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Die Burg Kantara ist eine byzantinische und mittelalterliche Festung im östlichen Teil des Kyrenia-Gebirges, im türkisch besetzten Norden Zyperns. Ihr Name leitet sich vom arabischen Wort „qantara“ ab, das Brücke oder Bogen bedeutet; teils wird es auch als Aussichtspunkt gedeutet. Kantara ist die östlichste der drei berühmten Bergburgen Zyperns, gefolgt von der Burg Buffavento weiter westlich und der Burg Sankt Hilarion noch weiter westlich.

Ihre Lage ist strategisch: Von hier überblickt man sowohl die Nordküste als auch die Ebene von Mesaoria. An klaren Tagen reicht der Blick bis zur Halbinsel Karpas, zur Bucht von Famagusta und zu fernen Festlandküsten. Diese beherrschende Position machte Kantara fast 500 Jahre lang zu einem Schlüsselpunkt in der Verteidigung Zyperns.

Historischer Hintergrund

Das genaue Baujahr ist unbekannt. Die meisten Historiker datieren den byzantinischen Ursprung jedoch auf die Zeit um 965, nachdem arabische Angreifer von Zypern zurückgedrängt worden waren. Über Jahrhunderte litten die Küstensiedlungen unter wiederkehrenden Überfällen, weshalb man Bergwachtposten brauchte, um herannahende Schiffe zu sichten und das Hinterland zu warnen.

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Vor dem Bau der Festung stand an diesem Ort ein orthodoxes Kloster zu Ehren der Heiligen Maria von Kantara. Nach und nach kamen Befestigungen hinzu, sodass sich der sakrale Komplex in eine militärische Anlage verwandelte. Diese Verbindung von religiöser und defensiver Nutzung war in unruhigen Zeiten nicht ungewöhnlich.

Kantara war in ein Signalnetz mit den anderen Burgen des Kyrenia-Gebirges eingebunden. Die Wachen konnten die Nachbarfestungen sehen und per Feuerzeichen Alarm geben – eine frühe Warnkette quer durch Nordzypern.

Die Lusignan-Zeit und mittelalterliche Belagerungen

Unter den Lusignanern entwickelte sich Kantara von einem Wachtposten zu einer großen Festung. Im 13. und 14. Jahrhundert verstärkten die Könige James I. und Peter II. die Anlage. Es entstanden neue Kasernen, eine große Regenwasserzisterne sowie ein gesicherter Zugang mit Barbakane und Doppeltürmen.

Im Jahr 1229, während des inneren Machtkampfs zwischen Friedrich II. und der Familie Ibelin, wurde die Burg belagert und mit Trebuchets beschossen. Mehrere Gebäude wurden zerstört. Die Verteidiger hielten ein Jahr stand, doch nach dem Tod ihres Kommandanten ergab sich die Garnison.

1373 fielen genuesische Truppen in Zypern ein und nahmen wichtige Städte. Prinz Johann von Antiochia konnte aus der Gefangenschaft entkommen und erreichte Kantara. Von dort organisierte er den Widerstand, und die Burg blieb in dieser Phase des Konflikts außerhalb genuesischer Kontrolle.

Architektur und Befestigungen

Kantara wurde aus lokalem Granit und Sandstein errichtet. Da das Gestein grob war, verputzte man viele Mauern dick. Für Ecken, Portale und Öffnungen nutzte man hochwertigeres Steinmaterial.

Die Anlage misst etwa 120 mal 70 Meter und umfasst rund zehn Mannschaftsräume aus dem späten 14. Jahrhundert. Das steile Gelände erlaubte praktisch nur im Osten einen Zugang über einen schmalen Anstieg, der stark befestigt wurde.

Die Abfolge am Eingang umfasst:

  • Eine äußere Barbakane mit zwei quadratischen Türmen
  • Schießschartengänge für die Verteidiger
  • Einen steilen, abknickenden Aufstieg
  • Ein Haupttor mit Fallgitter

Eine hufeisenförmige Turmanlage nördlich des Tores bot zusätzlichen Schutz. Trotz ihres klassischen Erscheinungsbildes stammt sie aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Die Wasserversorgung beruhte vollständig auf Regen. Sechs große Zisternen sammelten das von Dächern und Rinnen abfließende Wasser. Ein ehemaliges Zisternenuntergeschoss wurde später als Gefängnis und danach als Unterkunft für den Garnisonskommandanten genutzt.

Niedergang unter den Venezianern und Aufgabe

Mit der venezianischen Herrschaft ab 1489 veränderte sich die Kriegstechnik grundlegend: Schießpulver und Artillerie setzten sich durch. Bergburgen waren Kanonenbeschuss zunehmend unterlegen.

1519 galten die Bergfestungen als überholt. Die Garnison von Kantara verließ die Burg 1525. 1560 ließen die Venezianer zentrale Bauteile gezielt abtragen, um eine Nutzung durch Gegner zu verhindern. Danach wurde der Ort aufgegeben und verfiel allmählich.

Anfang des 20. Jahrhunderts richteten Plünderungen und der Abtransport von Steinen weiteren Schaden an, als man nach angeblichen Schätzen suchte oder Baumaterial wiederverwendete.

Die Burg heute

1905 trug der französische Archäologe Camille Enlart dazu bei, Kantara unter Denkmalschutz zu stellen. Heute wird die Anlage von den lokalen Behörden im Norden Zyperns betreut und ist das ganze Jahr über für Besucher geöffnet.

Der nördliche Teil ist am besten erhalten, mit aufragenden Türmen und Mauerzügen. Besucher können durch die Barbakane gehen, Türme erkunden und zwischen den Mannschaftsräumen umherlaufen. Der Süden und Westen sind stärker verfallen, lassen den Grundriss aber gut erkennen.

Auf benachbarten Gipfeln stehen heute Radar- und Funkanlagen – eine moderne Fortsetzung der langen Überwachungsfunktion der Region.

Aussichten und Erlebnis

Die Aussicht von Kantara ist weit und unverstellt. Von den höchsten Punkten sieht man:

  • Die Nordküste in Richtung Kyrenia (Girne)
  • Die Halbinsel Karpas, die nach Nordosten ausläuft
  • Die Ebene von Mesaoria in Richtung Nikosia (Lefkoşa)
  • Die Bucht von Famagusta (Gazimağusa) im Südosten

An außergewöhnlich klaren Tagen zeichnen sich ferne Gebirgszüge des Festlands ab. Häufiger sieht man Schiffe zwischen Zypern und der türkischen Küste verkehren.

Auf dem Gipfel weht oft ein kräftiger Wind, besonders im Winter. Im Sommer sorgt er für Abkühlung, verleiht dem exponierten Ort aber ein raues, offenes Gefühl.

Besuch der Burg Kantara

Die Burg liegt rund 20 Kilometer südöstlich von Kyrenia im nordöstlichen Abschnitt des Kyrenia-Gebirges. Die Anfahrt führt über kurvige Bergstraßen durch bewaldete Abschnitte und kleine Dörfer.

Hinweise zur Anreise:

  • Das letzte Straßenstück ist steil und schmal
  • Parkplätze befinden sich unterhalb der Ruinen
  • In der Regel geöffnet von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
  • Meist wird ein kleiner Eintritt erhoben
  • Vor Ort gibt es keine Infrastruktur
  • Ausreichend Wasser und Sonnenschutz mitbringen

Warum Kantara bedeutsam ist

Die Burg Kantara steht exemplarisch für einen weiten Bogen zyprischer Militärgeschichte – von der byzantinischen Küstenabwehr über die lusignanischen Befestigungen bis zur Aufgabe im Zeitalter des Schießpulvers unter venezianischer Herrschaft.

Sie zeigt, wie stark Geographie Verteidigungsstrategien prägt. Das Kyrenia-Gebirge bot natürliche Aussichtspunkte, die Nordzypern über Jahrhunderte schützten.

Anders als stark restaurierte Anlagen ist Kantara weitgehend unrestauriert. Abgewittertes Mauerwerk, gebrochene Wände und freistehende Türme bewahren den unmittelbaren Charakter einer mittelalterlichen Festung und vermitteln ein authentisches Bild der Verteidigungsgeschichte Zyperns.

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