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Wer an einem sonnigen Tag durch einen ruhigen Park in Limassol oder Nikosia spaziert, entdeckt vielleicht hohe, pyramidenförmige Bäume, die wirken, als kämen sie direkt aus einem urzeitlichen Wald. Das sind Araukarien – uralte Nadelbäume aus fernen Regionen, die den städtischen Grünflächen unserer Insel eine besondere, exotische Note geben.

Konstantin-Solovev

Uralte Wächter aus der Familie der Nadelbäume

Araukarien gehören zur Familie der Araucariaceae, einer Gruppe immergrüner Koniferen, die einst riesige Waldgebiete auf der südlichen Halbkugel prägten. Auf Zypern ist vor allem Araucaria heterophylla verbreitet, oft zusammen mit ihrer nahen Verwandten Araucaria columnaris. Vor Ort kennt man sie als Αρωκάρια (Arokária), ein Name, der sich von der wissenschaftlichen Gattungsbezeichnung ableitet, welche auf das Volk der Arauco in Chile verweist, wo verwandte Arten wild wachsen.

Überlebende aus einer verlorenen Welt

Diese Bäume führen ihre Abstammung mehr als 200 Millionen Jahre zurück – in die Zeit der Dinosaurier, als Superkontinente wie Gondwana noch miteinander verbunden waren. Ursprünglich stammen sie aus Orten wie der Norfolkinsel im Pazifik – zumindest A. heterophylla. Nach Zypern kamen sie während der britischen Kolonialzeit, etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als auffällige Zierbäume für Gärten und Alleen. Wie viele eingeführte Arten wurden sie ausgewählt, weil sie in unserem Mittelmeerklima gut gedeihen und damit zur langen Geschichte der Insel passen, Pflanzen aus fernen Ländern aufzunehmen.

Symmetrische grüne Türme

Araucaria heterophylla wächst auf Zypern zu einem eindrucksvollen Baum von 20 bis 30 Metern Höhe heran. Typisch sind der gerade Stamm und die waagerecht angeordneten Astetagen, die in jungen Jahren eine nahezu perfekte Pyramidenform bilden. Die Blätter sind schuppenartig, spitz und überlappen sich, wodurch die Zweige fast seilartig wirken. Reife Bäume tragen holzige Zapfen – weibliche groß und rund, männliche eher schlank -, aus denen geflügelte Samen freigesetzt werden. Araucaria columnaris wird höher und wächst säulenförmiger, neigt sich oft leicht zur Seite und hat dichteres Laub, das im Wind leise rauscht.

Konstantin-Solovev

Spannende Fakten

  • Araukarien gelten als “lebende Fossilien”. Ihre Familie überstand das Massenaussterben, dem die Dinosaurier zum Opfer fielen, und überlebte damit viele andere urzeitliche Lebewesen.
  • Kapitän Cook, der die Bäume auf der Norfolkinsel als Erster beschrieb, glaubte einst, sie könnten als “Masten für die größten Schiffe” dienen. Tests zeigten jedoch, dass das Holz für schwere See zu brüchig war – ein interessantes historisches Missverständnis.
  • Auf ihren pazifischen Heimatinseln nutzten indigene Gemeinschaften das Harz für Fackeln und die Samen als Nahrung – ein schönes Beispiel dafür, wie vielseitig diese Bäume sind.
  • In freier Natur können diese Bäume über 1.000 Jahre alt werden. Manche zyprischen Exemplare sind mit rund hundert Jahren also noch ausgesprochen jung.
  • Anders als Laubbäume, die im Herbst fast alles auf einmal abwerfen, verlieren Araukarien ihr Laub nach und nach. Ältere Nadeln vergilben und fallen schrittweise ab, und manchmal lösen sich sogar ganze untere Äste in einem Prozess namens Cladoptosis – fast so, als würde sich der Baum selbst zurückschneiden, um besser zu wachsen.
  • Junge Bäume eignen sich drinnen wunderbar als “lebende Weihnachtsbäume”. Allerdings wachsen sie so schnell, dass sie in ein paar Jahren schon zu groß fürs Wohnzimmer sein können.
  • Vögel wie Tauben bauen ihre Nester in den Ästen und machen diese exotischen Bäume mitten in der Stadt zu kleinen Rückzugsorten für Wildtiere.

Ein genauerer Blick auf ihre Wurzeln

Als Teil der Nacktsamer vermehren sich Araukarien mit Zapfen statt mit Blüten – ein Merkmal, das sie mit Kiefern und Zypressen teilen. Auf Zypern bevorzugen sie gut durchlässige Böden und volle Sonne. Auch unsere salzhaltigen Küstenwinde vertragen sie besser als viele einheimische Arten. Botanisch helfen ihre schuppenförmigen Blätter dabei, Wasser zu sparen – eine kluge Anpassung, die noch aus ihren gondwanischen Ursprüngen stammt, wo sich das Klima über Erdzeitalter hinweg stark veränderte.

www.inaturalist.org

Standhaft im Zypern von heute

In einer Zeit, die von Klimaproblemen und zunehmender Urbanisierung geprägt ist, spenden Araukarien in Parks und Gärten willkommenen Schatten und dienen als Windschutz. So helfen sie ganz natürlich dabei, unsere Städte zu kühlen. In der modernen Landschaftsgestaltung passen sie gut als pflegeleichte, immergrüne Bäume und stehen zugleich für die Mischung weltweiter Einflüsse, die Zypern ausmacht – gerade in einer Zeit, in der Naturschutzprojekte auf widerstandsfähiges Grün setzen, um der Wüstenbildung entgegenzuwirken.

Begegnung mit den Uralten

Araukarien lassen sich in öffentlichen Anlagen wie den Stadtgärten von Limassol oder entlang von Alleen in Paphos und Nikosia entdecken. Unter ihren etagenförmig angeordneten Ästen zu gehen, fühlt sich an wie ein Schritt in einen stillen Hain aus der Urzeit. Das spitze Laub raschelt sanft, und an klaren Tagen wirken ihre symmetrischen Silhouetten vor dem blauen Himmel ruhig und fast meditativ – ideal für einen Familienausflug oder einen stillen Moment für sich.

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Echos aus den uralten Wäldern der Erde

Obwohl sie von fernen Pazifikinseln nach Zypern kamen, sind Araukarien heute ein geschätzter Teil der Landschaft der Insel. Sie erinnern uns an die tiefe Geschichte unseres Planeten und an die Rolle Zyperns als Schnittstelle der Natur. Wer diese empfindlichen Überlebenden bewusst wahrnimmt, verbindet sich mit einer größeren Geschichte von Beständigkeit und Anpassung – und bereichert zugleich das grüne Erbe Zyperns um leise Spuren aus einer Zeit, als noch Giganten die Erde durchstreiften.

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