gelegentlich für hautreizende Pflanzensäfte bekannt ist, wobei Schinus meist eher mild ist.
Ihr Platz in der Gegenwart
In einer Zeit mit immer heißeren Sommern und wassersparender Gartengestaltung sind Schinus-Arten eine ausgezeichnete Wahl, wenn man pflegeleichten Schatten und das ganze Jahr über einen attraktiven Anblick sucht. Man sieht alte Exemplare an Dorfeingängen, auf Schulhöfen und entlang ländlicher Straßen. Zwar setzen moderne Projekte aus guten Gründen stärker auf heimische Pflanzen für naturnahe Hecken, doch diese anmutigen Pfefferbäume behalten ihren festen Platz in Städten und Gärten – als schneller Sichtschutz, als Nahrungsquelle für Vögel und wegen ihrer weichen, federartigen Erscheinung, die das harte mediterrane Licht angenehm abmildert.
Wo man sie findet und erlebt
Am leichtesten begegnet man den Schinus-Bäumen Zyperns in älteren Dörfern oder Küstenorten. Halten Sie Ausschau nach den federleichten Kronen und den herabhängenden rosa Beeren – zum Beispiel in Kuklia, Dali, Androlikou oder in den Straßen von Limassol und Paphos. Im Frühling summen Bienen um die süß duftenden Blüten, im Herbst leuchten die goldrosa Beerenstände zwischen dem Grün. Parken Sie sicher, stellen Sie sich unter einen Zweig und zerreiben Sie vorsichtig ein Blatt zwischen den Fingern – so entfaltet sich der frische, pfeffrige Duft. Viele dieser Bäume stehen an öffentlichen Orten und sind perfekte Plätze für Fotos oder eine kurze Pause im Schatten.

Eine sanfte Verbindung zwischen Kontinenten
Obwohl sie einst von weit entfernten südamerikanischen Küsten nach Zypern kamen, gehören Schinus-Arten heute ganz selbstverständlich zur Landschaft der Insel. Sie spenden Schatten, duften angenehm und bringen mit ihren beerenartigen Fruchtständen Farbe in den Winter – und das fast ohne Aufwand. Ihre Geschichte zeigt, dass durchdachte Pflanzenansiedlungen eine Landschaft auf schöne und verantwortungsvolle Weise bereichern können. Wenn Sie das nächste Mal unter einem dieser eleganten Pfefferbäume vorbeigehen, lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben und ihren leichten, anmutigen Charakter zu genießen – als lebendige Erinnerung an die lange Tradition Zyperns, nützliche und schöne grüne Gäste willkommen zu heißen und ihnen unter sonnigem Himmel ein Zuhause zu geben.