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Die Burg Buffavento liegt 960 Meter über dem Meeresspiegel im Kyreniagebirge auf Zypern. Die mittelalterliche Festung ist die höchstgelegene und am wenigsten erhaltene der drei byzantinischen Wehranlagen entlang der Bergkette. Ihr Name stammt aus dem Italienischen und bedeutet „Trotzerin der Winde“ – treffend für eine Burg, die auf dieser Höhe ständig den Bergwinden ausgesetzt ist.

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Sie liegt zwischen der Burg St. Hilarion im Westen und der Burg Kantara im Osten und bildet mit ihnen eine Verteidigungslinie über das Kyreniagebirge. Die drei Burgen sind jeweils voneinander sichtbar und konnten so Signale und Warnungen weitergeben. Buffavento bewachte den Gebirgspass von Kythrea zur Nordküste und kontrollierte damit die Bewegung zwischen Küstenebene und Inselinnerem.

Der Standort bietet Rundumblicke. Nach Norden über das Mittelmeer ist an klaren Tagen die türkische Küste in etwa 65 Kilometern Entfernung zu sehen. Im Süden breitet sich die Mesaoria-Ebene bis nach Nikosia aus. Bei außergewöhnlicher Sicht erscheinen Famagusta im Osten und das Troodos-Gebirge im Süden. Vom Felsgipfel aus überblickt die Burg fast die halbe Insel.

Steile Felswände machen die Anlage von Natur aus wehrhaft. Nord-, Ost- und Westseite fallen schroff ab, nur von Süden ist ein Zugang möglich.

Geschichtlicher Hintergrund

Das genaue Baujahr ist unbekannt, doch die meisten Historiker datieren die Entstehung in das 11. oder 12. Jahrhundert zur byzantinischen Zeit. Ursprünglich dürfte es ein Wachturm gewesen sein, der vor arabischen Überfällen schützen sollte, die Zypern vom 7. bis ins 10. Jahrhundert bedrohten. Die Lage erlaubte es, nahende Schiffe früh zu erkennen und das Landesinnere zu warnen.

Zur Entstehung kursieren mehrere Theorien. Manche vermuten einen Bau um 965, nach der Vertreibung der Araber von Zypern. Andere datieren auf 1091 während des Aufstands des Rhapsomates oder in die Amtszeit von Eumathios Philokales (1091–1094). Eine weitere Theorie sieht den frühen 12. Jahrhundert als Bauzeit, als Schutz vor den expandierenden Kreuzfahrerstaaten. Mittelbyzantinische Baumerkmale sprechen für ein spätes 11. oder frühes 12. Jahrhundert.

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Die Einbindung in das Signalnetz mit St. Hilarion und Kantara deutet darauf hin, dass alle drei Burgen Teil eines abgestimmten Verteidigungsprogramms waren. Dies dürfte eingesetzt haben, nachdem die Seldschuken ab dem späten 11. Jahrhundert byzantinische Gebiete in Kleinasien bedrohten und Zypern strategisch an Bedeutung gewann.

Richard Löwenherz

Erstmals taucht Buffavento 1191 in den Quellen auf, als Richard Löwenherz Zypern dem byzantinischen Herrscher Isaak Komnenos abnahm. Demnach floh Isaak Komnenos nach der Landung von Richards Truppen nach Buffavento. Die starke Befestigung erschwerte die Eroberung, doch nach dem Fall von Kantara und St. Hilarion ergaben sich die Verteidiger. Isaaks Tochter wurde kurzzeitig auf der Burg festgehalten, bevor Isaak weiter nach Kantara floh, wo er schließlich gefasst wurde.

Richard gelangte eher zufällig auf dem Weg zum Dritten Kreuzzug nach Zypern. Als sein Schiff vor Limassol ankerte, plünderte Isaak Komnenos englische Schiffe und misshandelte Richards Begleiter. Richard eroberte daraufhin die Insel. Später verkaufte er Zypern an die Tempelritter, die in Nikosia jedoch einen schweren Aufstand auslösten und die Insel bereits 1192 an Guido von Lusignan weiterveräußerten.

Mittelalterliche Bezeichnungen

Im Mittelalter war die Burg unter mehreren Namen bekannt. Chroniken nennen sie „Burg des Löwen“ oder „Chateau du Lion“. Einer Legende nach ließ eine zypriotische Adlige die Burg 1191 als Zuflucht vor den Tempelrittern errichten – daher die Bezeichnungen „Leonne“ oder „Königinnenburg“.

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Ein weiterer Name lautet „Die Hundertundein Häuser“ und knüpft an die Sage von 101 Räumen an. Demnach ließen sich 100 Räume leicht finden, der 101. blieb verborgen. Dieser soll in einen verzauberten Garten mit dem Schatz einer Feenkönigin geführt haben. Wer ihn fand, entdeckte Reichtümer, wachte jedoch Jahre später mit leeren Händen zwischen kahlen Felsen auf. Der Legende nach öffnete sich die Tür alle 40 Jahre an einem besonderen Tag, an dem Wünsche in Erfüllung gingen.

Der italienische Name Buffavento könnte von einem Kloster im nahen Dorf Koutzoventi übernommen worden sein. Er beschreibt treffend die beständigen Winde auf dem ungeschützten Gipfel.

Geschichten aus dem Kerker

Mehrere belegte Fälle zeigen die Nutzung der Burg als Gefängnis. 1308 wurde ein Ritter namens Anseau de Brie in Buffavento inhaftiert, als er von den Anklagen gegen die Tempelritter während ihres Prozesses erfuhr. Die Abgeschiedenheit und die harten Bedingungen machten die Haft besonders schwer.

Am tragischsten ist die Geschichte von Giovanni Visconti, einem Freund König Peters I. Während Peter I. auf Kreuzzug war, warnte Visconti ihn vor angeblicher Untreue der Königin Eleonore von Aragón. Der König glaubte ihm nicht und ließ Visconti wegen Verleumdung verhaften. Nach Folter und Haft in der Burg Kyrenia brachte man ihn nach Buffavento, sperrte ihn ohne Nahrung ein und ließ ihn verhungern.

1384 versuchte Baron Pierre de Montalif zu fliehen. Mit provisorischer Ausrüstung kletterte er durch die Bäume den Berg hinab. Obwohl er die gefährliche Route meisterte, wurde er von königlichen Wachen gestellt und später hingerichtet. Seine waghalsige Flucht wurde zur lokalen Legende.

Aufbau der Burg Buffavento

Buffavento gliedert sich in zwei Hauptbereiche. Die Unterburg ist nach Süden zur Mesaoria-Ebene ausgerichtet und umfasst das Torhaus, mehrere unregelmäßig geformte Räume, eine große Zisterne und Stallungen. Das Eingangstor ist weitgehend erhalten und bietet beim Aufstieg den ersten Schatten. Rote Ziegelbögen zeigen byzantinische Bautechnik. In einigen Räumen liegen Zisternen unter dem Boden, teils mit Wasser.

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Die Oberburg liegt meerwärts und nimmt auf dem felsigen Gipfel ein kleineres Areal ein. Hier gab es eine Kapelle, doch ist heute schwer zu erkennen, welches Gebäude diese Funktion hatte. Die Räume auf der höchsten Ebene sind größtenteils dachlos, es stehen nur noch Mauern und Fundamente.

Die unregelmäßigen Grundrisse ergeben sich aus dem knappen Platz auf dem Gipfel. Gebaut wurde entlang der natürlichen Felsformationen, wodurch Kammern entstanden, die sich dem Terrain anpassten. Verwendet wurden behauener Kalkstein von der Küste und Gestein aus dem Berg selbst. Schmuck fehlt völlig – die Architektur ist rein zweckmäßig-militärisch.

An Nebengebäuden gab es nur das Nötigste. Eine große Zisterne sammelte Regenwasser über in den Fels geschlagene Rinnen und Kanäle. In den Ställen standen Pferde für Wachen und Boten. Dass es weder richtige Küchen noch umfangreiche Vorratsräume gab, zeigt: Die Burg war nicht für lange Belagerungen oder große Dauergarnisonen ausgelegt.

Zugang und Anspruch

Vom Parkplatz bis zum Gipfel sind es rund 600 Stufen. Je nach Kondition und Fotopausen braucht man 30 bis 40 Minuten. Der Weg wurde im 20. Jahrhundert verbessert, als man Steinstufen ersetzte, die die Venezianer zerstört hatten. Dennoch ist der Aufstieg stellenweise steil.

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Betonstufen und angelegte Wege führen bis zum Haupttor. Danach wird es anspruchsvoller: unebene, über Jahrhunderte glattgetretene Steinstufen. Durch die exponierte Lage weht oft kräftiger Wind, besonders weiter oben. Robustes Schuhwerk und Wasser sind Pflicht, vor allem im Sommer, wenn der blanke Fels Hitze abstrahlt.

Schon von der Straße aus ist die Burg zu sehen und wirkt doch immer wieder fern. Die kurvige Zufahrt lässt sie zwischen Felsvorsprüngen auftauchen und verschwinden. Vom Parkplatz aus thront sie sichtbar auf dem Gipfel – der erste Eindruck lässt den Aufstieg schwieriger erscheinen, als er tatsächlich ist.

Heutige Anfahrt zur Burg Buffavento

Die Zufahrt erfolgt über eine Abzweigung der Hauptstraße Kyrenia–Famagusta am Pass Pentadaktylos, kurz hinter dem Buffavento Restaurant. Eine schmale, einspurige Straße mit Ausweichstellen führt 6,8 Kilometer an den Südhängen entlang bis zum Parkplatz. Der erste Abschnitt ist teils holprig und erfordert umsichtiges Fahren. Die Strecke verläuft durch ein Militärgebiet, Hinweisschilder verbieten das Verlassen der markierten Route.

Alternativ kann man über das Dorf Vouno anfahren; die Straßen sind dort jedoch noch rauer. Die direkte Route von Nikosia über Koutsoventis und das Kloster Agios Ioannis Chrysostomos führt durch ein Militärlager und ist für die Öffentlichkeit gesperrt.

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Am Parkplatz erinnert ein Gedenkstein an einen Flugzeugabsturz der Turkish Airlines im Jahr 1988. Die Maschine, die bei Nebel den illegalen Flughafen Ercan anflog, schaffte es nicht über den Kamm und stürzte nahe der Burg ab; alle Insassen kamen ums Leben. Eine Marmortafel in mehreren Sprachen gedenkt der Opfer. Daneben wächst ein einzelner Olivenbaum in einem steinernen Pflanzbeet.

Die Öffnungszeiten sind begrenzt und können sich wegen militärischer Auflagen ändern. In der Regel ist werktags von 8:00 bis 15:30 Uhr geöffnet; an Wochenenden und Feiertagen kann geschlossen sein. Der Eintritt ist frei. Vor der Anreise sollten die aktuellen Zugangsbedingungen geprüft werden, besonders in Zeiten erhöhter Sicherheitslage.

Aussichten und Lage der Burg Buffavento

Die 360-Grad-Aussicht vom Gipfel belohnt den Aufstieg. Nach Norden überblickt man die gesamte Küste von Kyrenia und das Mittelmeer. Die Stadt Kyrenia ist mit ihrem markanten Hafen gut zu erkennen. An klaren Tagen zeichnen sich die Taurusberge in der Türkei als blaue Linie am Horizont ab.

Im Süden erstreckt sich die Mesaoria-Ebene bis nach Nikosia, dessen Silhouette in der Ferne sichtbar ist. Im Osten liegen Famagusta und die Halbinsel Karpasia, die sich Richtung Syrien streckt. Im Westen thront die Burg St. Hilarion auf ihrem eigenen Berg. Im Winter sind die fernen Gipfel des Troodos-Gebirges im Südwesten gelegentlich schneebedeckt.

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Am Berghang wachsen widerstandsfähige Pflanzen, die sich an Fels und Höhe angepasst haben. Im Frühjahr blühen Wildblumen in Mulden, in denen sich Feuchtigkeit sammelt. An den unteren Hängen weiden Ziegen zwischen den Büschen. In der Luft kreisen Greifvögel.

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