Zypern gehörte zu den allerersten christlichen Ländern der Welt: Nur wenige Jahre nach dem Tod Christi nahm die Insel den neuen Glauben an. Seit fast 2.000 Jahren prägen Apostel, Heilige, Kaiser und bis heute erhaltene religiöse Kunstwerke die christliche Geschichte der Insel.

- Ein uraltes christliches Erbe
- Von den Aposteln zur autokephalen Kirche
- Kirchen, Klöster und heilige Kunst
- Bemerkenswerte Geschichten aus dem zyprischen Christentum
- Heilige, Theologen und gelebte Traditionen
- Ein gelebter Glaube im modernen Zypern
- Heilige Orte für alle zugänglich
- Warum das zyprische Christentum wichtig ist
Ein uraltes christliches Erbe
Das Christentum kam nicht langsam nach Zypern, sondern mit hoher Geschwindigkeit durch die Apostel selbst. Um 45 n. Chr. landeten der heilige Paulus und der heilige Barnabas auf der Insel, predigten das Evangelium, bekehrten den römischen Statthalter und legten den Grundstein für eine der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt.

Bis heute ist die griechisch-orthodoxe Kirche zentral für die zyprische Identität. Alte Klöster kleben an Bergkämmen, byzantinische Fresken leuchten an Kirchenwänden, und Reliquien von Heiligen ruhen in Krypten unter Stadtplätzen. Für Besucher ist Zypern eine Reise durch fast zwei Jahrtausende Christentum – eine lebendige Tradition, die das apostolische Zeitalter direkt mit der Gegenwart verbindet.
Von den Aposteln zur autokephalen Kirche
Die Geschichte beginnt 45 n. Chr., als Barnabas – ein Zyprer aus Salamis – mit Paulus in Salamis anlandete und westwärts nach Paphos zog. Dort bekehrten sie den römischen Prokonsul Sergius Paulus zum Christentum. Damit wurde Zypern zum ersten Land bzw. zur ersten Provinz der Welt, die von einem christlichen Herrscher regiert wurde.

Barnabas gründete die Kirche von Zypern und war ihr erster Bischof. Er wurde zum Schutzheiligen der Insel. Der Überlieferung nach floh Lazarus von Bethanien nach Zypern und wurde erster Bischof von Kition (dem heutigen Larnaka), wo er weitere 30 Jahre lebte.
Im 4. Jahrhundert entwickelte sich Zypern zu einem bedeutenden christlichen Zentrum innerhalb des Byzantinischen Reiches. Auf dem Konzil von Ephesos (431 n. Chr.) erhielt die Kirche von Zypern den Status der Autokephalie, war also selbstständig und eigenständig organisiert.
Eine wundersame Entdeckung im Jahr 478 n. Chr. festigte die Sonderstellung Zyperns. Arbeiter fanden unter einem Johannisbrotbaum das Grab des heiligen Barnabas, dessen Reliquien ein handgeschriebenes Matthäus-Evangelium umklammerten. Erzbischof Anthimos von Zypern übergab es dem Kaiser. Kaiser Zenon war so beeindruckt, dass er dem zyprischen Erzbischof besondere Privilegien verlieh, darunter das Tragen purpurner Gewänder und eines Szepters – Auszeichnungen, die sonst Kaisern vorbehalten waren.
Trotz arabischer Überfälle, der Kreuzfahrerzeit und vier Jahrhunderten osmanischer Herrschaft (1571-1878) blieb das Christentum auf Zypern bestehen. Unter den Osmanen gewann die orthodoxe Kirche sogar Verwaltungsbefugnisse; der Erzbischof war ziviler Anführer der griechisch-zyprischen Gemeinschaft. Nach der Unabhängigkeit 1960 wurde Erzbischof Makarios III. erster Präsident des Landes.
Kirchen, Klöster und heilige Kunst
Das christliche Erbe Zyperns zeigt sich in einer großen Vielfalt von Baukunst und Kunstwerken. Auf der Insel gibt es Hunderte Kirchen und Klöster – von großen Stadtkathedralen bis zu kleinen Bergkapellen. Viele stammen aus byzantinischer und mittelalterlicher Zeit.

Bergkirchen besitzen steile Holzdächer mit flachen Ziegeln – ideal für die starken Winterregen im Troodos-Gebirge. Innen sind viele vollständig mit byzantinischen Fresken bedeckt, deren langlebige Pigmente bis heute kräftige Farben zeigen.
Zehn der Bemalten Kirchen im Troodos gehören zum UNESCO-Welterbe. Dazu zählen Panagia Asinou, Agios Nikolaos tis Stegis (Nikolaus der Dachkirche) und Panagia tou Araka. Diese kleinen Steinkirchen sind von Wand zu Wand mit Szenen aus dem Leben Christi, Heiligen und theologischen Darstellungen bemalt.
Die Fresken waren eine Art Bilderkatechese für Menschen, die nicht lesen konnten. Stilistisch zeigen sie Einflüsse aus Byzanz, Italien, Anatolien und den Kreuzfahrerstaaten.
Nach orthodoxer Tradition zeigen zyprische Kirchen Ikonen von Christus, der Gottesmutter und den Heiligen. Ein hölzernes Ikonostas trennt das Kirchenschiff vom Altarraum. Weihrauch, Kerzen und byzantinischer Gesang sind bis heute fester Bestandteil der Liturgie.
Bemerkenswerte Geschichten aus dem zyprischen Christentum
- Erster christlicher Herrscher – Mit der Bekehrung des Prokonsuls Sergius Paulus um 45 n. Chr. wurde Zypern zum ersten Ort, der von einem christlichen Herrscher regiert wurde.
- Lazarus von Bethanien – Unter der Kirche in Larnaka befindet sich das Grab des heiligen Lazarus. Der Überlieferung nach lebte er weitere 30 Jahre auf der Insel.
- Ein Splitter vom Wahren Kreuz – Das Kloster Stavrovouni bewahrt der Tradition nach einen Splitter des Wahren Kreuzes auf, den die heilige Helena 327 n. Chr. brachte. Der Zutritt ins Innere ist weiterhin nur Männern gestattet.
- Das Evangelium des heiligen Barnabas – 478 n. Chr. fand man bei den Gebeinen des heiligen Barnabas ein handgeschriebenes Matthäus-Evangelium, das nahe Salamis bewahrt wird.
- Signierte mittelalterliche Fresken – Der Maler Theodoros Apsevdis signierte und datierte 1192 die Fresken in Panagia tou Araka.

Heilige, Theologen und gelebte Traditionen
Der heilige Neophytos der Einsiedler meißelte im 12. Jahrhundert nahe Paphos eine Höhlenklause, in der er lebte, theologische Schriften verfasste und Fresken malte. Seine Höhlenkapelle und sein steinernes Bett sind noch erhalten.

Bischof Epiphanius von Salamis (ca. 310-403) war ein bedeutender Kirchenvater. Sein Hauptwerk, das Panarion, verzeichnet und bewertet zahlreiche Irrlehren.
Wallfahrten spielen weiterhin eine große Rolle. Im Kloster Kykkos wird eine Marienikone verehrt, die der Überlieferung nach vom Evangelisten Lukas gemalt wurde. Die Ikone bleibt größtenteils verhüllt und wird von Pilgern verehrt.
Die Kirchenarchitektur auf Zypern vereint byzantinische, gotische (Kreuzfahrer-) und spätere Einflüsse – teils sogar im selben Bauwerk.
Ein gelebter Glaube im modernen Zypern
Das Christentum ist die vorherrschende Religion auf Zypern. Die meisten griechischen Zyprer gehören der autokephalen griechisch-orthodoxen Kirche von Zypern an, die gesellschaftlich und kulturell eine prägende Rolle spielt.

Öffentliche Feiertage richten sich nach dem orthodoxen Kalender. Das wichtigste Fest ist Ostern, mit den Feiern der Karwoche und der Mitternachtsliturgie der Auferstehung mit Kerzen und dem Ruf „Christos Anesti“.
Die Kirche von Zypern ist weiterhin unter ihrem Erzbischof in Nikosia selbstverwaltet. Historische christliche Stätten stehen unter Denkmalschutz und werden auch touristisch vermittelt. Zudem ist Zypern ein internationales Wallfahrtsziel für orthodoxe Christen.
Heilige Orte für alle zugänglich
- Die Kirche des heiligen Lazarus in Larnaka – Byzantinische Kirche aus dem 9. Jahrhundert mit Krypta und dem Grab des Heiligen.
- Das Kloster des heiligen Barnabas bei Salamis – Heute ein Museumskomplex mit Basilikaruinen und Ikonensammlung.
- Kloster Stavrovouni – Bergkloster mit einem Reliquienstück des Wahren Kreuzes; Zugang zum Inneren nur für Männer.
- Kloster Agios Neophytos – Berühmt für die Enkleistra-Höhlenklause mit Fresken aus dem 12. Jahrhundert.
- Die Bemalten Kirchen im Troodos – Kleine Bergkirchen mit erhaltenen byzantinischen Wandmalereien.
- Die Paulussäule in Paphos – Der Überlieferung nach Ort der Züchtigung des Paulus, in einer Basilikaanlage gelegen.
Die meisten Kirchen heißen Besucher willkommen, sofern sie sich ruhig verhalten und angemessen gekleidet sind. Spenden sind meist gern gesehen.

Warum das zyprische Christentum wichtig ist
Wer das Christentum auf Zypern versteht, versteht auch die Geschichte der Insel. Seit der Ankunft der Apostel im Jahr 45 n. Chr. prägt der Glaube Kunst, Architektur, Politik und Alltag.

Die Kirchen und Klöster der Insel sind nicht nur Denkmäler, sondern lebendige Orte des Gebets und des kulturellen Gedächtnisses. Sie schlagen eine direkte Brücke von der Gegenwart zur apostolischen und byzantinischen Vergangenheit.
Zypern bietet Besuchern eine seltene Kontinuität – ein Ort, an dem frühe Christentumsgeschichte, heilige Kunst und gelebte religiöse Praxis seit fast zwei Jahrtausenden eng miteinander verwoben sind.