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Lapithos liegt an der Nordküste Zyperns am Fuß des Kyrenia-Gebirges. Einst lieferten hier Zitronenhaine jährlich 11 Millionen Früchte, und byzantinische Kostbarkeiten, die während arabischer Überfälle vergraben worden waren, tauchten Jahrhunderte später in Museen rund um den Globus auf. Die Siedlung besteht seit über 5.000 Jahren und trug im Laufe der Zeit mindestens vier unterschiedliche Namen.

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Lapithos zählt zu den ältesten durchgehend bewohnten Orten Zyperns. Die heutige Stadt zieht sich an den Hängen des Pentadaktylos-Gebirges entlang, unweit der Stelle, an der einst das antike Stadtkönigreich lag.

Die Küstenruinen drei Kilometer nördlich heißen Lambousa, so wurde der Ort in römischer und byzantinischer Zeit genannt. Antike Autoren wie Strabon kannten ihn als Lapethos. Der Philosoph Alexander von Ephesos nannte ihn Imeroessa, also anziehend und leidenschaftserweckend. Assyrische Inschriften um 700 v. Chr. erwähnen ihn als Sillu. Jeder dieser Namen spiegelt eine eigene Epoche der langen Ortsgeschichte wider.

Historischer Überblick

Die früheste Siedlung von Lapithos stammt aus der Jungstein- oder Kupfersteinzeit und liegt westlich des heutigen Ortes an einem Platz namens Alonia ton Plakon. Keramikfunde und Töpferscheiben belegen eine Besiedlung bereits um 3000 v. Chr. Entdeckt wurden Fundamente aus Stein, Feuerstellen und drei in den Fels gehauene Bothroi, doch Überschwemmungen und spätere Feldbewirtschaftung haben große Teile der frühen Anlage zerstört.

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Nach griechischer Überlieferung gründeten spartanische Kolonisten unter Praxandros die Stadt nach dem Trojanischen Krieg um 1000 v. Chr. Eine weitere Legende schreibt die Gründung den achäischen Brüdern Praxandros und Kephalos zu. Auch wenn solche Mythen politischen Zwecken der Griechen dienten, spiegeln sie doch die Ankunft griechischer Siedler, die Lapithos zu einem der neun alten Königreiche Zyperns machten.

Um 800 v. Chr. übernahmen die Phönizier die Kontrolle und machten den Ort zu einem wichtigen Handelszentrum. In dieser Zeit prägte Lapithos eigene Münzen. Stücke aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. nennen Herrscher mit phönizischen Namen, darunter DMWNKS der Erste, ṢDQMLK und DMWNKS der Zweite. Die ersten beiden zeigten auf ihren Münzen den Kopf der Athena, die beiden letzteren Athena stehend und Herakles. Diese Mischung aus phönizischer Verwaltung und griechischer Bildsprache macht Lapithos zu einem aufschlussreichen Beispiel kultureller Verflechtung.

Der letzte unabhängige König war Praxippos, der sich im Krieg gegen Ptolemaios I. auf die Seite des Antigonos stellte. Nach dessen Niederlage unterwarf Ptolemaios 312 v. Chr. Lapithos. Die Stadt geriet unter ptolemäisch-ägyptische Herrschaft und verlor ihre Unabhängigkeit.

Reichtum aus Metall und Seehandel

In der Bronzezeit gehörte Lapithos zu den wenigen Küstensiedlungen Zyperns. Chemische Analysen von mehr als 400 Objekten aus früh- und mittelbronzezeitlichen Gräbern, die 1913 ausgegraben wurden, zeigen umfangreiche Importe von Zinnbronze sowie fertigen Metallwaren und Schmuck aus Fayence, Blei, Silber und Gold.

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Lapithos war ein bedeutender Verbraucher von Metall und vermutlich auch ein Produktionszentrum, das in internationale Handelsnetze im östlichen Mittelmeer eingebunden war.

Schon in der Antike entwickelte sich der Ort zu einem Zentrum für Kupferverarbeitung und Töpferwaren. Die Lage verband Ressourcen aus den Bergen mit den Seehandelsrouten. In der frühchristlichen Epoche von 25 v. Chr. bis 250 n. Chr. erlebte Lapithos dank reicher Ernten, seines Hafens und seiner Werft einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung.

Die berühmten byzantinischen Schätze

Zwei getrennte Hortfunde mit byzantinischem Silber aus Lambousa zählen zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen Zyperns. Vermutlich wurden sie 653 bis 654 n. Chr. im Angesicht herannahender arabischer Angreifer vergraben. Die Bewohner versteckten ihre Wertsachen, statt sie den Eindringlingen zu überlassen.

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Der Erste Zypern-Schatz wurde Ende der 1890er Jahre nahe dem Kloster Acheiropoietos zufällig entdeckt, als Dorfbewohner Ruinen als Steinbruch nutzten. Zum Fund gehörten liturgische Silbergeräte, darunter ein sechseckiges Weihrauchgefäß mit Stempel aus der Regierungszeit von Kaiser Phokas (602-610), eine Silberschale mit dem Büstenbild eines Militärheiligen aus der Zeit von Konstans II. (641-651), eine Patene und 24 Silberlöffel. Der gesamte Hort gelangte in den Besitz des französischen Adligen Maurice de Talleyrand-Périgord, der ihn 1899 an das British Museum verkaufte.

Der Zweite Zypern-Schatz kam im Frühsommer 1902 bei zwei Funden nahe dem Dorf Karavas ans Licht. Er bestand überwiegend aus profanen Silberplatten und Goldschmuck. Herausragend sind neun Silberplatten mit Szenen aus dem Leben Davids, die sogenannten David-Platten. Kontrollstempel datieren sie in die Regierungszeit von Kaiser Herakleios zwischen 613 und 630.

Ein Großteil des Zweiten Zypern-Schatzes wurde aus Zypern herausgeschmuggelt und im Ausland verkauft. Heute sind die Stücke auf das Metropolitan Museum of Art in New York, das Zypern-Museum in Nikosia, Museen in Washington und London sowie private Sammlungen verteilt. Diese Funde zählen zu den schönsten Beispielen frühbyzantinischer Kunst und geben seltene Einblicke in den Reichtum und die künstlerische Qualität des Lambousa des 7. Jahrhunderts.

Zitronenhauptstadt Zyperns

Lapithos wurde auf ganz Zypern für seine Zitronen berühmt. Fruchtbare Böden und reichlich Wasser sorgten für ideale Bedingungen. Die lokale Sorte Lemonia Lapithiotiki brachte jährlich 11 bis 12 Millionen Früchte hervor – die höchste Produktion der Insel. Im Frühling lag der Duft der Blüten in der Luft, und die Gärten prägten mit ihrem Grün das Landschaftsbild.

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Neben Zitronen gediehen in der Ebene von Lapithos wasserliebende Pflanzen wie Pistazien und Kolokas in Hülle und Fülle. An den Hängen wuchsen Olivenbäume, und die Johannesbrotbäume lieferten das sogenannte schwarze Gold, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Berühmt wurde der Ort auch für Handwerk: Stickereien auf Leinen im Kreuzstich, Truhen aus Walnussholz und Messer mit Griffen aus Ziegenhorn.

Wissenswertes über Lapithos

Die Gemeinde Lapithos wurde 1878 von den Briten als eine von zehn neuen Gemeinden gegründet, nachdem sie die Verwaltung Zyperns übernommen hatten. Ihr Wappen zeigt eine gehörnte Athena und verweist damit auf eine in Lapithos gefundene antike Münze.

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Vor 1974 war der Ort verwaltungsmäßig in sechs Pfarrbezirke geteilt. Jeder Bezirk besaß eine eigene zivile und kirchliche Verwaltung, einen Rat, einen griechisch-orthodoxen Priester und einen Friedhof. Die oberen Pfarren Agia Anastasia und Agia Paraskevi wurden gemeinsam als Pano Enories bezeichnet.

John Myres grub 1913 im Auftrag des Zypern-Museums Gräber bei Lapithos Vrysi tou Barba aus. Er stieg 12 Meter den Akropolis-Hügel hinab, um die Ruinen zu untersuchen. Sein Feldtagebuch, lange Zeit verschollen, wurde später wiederentdeckt und erwies sich als äußerst hilfreich für die Rekonstruktion von Grabplänen und Fundzusammenstellungen. Zwischen 1991 und 1994 richtete eine deutsche Gruppe gemeinsam mit der Abteilung für Altertümer und Museen das Gräberfeld östlich der antiken Stadt als für Besucher zugängliches Freilichtmuseum her.

An der Küste bei Lambousa sind noch antike, in den Fels gehauene Fischbecken aus römischer Zeit zu sehen. Ein Kanalsystem tauschte warmes, verschmutztes Wasser gegen kühles, sauberes aus und hielt so die Fänge frisch. Es handelt sich um das älteste bekannte Beispiel dieser Fangtechnik.

Patriarch Gregor II. von Konstantinopel wurde in Lapithos geboren – ein Hinweis auf die Bedeutung des Ortes als Heimat bedeutender Kirchenführer.

Was heute zu sehen ist

Die heutige Stadt Lapithos steht seit 1974 unter türkisch-zyprischer Verwaltung. Zu den Küstenruinen des antiken Lambousa zählen Stadtmauern, in den Fels gehauene Steingräber, die Kirche des Heiligen Evlalios aus dem 6. Jahrhundert, das Kloster Acheiropoietos mit Bauten vom 6. bis zum 16. Jahrhundert sowie die Fels-Fischbecken. Vieles wurde im Lauf der Jahrhunderte durch Grabräuber und Steinbrüche beschädigt.

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Die sichtbaren Bauten in Lambousa zeigen mehrere Bauphasen. Die Kirche des Heiligen Evlalios entstand auf den Resten einer frühchristlichen Kirche. Vier Säulen des Vorgängerbaus sind in die mittleren Bögen integriert, eine trägt ein eingraviertes byzantinisches Kreuz. Ausgrabungen legten drei verschiedene Mosaikschichten frei – aus dem 6., dem 11. sowie dem 14. bis 15. Jahrhundert -, was wiederholte Erneuerungen belegt.

Die Stätte ist bis heute nicht vollständig ausgegraben. Wesentliche Teile des archäologischen Befunds liegen noch verborgen und ungeschützt. Die politische Lage seit 1974 hat die Forschung geographisch verschoben: Der Süden und Südwesten Zyperns steht stärker im Fokus. Viele sind überzeugt, dass ein großer Teil des Reichtums von Lambousa noch im Boden ruht.

Warum Lapithos für Zypern wichtig ist

Lapithos bietet einen nahezu lückenlosen archäologischen Befund vom Neolithikum bis in die byzantinische Zeit. Nur wenige Orte auf Zypern verfügen über eine derart tiefe stratigraphische Abfolge kontinuierlicher Besiedlung über Jahrtausende. Die Rolle als metallurgisches Zentrum der Bronzezeit und die Einbindung in mediterrane Handelsnetze zeigen, wie früh Zypern Teil größerer Wirtschaftsräume war.

Die phönizische Verwaltung eines griechischen Stadtkönigreichs macht Lapithos einzigartig. Die Kombination aus phönizischen Herrschernamen, griechischer kultureller Identität und Münzen mit griechischen Götterbildern bei phönizischen Inschriften veranschaulicht das Zusammenleben und die Durchmischung von Kulturen im alten Zypern. Die institutionelle Kontinuität vom Klassischen Zeitalter über die hellenistische Zeit unter den Ptolemäern zeigt zudem die Widerstandskraft lokaler Strukturen.

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